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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-15 · 16 (15.4.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Srsterrrichische Wochenschrift. Seite 281 Hoff aus Proßnitz. Der Trauung wohnten Bürgermeister v. Engel, viele Stadtverordnete und Kammermitglieder, sowie ein außerordentlich zahlreiches Publikum bei. Herr Stadtverordneter und Fabriksbesitzer Herr Eduard Hamburgs r ließ anläßlich dieser Vermählung seiner Tochter mit Herrn Franz May an das Bürgermeisteramt einen Betrag von 200 fl. gelangen, welcher nach der Widmung des hochherzigen Spenders an hiesige Arme christlicher Religion zu vertheilen ist. „Diese Nachricht", so schreibt das „Mährische Tagblatt", „wird nicht verfehlen, im Bürgerversorgungshause, im Armenhanse und wo immer sonst die Armnth gleich drückend empfunden wird, die Gefühle der Freude und des herzlichsten Tankes zu verbreiten. Eine beglückende Erinnerung von bleibender Art an das festliche Ereigniß in seiner Familie hat Herr- Hamburger aber dadurch gestiftet, daß er einen Betrag von 500 fl. zu dem Zwecke bestimmte, die entfallenden Interessen einer braven Schülerin der städt. Mädchenbürgerschnle ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Nationalität am 7. April jeden Jahres zukommen zu lassen. Auch die Schule wird den Opfersinn unseres geehrten Mitbürgers dauernd in Ehren zu halten haben!" — Weiters hat Herr Eduard Hamburger den Betrag von 500 fl. für eine Stiftung gewidmet,, deren Interessen alljährlich am 7. 'April an israelitische Arme zur Bertheilung gelangen sollen und endlich einen Betrag von 100 fl. zur Bertheilung an Arme mosaischer Eonsession. Lainbor. Am 22 v. M. feierte die hiesige Stadtrepräsentanz den 25. Jahrestag der Autonomie Galiziens mit einer Messe in der Kirche und einem hierauf folgenden Dejeuner beim Bürgermeister Dr Budzynorski. Den Reigen der Toaste eröffnete der Hausherr auf Se. Majestät den Kaiser, dem die Freiheit und Gleichheit der Bürger zu verdanken ist: in demselben Sinne sprach der Domher-r Dornwald: dann wurde unser Glaubensgenosse Herr Nehemias Ranunkel, der seit diesen 25 Jahren d-'in Gcmeinderathe angehört, zur Erstattung eines Berichtes über de Leitungen dieser Körperschaft in dem vergangenen Vierteljahr- Hundert anfgcfordert. In gedrängter Kürze zog er eine Parallele zwischen den Zuständen unserer Stadt von früher und heute und schloß seine mit Beifall aufgenommene Rede mit einem Toaste auf den Gemeinderath, der fortfahren möge, die Stadt im Geiste der Freiheit und Gleichheit zu vertreten. Herr Ranunkel übergab hierauf dem Bürgermeister einen ansehnlichen Betrag zur Bertheilung an Arme ohne Unterschied der Confession und alle anderen Anwesenden folgten seinem Beispiele, so daß eine hübsche Summe zu diesem Zwecke zusammenkam. Zum Schlüsse brachte der Viee-Bürgermeister Herr Bogutinski einen Toast ans Herrn Ranunkel au?, in welchem er den Wunsch anssprach, es möge im Gemeinderathe jeder Racen- und Classennnterschied für immer scheiden und Alle getreu dem Wahlspruche unseres Kaisers: ..viribus unitis” Zusammenwirken, damit unsere Nachkommen stolz ans unsere Erfolge sein können. Temcsvar-Fabrik. Am 6. März, als d.n 7. Adar, fand die General-Versammlung unserer Ehewra-Kadischa statt. _ Der dabei erstattete Rechenschaftsbericht für das Jahr 1801 cvnstatirt die erfreuliche Thatsache, daß sich das Vereinsvermögen im abgelaufenen Jahre nahezu um fl. (500 vermehrt hat, trotzdem die Nvth und das Elend in der Gemeinde größere Opfer von dem Vereine forderten und derselbe seine Mission im liberalsten Sinne erfüllte. Erfreulich ist ferner die in dem Berichte in Aussicht gestellte baldige Eröffnung eines neuen Friedhofes und dem Bau eines Leichenhanses, sowie das Versprechen, das Möglichste zu thnn, um ein Asyl für Sieche und Kranke errichten und erhallen zu können. Das muß man dem Präses unserer Gemeinde, Herrn Bernhard Deutsch, selbst von gegnerischer Seite zuerkennen, daß er organisatorisches und administratives Talent besitzt und eifrig bestrebt ist, humanitäre Institutionen zu schaffen, die das An sehen unserer Gemeinde nach Außen heben. Ternesvar-Fabrik Bor Kurzem erschien der gedruckte Verwaltungsbericht und Rechnungsabschluß der hiesigen Statusquo-G.'meinde über die sechsjährige Amtsgebarung (1886 — 1891) des Präses Bernhard Deutsch. Ohne Parteinahme für die eine oder die aridere der beiden Gemeinden, in rvelche leider auch die hiesige Judenschaft gespalten ist nrrd die hier noch im Kampfe liegen, während sie anderswo schon friedlich nebeneinander leben, muß man, nach diesem Berichte, der Statusquo-Gemeinde die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie während dieser sechs Jahre bedeutendes geleistet hat, wenn auch, nach Ansicht der Orthodoxen, negativ Bedeutendes. Die Gemeinde ist selbständig gervorden, mit ihrem eigenen Matrikel amt, sie hat im Proceßwege das Besitzrecht auf sämmtliche Realitäten der früheren Gesammtgemeinde erkämpft, sie hat einen moderrren Rabbiner angestellt, im Bethanfe Chor und Orgel eingeführt, und die bestandene eonsessionclle Schule aufgelassen und dafür einen Religionsunterricht an den Eommunalschulen eingeführt. Bei solchen einschneidenden Reformen ist der Name Statusquo-Gemeinde nicht aufrichtig, wenn er auch der Gemeinde dazu verhelfen hat, den Realbesitz der alten Gemeinde behalten zu dürfen; Principien sotten aber nicht corrnmpirt werden. Positive Verdienste hat der Präses während seiner sechsjährigen Amtsthätigkeit um die musterhafte Administration der Geineinde, und um des Friedens tvillen wäre zu wünschen, daß es ihr bald gelingen möge, sich eilten Tempel zu bauen, daß das bis nun strittige alte Gotteshaus den Orthodoxen überlassen bleiben könnte, in welchem ja ohnehin die Steine der Wände weilte l würdelr, wenn darin eine Orgel ertönte. «$. G. W. Raab. Die warmen Sonnenstrahlen des lachenden Frühlings ermöglichten es endlich der Frau Fanny Lederer, der iil^ihrem segensreichen Wirkungskreise allerseits hochgeschätzten, vom Schicksal viel heimgesnchten Präsidentin des Raaber und Raab - Szigeter israelitischen Franenvereines, ijre Heimreise vom Winterkurorte Meran zu bewerkstelligen. Ihre Ankunft wirkte erfrischend, und wohlthuend auf's Pereinsleben. Es fand allsogleich eine Ansschußsitzung statt, in welcher der einhellige Beschluß gefaßt wurde, den Grafen Rudolf Laßberg, neuen O bergesp ann desRaaber Eo initates zu be g lücklvünschen. Ins Begrüßungs - Comite wurden gewählt: Das ans den Damen Fanny Lederer, Johanna Herz) und Emilie^ Ranschburg bestehende Präsidium, ferner die Äusschnßdamen: Therese Barnch, Regine Ehrlich, Bertha Fischer, Sophie Fischer, Regine Gntnnann, Jenny Leszlenyi, Pantine Schwarz, Regine Sonnenfeld, Malvine Stolzer und Susanna Vogl. — Nachdem Führer dieses Comite's, Oberrabbiner Dr. Julius Fischer, bcn Gefühlen des Franenvereines in hehren Worten Ausdruck verliehen, antwortete der edle Graf folgendermaßen: „Für die mir infolge des Erscheinens d r hochgeschätzten Damen zu Theil gewordene Auszeichnung und Gratulation empfangen Sie hieniit meinen besten Dank. Es ist mir zur Genüge bekannt das segensreiche Wirken des jüdischen Frauen Vereines, wodurch derselbe im Besitze meiner aufrichtigsten Sym pathie ist. Seien Sie überzeugt, daß Sie meiner Unterstützung irr jeder Hinsicht und bei jeder Gelegenheit gewärtig sein können. Ich wü >sche Ihnen, der liebe Allvater im Himmel möge Ihr strebsames, segensreiches Wirken mit bestem Erfolge krönen. Wiederhottermaßen enipfangen Sie meinen besten Tank für die mir gewordene herzliche Ovation." Nach diesen ergreifenden Worten stellte Präsidentin Iran Fanny Lederer die Damen einzeln vor, mit denen der Obergespan herzliche Händedrücke wechselte. Berlin. Wir lesen in der Monatsschrift „Die Schmach des Jahrhunderts": „Der „Deutschsociale Verein" in Halle, der seine Hauptaufgabe in der confessionellen Verhetzung erblickt, sandte kürzlich an die konservative „Halle'sche Zeitung" und an den „General-Anzeiger für Halle", sowie ferner an die „Saale-Zeitung" Annoncen, durch welche die deutschen Eltern aufgefordert werden, Confirmationskleider u. s. w. doch nicht bei Juden, sondern ausschließlich bei christlichen Geschäfrsletlten zu kaufen. Der „General-Anzeiger" schickte die Annonce mit einer ausführlichen Begründung der Nichtaufnahme zurück, die „Laale Zeitung" that dasselbe mit der lakonischen Randbemerkting: „Zur Aufnahme nicht geeignet." Nur die „Hallesche Zeitung" hatte den „Math", sogar an sehr hervorragender Stelle die Annonce zu bringen. Stolz ging der Eassenwart des „Deutschsocialen Vereins" einige Tage spä er nach der Expedition, um die Annonce zu bezahlen, aber o weh, wie ward ihm da, als er das bekümmerte Gesicht des stellvertretenden Annoncenredacteurs sah. Der Annoncenchesredacteur war krank gewesen uns in seiner Unschuld Hane sein Vertreter die ihm vielleicht sympathische Annonce passiren lassen. Als dann im Laufe des Sonnabends der Annoncensammler zu den jüdischen Geschäfts-

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