Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 16 (15.4.1892)
- Date
- 1892-04-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 280 Drsterrrdhlfchr Wochrnfchrifl. Nr. 16 Stiftung versendet nunmehr seinen Bericht über das erste Berwaltungsjahr. Die Constituirung des Curatoriums erfolgte am 7. Februar 1891. Anwesend waren hiebei fünfzehn Mitglieder des Curatoriums, unter diesen auch der Vertreter des Stifters, Dr. Joly. Als Regierungs-Commiffär war der Statthaitereirath v. Szawlowski erschienen. Zum Präsidenten wurde Josef Ritter v. Fürth gewählt. In seiner Begrüßungsansprache legte der Präsident die Ziele der Stiftung dar und bemerkte dabei, „diese wolle nicht die Kinder eines Landes ihrem engeren Vaterlande entftemden. Arbeit und Gesittung sollen sie vielmehr ihren Mitbürgern näher bringen. In dieser Wirksamkeit liege die patriotische und die culturelle Mission der Stiftung, welcher man nicht nachsagen könne, daß sie die einseitige Begünstigung einer Race oder Confeffion sei, da deren Wirkung der Gesammtbevölkerung zugute kommen soll." Die Stiftung übernahm sofort die von der Israelitischen Allianz aus den ihr von Baron Hirsch zur Verfügung gestellten Mitteln begründeten Schulen für israelitische Kinder in Tarnow, Neusandez und Boryslaw, sowie später die Schulen in Chrzanow, Stanislau, Kolomea, Wolanka und die Händwerkerschnle in Krakau. Auch beschloß sie, die Schule von Zablocie zu subventioniren und ebenso jene von Brody zu unterstützen. Eine neue Schule wurde in Buczaz ins Leben gerufen. Am Schluffe des Verwaltungsjahres waren in den acht Volksschulen 1789 Kinder eingeschrieben mit einem Jahresaufwande von fl. 31.877 An Subventtonen wurden 1891 verausgabt 8880 fl., an Stipendien wurden 30.550 fl. verwendet. Für das Jahr 1892 wurde die Errichtung von Kindergärten in Stryi, Wisznitz (Bukowina) und Klasno mit einem Gesammtaufwande von 5050 fl., ferner die Gründung von einklassigen Volksschulen in Horodenka, Wisznitz (Galizien), Brezsko, Mielec und Tnrnobrzeg mit einem Kostenanschläge von 10.600 fl. beschlossen. Ueberdics wurden für 1892 Subventionen für die Handwerker- Abendschulen in Sambor, Tarnow, Chrzanow und Tarnopvl vottrt (mit 1300 fl.) und an Subventionen per 1892 fiir die Schule in Ulanow und für Anschaffung von Lehrmitteln für Neusandec und Gorlice und die Korbschule in Mielec 3900 fl. ausgeworfen. Für Mittagskost und Ankauf von Kleidern wurden 7680 fl. verausgabt. Die von der Israelitischen Allianz ins Leben gerufene Handwerkerschule, für welche Herr Dr. Arnold Rapoport v. Porada ein Gebäude errichten ließ, wurde von der Stiftung übernommen (gegenwärtiges Jahresbudget 14.970 fl.) und wird m eine für achtzig Zöglinge geeignete Fachschule für Schlosserei und Tischlerei umgestaltet. Es verdient erwähnt zu werden, daß in Uebereinstimmung mit Artikel VI der Statuten der Stiftung die Schule in Wolanka auch von 38 christlichen Kindern besucht w'.rd, denen ein Katechet den Religionsunterricht ertheilt. Desgleichen wird auch die Hirsch'sche Stiftnngsschule in Zablocic von christlichen Schulkindern frequentirt. Der Ausweis des Schatzmeisters Herrn S. Ritter v. Bauer beziffert den Nominalwerth der Stiftungseffecten mit 6,976.934 fl. 90 kr. Prag, 6. April. (Rabbiner.in Böhmen.) Se. Excellenz der Herr Minister für Cultus und Unterricht Dr. Freiherr v. Gautsch hat in Betreff des fiir das Amt eines Rabbiners in Böhmen erforderlichen Maßes allgemeiner Bildung auf Grundlage des ß 11, Alinea 4 des Gesetzes vom 21. März 1890 folgende, am 20. Februar d. I. im Landesgesetzblatte für Böhmen kundgemachte Verordnung erlassen: „§ 1. Die Candidaten für das Amt eines Rabbiners in Böhmen haben in Beziehung auf ihre allgemeine Bildung nachzuweisen, daß sie zum mindesten das Obergymnasium vollständig mit gutem Erfolge zurückgelegt haben. * § 2. Jenen gegenwärtig in Böhmen in Verwendung stehenden israelischen Cultusfunctionären, welche in der Eigenschaft als Rabbiner augestellt sind oder auch nur in der Eigenschaft als Religionsweiser selbstständig Rabbinatsfimctionen ausüben, wird in Anwendung des vorletzten Alinea des § 11 des citirten Gesetzes die im § 1 dieser Verordnung erwähnte Nachweisung allgemeiner Bildung unter der Bedingung erlassen, daß dieselben in der Eigenschaft als Rabbiner, beziehungsweise Religionsweiser bereits vor dem Tage der Kundmachung des citirten Gesetzes, das ist vor dem 15. April 1890, dauernd bestellt waren und daß deren Bestellung in der bezeichueten Eigenschaft der staatlichen Cultusbehörde zur Anzeige gebracht und von dieser Behörde sei es ausdrücklich bestätigt, sei es auch nur ohne Einsprache zur Kenntniß genommen wurde. § 3. Dagegen haben alle übrigen gegenwärtig angestellten Cultusfunctionäre, welche, sei es unter dem Titel von Rabbinern, fei es unter welchen immer anderen Titeln selbstständig Rabbinatsfnnctionen ausüben, im Falle sie als Rabbiner in Böhmen tveiter fungiren wollen, binneit sechs Monaten vom Tage der Kundmachung der vorliegenden Verordnung im Landesgesetzblatte für Böhmen die oberwähnte Nachweisuug.über die erlangte allgemeine Bildung beizubringen, es sei denn, daß ihnen über ihr diesbezügliches Einschreiten diese Nachweisung im Sinne des nächstfolgenden Paragraphen erlassen wird. 8 4. Der Statthalter für Böhmen wird hiemit bis auf Weiteres ermächtigt, den Rabbinatscandidaten in Böhmen behufs ihrer Anstellung als Rabbiner daselbst in vorkommenden rücksichtswürdigen Fällen i> Anwendung des vorletzten Alinea des 8 11 des citirten Gesetzes die Nachweisung über die erlangte allgemeine Bildung im Namen des Cultusministers zu erlassen." Brünn (Hieronymus Lorm). Unser berühmter Landsmann und heimischer Poet und Schriftsteller Hieronymus Lorm (Dr. Heinrich Landesmann) ist, wie wir erst heute erfahren, am Samstag der vorigen Woche in Brünn eingetroffen, um in der Hauptstadt seines engeren Vaterlandes — Lorm ist ein gebartiger Nicolsburger — dauernden Aufenthalt zu nehmen. Zn diesem Enffchluffe hat den Dichter der Umstand bewogen, daß sein ältester Sohn Med.-Dr. Ernst Landesmann, in Brünn seine ärztliche Praxis ausübt und er gerne in der Nähe seines Sohnes weilen möchte. Er übersiedelte von Dresden, wo er die letzten Jahre zugebracht hatte, nach Brünn und nahm für die ersten drei Tage im „Hotel Nenhauser" Absteigquartier, worauf er eine Mietbwohnung im Hause Nr. 29 der Thalgaffe bezog. Mit dem greisen Schriftsteller hat sich selbstverständlich auch seine Familie hier angesiedelt. Seine Tochter Marie ist die aufmerksame, sorgsamste Pflegerin, aber auch die verständige Sekretärin und Bibliothekarin ihres Vaters, der bekanntlich gänzlich taub und blind ist und mit dem sich seine Umgebung nur auf künstliche Weise, durch eine von ihm ersonnene eigenartige Zeichensprache zu verständigen vermag. Lorm hat im Monat August des vorigen Jahres seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert, woran die gesammte gebildete literarische Welt den wärmsten Antheil nahm. Die Brünner Bevölkerung wird es mit größter Freude begrüßen, daß ihr all verehrter Landsmann, der eine Leuchte der deutsch österreichischen Literatur ist und trotz seines Alters und der körperlichen Gebrechen in bewunderungswürdiger Geistesfrische und Geisteskraft fortwirkt, in der mährischen Landeshauptstadt seinen dauernden Wohnsitz aufgeschlagen hat. Möge es ihm gegönnt sein, zur' Freude seiner Landsleute noch viele, viele Jahre im besten Wohlergehen in der Heimat zu verbringen und neue Werke seines Geistes und Gemüthes zu schaffen, als einer jener Männer, die unter den lebenden Schriftstellern des deutschen Volkes an erster Stelle stehen. Brünn. (Mährisch jüdischer Waisenhilssverein) Die am 3. d, M. ahgehaitene diesjährige Generalversammlung erösfnete der Vice-Präsident Herr kais. Rach Mandl mit einem Nachrufe auf den sel. Sanitätsrath Dr. Mvriz Kuh, der dem Vorstande des Vereines seit der Gründung desselben als ein thätigcs Mitglied angehon und denselben auch letztwillig mit einem Legate von 500 fl. bedacht hat. Tie Versammlung gab ihrer Theilnahme durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. In dem Berichte über das Jahr 1891 wird bemerkt, das; das Vermögen des Vereines außer obigem Legate keine Vermehrung durch Schenkung oder besondere Widmung erfahren hat. Hingegen ergab sich ein unverwendeter lleberschuß von 1876 st. 81 kr., welcher einen Zuwachs des Fondcs bildet, der nun die Höhe von 123.116 fl. 39 kr. Nominale erreicht hat. Tie Jahresbeiträge verblieben auf der niedrigen Ziffer von 603 fl., die Spenden per 492 fl. 50 kr. waren insofern wesentlich geringer, als im Vorjahre das Erträgnis; der Stiftimgen (Sal. S\ ö u i g'sch es Haus) etwas zugenommcn hat. Die Kosten der Waisenpftegc überschritten bereits die Höhe von 5000 fl. und stehen derzeit 75 Waisen in der Obhut des Vereines, und zwar 43 in Brünn, 32 im Lande. Dieselben erhalten jährliche Erziehungsbeiträge von je 30 ft. hier und je 60 ft. auswärts und sind bei ihren Müttern oder nächsten Blutsverwandten untergebracht, eine Art der Unterbringung, die sich bei den die Hilfe des Vereines in Anspruch nehmenden Waisen als eine zweckentsprechende herausstockt. Der Bericht des Vorstandes, sowie der Rechnungsabschluß, endlich der Voranschlag pro 1892 wurden ein stimmig genehmigt. Herr B. Morgenstern lenkte die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf die Anwerbung von Anfsichts-Personen (Waisen- Väter, bezw. Mütter), die in vielen Fällen sehr ersprießlich gewirkt haben. Es wird bemerkt, daß sich zu diesem humanitären Amte leider geeignete Persönlichkeiten nicht erbieten, und wird eine diesbezügliche Anregung in Bekauuteukreisen für wünscheuswerth erklärt. — In den Vorstand wurden die Herren Julius Ritter v. Gomperz und Ignaz Wohlmuth einstimmig wiedergewählt; die Cultusgemeinde entsandte Herrn Jnspector Epter in den Vorstand. Zu Revisoren wurden die Herren Bum, Kvrngold und Al. Witrofsky ernannt und hierauf die Versammlung geschlossen. Olmütz. Im hiesigen Tempel fand vorige Woche die Trauung des Frl. Hedwig Hamburger mit dem Fabriksbesitzer Herrn Franz May statt. Den Trauung-act vollzog Herr Dr