Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 16 (15.4.1892)
- Date
- 1892-04-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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tra «SASSS» Orstrrrrichifchr Wochenschrift Seite 283 Nr. 16 Wien. (Todesfall.) Am 10. d. M. verschied hier nach längerem schweren Leiden im 60. Lebensjahre der Kaufmann Herr Simon Z e r n e r, ein Sohn des seinerzeit weitberühmten jüdischen Gelehrten Reb David Zerner in Eibenschütz. Der Verstorbene genoß ob seiner seltenen Herzensgute, seines Wohtthätigkeitsstnnes und seiner strengen Rechtlichkeit nicht blos in kaufmännischen Kreisen der höchsten Achtung und Verehrung. Mit dem Heimgegangenen unvergeßlichen Dbereantor Salomon Sulzer verband ihn eine langjährige innige Freundschaft, welche nur der Tod zu lösen vermochte. Um den wackeren Mann trällern eine liebevolle Gattin und fünf Kinder, voil denen die drei Söhne sich bereits achtbare Stellungen in der bürgerlichen Gesellschaft errungen haben. Das Leichenbegängniß fand Montag unter großer und herzlicher Theilnahme der zahlreichen Freunde der schwerbetroffenen Familie statt. Wien (Personalnachrichten). Frl. Hedwig Spitzer, die Tochter des vormaligen Professors an der technischen Hochschule, Simon Spitzer, hat sich mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Jacques Adolf vermählt. — Frl. Silit Pollak hat sich mit dem Jndustrielleu Herrn Isidor Popper verlobt. Wien. Herrtl Dr. Caspar Schwarz, dem Präses des Studenteuasyls, möchten wir den uns vorliegenden süllften Jahresbericht des „Allgemeiiten Studenten-Unterstutzungsvereins in Wien" zur Lectnre empfehlen. Das diesem Herrn nuterstehende und dieses Institut haben einen gleichen Zweck; Beide sind auch darin gleich, daß die meisten Unterstützenden derselben Juden find. Aber damit ist die Gleichheit zwischen ihnen erschöpft. Während im Stndentenasyl der Geist der Intoleranz waltet, herrscht hier volle Gleichheit gegen die Benefizianten verschiedener Religionen. Und dieser Verein geht daher einer schölten Blnthe entgegen. Sein Ziel, eine Speisehalle zu errichten, konnte er bis jetzt, obwohl die Spenden dazu fortwährend fließen, noch nicht erreichen. Er muß sich vor der Hand noch mit der Wohlthat der Bertheilnng von S P e is emarken — int letzten Jahre 8000— begnügen. An Geldnuterstützungen zur Bestreitung von Prüfungs- und Rigorosentaxen leistete er das Möglichste. Sein Hauptaugenmerk richtete er aber ans die Unterbringung armer Studenten als Hofmeister und Stundealehrer, worin er im vergangenen Jahre einen Fortschritt verzeichnet, was ein erfreuliches Symptom von dem Rückgänge der confessionellen Spannung in gebildeten Häusern ist. Zu den Spendern größerer Beträge im verflossenen Jahre zählten Ihre kais. Hoheit Frau Erzherzogin Marie Valerie, das k. k. Unterrichtsministerium und der niederösterreichische Landtag. Der humane Zweck dieses Vereines verdient die wärmste Unterstützung in jüdischen Kreiselt. Wien. In Bezug auf unsere Mittheilung, betreffend die Verloendung des Reincrträgnisses vom diesjährigen Industriellen- Ball haben wir uachzntragen, daß dem Therefieu-Krenzervereine der namhafte Betrag von fl. 5OO als Spende von diesem Erträgniß zugestthrt wurde. Indessen können wir eine Bemerkung nicht unterdrücken. Nachdem Herr Professor Dr. Exuer erklärt hat, daß die Vertheilnng des Reinertrügnisses auf Grund eines Patroltessenbeschlnsses erfolgt, so lväre es die Sache der Patronessen jüdischer Confession auf eine größere Parität bei Vertheilung des Reinerträgnisses zu achten.. Wien. Verzeichnis; der infolge des Ausrufes der Frau Dr. Grünfeld I., Schottenring 2 iFerienansenWalt betreffend! eingelangten Spenden: Jul. Werner fl. IO, Brüder Kann fl. tO, Wilhelm Frepberg fl. IO, S. Simon fl. IO, Jacob Jaiteles fl. 10, Sigmund Sin; fl. 5, Gustav Horetzky fl. 5, Tr. Grünfeld ft. IO, Franz Josef fl. 5. Rnd. Fuchs fl. 5, Josef Silbermark fl. 5, Sal. Krämer fl. 5, Ad. Benedict fl. 5, Leopold Schwarz fl. 3, Leopold Winter fl. 3, Alfred Kisch fl. 3, Em. Sinai fl. 3, Josef Quittner fl. 3. Bernhard Pollak ft. 3, D. Brod fl. 3, Dr. P. Friedmann fl. 3, Josef Fuchs fl. 2, Wilhelm Sor fl. 2, Michael Low fl. 2, Marie Kann fl. 5, Louise Spiegler fl. 4, Frau Dr. Weist fl. 3, Rosa Feigenbaum fl. 3, Dr. Ludwig Blau fl. 5, 2. Heit fl. 100, Frau Herstg fl. IO, Frau Dr. Stern fl. 5. Frau Caroline Klang fl. 5, Frau Jaques Ehrenzweig fl. 5, Frau A. S. fl. 50, S. Ayitrai fl. 10, Amalie Haber fl. 10, Fannl) Frankl fl. 5, W. Pappenheim ft. 5, Frau Dr. Sigmund Herzl fl. 5, Josefine Fanto fl. 3, Frl. Malvine Taster fl. 2, Dr. Alfred Berger fl. 5, Emma Jertowin ft. 3, stud. gyum, R. G. fl. 1, Frau Kohan für Olga und Aellp aus Mailand fl. 10, Marie Weinberger fl. 5, Frl. Nellp Pisling fl. 2, Frau Dr. Schnepp fl. 3. Frau David Geiringer fl. 15, Frau Jda Straffer fl. 10, Fran Sal. S.! Freund fl. 5, Bernhard Grünfeld fl. 5, zusammen fl. 424. ' Wien. (Spende.) Frau Rosa Jerusalem in Wien hat für die unglücklichen russischen Juden fl. 3.— eingesendet. Wien. Der Verein zur Unterstützung isr. Handwerker und Kleingetverbetreibender versendet die Einladung zur III. ordentlichen Geuecalversammlung. welche Mittwoch den 20. Llpril 1892, 7 Uhr Abends iin Sitzungssaale der isr. Cnltusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock stattfinden wird. Tagesordnung: 1. Vorlage des Jahresberichtes für das Bereinsjahr 1891. 2. Bericht der Censoren und Beschlußfassung über denselben. 3. Neuwahl von 4 Vorstandsmitgliedern. 4. Wahl der Censoren. Wien, l R o t h s ch i l d -Spende.) Baron Albert R o t h s ch i l d hat den Intentionen seiner als Wohlchäterin der Armen bekannten jüngst verstorbenen Gattin entsprechend, den namhaften Betrag von 100.000 Gulden einer Reihe von Humanitären Instituten, nachdem am Sterbetage selbst 25.000 Gulden an Arme vertheilt worden sind, gewidmet. Hiezu macht das perfide Junkerblatt „V a t e r l a n d", die hämisch gemeine' Bemerkung: „d i e Rothschild haben es, die können leicht sp l e it d id sein. Es ist b e m erk e n stv er th, daß d i e R a m e n d e r m i t d e r R o t h s ch i l d-S pende bedachten W o h l t h ä t i g k e i t s - I n ft i t u t e nicht m i t g e t h e i l t werde n." Wir möchten den schamlosen Auslassungen des „Vaterland" nur ins Gedächtniß rnsen, daß der Besitzer des Königreiches Schwarzenberg, als er bei Ableben seines Vaters, des Fürsten Schwarzenberg, das Hunderte Millionen betragende Majorat übernommen, im Ganzen baare 1000 Gulden den Armen legirte. Baron Albert Rothschild hat ziveifelsohne den größeren Theil seiner hochherzigen Spende christlichen Instituten zrigewendet, von deren Genuß bekanntlich die Juden naheztl oder ganz ausgeschlossen sind. Es würde sich mit Rücksicht hieraus wohl empfehlen, daß die Geflchls- * duselet bei Seite gelassen werde und die Juden nur für chre Glaubensgenossen Sorge tragen mögen. Wien—Mariahilf. Wie alljährlich seit dem 10jährigen Bestehen des Freitisches für arme israelitische Schulkinder des 6. und 7. Bezirkes unter der Aegpde des Humanitäts Vereines N a ch l a t h I e s ch tt r u it hat der Vereins-Präses Herr Michael Winkler auch in diesem Jahre am 12. d. M. für die an dem Freitische theilnehmenden Kinder, 24 an der Zahl, aus seine Kosten einen Sederabend veranstaltet. Der Vice-Präses Herr Moses Feßler gab den Seder, hielt eine Ansprache an die Kinder, lvobei er ihnen die Bedeuturtg dieses Festes als Frühlings- und Befreiungssest, sowie dessen Einfluß auf die Erziehung erklärte. Mehrere Vorstands-Mitglieder und zahlreiche Gäste waren anwesend, und begleiteten den ceremoniellen Akt mit Beifall, und drückten dem Herrn Präses ihren Dank aus. Wien (A l t j ü d is ch e S p u r e ul. Steinamanger ^Sabaria > ist bekannt als eine altrömische Stadt. Die interessantesten Funde ans der rötnischen Zeit gehören hier zu den gewöhnlichsten All täglichkeiten, wovon das hiesige Museum und Privatsantmlungeu reichlich Zeugniß gebett. Fast täglich werden bei den verschiedenen Erdarbeiten römische Gräber ausgedeckt. In den meisten Fällen findet sich die mehr oder minder schöne Urne, mit den, dem Todten mitgegebenen Schmucksachen aus Bronce, Bein, Glas, Gold oder Silber. Auch fehlen nie die zierlichen, gläsernen Thränen-Fläschchen mit ihrer wunderbar schönen opalartigen Patina — die einzige Spur, die zwei Jahrtausende auf diesen oft wie Seidenpapier zarten Glasgesäßen zurückließen. Auch der bekannte Obolus (Stix) fehlt nie, und die kleine Broncemünze sagt uns mit ziemlicher Genauigkeit, welcher Zett das Grab angehört. Wir finden die Epoche Julius Cäsar u. s. s. bis lauge nach der Theilung des römischen Reiches vertreten und mir ihren goldenen, silbernen, meistens aber broncenen Münzen markirt. Daß aber a u ch j ü d i s ch e M ü n z e n zu diesem Zwecke verwendet wurden, ist eine Entdeckung, die erst dieser Tage gemacht wurde. Es wurde nämlich in einem Grabe eine eigenthümliche Broncemünze gefimdetl, die von competenter Seite als eine jüdische Llutdea ans der Zeit des Höhest r i e st e r s S i m e o tt (der Makabäer) oerifictrt wttrd e. Die Münze ist mehr oval als kreisrund mit kreisrunder Randeinfassung, und zeigt aus der einen Seite einen Palmenbaum und einige Schristzeichen, die kaum mit der uns ^bekannten hebräischen Schrift Aehnlichkeit haben. Auf der Revers-Seite, die minder gut