Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 17 (22.4.1892)
- Date
- 1892-04-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020917--01313-3025346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
t Nr. 17 Vestrrreirtzisrhe Wochrnschrist. Sette 299 auf Beachtung erworben hat. Um die nöthigen noch fehlenden Turngeräthe anschaffen zu können und sich beim Wiener Publikum gesellschaftlich einzn fuhren, veranstaltet dieser Verein am Samstag, den 23. April in den Saal-Localitäten des Etablissements Bartsch in Floridsdorf, Angererstraße Nr. 18, ein Frnhlingskranzchen, bei welchem die Capelle des Infanterie-Regiments Nr. 69 (Capellmeister Kral) concertiren wird. Nachod. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Hirsch Goitein, hat sich mit Frl. Juli e Abeles, der Enkelin unseres früheren Rabbiners verlobt. Holleschau (Mähren). Am 13. d. M. starb hier im 51. Lebensjahre Herr Wilhelm Rasch und wurde am 15. zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verstorbene stand sowohl bei unserer Cnltusgemeinde, als auch bei der Stadtgemeinde und dem ganzen Bezirke, wegen seiner Biederkeit und seines makellosen ehrenhaften Charakters in anherordentlich hohem und gerechten Ansehen. Er bekleidete seit Decennien bis zu seinem Tode die höchsten Ehrenämter, die unsere Gemeinde zu vergeben hatte. Als Ortsschnlrath und Gemeinderath stand er auch mit der hohen Behörde in stetem Contacte und war bei derselben wegen seines unbeugsamen Gerechtigkeitssinnes und seiner Weisheit hochgeachtet. An dem solennen Leichenbegängnisse des leider seiner Familie und seiner Heiinathsgemeinde zu früh Entrissenen betheiligten sich nebst der ganzen Judenschaft Holleschau'S auch viele Fremde, welche eigens aus diesem Anlässe hi eh er kamen. Die Schuljugend war vollzählig unter Führung des Lehrkörpers zu dem Leichenbegängnisse ansgerückt. An dem Schul- und Gemeindehause wehte die schwarze Fahne zum Zeichen der Trauer um den Dahingeschiedenen. Unter den zahlreichen Trauergästen sah man sämmtlicbc Behörden und viele Honoratioren tinscrer Stadt vertreten, der k. k. Bcz'rkshauptmann und der k. k. Bezirksrichter mit den Beamten, der Bürgermeister, und der Gemeinderath der Stadt .Holleschau war korporativ erschienen, um diesem um seine Geineinde so hoch verdienten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Sein Andenken sei geehrt, es ivird in unserer dankbaren Wcmeinde nie verlöschen? R. Budapest. Anläßlich des bevorstehenden Krönnngsjubiläums hat Frau David Bischitz an die Gräfin Jnlins Sgast ary ein Schreiben gerichtet, worin sie die Idee anregt, die Präsidenten der wohlthätigeu Vereine des Landes zu einer Cmiferenz einzuberufen. wo die Modalitäten der Theilnahme dieser Vereine au dem Kröilungsjubitäum festgestellt werden sollen. Preßburg. Derzeit dürste es sich ztl Nutz und Frommen aller Schwachmuthigen wohl empfehlen, eine Affairc zu besprechen, welche vor nicht tanger Zeit die Gemüther weiter Bevölkerungskreise unserer alten Krönungsstadt in Aufregung versetzt hatte. Der hiesige, in allaemeiner Achtung stehende und als Arzt sehr beliebte Dr. Kaff o Witz, welcher durch 22 Jahre bei der Oesterreichisch - ungarischen Staatseiseilbahngesellschaft, wiederholt wegen seiner Berussthätigkeit belobt, die Stelle eines Eisenbahnarztes bekleidete und nach durch geführter Verstaatlichung auch als solcher bestätigt wurde, erhielt während der letzten Reichstagswahlen ganz unerwartet vom ungarischen Commnnications-Ministerium das Decret seiner Enthebung. Dr. Kassowitz wußte sich diesen Vorgang nicht zu erklären, und wenn er auch als vielbeschäftigter Arzt die Affaire nicht allzntragisch aufnahm, so berührte sie denselben dennoch peinlich, ohne jedoch sich toeiter mit der Sache zu befassen. Ganz gegentheilig war die Auffassung seiner vielen Freunde und Verehrer, die den Motiven der ganz und gar nicht gerechtfertigten Affronten mit allem Eifer nachzuforschen bemüht waren. Und da stellte es sich heraus, daß eine von bekannter Seite' ausgegangene Denunziation an die Regierung vorlag, demzufolge Dr. Kassowitz gegen den Regierungskandidaten, respective für den Kandidaten der Opposition agitirt habe. Daraufhin erging von einsiußreichsten Kreisen eine Vorstellung und energischer Protest gegen die Verdächtigung des Dr. Kassowitz, der nebenbei gesagt in Folge der seine Zeit völlig in Anspruch nehmenden ärztlichen Thätigkeit, sich nie mit Politik, vielweniger mit Wahlagitationen zu befassen in der Lage ist, an das Communications-Ministerium. welches, nachdem es sich von der Darstellung des Sachverhaltes Ueberzeugung geschafft hatte, das Amovirungs-Decret zurücknahm und Dr. Kassowitz zum Chefärzte des Preßburger Bahninspectoratsbezirkes beförderte, was in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung mit hoher Befriedigung ausgenommen worden ist. Mätöszalka. (Wahl.) Aus Mätöszalka wird uns geschrieben: Am 17. d. M. fand hier die Generalversammlung der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde statt und wurde der sich allgemeiner Achtung erfreuende Kaufmann Herr Adolf Keller mit großer Begeisterung zum Präsidenten der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde gewählt.? Lipto - Szt. Miklös. Unsere Gemeinde erfreut sich zwar gegenwärtig nach langen Parteikämpfen der Einheit und zwar als Congreßqemeinde; allein es gibt noch der Unzufriedenen genug, die scheel auf diese Richtung sehen, und bei jeder Neuwahl des Vorstandes ist die Befürchtung nahe, daß Männer einer anderen Richtung in denselben gelangen könnten, die den Kamps wieder anfachen ivürden. Bei der letzten in den jüngsten Halbfeiertagen stattgesundenen Generalversammlung gab der Präses, H rr Joses Kohn, dieser Befürchtung beredten Ansdruck. Er gab ein Bild der Parteien, widerlegte die pessimistische Ansicht, daß die Reform der Religion schade, der Geist des Jndenthums sei auch im Lager der Reformer, nufere Jugend bewahre die Liebe und Anhänglichkeit an dem Glauben der Väter, und so oft diesen eine Gefahr droht, da eilen die Männer mit den glänzendsten Namen in der Wissenschaft und Literatur oder in der socialen Stellung herbei und vertheidigen das Heiligthum. Und wenn es sich um eine große Action sür's Judenthum handelt, wie gegenwärtig bei der Frage der Reeeption der jüdischen Religion, so ist die ganze Intelligenz bereit für die Ehre unseres Glaubens einzustehen. Er forderte schließlich auf, nur solche Männer in den Vorstand zu wählen, die den Frieden wahren wollen. -Und in diesem Sinne fielen auch die Wahlen aus. Möge jede Ber bitterung schwinden und nicht nur die Einheit der Gemeinde nach Außen, sondern auch die Einigkeit nach Innen hergestellt kverden. Berlin. Die hiesige Judenschaft wird am Ende dieses Jahrhunderts ebenso wlistergiltig für jüdisches Leben sein, wie sie anr Anfänge dieses Jahrhunderts das schmähliche Beispiel zum Massenabfalle vom Judenthum gab. Wenn die Leitung der hiesigen isr. Bolksküche Hon symptomatisch für diese Wandlung ist, so war der Sederabend, wie er heuer in dieser Volksküche veranstaltet wurde, entscheidend siir dieselbe. Schon einige Tage vor Pessach wurde für das Fest gerüstet, wobei die Ebrendamen mit der Vorsteherin an der Spitze selbst Hand anlegten, ganz wie die alten frommen Frauen in Israel, denen die Rigorosität der Vorschriften dieser Fcier anvertraut wurde. Am Sederabende bot der mit Blumen reich geschmückte und hell erlenchtete Saal einen herrlichen Anblick. Es fanden sich 160 arme Gäste ein, die in dieser jüdisch patriarchalischen Atmosphäre sich angehcimelt fühlten und ihr Elend und ihre Heimlosigkeit vergaßen. Je zwei Gäste hatten eine Flasche Wem vor sich. Der Leiter der Anstalt gab den Seder ganz nach althergebrachter Sitte. Nach dem ersten Theke wurde eim reichliches Mahl aus mehreren Gängen servirt, und dann in gehobenster Stimmung die Lobgesänge und Lieder des zweiten Theils der Hagada vorgetragen. Ein Student aus Oesterreich sprach am Ende im Namen der zahlreich anwesenden Studenten und der anderen Gäste dem Vorstände den Dank für diesen von echt jüdischem Geiste getragenen Acte der Wohlthätigkeit aus. Herr Abraham lehnte die ihm dargebrachte Ovation bescheiden ab. Es seien v'ele gute Menschen, die ihn in seinem Wirken unterstützten, und »tröstete zum Schlüsse die Armen, es möge auch für sie bald die Stunde der Erlösung von ihren materiellen Sorgen schlagen. Feuilleton. Der alte Introligator oder Mendel s Mairbensbekenntruß Bon Maria Konopicka. Deirtsch von H. Löwenthal. (Alfred d'OlSzany.) Seil gestern herrscht eine seltsame Bewegung in dem Gäßchen» Der alte Mendel wundert sich dessen nicht wenig und stopft sich häufiger d'Nn sonst sein kurzes Pfeifchen, während er zum Fenster hinauslugt. Wohin ziehen diese Leute'? WeShckö schließen sie sich den Arbeitern mi, welche bei dem für Kaufmann Genlich aufgeführtcn Neubau beschäftigt sind? Was haben die zerlumpten, halbwüchsigen Burschen hier zu suchen? Woher mögen sie nur das Geld genommen haben, um in Doppelreihen in die Branntweinschänke zu marschiren? Der alte Mendel wackelt mit dem .tropfe, dabei auS feinem kurzen, gebogenen Weichselrohr graue Wolken in die Luft paffend — er kennt es gut dieses stille, winkelige Gäßchen, seine Bewegung, seine Stimme, seinen Pnlsschlag. Er weiß, hinter welchem Nachbarsdach zuerst die Sonne aufgehin wird, wie viele kleine Kinder da täglich in die Schule und ins Asylhaus vorübertrippeln, wie viele welke Mädchen, mit schwarzen Kopftücher!^ angethan. schwarze Blechbüchsen in der Hand, aus ihrem Weg zur Tabaksfabrik hier täglich vorüberkommen müssen, wie viele Weiber da mit ihren Einkaufstörben aus oem alten, abgetretenen Pflaster