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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-08 · 15 (8.4.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 260 Vrstrrrrdtztfchr Wochenschrift. Nr. 15 Denn die zum Bewußtsein des unschätzbaren Segens des Volksschulunterrichtes gelangte Bevölkerung wird — wie dies in anderen Landern der Fall — selbst opferwillig Kindergarten ins Leben rufen. Heute aber in den jüdischen Gemeinden Galiziens Fröbelschulen creiren wollen, verriete nur einen Hang nach Sensation und hieße das geweihte Geld der Stiftung, welches, in Schulen investirt, die herrlichsten Früchte tragen würde, ganz nutzlos verpuffen. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird sich bald bei dem Versuche ergeben, welcher jetzt seitens der Stiftung gemacht wird. Denn, wie die Journale berichten, soll schon in den nächsten Wochen über Initiative des Herrn Dr. Fruchtmann eine Fröbelschule in Str-yj eröffnet werden. — Ich erlaube mir nun Herrn Dr. Fruchtmann, der ja in Stryj zu Hause ist und das Gedeihen der neuen Schöpfung zu überwachen Gelegenheit haben wird, höflichst einzuladen, einige Monate hindurch nach Jnslebentreten der Fröbelschule diese und die dortigen Eheders von Zeit zu Zeit sorgfältig zu inspiciren — und sollte er dann finden, daß auchnurzehn unverfälschte Chederknaben das Cheder verlassen haben, um in die Fröbelschule überzutreten; dann strecke ich freudig die Waffen und erkläre gerne, daß ich die Verhältnisse falsch beurtheilt habe. Einstweilen aber hege ich — und mit mir jeder unbefangene, mit den Zuständen vertraute und um die Zukunft unserer, in unsagbarer Noch und Finsterniß dahinbrütenden Glaubensgenossen ernstlich bekümmerte galizische Jude — die unerschütterliche Ueberzeugung, daß die Fröbelschule nur von solchen Kindern besucht sein wird, welche auch ohne ihre Intervention die öffentlichen Schulen besuchen, sobald sie das schulpstichtige Alter erreicht haben. Nun ist es ohne Frage eine Wohlthat, auch diesen Kindern vor ihrem schulpstichttgem Alter eine Heimstätte zu errichten; aber ist dieses Aufgabe der Stiftung? Gewiß nicht; sie ist es umso weniger, als mtt den für diese Fröbelschule zu verwendenden Mitteln an einem andern Orte, wo der Schulbesuch ganz u n o e r g l e i ch li ch schlechter als in Stryj ist, eine Schule im Sinne der Stiftung errichtet werden könnte! Ein guter Griff wäre es allerdings, wenn das Curatorium bei Gründung von Stiftungsschulen auch gleichzeitig überall auf die Creirung einer unteren Abtheilung Bedacht nehmen, in welcher Kinder vom vierten bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre spielend für die mit ihr in Verbindung stehende Volksschule vorbereitet würden. Eine solche untere Abtheilung würde nicht nur sehr geringe Kosten verursachen, da sie unter derselben Schulleitung stünde und der Vorbereitungsunterricht den Lehrern derselben Schule zusallen würde; sie würde auch vollkommen ihre Aufgabe erfüllen, die Kinder ftühzeittg sprechen, gehen und sitzen lehren, an die Schule gewöhnen und sie derselben unfehlbar zuführen. Aber es gibt hier zu Lande Leute—zum Glück nur v e rschwindend wenige, welche der von der Stiftung d i ct i r t e n Aufgabe der Schulgründung scheu aus dem Wege gehen. Und da schleicht man denn, wie die Katze um den Brei, um die so klar zu Tage liegende Aufgabe herum, anstatt zum Heile des Landes frisch und wacker zuzugreifen. Man deutelt und tüftelt, speculirt und spintisirt, macht alle möglichen Bocksprünge, jagt Schatten nach, um nur nicht den Kern der Sache erfaffen zu müffen. Wie sagt doch Mephisto im Faust: „ .... ein Kerl der speculirt, „Ist wie ein Thier, aus dürrer Heide „Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, „Und rings umher liegt schöne, grüne Weide." Die Schule ist das einzige Mittel, welches uns der gänzlichen Versumpfung entreißen kann. Wenn die Stiftung nur dreißig Muster-Volksschulen u. zw. anden wichtigsten, d. h. finstersten Punkten des Landes errichtet — und daß das Curatorium den richtigen Griff thun wird, dafür bürgt seine bisher bekundete klare Erkenntniß der Sachlage — so hat sie für die Judenschaft Galiziens ganz Außerordcntlichä geleistet: denn sie hat damit nicht nur mit einem Schlage 8000—10.000 Knaben der gänzlichen Verwahrlosung entrissen; diese Schulen werden überdies — und dieses ist ihre eigentliche Bedeutung — ihre Strahlen rings in die weite, umnachtet liegende Umgebung senden, nach und nach die Bevölkerung aus ihrer trägen Lethargie erwecken, werden sie schulfreundlich machen und endlich das Bedürfniß nach ähnlichen Schulen erzeugen. Exempla trahunt. Man sehe doch, was die wenigen bereits bestehenden israelitischen Volksschulen in der hier angedeuteten Richtung leisten! Diese 30 Schulen werden — wenn wir die jährlichen Erhaltungskosten einer Schule mit 4000 fl. berechnen — jährlich rund 120.000 fl. beanspruchen; es werden sonach der Stiftung noch 70.000 bis 80.000 fl. jährlich für die Förderung des Handwerkes re. zur Verfügung bleiben. Das wäre eine nach alleil Seiten hin befriedigende und imponirende Leistung! Jenen Leuten aber, welche in ihrer Gedankenlosigkeil eineir Horror vor diesen jüdischerseits gegründeten Schulen hegen, welche vor einer sogenannten jüdisch-„confessionellen" Schule, und wäre sie die mustergiltigste von der Welt, scheu und ängstlich, wie der bereits citivtc Mephisto vor einer Kirche, vorbeihuschen, möchten wir das Herrliche Wort des alten Heiden zmufen: Introite, nam et lieic Dii sunt! tretet einmal ein in diese Schulen, besehet sie euch und den ganzen Umfang ihees Wirkens in der Nähe und ihr werdet beschämt gestehen müssen, daß sie — wie die jüdischen, und sagen wir es frei heraus, auch die nichtjüdischen Verhältnisse in Galizien heute liegen —nicht nur noch lange nicht überwunden sind, daß sie vielmehr noch eine hehre Mission bei uns zu erfüllen haben: unseren späten Enkeln die Pforten der allgemeinen Schule, die dann allerdings — wie zu hoffen ist — eine andere als die heutige, sein wird-zu eröffnen. Man lese doch nur den diesjährigen Bericht des k. k. Landesschulrathes über die trostlosen hierländischen Volksschulzustände, welcher ein schrilles Echo in den Tagesjournalen hervorgerufen, besuche dann die aufblühenden Stiftungsschulen, die sich kühn mit den besten Schulen des Landes messen können und habe dann den traurigen Muth, beut Curatorium zu rathen, mit der Gründung weiterer Stiftungsschulen einzuhalten! Endlich sind ja, wie Herr Ritter v. Gniewosz trcffeud den Gegnern der Schulgründungen erwiderte, die Stiftungsschulen keine confessionellen, da sie ja auch christlichen Kindern offen stehen und sogar für deren Religionsunterricht zu sorgen verpflichtet sind. Natürlich, der Stifter hat nicht in oberflächlicher Art, wie manche Herren, die darin der Jugend gleichen, daß sie, wie diese „schnell fertig mit dem Worte sind, das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide", das Schwergewicht seines galizischen Hilfswerkcs in die Gründung von Schulen gelegt. Er hat lange Jahre und eingehend, die galizischen Zustände studiren lassen und selbst studirt und hat endlich nur der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, als ersten Programmpunkt der von ihm einzuleitenden galizischen Action die Schulgründung hingestellt. Noch eines sei zum Schlüsse gestattet als unmaßgebliche Meinung zu bemerken, daß die Unterbringung von Knaben in großer Zahl bei Handwerkern keineswegs a limine abzuweisen, und der Zuführung zahlreicher Zöglinge zu den Gewerbeschulen nicht so unbedingt zuzustimmen sei. Denn wenn auch die galizischen Handwerker im Allgemeinen nicht zu den Tüchtigsten zählen, so werden doch die bei ihnen untergebrachten Knaben, die ja sonst dem Bettel und der Verwahrlosung verfallen, nach dreijähriger Lehrzeit wenigstens das Arbeiten erlernt haben und wenn auch noch dafür gesorgt ist, daß sie im Laufe dieser Zeit in Abendschulen lesen, schreiben, rechnen rc. lernen, so werden sie, frei gesprochen, sich auf ihren Wanderungen zu tüchtigen Handwerkern heranbilden. Nur muß man die Mühe der Unterbringung und Ueberwachung nicht scheuen und muß zu diesem Zwecke entsprechend organisirt sein. Ein Nisi aber hat es mit der Heranbildung von Gewerbeschülern. Abgesehen davon, daß diese sehr kostspielig ist, und daß im Laufe der. Jahre viele Zöglinge abfallen — was die tägliche Erfahrung lehrtmuß der Knabe, wenn er nach Jahren die hierländische Gewerbeschule absolvirt hat, zu seiner Vervollkommnung die höhere Gewerbeschule in

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