Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 17 (22.4.1892)
- Date
- 1892-04-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 17 Orstrrrrichirhr Wochenschrift Seite 297 Anknüpfend an den Oster-Artikel der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung erklärt sich auch das conservative „Bromberger Tageblatt", indem es die vom „Ritualmord" fabelnde Kreuzzeitung entschieden verurtheilt, gegen den Antisemitismus und für die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden. Das „Bromberger Tageblatt" schreibt: So gut wie wir bezahlen die Juden ihre Steuern, verrichten ihre Kriegsdienste und erfüllen überhaupt ihre staatsbürgerlichen Pflichten; folglich müssen ihnen auch die Staatsbürgerrechte in vollem Umfange eingeräumt werden. Wir würden in russische Barbarei verfallen, wollten wir Pflichten verlangen, ohne Rechte zu geben. Den Juden den Zugang zu autoritativen Stellungen, etwa Staatsämtern, Lehrämtern, Richterposten, zu verschließen, wäre eine schreiende Ungerechtigkeit und ein vollkommener Widerspruch gegen allen besonnenen und gebildeten Conservativismus. Daß dieser Standpunkt nicht blos dem Liberalismus, sondern zugleich dem echten und vernünftigen Conservativismus eigen ist. hat uns der große Moltke, ein überzeugter Conservativer, in seinem literarischen Nachlasse erst kürzlich ins Gewissen gesprochen. Aus dem conservativen Reformprogramm ist also vor Allem die Judenfrage ruszuscheiden. Hamburg, 10 April. Bor kurzer Zeit versandten die antisemitischen Vereine an einen Theil der Reichstags-Abgeordneten ein Cirkular, worin sie die Aufmerksamkeit auf den Fall Paasch lenkten und die Erörterung desselben im Reichstage verlangten. Ein solches Cirkular erhielt auch der Abgeordnete Bebel als Vertreter des ersten Hamburger Wahlkreises durch den Vorsitzenden des hiesigen antisemitischen Wahlvereins, F. Raab, zugesandt, der darauf dem Letzteren folgende Antwort zukommen ließ: „Herrn F. Raab, Hamburg. Sie übersandten mir int Namen des antisemitischen Wahlvereins zu Hamburg ein Cirkular, worin Sie mich ausfordern, die Angelegenheit des Herrn C. Paasch im Reichstage zur Sprache zu bringen. Es fällt mir auf, daß eilt solches gedrucktes Cirkular von Ihren Gesinnungsgenossen an einen größeren Theil der Reichstagsmitglieder versandt wurde, obgleich die von Ihnen vertretene Richtung durch fünf Abgeordnete, und einschließlich des Herrn Stöcker durch sechs ihre Vertretung im Reichstage hat. Wenn nun diese Herren — denen es doch nicht an der nöthigen Unverfrorenheit fehlt — die von Ihnen gewünschte Angelegenheit bisher nicht zur Sprache brachten, was doch ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit als Vertreter Ihrer Partei gewesen wäre, so sollten Sie sich selbst sagen, daß in den Angaben des Herrn Carl Paasch gar Manches sein möchte, das ihre Erörterung erfolglos erscheinen läßt. Und das ist m der That der Fall. Ich hatte bisher von den auch mir zngesandten Büchern des He. rn Paasch keine Notiz genommen; erst auf Grund Ihres Cirkulärs habe ich dieselben einer Durchsicht unterzogen und habe dann allerdings gefunden, daß die Anschuldigungen des Herrn C. Paasch gegen den deutschen Gesandten in Peking auf Hallneinationen beruhen, welchem Umstand der Verfasser wohl allein zu verdanken hat, daß er nicht mit den Gerichten Bekanntschaft machte. Daß aber Ihre Partei das Machwerk eines geistig gestörten Menschen als politisches Fructifizirnngsmittel zu benutzen trachtet, ist ebenso kennzeichnend für die „christliche" Moral und Wahrheitsliebe, die ihr zu Grunde liegt, wie für die Bornirtheit, die in ihr herrscht. Ergebenst A. Bebel." Rom. (I s a acc o P e sa ro Mauro g o n a t o). Eine Trauerbotschaft dringt aus Rom, die die Nachricht von dem Tode einer der Besten dieses Landes bringt, der ein von glühetlden Patriotismus erfüllter Sohn Italiens und ein treuer Bekenner des Judenthums war. Jsaacco Pefaro Maurogon a t o, der am 5. April im Alter voit 70 Jahren starb, erfreute sich vermöge der Vorzüge seines Charakters und seiner glänzenden Begabung, der allgemeinen Verehrung, die auch darin ihren Ausdruck fand, daß er zweimal zum Vice-Präsidenten des italienischen Parlamentes gewählt wurde. Obwohl er Jude war, hatte er Gelegenheit, die Berufung in's Ministerium — abzulehnen. Er glaubte die Vorurtheilslosigkeit, die man in Italien den Juden gegenüber bethätigt, durch ein erhöhtes, Maß an Bescheidenheit und Zurückhaltung lohnen zu müssen. Maurogonato hat sich große Verdienste um sein Vaterland erworben, und er verdient es, daß sein Name daselbst stets in Ehren genannt wird. Seine Glaubensgenossen aber dürfen mit besonderem Stolz ihn als einen Mann preisen, der sich stets mit Freuden als Jtlde bekannte. «raila. Der am 18/30. Jänner d. I. zu Gunsten der Israelitisch-Rumänischen Schule „Fratii Abraham si David Schwarzmann“ veranstaltete Ball ergab ein Reinerträgniß von rund Francs 6000. Einige Details über diese Schule dürften auch weitere Kreise interessiren. Die Schule ist in einem Gebäude untergebracht, welches eigens für diesen Zweck gebaut und von den hochherzigen Brüdern Abraham und Dawid Schwarzmann gespendet wurde. Ungefähr 300 Kinder besuchen die Schule und erhalten in allen Elementarfächern gründlichen Unterricht. Außer dem Hebräischen und der rumänischen Landessprache wird auf den sorgfältigen Unterricht in der deutschen Sprache ganz besonders geachtet, und constatiren wir mit Vergnügen, daß die die Schule (welche ans 6 Claffen besteht) verlassenden Kinder, die deutsche und rumänische Sprache in Schrift urrd Wort beherrschen. Seit Beginn des laufenden Schuljahres wird auch Gesang unterrichtet ltnd wird im Sommer auch das Turnen eingeführt werden. Tie Schule wird von einem Comite. bestehend aus den Herren Dr. Ed. Silberstein, B. Weintraub, I. Thenen, S. Hailpern, G. Rosenzweig, A. Steinhart, I. Corbu, A. Sommer, L. Hailpern mit Herrn Mayer Wechsler an der Spitze, verwaltet und geleitet. Die jährlichen Ausgaben betragen circa 18000 Francs und werden gedeckt theils durch Schulgelder der bemittelten Schüler, (die Unbemitteilen zahlen Nichts) theils durch regelmäßige Beiträge der hiesigen Glaubensgenossen, theils durch das Erträgniß deS alljährlich im Carneval vom Comite veranstalteten Ballfestes. Das Comite wußte sich überdies vor einigen Jahren in den Besitz des diesigen, sogenannten „jüdischen Bades" zu setzen, welches eilt Erträgniß von Francs 3500 jährlich abwirst und so die Schullast mittragen Hilst. Dank der Rührigkeit und Tüchtigkeit obgeuannten Comites und der Opferwilligkeit der Gemeindegenoffen ist es bisher gelungen, das Budget der Schule zu bestreiten und auch noch einen Fond von circa 12.000 Francs zu sammeln.. Wie es aber in Ztckunft sein wird, da die Zahl der zum Unterricht sich drängenden Kinder immer größer, die Ausgaben immer bedeutender werden, zumal die meisten Einnahmen der Schule nur sehr precärer Natur sind lz. B. das Ballfest) das weiß Niemand und verursacht Allen, denen der Unterricht unserer Jugend am Herzen liegt, gar manche Sorge. Und dies um so mehr, da unseren Kindern der Eintritt in öffentliche Staatsschulen sehr erschwert wird. Bei alldem fanden sich dennoch Leute, welche in den letzten Jahren durch Gründung überflüssiger Vereine und durch sehr ungelegene Sammlungen die Opserfähigkeit unserer Glaubensgenossen zu sehr in Anspruch nahmen und dadurch einen großen Theil der Gaben, die der Schule zu Gute gekommen lvären, ganz überflüssigen Einrichtungen znführten. Hoffen wir, daß es uns auch ferner möglich sein wird, diese Anstalt zum Wohle Miller in Blüthe zu erhalten. VmniMes. Wien. Am 20 d. M. hat in der Villa des Frecheren Gustav v. Springer in Meidling die Trauung der jüngeren Tochter deS kürzlich so jäh vetstorbenen, allgemein geachteten k. k. Hofzahnarztes Dr. Rabatz mit dem Nachfolger des letzteren, Herrn Dr. Karo ly stattgesunden. So intim dieses Familienfest war und aus so kleinen Kreis es sich beschränkte, gab dasselbe doch Gelegenheit zur Kundgebung edelster Züge der Humanität und herzerquickender Liebe und Treue. Baron Springer hatte dem verstorbenen Doctor Rabatz zugesagt, die Borniundschaft für dessen jüngere Tochter zu übernehmen, und er bestätigte heute diese Zusage in liebevollster Weise, indem er seine Billa für die Vermählung des jungen Paares zur Verfügung stellte und die Festgäste mit einem feierlichen Mahle bewirthete. % Die Villa ist eilt Kabinetsftück landschaftlicher Architektur, von deren Terrasse aus man einen entzückenden Ausblick über die Umgebung Wiens genießt. Aber schöner und herzergreifender »