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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-22 · 17 (22.4.1892) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
17 (22.4.1892)
Date
1892-04-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Gäk 296 Kestrrreichische Wochrnschrtft. Nr. 17 Rothschilde, Bleichröder und die Mendelssohne. Strengt daher, Brüder und Glaubensgenossen, all eure Kräfte an, damit dieses Ziel, welches wir euch gesteckt haben, möglichst rasch erreicht werde." «Die ^UiLnee Israölite Universelle in Paris hat diesen Er laß, an welchem kein wahres Wort ist. bereits dreimal dementirt, zuerst in ihrem Monatsberichte für Juni 1689 und dann, nachdem er in etwas veränderter Form in der ruthänischen Zeitschrift Cerwouaja Rus und aus dieser in deutscher Uebersetzung in der Marburger Zeitung erschienen war, in ihrem Monatsbericht für September 1889. Auch in ihrem Jahresberichte pro 1889 hatte sie diese Tendenzlügen als solche bezeichnet. Lblch die „Oesterreichische Wochenschrift" hat im Laufe des Jahrganges 1889 und 1890 dieses „literarische Bubenstück" der internationalen Antisemitenbande festgenagelt. Der Geistliche und derzeitige Rector der Krakauer Universität, der bekannte Reichsraths-Abgeordnete Dr. Chotkowski, hat, wie aus dem Gebetbüchlein zu ersehen ist, dem fürstbischöflichen Confistorium empfohlen, dasselbe mit dem „Imprimatur" zu versehen, weil er es als Censor durchgelesen und darin nichts gefunden hätte, was der Lehre der heiligen römischen Kirche zuwiderliefe. Wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, Se. Eminenz Cardinal Dunajewsky werde, sobald er von dem wahren Sachverhalte Kenntniß erlangt, wohl finden, daß die Verbreitung von Tendenzlügen in einem Gebetbuche mit der Lehre und dem Ansehen der römischen Kirche nicht vereinbarlich sei, und die Weiterverbreitung untersagen." Troppa«, 16. April. Am 13. d. M. wurde eine sehr zahlreich besuchte Generalversammlung der hiesigen Cultusgemeinde abgehalten, in welcher über zwei äußerst wichtige Punkte berathen wurde .Ueber den ersten Punkt, „Tempelbau" wurde beschloffen, die sofortige Concurrenz-Ausschreibung wegen Tempelbau-Pläne, für welche ein Preis von fl. 600 bewilligt wurde! Unsere an dieser Stelle ausgesprochene Hoffnung, daß unter der Leitung des gegenwärtigen verdienstvollen Präses der Cultusgemeinde, des Herrn Dr. Sounenscheiu, der Tempelbau recht bald in Angriff genommen werden wird, hat nicht getäuscht! Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete ein Antrag auf Abänderung des § 97 der auf Grund des Gesetzes vom 21. März 1890 neu verfaßten Gemeinde-Statuten. Dieser § 97 lautet wie folgt: „Ueber Ansuchen von mindestens einem Viertel der beitragenden Mitglieder hat die Repräsentanz die Errichtung eines Privatbethauses zu bewilligen, welches der Aufsicht des Vorstandes untersteht" u. s. w. Gegen diesen Paragraph sträubten sich die hier wohnenden, der orthodoxen Partei angehö rigen Mitglieder. Denn der hier eingeführtc Gottesdienst entspricht ihren religiösen Anschauungen durchaus nicht, weshalb sie auch feft Einführung dieses Gottesdienstes sich ein Privatbethaus eingerichtet haben. Die Mitgliederzahl dieser orthodoxen Partei hier ist jedoch bei weitem nicht der vierte Theil der Gemeinde-Mitglieder, um nach § 97 die Bewilligung zu einenr Privatbethause beanspruchen zu können. Es wurde daher der Antrag eingebracht, der ß 97 möge dahin abgeändert werden: daß iiber Antrag von nur 2 5 Mitgliedern der Vorstand schon verpflichtet sei, ein Privatbethaus zu bewilligen." Dieser Antrag wurde von vielen Seiten, sehr energisch bekämpft! Und auch der Vorstand selbst konnte sich einiger Bedenken hierüber nicht entschlageu! Dennoch wurde dieser Antrag genehmigt — des Friedens willen! -— Denn durch diesen Beschluß ist der Friede in unserer Gemeinde für die Zukunft gesichert worden! Berlüt, am 16. April. Das Osterei, welches die „Rordd. Allg." mit ihrem Artikel gegen den demagogischen Antisemitismus den Conservativen bescheert hat, dürfte von diesen mit der äußersten Vorsicht genossen werden. Der Artikel ist ein neuerlicher, deutlicher, gewissermaßen mit dem Stempel des Reichskanzleramtes versehener Warnungsruf an die conservative Partei und er gilt nur dem Wohle, der schwer gefährdeten Erhaltung der conservativen Partei als solcher. Mehrfache Vorgänge innerhalb der preußischen Beamtenschaft, namentlich unter den jüngeren Gerichtsbeamten, haben den Beweis erbracht, daß seitens der Berliner Regierung der gehässige und demonstrative Antisemitismus unter dm Beamten durchaus nicht geduldet wird. Ebenso aber ist ein Einschreften von amtswegen gegen die Agitation selbst nimials erfolgt und der einzige Aet, welcher nachdrücklich einen Umschwung in dieser Hinsicht bekundete, die Entfernung Stöcker's vom Hosprediger-Amte, ist bereits lange vor sich gegangen. Umso wüthender geberden sich die officiellen antisemitischen Hetzorgane. Die Leipziger „N. Deutsche Zeitg.", das Organ des Herrn Liebermann von Sonnenbera, läßt sich aus Berlin von „hochgeschätzter" Seite schreiben: „Israel beginnt sich wieder mehr als je zu fühlen. In den Organen der Synagoge beginnt ein wahres Scherbengericht wider conservative christliche Minister, wider christliche hohe Beamte, die es verschmähen, sich mit teilt Boetticher-Miquel'schen Judengesindel irgendwie einzulassen. Neben dem Grasen Zedlitz ist es besonders der Polizei- Präsident von Berlin, Freiherr von Richthofen, der von der Mazzoth- Presse andauernd rastlos angefeindet wird. Weil derselbe sich weigert, in den Fußtapsen seines jüdischen Vorgängers Madai zu wandeln, weil er in patriotischer Einsicht sich nicht dazu hergibt, gegen die Gegner des ausbeutenden Judenthums Schergendienste zu leisten, weil er statt Fritz Hoefft den bewährten Comniissar Wolff nach Xanten entsandt und dadurch Buschoffs Ueberführung veranlaßt hat. kurz seines mannhaften, streng gerechten Auftretens wegen sieht er sich von dieser wüthigen Buschoff-Meute immer wieder frenetisch angebellt.... So sehr hat der stete Umgang mit ihrem Glaubensgenossen Miguel (alias Mickel, Miguel rc.) dieser Sippe den Koller in das semitische Blut getrieben. Wer kann wissen, ob der würdige ehemalige Kamerad der Hansemann, Strousberg, Landau, Prinsheim rc., der jetzt den Ministersessel drückt, nicht selbst Befehl zu dieser verwegenen Anreißerei ertheilt hat?... Aber was erlebt man heutzutage nicht-Alles geradeaus dem schlüpftigen Gebiete des Ministerumgangs?! General v. Caprivi correspondirt' nachweislich mit einem früheren Zuchthäusler. Herr Herrfurth empfängt t6te-ä-t6te hiesiger Federjuden, welche emphatisch eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung mit sich herumtragen. Herr v. Boetticher steigt fast noch eine Etage tiefer hinab, um sich in der Judenpresse die Anerkennung zu verschaffen, die ihm alle anständigen Journalisten principiell versagen ..... Und Herr Miguel benützt die berüchtigte «Frankfurter Zeitung" als Maultrommel, um darin hochehrenwerthc Beamte, die ihm im Lichte stehen, Herunterreißen zn lassen." So der „hochgeschätzte" Gewährsmann des Leipziger Blattes. In einem anderen Artikel heißt es: „Mit der Aera Helldorf wäre cs innerhalb der conservativen Partei ein für alle Mal zu Ende! Rnr Eingeweihte wissen, wie viel dieser „Führer" der guten Sache durch sein widerliches Streberthum geschadet hat. Darum besaß er auch stets in besonderem Maße das Wohlwollen der verjudeten liberalen Presse, die in ihm gewissermaßen den „Pfahl" im Fleische ihrer unversöhnlichsten Gegner erblickte. Ein Judensprosse, Herr von Flügge auf .... Speck, ist es auch gewesen, der sehr entschieden in der letzten Fractionssitzung für ihn eintrat und gar zu gern seine Schadkvshaltung durchgeietzt hätte . . Auch noch wo anders dürfte das Verschwinden dieses Kabbalisten, der gerne in allen Sätteln ritt, überaus heilsam wirken. Bekanntlich hat er im königlichen Schlosse seit Jahr und Tag eine recht zweifelhafte Rolle gespielt. Biele, vielleicht die meisten der dort verübten Schnitzer müssen ihm auf Rechnung gesetzt werden. Der Hofbericht pflegte seinen Empfang meistens wohlweislich zu verschweigen, damit seine politischen Freunde die Provenienz gewisser Theatercoups nicht erfuhren, deren heimlicher Urheber er gewesen war. In dieser Beziehung copirte er vielfach seinen würdigen Freund, den Geheimen Rath Kayser, jenes Jüdchen, das, um mich eines Bismarck'schen Ausdruckes zu bedienen, von Letzterem „von der Straße aufgelesen" worden. Kayser spielte — das kann unter Beweis gestellt werden — dort wider seinen weltberühmten Wohlthäter den Jscharioch .... Und Herr von Helldorf gefiel sich ebenfalls in der Rolle des Judas, indem er sich gleichzeitig dem Kaiser gegenüber als unumschränkter Gebieter seiner Fraktion ausspieltc. General v. Caprivi fand in ihm einen willigen Schildhaller .... Caprivi sollte, sich und dem Vaterlande zu Liebe, dem er 'durch seine primitive und widerspruchsreiche Politik so tiefe Wunden geschlagen hat, in — Karlsbad bleiben, ebenso wie sein Protege Kayser mit dem sauten „ay" in Afrika wohin er in Kürze seine hinkenden Schritte lenken wird. Es ist sehr nützlich, wenn solche Elemente auf Reisen geschickt werden. Rudolf Lindau, ein anderes Diplomatie-Jüdchen, befindet sich bereits auf dem Wege nach Galata, wohin ihn der Einfluß des Allerweltgauncrs „Baron von Hirsch" geschickt hat, um die ottomanische Schuldenvcrwaltung zu überwachen. Jetzt fehlt nur noch v. Holstein mit einigen Planeten zweiter Größe und der Augiasstall in der Wilhclmstraße.... begänne sich etwas zu säubern. Die Auskehr Helldorf's, Lindau's, Caprivi's (denn Letzterer steht mit einem Fuß im Grabe) berechtigt in der That zu den schönsten Hoffnungen. Dieser pöbelhafte Ton, der an die Leistungen der Most schen „Freiheit" erinnert, ist in der antisemitischen, insbesonder der Herrn Stöcker freundlich gesinnten deutschsozialen Presse gang und gäbe. Wir aber sagen mit dem alten Fritz: Und mit solchen — muß man sich herumschlagen!

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