Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-29 · 18 (29.4.1892) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
18 (29.4.1892)
Date
1892-04-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020900-3020918--01332-3025366
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr 18 Vrsterrrktzifchr Wochenschrift Sette 317 Wien. (V e r g a n i's Lügen haben kurze Beine.) Herr Vergant brachte bekanntlich einen Jubelartikel mit fetten Lettern: „Der Dynamitarde R anach o l ein I u d e" — was, wie wir bereits gemeldet haben, vom Petersburger „Herold" vom 29. März (10. April) als schamlose Lüge gebrandmarkt wurde. Zur Ergänzung wird nun gemeldet: „R a v a ch o Großvater und der Urgroßvater- Haben, wie der „Eclair" einem holländischen chronistischen Werke entnimmt, einer berüchtigten Räuberbande angehört und erlitten den Tod mn G a l g e n." Ravachol ist somit ein arischer Stammes- und Glaubensgenosse des Herrn Vergant. Wien. Eine Festschrift „eines Gemeinen" zur Radetzky-Fei er verdient in der Festschrist-Literatur anläßlich der Feier des Helden und Soldatenvaters Radetzky besonders erwähnt zu werden. Der Verfasser, Hen Moritz Placzek, gegenwärtig in der bescheidenen Stellung eines k. k. Mancheinnehmers in Pohrlitz (Mähren), .schildert in einfacher, aber gewinnender Weise seine Soldaten-Laufbahn, in welcher die ans den Marschall Radetzky bezughabenden Episoden von packendem Interesse sind. Wien. (V e r l o b u n g.) Herr- Ad. Bruck n er, Gesellschafter der Firma Josef Bruckner und Söhne, verlobte sich mit Fräulein Bella Grün, Tochter des Groß-Industriellen Carl Grün. Der Chemiker Herr Dr. Adolph F. Zolles hat sich mit Fräulein Rosa Geiringer verlobt. Wien. Der bekannte Afrikareisende Dr. Eduard Glaser hat vom Sultan in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste um die Erforschung der arabischen Halbinsel die Commandeurclasse (.3. Classe) des Medschidje-Ordens erhalten. Jedlersee. (Eine m a n n h a ft e Er kl ä ru n g.) Tie „Oesterreichische V o lksz e i tun g" veröffentlicht nachstehende Erklärung: In der Nummer 1173 vom 9. April brachte das „Deutsche Volksblatt" eine in seiner sattsam bekannten Art abgesaßte Notiz, die Ausnahme eines Juden Namens Heller in den Gemeindeverband von Jedlersee betreffend, und motivirte dieselbe mit dem Umstands, daß eben auch Jedlersee seinen „eisernen" Bürgermeister habe. Demgegenüber erlaube ich mir zu erwidern, das; selbst der „eisernste" Bürgermeister allein nicht im Stande wäre, irgend einem Mitbürger, gleichviel ob er nun Christ oder Jude sei, das Zuständigkeitsrecht zu ertheilen, sondern daß hiezu die Beschlußfassung der Gemeindevertretung erforderlich ist. Diese letztere ist nun in Jedlersee glücklicherweise aus vernünftigen und vorurtheilslosen Männern zusammengesetzt, denen in erster Linie die Ehrlichkeit und Anständigkeit eines Menschen, nicht aber seine Consession als maßgebend für die Beurtheilung gilt. Herr Heller lebt seit mehr als 15 Jahren in unserer Gemeinde und hat sich durch seine streng rechtliche Lebensführung die Achtung und Sympathie all derjenigen zu erwerben gewußt, welche Gelegenheit hatten, mit ihm zu verkehren. Daß aber die Jedlerseer Gemeindevertretung nicht in das „Hepp-Hepp"-Geschrei einstimmt, zeugt eben nur von ihrer Intelligenz, die man allerdings bei Zwisten Maulhelden vergebens suchen müßte. Franz He r z e r. Hanseigenthümer christlicher Consession in Jedlersee Nr. 61. Klosterneuburg. Bei der vor Kurzem in Tulln stattgefundenen Wahl des provisorischen Cultusvorstandes der zu constituirenden Cnltusgemeinde für den politischen Bezirk Tulln, wurden: Herr Weinberg er, Weingroßhändler in Klosterneuburg, zum Cultusgenieindevorsteher, Herr Jur. Dr. Heinrich Bloch, Advocat in Tulln zu dessen Stellvertreter und Herr Jakob Erber, Hausbesitzer in Klosterneuburg, Herr Ignaz Sonnenschein, Mühlenbesitzer in Klosterneuburg und Herr phil. Dr. S. Kronberger, Heilanstaltsbesitzer in Tulln, als Vorstandsmitglieder mit bedeutender Majorität gewählt. Neudörfl. Samstag am 23. d. M. feierte Herr A. Gelles mit seiner Gattin A l o i s i a im Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit, aus welchem Anlasse der Familie zahlreiche Beweise der Sympathie zugekommen sind. Troppau, 24. April. Am 21. d. M. hat hier die Bezirksschulrathswahl stattgefunden, bei welcher die Antisemiten eine schmähliche Niederlage erlitten haben. Auch nicht einen ihrer Candidaten vermochten sie bei der ersten Wahl durchzubringen. Erst bei der engeren Wahl, in welcher 2 Antisemiten sich gegenüberstanden, und bei welcher die liberale Partei der Abstimmung sich enthielt, brachten ste einen Candidaten mit 76 Stimmen durch, während die liberalen Candidaten durchwegs mit 460 bis 480 Stimmen gewählt wurden. Diesen Erfolgs haben wir dem sich erst vor Kurzem hier constiiuirten „Deutschfortschrittlichen Verein" zu verdanken, von dem noch viel Gutes zu erwarten ist! Tachau. Am 14. d. M. hielt der Tächauer Frauenverein „Talmud Thora" die alljährliche Generalversammlung ab. Dieser Wohlthätigkeitsverein, den der hiesige Herr Rabbiner im Jahre 1855 gründete, erfreut sich der besonderen Auszeichnung, daß Ihre k. k. Majestät die Kaiserin das Protectorat gnädigst entgegenznnehmen geruhten. Als Ehrenmitglieder zählt derselbe Ihre k. Hoheiten die Frauen Erzherzoginnen Marie Valerie und Stephanie sowie auch die durchlauchtigste Frau Fürstin Mathilde Carl v. Windischgrätz und Frau Fürstin Gabriele zu Windischgrätz. Zweck dieses herrlichen Vereines ist: I. Die Talmud Thora-Schule hier zu subventioniren. 2. Ortsarme kräftig zu unterstützen. 3. Krankenpflege. 4. Für das Seelenheil der verstorbenen Mitglieder das Kubisch zu verrichten, ein Seelenlicht am Jahrzeitstag in der Synagoge anzuzünden auch bei MaSkir-Neschemoth das unabänderliche Gebet. Bei den freiwilligen Anträgen hat der Herr Rabbiner den 'Antrag gestellt, die Generalversammlung wolle beschließen, für die fromme, gottseelige Frau Baroniu Bettina v. Rothschild den Jahrzeitstag feierlich zu begehen. Dieser Antrag wurde einstimmig zum Beschluß erhoben^ in das BereinSbuch eingetragen und der Herr Rabbiner mit der Function betraut. Budapest. (Ein ch r i st l i ch e r Geistlicher bei einem jüdischen Leichenbegängnisse.) Die Bewohner der Stadt B a r o s-H i d w e g lvaren kürzlich Zeugen eines Actes seltener und wirklich echt christlicher Duldsamkeit. In dem Orte starb die in allgemeinem Ansehen stehende Kaufmannswitwe Johanna S ch w a r z e n b e r g. Da der in der Nachbargemeinde wohnende jüdische Rabbi verhindert war, bei dem Begräbnisse derselben zu erscheinen, hielt der resormirte Geistliche E m e r i ch B a k 6 der Verblichenen eine ergreifende Nachrede. Görz. April. Der König und die Königin von Italien haben an die Familie des Senators I. P. Maurogünato (vergl. die vorige Nummer der „Oesterr. Wochenschr.) Beileidschreiben gerichtet Ebenso haben die Minister, die höchsten Behörden in Venedig, Senatoren und Deputirte condolirt. Die Leiche wurde nach Venedig überführt und am 8. April mit allen Ehren bestattet. Maurogönato war ein frommer Israelit. Man sah ihn oft in einen Tallis gehüllt im Tempel. Am Versöhnungstage versah er ein Ehrenamt in der Leontinischen Synagoge zu Venedig. Breslau. Anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums unseres hochverehrten Rabbiners, Herrn Dr. Rosenthal fand am 21. d. M. im Saale der Gesellschaft der Freunde ein Festmahl statt, an welchem circa 250 Mitglieder unserer Gemeinde, die Vorstände beider Culten, die Hörer des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, die hiesigen und mehrere auswärtige Rabbiner, wie die Herren Dr. Kapfstein-Beuthen. wo der Jubilar 20 Jahre lang als Rabbiner gewirkt, Dr. Goldschmidt-Königshütte u. A. theilnahmen. Die Reihe der geistvollen Reden und Toaste eröffnete der Stadtverordneten-Borsteher Justizrath Freund mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser Wilhelm II., in das die Festversammlung begeistert einstinunte. Als weitere Redner, denen der Jubilar, das friedliche Einvernehmen der beiden Richtungen in der Gemeinde betonend, in bewegten und geistvollen Worten dankte, schlossen sich Dr. Lion, (auf den Jubilar), Sanitätsrath Richter (auf die Familie des Jubilars), Dr. Gutmann (für den Verband deutscher Rabbiner). Dr. Kopsstein-Beuthen (auf Vorsteher und Repräsentanten), Dr. Goldschmidt Königshütte und Dr. Badt (Jubilar), eanä. theol. Freund (im Namen der Hörer des Seminars), Dr. Knoller (auf die Theilnehmer des Fest-Comites) und cand. theoJ- Finkler, letzterer mit einer Dichtung in hebräischer Sprache, an- Auch die Festlieder der Herren Ad. Freyhan, Carl Biberfeld, Dr. Harpen, Commissionsrath Moll, Hermann Karger und des Festcomites, erfreuten sich, gemeinschaftlich gesungen, des lebhaftesten Beifalles der Festversammlung. — Ein besonderer Genuß wurde uns durch einige, während der Tafel gebotene Gesangsvorträge unseres beliebten hiesigen (streng rituell lebenden) Operntenors Cerini bereitet, der sich auch der ihm angeborenen Ausführung des Tischgebetes nach aufgehobener Tafel in würdevollster und ansprechendster Weise entledigte und durch reiche Beifallsspenden ausgezeichnet wurde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.