Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 15 (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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«ESJaw öOT*sa»iMF36553Ef'-. Güte 270 Orstrrreichischr Wochenschrift. Nr. 15 Ta ich indessen noch nicht ganz bei Besinnung war, bildete der vor mir > sichende Jude keinen allzuscharfen Contrast mit meinen Träumen, keine allzubrutale Unterbrechung derselben. Im Gegentheil. Ich betrachtete die mir sowohl bekannten Züge mit Vergnügen. Das Erscheinen des Juden dünkte mir in dem Augenblick, da mein Herz und meine Gedanken in meinem Heimotlande weilten, ziemlich natürlich, und die polnischen Laute schmeichelten meinem Ohr. Selbstvergessen betrachtete ich ihn. Der Jude wartete eine Weile, dann wendete er sich zur Thür, und begann sich rasch seiner Kleidungsstücke zu entledigen. Da erst kam ich zu mir und wurde gewahr, daß, da ich ihm nicht geantwortet, mein Landsmann sich das Schweigen falsch gedeutet, und im Begriff sei, mir seine Waaren vorzulegen. Ich eilte, de» Jrrthum zu berichtigen. „Um Gottes willen, Mensch, was thust Du?" rief ich lebhaft. „Ich kaufe nichts, ich brauche nichts, ziehe Dich nicht umsonst atls und gehe Deiner Wege ruhig weiter!" Der Jude hielt im Entkleiden inrie, und seine Docha*) nach sich schleppend, ttat er an mich heran und begann in abgerissenen Sätzen rasch und hastig zu sprechen. „Das thut nichts. Ich weiß ja, daß Sie nichts kaufen werden. Sehen Sie Herr, ich bin schon lange hier, sehr lange. Ich wußte bisher nicht, daß Sie hier sind. Der Herr sind aus Warschau? Man hat mir erst gestern gesagt, daß sie mehr als vier Monate hier sind! Wie schade, daß ich das so spät erfahren habe! Ich tväre gleich zu ihnen gekommen, heute suche ich Sie schon eine Stunde. Ich war am Ende ver Stadt und da ist ein Frost, hol' ihn der Teufel! Entschuldigen Sie, ich werde nicht lange stören, ich möchte nur einig«- Worte ..." „Was willst Du denn von mir?" „Ich möchte nur ein Bischen reden mit ihnen." ' Fortsetzung folgt.). Die Auferstehung. Talmudische Parabel. Zum Heil gen Rabbi sprach einst Antonin der Kaiser: Erkläre Eines mir du großer ftommer Weiser, Wenn Leib' und Seel' im Tod sich von einander trennen, Wie wird da Gott nach Recht die Menschen richten können? Wer von den beiden soll dann wohl die Strafe dulden, Kann doch der eine Theil den andern Theil beschulden. So sprechen wird der Leib: Nicht mir gebührt die Strafe, Ich bin ein todter Klotz, bin nur der Seele Sclave, Ich kann, wenn sie nicht will, mich wenden nicht und dreh'n, Durch ihren Willen nur ist was ich that geschehen. Und ich, so wird sich dann vertheidigen die Seele, Ich bi» ein reiner Geist, bin ftei von Schuld und Fehle, Ein Theil der Gottheit selbst, aus seinem Licht geflossen, Der Sünder war allein der Leib, der mich umschlossen, Entstammt der Niederwelt und voll von bösen Trieben, Ich wäre ohne ihn stets rein und gut geblieben. So werden sich entzieh'n der Züchtigung die Bösen. Nun weiser Rabbi sprich, kannst Du das Räthset lösen? Darauf der Rabbi sprach: Laß' Antonin Dir sagen, Was sich im fernen Ost' vor Zeiten zugetragen. Tort herrschte einst ein Fürst, der hatte einen Gatten Voll' seltner Blumen voll, von Früchten aller Arten. Es war sein größter Schatz, man hätte seines Gleichen Gefunden nimmermehr in and'rer Herren Reichen. Um vor Beraubung ihlr ganz sicher wohl zu machen, Ließ' von zwei Wächtern er ihn Tag und Nacht bewachen. Ein Blinder war der eine, ein Lahmer war der zweite, Die bürgten, meinte er, ihm für die eig'nen Leute. Doch was geschah? Es sprach der Lahme zu dem Blinden, Ich seh' hier Früchte schön wie nirgens sonst zu finden, Wie glühen sie so frisch herab vom hohen Aste Und wimen hold herab und laden uns zu Gaste. Wir aber stehen hier uird wachen Tag für Tag Soll uns denn lohnen nichts für unsre Müh' und Plag' Komm' Bruder, laß' mich rasch aus deinen Rücken steigen, Ich will mit meinen Stab den rechten Weg Dir zeigen, Ich leih' mein Auge Dir, Dir leih' mir deinen Fuß, Vereint erlangen wir den köstlichsten Genuß. Gesagt, gethan. Es trägt der Blinde auf dem Rücken Den Lahmen hin zum Baum die Früchte abzupflücken, Dir schmecken gar zu süß, drum lassen sie sichs schmecken. So geht es Tag für Tag, wer wird sie denn entdecken? Doch eines Tags der Fürst nach seinem Gatten reitet Von einem hohen Herrn aus fremden Land begleitet. Dem Gaste wollte mit den Früchten er aufwarten, Da rnettt' er wie so arg geplündert ward der Garten. Erzürnt laß er herbei sogleich die Wächter holen. Wer ist der freche Wicht, der mich so arg bestohlen? O Herr, der Blinde sprach, ich konnte nicht begehen Den Diebstahl, Hab' ich doch die Früchte nicht gesehen. Der Lahme sprach: O Herr, durch mich ist nicht geschehen *) Obere Winterkleidung; besteht aus Doppelsellln. d. h. Pelz nach innen un» außen. Reiche Leute tragen Hirsch-, arme Leute trage« Ochsenselle^ Der Frevel, könnt' ich doch nicht hitl zum Baume gehen. Was that der Fürst? Er ließ den Lahmen und den Blinden Wie sie die That verübt, rittlings zusammenbinden, Drauf winkt dem Sclaven er und läßt mit Geiselhieben Auszahlen ihren Lohn den beiden schlauen Dieben. So wird dereinst, auch wenn die letzten Zeiten schwinden, Die Seel? und den Leib noch einmal Gott verbinden, Und aus des^Todes Nacht die Menschen auferwecken Um an de» «schuldigen das Urtheil zu uollstrecken. Vier Schüler. Aus dem Taluuid. Bier Schüler nenn' ich Dir Bon ganz verschied'nem Trieb; Den Trichter und den Schwamm, Den Seiher und das Sieb. Der Trichter läßt hindurch Das Gute wie das Schlechte, Der Schwamm saugt Alles ein Das Schlechte wie das Rechte. Der Seiher halt den Schmutz Und läßt das Reine fahren, Das Sieh verliert die Spreu, Will nur das Korn bewahren. Briefkasten. Dr. Ad. Bloch, Trvppau: Besten Dank Wochrnkalendrr. Wochen- Slpril 1892 Nissan 5652 Kalender Freitag 8 11 Samstag 9 12 12 Sonntag 10 13 Montag 11 14 Vorabend des Pessach Dienstag 12 15 1. ^ag „ „ Mittwoch 13 16 o n n » Donnerstag 14 17 1. „ Chol hamoed Freitag 15 16 o w ff n Publication des Israel. Caitasforstaades. M Mler’sc1ie Mädcbenstiftang. Es wird hiemit zur Kenntniss gebracht, dass die Zinsen der obgenannten Stiftung zur Ausheiratung eines armen, würdigen Mädchens in Wien, israelit. Confession, im Betrage von fl. 215 ö. W. zur Verleihung kommen. Die Bewerberinnen haben naehzuweisen, dass sie 1. der israelitischen Confession angehören; 2. streng sittlich und arm sind; 3. sich im Brautstande befinden. Verwandte des seligen Stifters, unter diesen aber insbesondere die Kinder seiner Nichte Regine Wichs verehelichte Dr. Kohn erhalten den Vorzug und muss der diesfällige Naehweis dem Gesuche beiliegen. Bewerberinnen, die sich vor der Verleihung verehelichen, verlieren den Anspruch auf die Verleihung. Die Gesuche sind bis 30. April 1892 im Secretariate der israelitischen Cultusgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock, einzureichen. Med. Dr. Adolf and Emanael Stern Stiftend für Rigorosanten der Medicin and Chirurgie Bei der israelitischen Cultusgemeinde gelangen sechs Plätze der oben genannten Stiftung & fl. 100 ö. W. zur Bestreitung der Rigorosentaxen zur Verleihung Die Bewerber haben ihre Gesuche mit dem Nachweise, dass sie mosaischer Religion und unbemittelt sind und ihren medizinischchirurgischen Studien an der wiener Medizinischen Facultät als ordentliche Hörer obliegen, bis längstens: 30. April dieses Jahres in der Kanzlei der israelitischen Cultusgemeinde, Seitenstettengasse 4, 2. Stock, einzubringen. In dem Gesuche sind die Familienverhältnisse des Bewerbers anzugeben ferner ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage.