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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-15 · 16 (15.4.1892) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sale 284 Vrstrrretttztschr Wortzrnschrlfi. Nr. 16 erhalten blieb, wieder dieselbe Randeinfassung und Spuren einer Umschrift, die ein zackiges (Wein-) Blatt umrahmt. Tie Fundschichte, wo die Münze gefunden wurde, belveist dem Archeologen zur Genüge, daß dieselbe w e n i g st e n s fünfzehnhundert Jahre dort g e l e g e n i st. Immerhin bleibt noch immer unbeiviesen, ob es ein Jude war, der nur mit seiner heimatlichen Münze glaubte über den Stix zu kommen — oder ob ein römischer Bürger dem jüdischen Gelde (das, weiß Gott! auf welchem Wege in seinen Besitz gerietst) auch dort mehr Kaufkraft zumuthete. Immerhin ist die Erwähnung dieser altjüdischen Spuren in Ungarn erwähnenswert!). Wie«. (Internationale Ausstellung für Musik und Theaterwesen.) In der ersten Liste jener Persönlichkeiten, welche für den Garantiefond größere Beträge gezeichnet haben, findet man die Herren resp. Frauen: Baron Alben Rothschild und Baron Na th an iel Rothschild mit st. 5000, Wilhelm Ritter v. Guttmann mit fl. 3000, David Ritter v. Guttmann mit st. 2000, Baron Königswar ter, Baronin Wilhelmine v. Rothschild, Gebrüder Springer, Dr. Jaques, Arnold Mandl mit je fl. 1000, Rudolf v. Wiener-Welten mit 600 fl., Professor Ludwig Ma u t h n e r, Frau Rosa Hildesheimer, Herr und Frau Moritz Kuffner, Gebrüder v. Gomperz, Gebrüder v. Lieben, S. Ritter v. H a h n, Ignaz o. E p h r u s s i, Philipp Torsch, Generalconsul Nathan, Ritter v. Biedermann, Di-. Rappaport, Dr. C. v. Bo schon, H. Horwitz, Gustav Benda, C. Witg enstein, I. S. Bergheim, Josef Ritter v. Pfeiffer, I. Roth, David W eißw e iller, Emil Singer, S. Trebitsch und Sohn, Karl Neu feldt, I. Eißler und Söhne, C. Figdor mit je fl. 500. Wien, (Zur Statistik.) Am 1. Teeeinber 1890 zahlte Berlin 79.266 Juden. Nach dem endgiltigen Ergebniß der an diesem Tage stattgehabten Volkszählung betrug die Zahl der Juden im Königreich Preußen 372.058 unter einer Gesammtbevölken'ng von 29,955.281 Seelen und neben 19,230.375 Evangelischen, 10,252.807 Katholiken, 95 351 andern Christen und 4690 Personen anderen Bekenntnisses. Wie bei den Evangelischen, verminderte sich auch bei de r Juden seit 1685 der Antheil an der Gesammtbevölkerung, während er bei den Katholiken und den andern Christen stärker wurde. — In Hamburg wurden nach den soeben erschienenen kirchlichstatistischen Zusammenstellungen von Pastor G. Ritter daselbst in den 10 Jahren von 1881—1890 214 Juden in der lutherischen Landeskirche getauft. Der Herausgeber bemerkt zu dieser Zahl: „Und es sind außer ihnen doch nicht weniger in anderen kirchlichen Gemeinschaften getauft. Mag man auch über die zur Taufe treibenden Motive denken, wie man will: es ist doch eine kleine Hülfe zur schrittweisen Assimilirung einer fremdartigen Volkspersönlichkeit."— Durch die „orthodore" Mission in Rußland wurden in den Jahren 1870—87 84.163 Nichtchristen getauft. Die Mehrzahl der Uebertritte erfolgte von Heiden, nämlich 71.272. Die Zahl b'r getauften Muhamedaner betrug 4294, die der Juden 8597. Im Jahr 1888 wurden 3442 Heiden, 3113 Muhammedaner und 797 Juden in die russische Kirche ausgenommen. Gablonz a. d. Reiste. Aus dieser industriereichen, im äußersten Norden unserer Monarchie gelegenen Stadt wird uns unterm 10. d. M. geschrieben: Heute fand unter zahlreicher Bctheiligung der Bevölkerung die Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge statt. Dieselbe wird in bester Lage auf einem hoch situirten, weithin sichtbaren Platze nach den Plänen des Wiener Architekten, i^k. Baurathes Wilhelm Stiaßny erbaut. Das int maurischen Styl projectirte, für einen Faffungsraum von 500 Besuchern berechnete Gebäude wird an der Hauptfacade, vor welcher sich eine breite Teraffenanlage befindet, durch 2 von Kuppeln gekrönte Thüren geschmückt. Die vier Fronten sowohl als das Innere sind reich decorirt, das Bauwerk selbst mit Zuhilfenahme aller Hilfsmittel der modernen Technik erbaut, mit Heizung, Lüftungsvorrichtungen und elekttischer Beleuchtung versehen. Um das Zustandekommen des Baues haben sich der Präses des Cultusvereines, Herr Daniel Men dl, deffen Stellvertteter, Herr Lederer, und der Obmann des Baucomites Herr Lustig, besondere Verdienste erworben. Nach einer Ansprache des Präses, Herrn Mendl, an die versamrnelte Gemeinde und einer Festrede des Predigers Dr. Kalischer aus Berlin erfolgte die Verlesung der Grundsteinurkunde, sodann eine Ansprache des Architekten und die Einsenkling der Urkunde in den Grundstein, worauf die sämmtlichen Anwesenden die üblichen Hammerschläge verrichteten. Der Verlauf der ganzen Feier war ein überaus würdiger. Es ist erfreulich constatiren zu können, daß in dieser Stadt die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten und Confessionen in freundschaftlicher Weise miteinander verkehren. Proßnitz. Vorige Woche verschied hier in hohem Alter Frau Fanny Wolf, eine Schwester der Großindustriellen M. H. I. M a n d l in Wien und Proßnitz. Der Großindustrielle Herr Sigmund Mandl in Wien, Gesellschafter der Firma M. H. I. Mandl, hat anläßlich des Sterbetages seiner verewigten Mutter den israelitischen Armen seiner Vaterstadt Proßnitz 50 Gulden gespendet. Zn gleichem Zwecke spendeten Herr Wolf und Frau Julie Zweig 15 Gulden anläßlich des Ablebens ihrer Mutter. — Dem israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereine spendeten Frau Julie Pollak in Wien 6 fl., Frau Salie Katz 2 fl. und Familie Moriz Zweig 7 fl. Tirnau (Tempelbau). Vorige Woche fand die feierliche Grundsteinlegung des neuen isr. Tempels in Tirnan unter zahlreicher Betheiligung statt. Es waren die Spitzen der Behörden vertreten u. zw. der Bürgermeister Nekanovics. Magistratsrarh Novota, Stadthauptmann Kratky. Stadtlieutenant Wirkofsky, Abgeordneter Pantocsek rc. Rabbiner Marmorstein aus Szenitz sprach die Festrede, welcher großer Applaus folgte, sodann las Heuberger die Urkunde vor, worauf nach einem Gebete der erste Stein gelegt wurde. Bürgermeister Nekanovics beglückwünschte den Präses Hermann Messinger. Die Ausführung des Tempelbaues wurde dem hauptstädtischen Architekten und Bauunternehmer Leopold Langer übertragen, die Bauleitung und Oberaufsicht dem Architekten Karl Haybäck in Wien. Boskowitz. Der neue Rabbiner Isidor Hirsch ist bereits eingetroffen. Mitglieder des Cnltusrathes, der politischen Gemeinde Boskowitz, der Lehrkörper der deutschen Schule, sowie eine Abordnung der Cultusgemeinde Z w i t t a u und eine Abordnung der Feuerwehr waren am Bahnhöfe in S k a l i tz zur Begrüßung eingetroffm. Budapest. (O ft er n jüdischer Sold a ten.) Die Budapester orthodoxe israelitische Gemeinde hat durch ihr Execntiv- Comite ein Gesuch an den commandirenden General Fürsten Lob ko witz gerichtet, in welchem derselbe gebeten wird, den Soldaten israelitischer Confession die Theilnahme an der Osterfeier zu ermöglichen. Der CorPscommandant hat diesem Ansuchen willfahrt und angeordnet, daß die israelitischen Soldaten während der jüdischen Ostern außerhalb der Kaserne essen dürfen und an den vier Hauptfeiertagen vom Dienste befreit bleiben. Die Pester israelitische Gemeinde veranstaltet am Vorabend der Osterfeiertage ein rituelles Abendessen, zu welchem die jüdischen Soldaten als Gäste geladen sind. Budapest. (Ein neues Gymnasium in der Hauptstadt). Wie „Egyeulöseg" erfährt, wird schon demnächst ein israelitisches Gymnasium in der Hauptstadt, dank der eine halbe Million Gulden betragenden Stiftung eines hiesigen Philantrope«, dessen Name bisher noch nicht genannt werden kann, errichtet werden. Preßburg. Wir hatten jüngst über die Angelegenheit des Tempelbaues berichtet und erwähnt, daß die Aeußernng des Ministeriums bezüglich der Ertheilung der Baubewilligung noch ausständig sei. Das Ministerium weist die Frage zur Entscheidung nochmals dem competenten Forum, dem städtischen Verwaltungsausschusse, zu und betont, daß, nachdem die Freilegung des Domes zu St. Martin in „absehbarer Zeit" zu gewärtigen ist, den unweit dieses Domes projectirten Tempelbau — wenn es (das Ministerium) an Stelle des Verwaltungs-Ausschusses in dieser Sache zu entscheiden hätte, die Baubewilligung nicht ertheilen würde. Die israelitische Gemeinde wird mithin mit ihrem Tempelbau abgewiescn und es tritt wieder die alte Misere ein. Selbstverständlich hat dieser sonderbare Ministerialerlaß peinliches Aufsehen hervorgerufen.

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