Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 15 (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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w mm ensR mgrwT mm Nr. 15 "_Orstrrrrichifchr Wochenschrift Seüe 361 Wien oder sonstwo beziehen und durch eine Reihe von Jahren frequentiren. Darf sich die Stiftung gestatten, solche große und langjährige Kosten zu tragen? Sie kann nur in Ausnahmsfällen Gewerbeschüler unterbringen, zur Regel darf diese Unterbringung nicht werden! Schließlich möchte ich mir noch eine Frage erlauben; Wie kam es, daß, nachdem nur zwei der Herren Conferenz- Dclegirten gegen die Schulgründung Verwahrung eingelegt hatten, während die Majorität entschieden für dieselbe eintrat, gewichtige Gründe ins Treffen führend, dennoch eine Resolution zustande kam, deren Spitze gegen die Errichtung von Schulen gerichtet ist? Wie kam es ferner, daß dieselben Herren, welche gegen die Schule eiferten, dennoch schon in der 3. Conferenz-Sitzung vom Curatorium die Bewilligung von vier Volksschulen verlangten? Erinnert dies nicht lebhaft an den Arzt hei Moliöre, welcher mit der einen Hand das ihm dargereichte Honorar gierig einstreicht, mit der andern aber eine abwehrende Bewegung macht und seine sittliche Entrüstung darüber zum Ausdruck bringt, daß man es wage, ihm die aus reiner Menschenliebe geleistete Hilfe mit schnödem Gelde bezahlen zu wollen? Doch nein! E> ist nicht zu besorgen, daß das Curatorium, welches bis zur Einberufung jener in mancher Beziehung denkwürdigen Conferenz untrügliche und vertrauenerweckende Proben eines klaren Erfassens seiner großen und schwierigen Aufgäben, eines selbstständigen Urtheils und zielbewußten Handelns gegeben, daß dieses selbe Curatorium die aus dem Boden der mehr verwirrendelr als aufklärenden Conferenz herausgewachsene Resolution zu seinem künftigen Actionsprogramm machen köirnte! Ein solches Programm bedeutet nichts anderes als: die Versumpfung! Würde diese blutleere Resolution zur Richtschnur für die künftige Thätigkeit des Curatoriums, dann würden selbst erst nach 20 Jahren kaum greifbare Spuren der Thätigkeit der Stiftung zu erkennen sein, einer Stiftung, welche in der jüdischen Geschichte einzig dasteht, und an welche so große, und berechtigte Erwartungen geknüpft wurden! Gewiß, es hieße von den Männern des Curatoriums gering denken, wollte man befürchten, daß sie von des Gedankens Blässe mancher unserer „Experten" sich ankränkeln ließen. Nein, nicht den Curatoren, sondern den leitenden Persönlichkeiten unserer Erecutiv-Comitös rufen wir zu: Caveant consules! — Die Bester isr. Religivnsgemeinde. Budapest, 25. März *) B. M. Wie alljährlich um diese Zeit fand auch Heuer am jüugstverflofsenen Sonntag die Generalversammlung der Pester isr. Neligionsgemeinde statt. Der aus diesem Anlasse der Repräsentanz vorgelegte Rechenschaftsbericht und Budgervoranschlag wurde einhellig und unverändert angenommen. Bei dem Rufe und dem Ansehen, in denr diese größte jüdische Gemeinde Ungarns steht, dürfte es wohl nicht unerwünscht sein, diese nun auch der Oeffentlichkeit übergebenen Broschüren nicht ungarischen Gemeinden ebenfalls, wenn auch nur auszugsweise vorzuführen. Mag daraus das Leben und Weben, Wirken und Schaffen einer kräftig organisirten und von Jahr zu Jahr sich immer segensreicher entwickelnden jüdischen Körperschaft ersichtlich sein und die unter einer zielbuvußten und weisen Leitung stehende Großgemeinde, allen übrigen als leuchtendes Beispiel und Muster dienen. Der markig und bündig abgefaßte Rechenschaftsbericht weist in seinem Eingänge auf die für die Pester Gemeinde epochale Zeit vom 38. Juli 1861 bis 26. März 1863 hin, innerhalb welcher jene Bewegung zum Durchbruche gelangte, die die gegegenwärtige liberale Organisation und mithin auch die Neubildung des Gemeindelebens im Geiste der gebildeten Ideen unserer Zeit zur Folge hatte. Im Anschlüsse an diese Betrachtung wird pietätsvoll des einstigen Gemeindepräsidenten, Heuer leider verblichenen Dr. Ignatz Hirschler, Erwähnung ::i Verspätet. gethan, der in jener Zeit die bewegende Kraft jener heilsamen Reform war. Nach einem warmen Appell an die jüngere Generation, die Begeisterung jenes unvergeßlichen Mannes und seiner Mitarbeiter auch weiter zu pflegen, wendet sich der Bericht der Wirksamkeit der einzelnen Sectionen zu. Entsprechend der Reihenfolge unserer traditionellen ethischen Dreiheit (Unterricht, Kultus und Nächstenliebe) steht die Thätigkeit der U n t e r r i ch t s s e c t i o n obenan. Hier wird zunächst hervorgehoben, daß im abgelaufenen Jahre nach langer und gründlicher Vorbereitung endlich der in diesen Blättem bereits erwähnte Gesammt-Lehrplan des Religionsunterrichtes der Pester isr. Religionsgemeinde und Reglement für den I u - gendgottesdienst abgefaßt und herausgegeüen wurde.**) Auf Grund desselben und im Anschlüsse daran, erschienen auch schon einige Lehrbücher theils für Mittel-, theils für Bürgerschulen. Der Bericht spricht daran anknüpfend die Hoffnung aus, daß es der initiativen und grundlegenden Arbeit des israelitischen Schulinspectorates gelingen wird, der Snstemlosigkeit und Zerfahrenheit auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes im ganzen Lande ein Ende zu machen, was auch wir sehnlichst wünschen. Mit dem Anwachsen der Zahl der jüdischen Schüler haben sich im Jahre 1891 selbstverständlich auch die Kosten des Religionsunterrichtes erheblich vermehrt, so daß die Gesammtausgaben dafür fl. 31.916 betrugen. Die Knaben- und Mädchenvolksschulen der Gemeinde mit ihren 18 Klassen und ebensovielen Lehrern erfordern eine Ausgabe von fl. 39.812 Obwohl für Unterrichtszwecke, wie aus Vorstehenden ersichtlich, jährlich über fl. 60.000 ausgegeben werden, geht die Gemeinde dennoch daran, in der Leopoldstadt eine neue Schule zu creiren, wozu ihr von der Hauptstadt ein werchvoller Eckgrund ohne jewede Entschädigung überlaffen wurde. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß die städtische Caffe der isr. Gemeinde für Cultus- und Unterrichtszwecke einen jährlichen Zuschuß von fl. 13000 bewilligt hat. Für den Fond zur Errichtung der neuen Schule liefen im abgelaufenen Jahre fl. 1700 an Spenden ein. Der Schülerbesuch in dm Gemeindeschulen war im Jahre 1891/92 folgender: Knaben 74o, Mädchen 406, in Summa 1146, davon waren 607 Gratisschüler und an 558 Schüler wurden 1943 Gratis-Lehrbvcher vertheilt. Religionsunterrricht gmoßen durch die Gemeinde 11.653 Schüler an Volks-, Bürger- und Mittelschulen von 49 Lehrern und Professoren. Der zweite Theil des Berichtes befaßt sich mit den Cultusangelegenh eiten. Daraus sei vor Allem der erfreuliche Moment hervorgehoben, daß sich nun auch im Schoße der Gemeindeverwaltung die Ueberzeugung aufdrängt, daß der Bau eines neuen Tempels zur unabweisbaren Nothwendigkeit geworden. Bis dieser Plan verwirklicht werden kann, gedenkt die Gemeinde zwei größere Aushilfs-Betlokale zu errichten, zu welchem Behufe fl. 7000 ins Budget für 1892 eingestellt wurden. Gemäß den sich immer steigernden Ansprüchen beim Gottesdienst wurde schon für dieses Jahr eine Hilfspredigerstelle systemisirt, wofür ins Budget ver Betrag von fl. 1800 eingestellt wurde. Als Neuerung im Cultuswesen wird angeführt, daß an Sabbathen, wo keine Predigt stattstndet, an die Versammelten eine auf den Wochenabschnitt bezughabcnde Erhortation gerichtet und daß beim Namengeben der Neugeborenen und bei Confirmationen von nun an durch die Rabbiner ein Gelegenheitsgebet rezitirt wird. Der Bericht über die Wohlthätigkeitsanstalten der Gemeinde nimmt den weitaus größtm Theil des stattlichm Heftes ein. Nahezu fl. 100.000 wurdm in den abgelausenen Jahren für philantropische Zwecke ausgegeben. Die Erhaltung des großartigen isr. Spitals, dieses Musterinstitutes aller modernen Krankenhäuser, erheischte eine Ausgabe von fl. 46.50J. — Im verflossenen Jahre wurden daselbst 1093 Kranke, darunter **) Eine eingehendere Besprechung dieses bedeutenden Werkes behalten wir uns noch vor.