Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 17 (22.4.1892)
- Date
- 1892-04-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Orstrrrrtchische Wochenschrift Leite 295 HorreMnäenren. Wien. (Zum arischen Blutaberglauben.) Das „Vaterland" beginnt eine Artikelreihe gegen die „Oesterreichische Wochenschrift" Nr. 55 vom Jahre 1888 und Nr. 34 vom Jahre 1891, welche über die Spuren des Blutaberglaubens der christlichen Völker einige Daten zusammengestellt haben. Das „Vaterland" ist natürlich darüber entrüstet, wenn auch die Entrüstung einigermaßen verspätet zum Ausdrucke gelangt. Da der uns vorliegende Artikel des „Vaterland" sich als Anfang einer Artikelserie ankündigt, so müssen wir mit unserer Erwiderung zunächst zurückhalten. Indessen eine Notiz, welche dermalen durch alle Zeitungen läuft, erlauben wir uns dem frommen Blatt und seinen „gelehrten" Artikelschreibern zur Würdigung zu empfehlen. In Semendria, unterhalb des Festungsthurmes an der Donau, wurde kürzlich, wie man der „N. Fr. Pr." berichtet, die Leiche des Artillerie-Korporals Jlia Konstantinovic gräßlich verstümmelt vorgefunden. Als Mörder bekannte sich der Artillerist Wasilie Radulovic; derselbe behauptet, er hätte dem Korporal auf dessen eigenen Wunsch den Hals abgeschnitten, hierauf der Leiche Herz und Leber entnommen und das Blut an einer bestimmten Stelle ausgedrückt, wo nach der Angabe des Getödteten ein großer Schatz und ein Elixir zu seiner Wiederbelebung sich finden sollte. Der serbische Kriegsminister hat die strengste Untersuchung des mysteriösen Vorfalles angeordnet. Hätte man es hier zufällig mit Juden zu thnn, welche Veitstänze hätte nicht bereits der internationale Antisemitismus über dies Geschehnis ausgeführt? In der That, der Blntaberglaube ist bei den arischen Völkern heute noch so lebendig wie zur Zeit des Heidenthums. Wien. Eine c o u r a g i r t e A u t i s e m i t i n. Das „Deutsche Bolksblatt" hat wieder eine sensationelle Gerichtsverhandlung , welche den antisemitischen Gesinnungsgenossen peinliche Enthüllungen brachte, einfach todtgeschwiegen. Das ist wohl ein Beweis für die großartige Objectivität, deren sich diese öffentliche Kloake — genannt „Deutsches Bolksblatt" — bei jeder unpassenden Gelegenheit rühmt. Die Heldin der jüngsten sensationellen Gerichtsverhandlung, Frau Marie Kur and a, war eine echte Antisemitin, wie je eine im „Deutschen Volksblatt" als Muster und Vorbild gefeiert wurde. Sie fehlte bei keiner antisemitischen Versammlung, diein ihrem Bezirke stattfand; sie schrie begeistert „Bravo", wenn ein Redner so recht kräftig die Schlechtigkeit, die Unsittlichkeit der Juden und Jüdinnen ins rechte Licht setzte. Sie selbst hatte wiederholt als antisemitische Rednerin Triumphe gefeiert und es sollte ihr nicht vergessen werden, daß sie eines Tages auch einen mächtigen Lorbeerkranz dem großen Bolkstribnnen Dr. Lueger mit einer schönen Ansprache überreichte. Sie war eine ebenso hübsche als leidenschaftliche Agitatorin ftir die antisemitischen Candidaten, mit einem Worte, das Ideal einer — Antisemitin. Bor Gericht erschien die junge Dame allerdings nicht in ihrer Eigenschaft als Antisemitin, sondern blos, weil sie von ihrem antisemitischen Gatten des Ehebruchs angeklagt, gegen ihren Geliebten die Drohung ausgestoßen hatte, sie werde ihn erschießen, wenn er gegen sie aussagte. Und eine solche Verhandlung, die doch von Rechtswegen jeden echten Antisemiten und jede echte Antisemitin besonders interessiren müßte, verschweigt das „Deutsche Bolksblatt"? Schade. Herr Vergani hätte ja auch diese Gelegenheit so hübsch zur Hetze gegen die Juden ausnützen können. Frau Kuranda hatte, wie sich aus der Verhandlung ergab, ihren Geliebten einst auf der Straße mit den Worten angesprochen: „Ich finde Sie schön, Sie haben einen so orientalischen Typus." Eine Antisemitin, die den orientalischen Typus liebt! Man sieht also — so hätte Herr Vergani sagen können — die Orientalen sind an Allem schuld! ' Wien. („Meineid".) Meineid, das ist das Lieblingsthema der antisemitischen Bande, welches sie stets — gegen die Juden fructifizirt. Warum reproduzirlen die antisemitischen Organe aber nicht die höchst intereffante Meineids-Affaire, die derzeit in Vorarlberg die größte Aufregung erzeugt? Einer der reichsten Männer daselbst, der millionenreiche Stickereifabrikant Fenkart, wurde vor Kurzem wegen vollendeten Meineides und Verleitung zu selbem zu vier Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Warum die antisemitischen Blätter diesen sensationellen Fall nicht ftuctifizirten? Jos. H. Fenkart ist allezeit ein antisemitisch angehauchter Bertheidiger des Christenthums gewesen, der von Juden nie etwas wissen wollte, der ihre Geschäftsart für corrupt und unsittlich hielt. Einen solchen Prachtmenschen sollen antisemitische Organe wegen eines kleinen Meineides behelligen? Lächerlich! Einem Rohling, einem Stöcker — Fachmänner, was Eide betrifft — ist ein Fenkart noch' immer lieber als alle ehrenhaften Juden zusammen. Wie». (Die Freunde Ahlwardts in Wien.) Man erinnert sich, daß Vergani, Lueger u. s. w., dem Rector Ahlwardt, zu einer Zeit, wo sich die deutsche Antisemiten dieses Mannes schon gründlich zu schämen anfingen, in Wien die höchsten Ehren bewiesen. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit verleugnet Herr Vergani noch heute nicht, trotz der Gerichtsverhandlung, in welcher Ahlwardt der schmählichsten Lumpereien überwiesen wurde. Mit Pauken und Trompeten begrüßt das „Deutsche Bolksblatt" am 16. d. M. die jüngste Schmähschrift Ehren-Ahlwardts, welche gegen die Löwe'sche Gewehrfabrik gerichtet ist und die Löwe sofort damit beantwortete, daß er dieselbe dem Kriegsminister einsandte und selbst eine Untersuchung erbat. Herr Vergani braucht für die jüngste Heldenleistung Ahlwardt's so viel Raum, daß er dafür eine gleichfalls am 16. d. M. eingelangte, höchst intereffante Nachricht ganz ignorirt. Diese lautete: Berlin, 16. April. Der oldenburgische Pastor Müller, dessen beifpiellose Betrügereien so viel Aufsehen erregt, erhielt 14 Jahre Ehrverlust. Der Pastor hatte seit 1881 über eine Million unterschlagen, theils Depositen von Pfarreingesessenen, theils Kirchengelder. Wie schön könnte da Herr Vergani auch bei Besprechung dieses Falles declamiren: „Wiederum ist ein Schleier von der Corruption gerissen worden, die durch den jüdischen Geschäftsgeist großgezüchtet worden ist."er brauchte ja nur eine kleine Fälschung zu begehen und aus dem Pastor einen — Juden machen. Auf eine kleine Fälschung mehr oder weniger, kommt es dem „Deutschen Volksblatt" doch nicht an. Lemberg, 16. April. Ein literarisches Bubenstück des internationalen Antisemitisniusin einem Gebetbuch.) Dem „Freien Blatt" wird aus Lemberg berichtet: Von hochstehender Seite wurde ein Landtagsabgeordneter, welcher zugleich Mitglied der Repräsentanzder Lemberger jüdischen Cultusgemeinde ist, während der Landtagssession privatim darauf auftnerksam gemacht, daß ein mit dem „Imprimatur” des Fürstbischofs von Krakau, Cardinals Dunajewsky, versehenes Gebetbüchlein eine Tendenzlüge enthalte, welche geeignet ist, bei der Leichtgläubigkeit der unteren Volksschichten Galiziens Judenhaß zu säen und Unheil zu stiften. Das polnische Büchlein, für eine neuntägige Andacht bestimmt, führt demgemäß den dem Italienischen entlehnten Titel „Nowenna” und erschien schon 1890 in Krakau in der unter Leitung A. Szyjewski's stehenden Vereinsdruckerei. Während der neuntägigen Andacht soll Gottes Erbarmen für Polen angerufen werden. Ein für den neunten Tag bestimmtes Gebet betrifft fpeciell Galizien, und die Andächtigen sollen da zum Heiland beten, daß er sich ihrer erbarme, sie nicht verlasse und nicht in die Hände jener Feinde überliefere, welche auf ihr Verderben sinnen. Der Ueberschrift des dem neunten Andachtstage gewidmeten Abschnittes ist nun folgende Note beigegeben: „Die Zeitung „Germania" und nach derselben polnische Blätter veröffentlichten den neuesten Aufruf der Pariser „^Uianes Isra6üte", welcher im Jahre 1889 an alle jüdischen Gemeinden Galiziens verschickt wurde. Dieser Aufruf lautet: „Brüder und Glaubensgenossen! In der ganzen Welt gibt es gewiß keinen Erdenwinkel, der sich dazu, daß wir uns seiner bemächtigen und die ausschließliche Herrschaft daselbst erlangen, so gut eignen würde, wie gerade das Land Galizien! Dieses Land muß unser (jüdisches) Land sein — Alles begünstigt diesen Zweck! Bemüht euch daher, Brüder und Glaubensgenossen, bemüht euch mit allen Kräften, dieses Land ganz in eure Gewalt zu bringen, bemüht euch, die Christen endlich herauszudrängen aus all ihren Berufssphären, damit ihr die alleinigen, unbeschränkten Herren des Landes werdet! Bemüht euch, all das, was heute noch Jenen gehört, zu erhaschen und festzuhalten, und wenn ihr selbst dazu nicht die genügenden Geldmittel besitzt, so wird unser Verein euch so viel beschaffen, als nöthig sein wird. Die Sammlung von Gaben für diesen Zweck hat schon begonnen und schreitet über alles Erwarten günstig vor. Um den galizischen Boden den Händen der Galizier zu entreißen und in euren (jüdischen) ausschließlichen,. alleinigen Besitz zu übergeben, betheiligen sich die Reichen der ganzen Welt an Sammlungen. Es spendet Baron Hirsch, es spenden die