Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 18 (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette.°16 Vrstrrrrichifchr Worhrnschrist. Nr. 18 eben einf'.ch die Wahrheit." Darauf entgcgnete Völker: „Ach was, Wahrheit, komme mir nicht immer mit Deiner Wahrheit, Juden gegenüber braucht m a n's nicht g. nau zu nehmen." Greifzublieb aber darauf steh'n, daß er nur die Wahrheit, und nichtals die Wahrheit sagen würde. Einige Tage nach dem Vorfälle im Laden machte Völker nochmals den Versuch, Greiszu in seiner Aussage umzustimmen, indem er Letzteren kurz vor den: Termin in Mittelsdorf auffuchte und nochmals obiges Ansinnen stellte. Greifzu ließ sich indessen nicht beirren, sagte in Schweinfurt vor dem dortigen Civilgerichte die Wahrheit und — Völker verlor den Prozeß. Da sein Verhalten bekannt wurde, stand er nun gestern wegen Verleitung zum Meineide vor der Strafkammer. Der Belastungszeuge Greifzu schilderte mit aller Bestimmtheit den Vorfall, wie oben angegeben. Die Entlastungszeugen, die Töchter des Angeklagten, stehen in ihren Aussagen ini Widerspruch mit denen ihres Vaters, beider Zeugniß ist aber auch unter sich widersprechend. Der Gerichtshof lehnte es trotz des ausdrücklichen Wunsches des Vaters ab, die Töchter ° den Zeugeneid leisten zu lassen. Ein vierter Zeuge, der Gensdarm Bittorf von Kaltennordheim hatte unter anderem bekundet, daß die a llgenteilte Stimmug über Völker als Wucherer keine gute sei. Die Staatsanwaltschaft hält die Klage in vollem Umfang aufrecht und beantragt eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre. Der Gerichtshof erkannte auf 1 Jahr- Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Freystadt in Niederschlesien. Hier hat den antisemtischen Wandesprediger Dr. Hentschel kürzlich ein großes Mißgeschick betroffen. Nach Beendigung seines Vortrages nahm die Versammlung eine Resolution an. in der es u. A. heißt: Die Versammlung erblickt in der antisemitischen Agitation nur den Versuch. die Unzufriedenheit der großen Masten über die heutigen mißlichen wirthschastlichen Verhältnisse auf die kleine Zahl unserer jüdischen Mitbürger abzuleiten und dieselben unberechtigtem Haste, ungerechter Verfolgung auszusetzen; sie erkennt in dem Äntiseoiitismus eine rückläusige Erscheinung in unserem Cultur-. und Geistesleben; einen Faustschlag gegen allen Fortschritt und alle Bildung; eine Schmach unseres Jahrhmtderts. Da es in der Versammlung, der auch eine größere Anzahl Socialdemokraten beiwohnten, etwas lebhaft zugegangen, hat das dortige Kreisblatt den unmaßgeblichen Rath gegeben, daß künftig Niemand bei diesen Borträgen erscheine, „dann würden sie ja doch ungehalten und demnach ungehört bleiben." Die „Kreuzzeitung" meint, es mache einen im höchsten Grade widerwärtigen Eindruck, ein von der Regierung subventionirtes Kreisblatt Hand in Hand mit Juden und Socialdemokraten gegen eine Bewegung wühlen zu sehen, die sich das hohe Ziel einer sittlichen Wiedergeburt der Natton gestellt hat." „Sittliche Wiedergeburt" vermittelst eines Schlammbades — nicht übel! London. Wie Gladstone in einem offenen Schreiben an das Blatt „Darkest Russia" seiner üefen Entrüstung über die Judenverfolgungen in Rußland beredten Ausdruck verliehen hat, so ist nunmehr auch Sir William Harcourt diesem Beispiele gefolgt. Das Schreiben Harcourts lautet: So wie Gladstone, kann auch ich nicht umhin, mein tiefftes Bedauern und meine Verurtheilung über die Behandlung der Juden in Rußland auszudrücken. Wir in England können gar nicht verstehen, aus welchen Gründen man daselbst eine Natton verfolgt, welche überall durch ihren Fleiß, ihre Intelligenz und ihr musterhaftes Benehmen sich auszeichnet. Wir haben in England eine lange Erfahrung bezüglich eines Volksstammes, der gegenwärttg alle Bürgerrechte in vollstem Maße genießt, und man darf gettost behaupten, daß kein Theil der Bevölkerung sich würdiger der Rechte zeigt, welche sie jetzt besitzen. Das Vorurthell gegen die Juden (welches zu meinem Bedauern nicht blos in Rußland, sondern auch anderswärts vorherrscht) wird durch unsere Erfahrung, die wir von ihnen in allen Elasten unserer Gesellschaft besitzen, vollständig widerlegt; wir finden in ihnen gute Freunde, gute Mitbürger und gute Unterthanen. Alle Beschränkungen und Grausamkeiten, denen die Juden ausgesetzt sind, erscheinen nicht blos als ein sociales Verbrechen, sondern auch als ein politischer Fehler. E^nstantiuopel. 0. M (Erinnerungsfeier der spaniolischen Juden in der Türkei.) Unser Eorrespondent schreibt uns aus Constantinopel, 19. April: Die in der Tntckei ansäßigen spaniolischen Juden haben kürzlich den vierhundertjährigen Erinnerungstag ihrer Vertteibung aus Spanien und ihrer gastlichen Aufnahme in dem ottomanischen Reiche gefeiert. Es bildete sich zu diesem Zwecke ein Comite, welches sich mit sämmtlichen Glaubensgenossen im Auslande in Verbindung setzte, um aus diesem Anlaste dem jetzt regierenden Sultan in würdiger Weise ihre Dankbarkeit für die religiöse Toleranz, welche den Juden in seinem Reiche stets entgegengebracht wurde, zu bezeigen. Es war unter Anderem beabsichtigt, dem Sultan einen kostbaren Ehrensäbel, reich mit Diamanten und Edelsteinen besetzt, als Geschenk darzubringen. Ferner wurden die Vertreter der Jüdengemeinden im Auslande ersucht, an dem Erinnerungstage bei den respectiven ottomanischen Vertretern vorznsprechen und ihnen gegenüber den Dank ihrer Glaubensgenossen zum Ausdrucke zu bringen. Zu seinem bbhaften Bedauern mußte jedoch das vorbereitende Comite von allen diesen Veranstaltungen anläßlich dieser Gelegenheit Abstand nehmen. Sultan Abdul Hamid drückte seine Befriedigung über die geplanten loyalen Kundgebungen aus und versicherte die Juden auch für die Zukunft seiner Theilnahme und seines Schutzes,' stellte aber das Ansuchen, den Gedenktag ganz still zu feiern. Es kann nicht bezweifelt werden, daß dieser Wunsch des Sultans aus seinem obersten Regierungsprincipe hervorging, mit allen Staaten im besten Einvernehmen zu bleiben, und aus der Besorgniß, daß eine derartige großartige Kundgebung der in seinem Reiche gastlich aufgenommenen Juden in Rußland Verstimmung Hervorrufen könnte. Aus diesem Grunde mußte sich die in Constantinopel und in den Provinzen der Türkei lebende Judenschaft darauf beschränken, den Festtag nur in ihren Synagogen zu feiern, aus welchem Anlässe für diese Gelegenheit verfaßte Gebete gesprochen wurden. An dem Gottesdienste in Constantinopel nahmen alle Würdenträger, welche dem jüdischen Glauben angehören, theil, wie z. B. der amerikanische Gesandte bei der Pforte, Herr Solomon Hirsch, Moises Effendi, erster Dragoman des türkischen Marine-Ministeriums, Daud Effendi vom Ministerium des Acußern u. A. Die in spanischer Sprache erscheinenden Journale der Juden gaben Festnummern heraus. VenmMes. Wien. (Vom Vorstande der israel. Cultusgemeinde in Wien.) Der provisorische Cultusgemeinde- Vorstand der israel. Cultusgemeinde Mistelbach hat mit 1. März 1892 seine Amtswirksamkeit begonnen; demgemäß ist diese Cultusgemeinde nach § 4 des Gesetzes vom 21. März 1890, R. -G.-Bl. Nr. 57 mit diesem Zeitpunkte als constituirt anzusehen. Hievon geschieht zufolge Erlasses der k. k. nö. Statthalterei vom 24. März 1892, Z. 13.666 die Verlautbarung. Wien. Drittes Berzeichniß der infolge des Aufrufes derFrau Dr. Grünfeld I., Sch oltenring 2 (Ferienaufenthalt betreffend) eingelangten Spenden: (Forsetzung.) Frau Anna Rosenberg von einigen Kindersreunden fl. 30, Frau Betty K. fl. 1, Frau Frieda Israel fl. 5, Sammlung der Frau Dr. Fialla: Frau Baronin Löwenstein fl. 20, Frau Baronin Katharine von Popper fl. 25, Frau Albertine von Gutmann fl. 5, Frau Rosa von Gutmann fl. 5, Frau Fanny Bogl- Weiffenfels fl. 5, Frau Julie Fialla fl. 10. Sammlung der Frau S. Brod: Frau M. Sonnenschein fl. 2, Frau S. Brod fl. 3, Frau Max Wackler fl. 2, Frau Wilh. Löw fl. 1, Frau Hugo Grünsfeld fl. 1, Frau David Fleischer fl. 1, Frau Jacob Mensch fl. 1 und Frau Josef Schiff fl. 1, Herr Salo Cohn fl. 100, Frau Leontine Kuhn fl. 5, Frau Jenny Salzer fl. 2, Frau Cäcilie Goldschmidt fl. 5, Frau S. Kary fl. 3, Frau Charlotte Löw-Beer fl. 2, Frau Julie Brecher fl. 5, Frau Regine Fürst fl. IO, Frau Regine Fleischer fl. 2, Herr Kammerrath Vogel fl. 10, Herr Alex. Blumenfeldt fl. 2, Frau Ernestine Meyersberg fl. 2, FrauDr. Gisela Hajek fl. 2, Frau Clara Berger fl. 20, Frau Oberrabbiner Dr. Jellinek fl. 5, Frau Professor Julie Politzer fl. 5, Frau Regine Kopstein fl. 5, Frau Prof. Lieben fl. 5, Frau Babette Straßer fl. 2, Frau Hildesheimer fl. 25, Herr S. Friedmann fl. 3, Herr Ritter fl. 1.— Sammlung der Frl. EmmaLandeis und Hermine Kohn: Frau Julie Weiß fl. 3, Frau N. Duschinsky fl. 1, Herr David Kohn fl. 1* Herr Arnold Landesberger fl. 1, Herr Sal. Gruber fl. —.50, Herr Michael Mohr fl. 1, Frau Charlotte Lustig fl. —-50, Herr Carl Flandra fl. 1, Herren S. Gewitsch und Söhne fl. 5, Frl. Regine Bernstein fl. —.50, Frl. Gisela Preis fl. —'50, Frl. Emma Steinhof fl. —'50, Modi Fanni Milhofer fl. 1, Bubi Otto Landeis fl. 1, Herr Heinrich Leitner fl. 1, Fron Malvine Landeis fl. 6, Frau Sofie Reichenfeld fl. 2, Frau Rosa Kohn fl. 2, Herr N. Sonnenfeld fl. 1, Herr Th. Sonnenfeld fl. 2, Herren C. und H. Hirsch fl. —'50, Frl. Melanie Winker fl. 2, Frau Mathilde Bernhart fl. 2, Frau M. Schnabl fl. 2, Chewra Kadischa (XV. Bezirk) fl. 10. Herr N. Neufeld fl. 3. Frau Dr. Elise Markovicz fl. 1» Frau Eleonore Justitz fl. 2, zusammen fl. 396, dazu die bereits ausgewiesenen fl. 609, zusammen fl. 1005. Berichtigung. In dem Ausweise von Nr. 16 soll es heißen statt Frau Jaques Ehrenzweig Frau Adolf Ehrenzweig fl. 5.