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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-08 · 15 (8.4.1892) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 262 Krstrrrrtchifchr Wochenschrift. Nr. 15 135 12 4°/g Nichtjuden als Jnternistm gepflegt. Unter den 11612 ambulanten Kranken waren 5948 51*2% Nichtjuden. Das Knabenwaisenhaus, dieses enfant clieri aller edelherzigen isr. Spender, «folgert zu seinen Ausgaben von fl. 32.352 fürs laufende Jahr von der Gemeinde bloß einen Zuschuß von fl. 4000 das Vermögen des Institutes beläuft sich zur Zeit auf fl. 501.118. Im Rahmen der Gemeinde-Verwaltung gehört auch das isr. Landestaubstummeninstitut mit den für 1892 präliminirten Ausgaben von fl. 22.131. Das ^Jnstitutsvermögen betragt fl. 506.134. Während seines 15jährigen Bestandes hat dieses humane Institut 812 Zöglinge (120 Knaben und 92 Mädchen) 3—7 Jahre hindurch erzogen. Das Pensionsinstitut der isr. Gemeindebeamten unter Leitung des verdienstvollen Vorstehers Herrn Sainuel Deutsch weist ein Vermögen von fl. 140.543 auf. Die Einnahmen für dieses Jahr sind mit fl. 14.711, die Ausgabm mit fl. 7810 veranschlagt. Dem Bericht über die finanzielle Verwaltung entnehmen wir die erfreuliche Erscheinung, daß das abgelaufene Jahr mit einem Ueberschuß von fl. 17.141 kr. 19 endete. Die unter Gemeinde-Verwaltung stchenden Fonds und Stiftungen haben im Jahre 1891 einen Zuwachs von 21.377 fl. bekommen. An Cultussteuer liefen 103.859 fl. ein. Die Zahl der steuerzahlenden Gemeindemitglieder beträgt 8500. Der Bericht über das amtliche Gebühren weist 1000 centralamtliche und 1382 matrikelamtliche Eingaben auf. Ausgegeben wurden 2122 Schriftstücke aus dem Centralamte und 6595 aus dem Matrikelamte. Es wurden 11 Vorstands-, 58 Sections- und Commisfions-, 6 Ausschuß-Sitzungen und 1 Generalversammlung abgehalten. Geburtsfälle wurden 2855 angemeldet, Todesfälle 1928. Trauungen wurden in allen Gotteshäusern zusammen 622 vorgenommen. Im Nachfolgenden geben wir eine Uebersicht über die präliminirten Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1892: Einnahmen. Tempetverwaltung.37.814 fl. 70 Synagogenverwaltung.5.414 „ 70 Aushilfslocale. 1.400 „ — Knabenschule. 2.304 „ 20 Mädchenschule. 1.200 „ — Religionsunterricht. 14.600 „ — Talmud-Thora. 1.830 „ — Spitalsverwaltung. 35.629 „ 03 Armenunterstützung. 9.225 „ 25 Suppenanstalt . •. 88 „ -- Ausstattungsfond ... -. 7.000 „ — Schulkinderbekleidung. 5.000 „ — Allgemeine Einnahmen. 38.500 „ — Kultusbeiträge. 105.000 „ —- Koscherfleifch. 14.000 „ — Geflügelschlachtplatz. 2.400 „ — Erträgnisse der neuen Aushilssbetlocale. . 2.700 „ — Zins des Hauses in der Fabrikengaffe . . 2.000 „ — Summe 286.105 fl. 88' Ausgaben. kr. Tempelverwaltung. . Synagogenverwaltung Jugendgottesdienst. . Akrshilfsbetlocale . . Schulinspectorat . . Knabenschule. . . . Mädchenschule . . . Religionsunterricht . Talmud-Thora . . . Spitalsverwaltung . Armenunterstützung . Waisenerhaltung . . 30.716 fl. 92 12.836 „ 06 2.550 „ — 600 „ — 2.000 „ — 19.115 „ 60 7.170 „ - 31.997 „ 50 2.950 „ — 44.339 „ — 22.400 „ — 4.150 „ — kr. n n n u H Ausstattungsfond . . . Schulkinderbekleidung . Suppenanstalt .... Stipendien. Rabbinat und Centrale Pensionszulagen ... Koscherfleisch .... Geflügelschlachtplatz. . Diverser Bedarf . . . Inkassoprovision . . . Interessen. Außerordentlicher Bedarf Schuldenamortisation . 7.000 fl. 5.000 „ . 1.820 34.970 . 2.775 11.350 2.870 13.310 4.400 22.107 n n n n — kr. // n n n tt 49 ft Summe 286.515 fl. 72 kr. . 11 750 „ - „ . . ...... 385 „ - „ Hauptsumme 298.650 fl. 72 kr Bismarck und Molckr. Wie wahr hat jener Philosoph gesprochen, als er meinte, ihm sei der Tadel des Weisen lieber als das Lob des Narren! Wir wissen nun zwar nicht, ob der Fürst Bismarck, zu dessen charakteristischen Eigenschaften stets eine außerordentliche Eitelkeit gehörte, so sehr entzückt von dem Tadel sein könne, möge er von welcher Seite immer kommen; aber das Eine ist gewiß, das Lob, welches ihm von — antisemitischer Seite mit aufdringlicher Speichelleckerei gespendet wird, dürfte in dem Herzen des gewesenen Kanzlers nur Gefühle des Abscheues und des Widerwillens erregen. Es gibt nämlich auch solche Narren, die das an einem Manne loben, was dieser eigentlich als eine Schmähung aufnehmen muß und die Antisemiten, die an dem Fürsten Bismarck stets nur Eines mit überschwänglicher Begeisterung verherrlichen, daß er Antisemit sei, gehören sicherlich zu jenen, deren Lob — schmerzlich trifft. Das „Deutsche Volksblatt", immer an der Spitze der größten und wüthendsten Antisemiten, weiß die 77. Wiederkehr des Geburtstages Bismarck's durch nichts anderes zu. feiern, als daß es ihn als antisemitischen Heros rühmt und lobpreist. Zu diesem Zwecke druckt das Leibblatt des Urgermanen Vergani — der in Sollen; in Galizien das Licht dieser durchaus verjudeten Welt erblickte — weiß der liebe Himmel zum wievielten Male eine Rede ab, die Fürst Bismarck im Jahre 1847! hielt und in welcher einige unsanste Bemerkungen gegen die Juden enthalten sind. Im Jahre 1847 war der Fürst Bismarck, den di^Deutschen Jahrzehnte später als den Mann feierten, der Deutschland r.zu achtunggebietender Machtstellung verhalf nur ein simpler Junker wie viele andere. Aber für die großen, wüthenden — Antisemiten des „Deutschen Volksblattes" gilt nur der Junker Bismarck von anno 1847 etwas, denn der hat eine Rede gegen die Juden gehalten! Was Bismarck sonst im Laufe seines erfolgreichen Lebens geleistet, was ist das in den Augen der großen, wüthenden — Antisemiten im Vergleiche zu jener Heldenthat, die der unbekannte Junker Bismarck im Jahre 1847 verübte, indem er gegen die Juden gesprochen? Das „Deutsche Volksblatt" führt zwar auch gegen seinen eigensten Gesinnungsgenossen einen schmerzlichen Hieb, indem es die antiquirte Rede Bismarck's —in welcher dieser gegen die Zulassung der Juden zu obrigkeitlichen Stellen opponirt — abdruckt. In dieser „antisemitischen Rede" sind nämlich Stellen enthalten, welche beweisen, daß auch zwischen dem Bismarck von 1847 und den großen, wüthenden — Antisemiten von heute, ein Abgrund gähnt, der durch nichts überbrückt werden kann. Bismarck sagt selbst von sich, er sei „voll angeborener Vorurtheile, die er mit der Muttermilch in sich gesogen", aber er verwahrt sich dagegen, so roh, so brutal, so bornirt zu sein — wie ein echter Judenhaffer sein muß. Er sagte in der Rede vom Jahre 1847 buchstäblich, und das ist auch im „Deutschen Volksblatt" zu lesen: „Ich bin kein Feind der Juden und wenn sie meine Feinde sein sollten, so vergebe ich ihnen. Ich liebe sie sogar unter Umständen. Ich gönne ihnen auch alle Rechte, nur nicht das, in einem christlichen Staate ein

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