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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-29 · 18 (29.4.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
18 (29.4.1892)
Date
1892-04-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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.. i n i n ..... i ki tum I Seite 314 * Orstrrreichifchr WochenfchrM. Nr. 18 hätte ein Jude zu sein, wie hätten da alle Juden für ihn büßen müssen. Er wäre als ihr Vorbild, als das Muster eines Juden stigmatisirt worden! da hätte man sofort im „Deutschen Volksblatt" lesen können: alle Juden sind Verschwender, Betrüger, die das ehrliche Geld — anderer zum Fenster hinauswerfeü. Alle Juden sind so hochmüthig und leichtsinnig, daß sie sich Extrazüge I. Clasie nach Ischl nehmm, und zu gleicher Zeit armen Kellnern die paar ersparten Gulden aus der Tasche locken. Nun, so gut hat es Herr Vergani nicht, daß er Frl. Maier und Herm Kendler augenblicklich als Juden hinstellen konnte, aber nur gemach. Wenn ein wenig Gras über die Geschichte gewachsen ist, wird das Schandblatt des Herrn Vergani das Taschenspielerstückchen zu Stande bringen und wird eines Tages alles das, was Rosa Maier und Herr Kendler gethan, als das Charakteristikon der Juden hinstellen. Wien. „Hans Jörgel von Gumpoldskirchen" vom 2. April erzähtt nachstehendes Geschichtchen: „Ein recht ^praktischer" Herr ist ein „geistlicher" Herr in einer auch als Sommerfrische vielbesuchten Ortschaft au der Südbrhn. — Der Herr hat nämlich neulich ein' Beaniten von einer angesehenen Wiener Versicherungs-Anstalt freundschaftlich beauftragt, i h m eine Lebens-Polizze in recht hohem Betrag zu besorgen. — Die Polizze kommt (nebst Quittung) und der Herr erklärt dem Beamten ruhig: seine Bezüge werden erst am I. März flüssig, der Beamte soll also e i n st w e i l e n den Betrag (circa 50 fl.) für ihn selber auslegen. — Der thut das auch richtig; natürlich nur im Vertrauen auf die bevorzugte Stellung des Versicherten, und heut' — sein diese 50 fl. weder auf gutem noch auf strengem Weg' von dem Versicherten hereinzukriegen; ebensowenig is aber die Polizze zuriickz'krieg'n, welche der „geistliche Herr" schnell gegen baare Münze versetzt hat'.-" Wenn ein Rabbiner irgendwo ein derartiges Betragen sich zu schulden kommen ließe — würde die antisemitische Hetzmeute dazu schweigen? Ja Bauer, das ist ganz was anderes! Wie»». Bekanntlich regnete es am Oster-Sonntage unaufhörlich, dabei war es auch ziemlich kalt, so daß an einem Ausfluge, oder wenigstens an einem Spaziergänge im Freien nicht zu denken war. Im Hause eines enragirten Anttsemiten erwartete Abends schon sehr ungeduldig die Famllie den Hausvater. Endlich kam er — aus dem Wirthshause nach Hause. Das Nachtmahl wurde aufgettagen, Mutter und Kinder ließen es sich gut schmecken; der Papa aber aß sehr wenig, redete aber dafür schr viel. Er schien das Wirthshausgespräch weiter zu führen. Selbstredend zog er über die Juden los, tischte zum x-tenmale das Märchen vom ritualen Morde auf rc. Endlich kam er auch auf das Wetter zu sprechen, und drückte seinen Unwillen in brutalen Worten namentüch darüber aus, daß es an den jüdischen Ostern so schön war, während es an den christlichen Ostern gerade so garstig ist. Darauf erwiderte der 12jährige Bub ganz ruhig: „Papa, unser Herrgott ist auch ein Juden." Wir können die Blasphämie aus preßgesetzlichen Gründen nicht vollständig wiedergeben. Ueber diese Bemerkung lachte alles hell auf, die Mama sprang von ihrem Sitze auf, umarmte und Lißte ihn und sprach: „Pepi, du bist ein Antisemtt aus echtem Schrott und Korn, du wirst es einst den Juden recht heiß machen, so wie es ihnen gebührt." Vater, Mutter und Geschwister jubelten also dem so hoffnungsvollen antisemitischen Sprößlinge zu. So werden die Kinder im elterlichen Hause präparirt. Und die Schule? Kann und darf die Schule in dieser Frage mit dem elterlichen Hause Hand in Hand gehen? Ist es nicht die Aufgabe der Neuschule einer solchen Strömung entgegenzutteteu, ist es nicht die Pflicht eines jeden Lehrers, der erziehend unterrichten soll, ostentativ zu zeigen, daß er keinen Unterschied kennt, und jedes Kind väterlich liebt. Die Wiener Lehrer, welche in so würdiger Weise die Co menius-Feier abgehalten, handeln gewiß nur im Sinne des Comenius, wenn sie die giftige Saat — die in dem zarten Herzen des Kindes beretts so tiefe Wurzel gefaßt — sorgfältig ausMet, den? die Kinder achten sehr auf das Wort des Lehrers, und ist ihnen dasselbe ein Gebot. Wie oft hören wir die Kinder sagen: „Das dürfen wir nicht thun, der Herr Lehrer hat's verboten!" Verdient nicht in den maßgebendsten Kreisen der Ausspruch eines Kindes: „Unser Herrgott ist auch ein Buben." die vollste Beachtung. P h. K u n. Kirchberg a. W. (N u r b e s ch e i d e n.) Dr. L u e g e r liebt die überraschenden Wendungen — fast ffätten wir gesagt: Verwandlungen. Er verblüfft oft die naiven Hörer durch die — Kühnheit seiner Behauptungen in einem solchen Maße, daß diese fast geneigt sind zu glauben: „Vielleicht gla-ubt der Mann doch selbst was er sagt. Aber die der Vergani möchte sagen „echt jüdische Arroganz", mit welcher Dr. Lueger neulich in Kirchberg den Bürgermeister abkanzelte^ weil dieser ihn und seine Genossen nicht feierlich empfangen, ist einfach unerklärlich. Wie kann man fordern, daß Jemand Gäste, die er nicht zu sich gebeten, mit Ehren und Auszeichnungen empfange? Ist es nicht genug, daß man die Herrn Antisemiten, die Keiner nach Kirchberg geladen, dort treiben ließ, was sie wollten, man sollte ihnen noch Triumphbogen errichten, weiß gekleidete Jungfrauen, Musikanten^ entgegenschicken? 9tuv bescheiden, das ist die Losung Luegers. Baden bei Wien. Unsere Curstadt rüstet sich bereits zum Empfange ihrer alten Gäste und erwartet wohl auch neue, denen die hiesigen vortrefflichen Thermen angezeigt sind. Baden, das in so anziehender Weise Stadt und Land in sich vereint und über eine malerisch-prachtvolle Umgebung verfügt, ist auch einer starken Frequenz werth. Seine Gäste sind der Hauptsache nach in drei Categorien einzutheilen: in die eigentlichen Curgäste, welche wegen der hiesigen, heilsamen, warmen Schwefel-Quellen hierherkommen, in die „Sommerstischler" und Villenbesitzer, welche die Vortheile des subalpinen Climas und der oberwähnten landschaftlichen Reize genießen, dann die „Ausflügler", die sonst an die Großstadt gebannt, ihre freie Zeit hier gerne zubringen, die Parkconcerte besuchen "und sich für eine ganze Woche der Arbeit mit frischer, reiner Luft erathmesi und stärken wollen. Das wäre alles recht schön. Auch ist die Einwohnerschaft Badens eine humane und gebildete, die es versteht, ein Weltpublicum würdig zu empfangen. Es ist auch anerkannt, daß Baden über vorzügliche Hotels, Caffees und Privatwohnhäuser verfügt, die nach jeder Richtung Comfort bieten; ein gutes städtisches Theater, eine reizend gelegene Arena, ein künstlerisch geschultes Cur-Orchester, ein monumental-schönes Curhaus für mancherlei Zerstreuung und Vergnügungen etc. besitzt. Umsomehr ist es zu bedauern, daß in einem solchen Curorte, der bestimmt ist, menschliche Gebrechenzu heilen, Schmerzen zu stillen, Erholung den Erschöpften zu bieten, in jüngster Zeit auch ein sogenanntes antisemitisches Blatt erscheint, ein Organ für jenen Schandfleck roher Unduldsamkeit, der sich auch hier ausbreiten will. Ein antisemitisches Organ gehört wohl nicht zu den ^Jndicationen" eines Cur- und Badeortes. Es erscheinen hier seit Jahren zwei Journale, die sich der allgemeinen Achtung erstellen, da ihre Tendenz eine menschenfreundliche ist und sie zudem mit allem Eifer die Interessen des Curortes sowohl, wie jene der Curgäste fördern helfen. — Diese würden also für die localen journalistischen Bedürfnisse ausreichen. Wenn nun schon ein neues Organ sich als „nbthig" erwies, so hätte dieses neuerscheinende „Blatt", das in der Local-Geschichte Badens sicher einen schmutzigen Platz einnimmt, einen würdigeren Gegenstand gefunden, als den abgetretenen, mißcreditirten, falliten Anttsemittsmus. Wie wenn sich z. B. das neue Blatt mit der „Anstandsortstage" in Baden gewissenhaft vertraut gemacht und auf die Uebelstände hingewiesen hätte, die sich aus den noch zum größten Theile hier bestehenden unhygienischen Anstandsorten ohne Wasserleitung und Verschluß ergeben? Dies wäre ein dankenswerthes Beginnen im Interesse des Curortes. Diese hygienischen Schäden wären zu beheben, da nachgewiesenermaßen offene Anstandsorte direct inficirend wirken und z. B. der P^pdns abdominalis durch derartige hygienische 'Sünden erzeugt und verbreitet werden kann. — Also nicht der Anttsemitismus gehört zu den Vorzügen eines Curortes, der einen Weltcurort repräsenttren will und darf, sondern dessen hygienische Einrichtungen. Darum kommen selbst aus weiter

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