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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-29 · 18 (29.4.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
18 (29.4.1892)
Date
1892-04-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 VrSrrrrtchlkchr WortzrnschrM. Seile 315 Ferne Menschen hieher, um zu genesen, nicht aber für ihr schönes Geld offene Anstandsorte und etwa ein antisemitisches Hetzblatt zu finden. Baden, im April 1892. Max Constantin Herz. P rag. K . . . . (Antisemitischer Bajazzo.) Während im Reiche draußen die Conservativen, zwar in später, aber richtiger Erkenntniß, jede Gemeinschaft mit dem judenfeindlichen Gesindel entrüstet von sich weisen, gefallen sich hier in Prag mehrere liberales) Jungczechen darin, ihrem Programm diese, jeder Cultur hohnsprechende Tendenz beizufügen, und ist es recht komisch zu beobachten, mit welchen possirlichen Capriolen, einige dieser Herren sich bemühen, auf diesen antisemitischen Schandsäulen in die Höhe zu klettern. Zur Abwechslung nämlich unternahm wieder der berüchtigte Abgeordnete Schneider, nach Prag gestern eine „Geschäftsreise", nachher wohnte er der Sitzung des Stadtverordneten-Collegiums bei. Selbstverständlich war er Gegenstand der aufmerksamsten Beobachtung seitens der gleichgesinnten jungczechischen Stadtverordneten, zumal er im Saale jene zwei Photographien einer Talmudstelle coursiren ließ, welche er am 12. d. M., im niederösterreichischen Landtage zur allgemeinen Belustigung producirt hat, und deren Provenienz dieselbe ist, wie die seiner Stampiglien. Bon der Loggia aus beobachtete er siegesbewußt die Wirkung seines Heldenstückchens. Der judenfeindliche Handschuhmacher unv Stadtverordnete Bresnovsky, der schon lange nach den Lorbeeren ihres Gregoric geizt, hatte sich gerade zum Worte gemeldet und sagte, er habe „m i t Grauen" entdeckt, daß ein Referat auch deutsch verfaßt sei, und beantragte, daß in der Folge eine solche fürchterliche Unzukömmlichkeit entschieden zu unterbleiben habe. Daraufhin begab er sich, siegesbewußt zu seinem Freunde Schneider, begrüßte ihn mit deutschen Worten und deutschem Handschlag, begab sich mit selben in das Wirthshaus, wo zu Ehren des deutschen, gleichggesinnten Gastes ein Bankett stattdfand, wöbe deutsche Reden gehalten wurden, dann lagerten sich die anwesenden Jungczechen, nach deutscher Art auf die Bärenhaut und tranken immer noch eins. Trieft. (Andere Länder, andere Sitten.) Das in Triest erscheinende Journal „II Mattino" bringt in einer aus Transvaal (Südafrika) datirten Correspondenz folgenden Passus, dm wir wortgetreu übersetzen. „In der letzten Zeit kam es in der israelitischen Gemeinde in Johannesberg zu einer Trennung, heroorgerufen durch den Wunsch nach einem zweiten Tempel, da der erste sehr schöne der stark angewachsenen jüdischen Bevölkerung nicht mehr genügt, wohl auch durch den Antagonismus zwischen Orthodoxen und Progressisten. Einige einflußreiche Israeliten, geleitet von Herrn Morris, lösten sich von der alten Gemeinde los und beriefen aus Barberton den Reo. Wolfler als Rabbiner. Die hiesige Regierung gewährte der neuen Gemeinde auf deren Ansuchen unentgeltlich den Baugrund zu einem Tempel am Square gegenüber der reformirten holländischen Kirche und überließ unentgeltlich bis zur Herstellung des Tempels, der Gemeinde einen geräumigen Saal zur Abhaltung des Gottesdienstes." Hiezu bemerkt der Correspondent des „Mattino", daß, während im alten Europa der Racenhaß blüht, im barbarischen Afrika und unter den Boers, welche als Wilde verschrieen wurden, voll und frei dem Fortschritte und Liberalismus gehuldigt wird, welche Thatsache viele Europäer erröthen machen sollte. Budapest. Im Justizministerium tagt gegmwärtig eine Enquete über das Eherecht. Rach dem größtentheils bereits angenommenen Entwürfe wird es "in Ungarn eine ganz besondere Art von Civilehe geben. Die Priester aller Culte werden als Mandater des Staates, daher als Standesbeamte die Ehen ihrer Culte einsegnen. Rur für den Fall, als der betreffende Priester die Eheschließung verweigern sollte, erfolgt die Abschließung der Ehe vor den Civilstandes-Beamten. Der Unterschied im Glauben wird künftighin kein Hindernis bilden, die kirchliche Gerichtsbarkeit für Ehen, mithin auch das Recht der Ehescheidung wird den Civilbehörden übertragen. Die Ehescheidung soll das Eingehen einer neuen Ehe ermöglichen und schließt sich der Entwurf in dieser Beziehung dem protestantischen Eherecht an. Bezüglich der Ehehindernisse wird die canonische Auffassung beibehalten. Eine hochherzige Stiftung wurde von Herrn Anton Freystädter von Kövesgyür, einem der angesehensten Bürger der Hauptstadt, zu Gunsten eines in Budapest zu errichtenden jüdischen Gymnasiums gemacht. Das Capital' der Süftunz beträgt eine Million Gulden, das er im Unterrichtsministerium in der Weise deponirt hat, daß es sich dort während zehn Jahren unberührt verzinse; nach Ablauf dieser Zeit betragen die Zinsen circa fl. 500.000, die zur Errichtung des Gymnasiums verwendet werden sollen; das Capital wird der Familie des Stifters zurückgestellt. Wie das „N. Pol. Volksbl." erfährt, ist die Freystädter'sche Stiftung, von welcher in den letzten Tagen die Rede war, perfekt geworden. Herr v. Freyftädter ttug stch bereits, seit längerer Zeit mit dem Gedanken, eine Stiftung zu spezifisch jüdischen Zwecken zu machen. Anfangs rieth man chm, aus dem Kapital, welches er für die Stiftung bestimmen wolle, in der Leopoldstadt einen neuen israelitischen Tempel zu bauen, welcher den Namen „Freyftädter-Tempel" führen würde. Dieses lehnte Freystädter ab. Er gab sodann dem Wunsche Ausdruck, aus diesem Gelde auf seinen Gütern eine Anstalt für Ausbildung jüdischer Jünglinge zum Ackerbau und zur Landwirthschaft zu errichten. Es wurde chm jedoch plausibel gemacht, daß Persönlichkeiten aus der Hauptstadt nicht in der'Lage wären, die Verwaltung und Konttole einer solchen Stiftung zu übernehmen. So ist er nun von diesem Plane abgekommen und faßte den Entschluß, ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Er wollte jedoch mit der Errichtung einer größeren Stiftung seine Erben nicht verkürzen und deshalb ttaf er die Verfügung, daß zu dem bezeichneten Zweck eine Million Gulden in Weinzchent-Obligationen auf zehn Jahre deponirt werde. Von dieser Summe sollen die Zinsen und Zinseszinsen bis zu dem Zeitpunkte, in welchem sie die Höhe einer halben Million erreichen, kapitalisirt und dann zur Errichtung und Erhaltung eines Gymnasiums verwendet werden. Nachdem dieser Plan gefaßt war, begab sich Freystädter zu dem königlichen Notar Dr. Weinmann, der die Stiftungsurkunde sormulrrte. Hierauf ercheilte Freyftädter dem Großgrundbesitzer Bernhard Deutsch de Hatvan die Vollmacht, die Million bei der Oesterreichisch-Ungarischen Bank zu beheben. Gestern nun wurde die Million dem Kultus- und Unterrichtsminister Grafen Csüky übergeben. In der Sttftungsurkunve ist auch das Kuratorium ernannt. Dasselbe besteht aus dem jeweiligen Vorstand der Pester israelitischenReligionsgemeinde und einigen hervorragenden hauptstädtischen Persönlichkeitm, unter denen sich auch der Oberstaatsanwalt K o z m a, ein langjähjähriger Freund Freystädter's, befindet. Der Grund, weshalb die Million beim Minister deponirt wurde, scheint darin zu liegen, daß Freystädter hiemit die eventuelle Anfechtung dieser Verfügung nach seinem Tode erschweren wollte. Das zu errichtende Gymnasium wird keinen rein confessionellen Charakter tragen und werden in demselben auch Schüler anderer Konfession Aufnahme finden. Eisenach. 15. April. Bor ber Straflammer des hiesigen Landgerichts stand gestern der Müh lenbefitzer Ernst August B ö lker von Kaltennordheim angeklagt wegen Verleitung zum Meineid. Angeklagter hatte wegen eines Biehhandels mit dem Viehhändler S ch u st e r in Nordheim einen Prozeß vor dem Gerichte zu Schweinfurt. Der Maurer Greifzu in Mittelsdorf, der von dem Handel wußte, sollte in dieser Sache als Zeuge vernommen werden. Vor dem Termin ließ nun Völker den Greifzu in seinen Laden kommen, um ihn gewiffermaßen zu instruiren, was er aussagen sollte, damit er, Völker, den Prozeß gewinne. Da Greifzu sehr schwerhörig ist und man ihm in die Ohren schreien muß, wenn er die Rede hören soll, schloß Völker die Ladenthür und auch die Thür der Hausflur, damit kein Unbefugter von dem sehr lauten Gespräche etwas hören sollte. Völker fragte zuerst den Greifzu, was er aussagen wolle. Als dieser sich darüber äußerte, sagte Völker: „Das darfft Du nicht sagen, Du mußt so und so sagen." Da erwiderte Greifzu: J „Das kann ich nicht sagen, ich muß schwören: und da sage ich

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