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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-08 · 15 (8.4.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Srstrrrrichtfchr Wochenschrift. Seite 267 „Es bedarf nicht vieler Einsicht, um sich zu überzeugen,! daß in dem Streben, uns umfassender Glaubenstoleranz zu berauben, eine höchst verderbliche staatsfeindliche' Tendenz liegt. Durch das historische Werk von Jahrhunderten hat sich unser Staat aus einer großen Anzahl verschiedener Volksstämme und verschiedener Glaubensbekenntnisse gebildet, und es verstände sich von selbst, daß lvir im Interesse der staatlichen Einheit und Festigkeit nach der vollen Assimilirung dieser Volksstämme, unabhängig von dem Glaubensbekenntniß eines jeden Mannes, zu einem einzigen politischen Ganzen streben müßten. Die Zuerkennnng vollen russischen Charakters nur Denjenigen, die zur griechisch-orthodoxen Kirche gehören, muß nothwendigerlveise zur Entwicklung und Festigung des Separatismus bei den Zugehörigen anderer Bekenntnisse führen, d. h. zur Schaffung einer Anzahl von Nationalitäten in dem einen und ungetheilten Staat." Zur Bekräftigung ihrer Ansichtelt beruft sich das Blatt auf die Autorität Katkows, der, wie bekannt, an der Preßhetze. gegen die Juden nie sich betheiligt, lind zitirt einige Auslassungen desselben, in welchem er gegen die bei uns herrschende Jdentifizirnng von bürgerlicher Gesellschaft und Kirche zu Felde zieht und erklärt, daß dadurch Kirche und Religion von ihrer Höhe zu eitlem „b n r e a u k r a t i s ch e n M e ch a n i s m u s" herabgezogen werde. „Bureaukratischer Mechanismus"! Das ist in der That das richtige Wort für die gegenwärtige Leitung und die Tendenzen des Kultuswesens in Rußland mit seinen nominellen Judentaufen, den „Bekehrungen" der Sektirer. den Sttlndisten- und Pastorenverfolgungen u. s. w. Als ob dadurch etwas mehr erreicht werde, als die äußerliche nominelle Vergrößerung derZahl derAngehörigen der griechisch-orthodoxen Kirche, die sich in den Jahresberichten bureaukratisch so hübsch ausnilnmt, aber, lvie Jeder in Rußland tveiß, bei dein erstell kritischen Blick zerfällt. „Wie bedauerlich, daß man solch einfache, durch Jahr- Hunderte historischer Erfahrung der Völker erbrachte Wahrheiten gegenwärtig gewissermaßen neu entdecken muß!' — schließt das russische Blatt elegisch. Das ist aber eben charakteristisch für das moderne Rußland, daß die Lehren der Geschichte für dasselbe niemals weniger existirt haben, als gerade gegenwärtig! St. Petersburg, 27. März. Der „Times" ist von hier das folgende Telegramm zugegangen: „Die j ü dis ch e Fr a ge ist anscheinend bestimmt, sich nach einer lieuen und nicht ungefährlichen Richtung zu entwickeln. Es heißt hier, daß die ostpreußische Grenze bei Königsberg gegen jüdische Einwanderer aus Rußland gesperrt werden soll, wenn nicht schon gesperrt ist. Es soll dies, so glaubt nian, nur der Anfang einer Sperrung der ganzen deutschen und vielleicht auch der österreichischen Grenzen gegen die nie aushörende Einwanderung russischer Juden sein. Möglicherweise besteht eine geheime Verbindung zwischen diesen Maßregeln und dem jetzigen Wunsche Baron Hirschs, den drohenden Lawinen der jüdischen Emigration in dem kommenden Frühling Einhalt zu gebieten. Selbst wenn diese Verbindung nicht bestehen sollte, so wird der von der deutschen Grenze gemeldete Schritt nicht ohne Nutzen sein. Mr. Arnold White hält sich derzeit in St. Petersburg nur zu dem Zwecke aus, uin die ungeheuren Massen der Juden, welche nur auf den Frühling warten, um dann die Grenze zu überschreiten, zurückzuhalten. Dw argentinischen Kolonien sind noch nicht für so große Schaaren bereit und die Massenauswandernng der Jndell wird die besten Pläne und Absichten in ihrem Interesse lähmen, weint nicht die russische Regierung Mr. White bei seinem Vorhaben zu Hilfe kommt. In Bestätigung der vorstehenden Zeilen meldet ein in Kiew erscheinendes russisches Blatt, daß das jüdische Konnte in Königsberg die Rabbis in den meisten russischen Städten ersucht hat, nicht allein die Auswanderung zu beschränken, sondern einstweilen gänzlich zu verhindern, da die Vereinigten Staaten jetzt gegen die Juden abgeschlossen sind und Argentinien ihnen noch nicht offen steht. In dem Rundschreiben des Königsberger Komites heißt es weiter, daß die deutscheit Behörden sich gezwungen sehen werden, die Grenze gegen die Juden abzusperren, falls sie fortfahrensollten, so zahlreich wie bisher nach Deutschland zu kommen. Der Slovo meldet ferner, daß ungeachtet aller ungünstigen Umstände der Auszug der Juden aus dem westlichen Rußland nicht im geringsten nachläßt. Das Auswandern ist eine Art Epidemie geworden, derart, daß in der Provinz Kowno beispielsweise das Städtchen Shavel fast ganz von Bewohnern entblößt ist. Das jüdische Organ in St. Petersburg veröffentlicht einen Leitartikel über die Nothwendigkeit, Schritte zur Eindämmung der Auswanderung der Juden zu thun, bis ihre Wohlthäter mit ihren Vorbereitungen zu Ende sind. Alle diese Nachrichten klingen entsetzlich traurig. Aber es fehlte nur noch, daß man den Juden selbst schuld gibt, statt der menschenjagenden russischen Regierttng. New-?)ork, 20. März. Fürdiehungernden Russen. Die auf vorigen Sonnabend angesetzt gewesene Abfahrt des Dampfers „Missouri" nach dem russischen Ostseehafen Libau hat sich etwas verzögert, da ein Theil der aus dem Westen versprochenen Sendungen von Mehl und Getreide noch nicht ein* getroffen war. Zur Vervollständigung der Ladung wurden deshalb hier mit den von der Handelskammer beigesteuerten 5000 Doll, die erforderlichen Quanten Me l und Getreide eingekauft; am Dienstag stach sodann der „Missouri" mit über 5,000.000 B. Mehl und Getreide an Bord in See. Die zweckmäßigste Bertheilung dieser von amerikanischen Wohlthätern zusammengebrachten Liebesgaben wird in Liebau von den Herrn W. C. Edgar, Herausgeber des „Northwestern Miller", und B. M. Baker, Betriebsdirektor der Atlantic Transport Co., die den Dampfer bekanntlich unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, überwacht werden. Die vom Handelskammer-Komite für die hungernden Russen gesammelten Geldbeträge belaufen sich bis jetzt auf über 40.000 Doll. Einem Kabel-Telegramm aus Libau zufolge ist der Dampfer „Indiana", welcher am 22. v. M. mit Lebensmitteln beladen von Philadelphia abgegangen war, bereits dort eingetroffen und ist mit der Vertheilnng der Liebesgaben der Bürger von Philadelphia begonnen worden. VtnmMes. Wien. (Trauungen.) Am 3. April wurden getraut: Im Tempel der inneren Stadt: Herr Dr. Ernst Weiß mit Fräul. Alice Perlmutter; Herr Simon Paper mit Fräul. Jenny Schiit: Herr Leon Kleppner mit Fräul. Flora Dorfner: Herr Josef Rsbitfchek mit Fräul. Paula Teichtner; Herr David Koref mit Fräul. Henriette Hersch.^ Im Tempel der Leopoldstadt: Herr Salomon Wollisch mit pträul. Sara Scharshauser: Herr Emil Dörfler mit Fräul. Emilie^ Walter; Herr Hermann Spitzer mit Fräul. Mina Brauer; Herr Dr. Jsak Reissberg mit Fräul. Bettina Feingold. Wien, (O e st e r r. I s r a e l. ll n i v n.i Samstag den 9. April 1892 halb 8 Uhr Abends findet im Restaurant Khuner I., Schottenring 19, eine B.reinsversammlüng statt. Tages ordnung: Bortrag des Herrn Directors Heller: „Die Blinden bildung und ihre Bedeutung für die Erziehung des Menschengeschlechtes." Wien. Jüngst wurde in den Wiener Blättern die Verwendung des Reinerträgnisses vom Jndustriellenball veröffentlicht, wobei es uns in sehr unangenehmer Weise auffiel, daß vom Reiiterträgnisse wohl mehrere streng eonfessionelle, katholische und protestantische Institutionen betheilt, jedoch die ^jüdischen Humanitätsanstalten ganz übergangen wurden. Diese Thatsache ist umso beinerkenswerther, als ein großer Theil der Wiener Industriellen Juden ist und das Reinerträgniß doch wohl auch aus ihrer Cassa geflossen ist. Es gibt halt nichts über die Gleichberechtigung — beim Zahlen! Wien 17. Cet. <P rediger M a n ti h e imer -Verein ueieu xaiiu.’eu uiiu - - -- lteiubc, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch ,ehn Jahre das Antt in würdiger Weise verwaltet §2^". - zrvßer» N'-toriich reicher Gemeinden sind aus geschlossen. Tie Würdigkeit )er betrestenden Beamten, sowie die Dienstunsähigkeit sind nachzuweisen. Ingestempelte Gesuche und längstens bis am 30. Juni d. I. andie sr.. Gemeindekanzlei in Wien unter der Adreste: „Borstand de<- Prediger Nannheimer-Bereines" zu übersenden. Wien (B e r z e i ch n i ß rernerer S^p e n d eii f ü r d i e innen Oesterreicher in Ierusale m.). Tempel-Berem „Mar zarethe" 15 fl.; Herr Feigelstock 1 st.; Herr L. H i l d e s h e t m e r 25 fl.; Herr Sam. K o h n, Horazdowitz 5 fl.; Alex. Niere nstein. Üantgasse 1, 5 fl.; Herr Leop. Herzog, Arad 3 ft.: Herr von Hönigswald, Regierungsrath 10 st.: Herr Joh. Ick . iun., [I., Rothesterngasse 35, 2 fl.; Herr Ab. B n d i e, Schottenbaitec 2 fl.; Herr Inst. B l n m b erg, II., Ferdinandstraße 15. - Fac. Schnabl, Predigergaste 5. 1" st.: Herr A. Aint r J 2 ft.; Herr Jac. Iai11eles 5 fl.: Herr vs|. D. Ptck. gaffe 4, 10 st.; Belhans, Schönlaierngaise 23 6o st. — bestimmt - fuinme st. 823 89. Dr. G ü d e m a n n M. B i u z H Berger. Oberrabbiner.

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