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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-08 · 15 (8.4.1892) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 258 Oeyrrrrichische Wochenschrift. Nr. 15 heute wie vor sechs Jahren. Und zwischen diesem Ehrenmann und Dr. Caspar Schwarz besteht eine derartige Intimität, daß Psenner im Voraus gewußt hat, welche Mittheiülngen der Firma Krauß & Comp, in Währing Dr. Caspar Schwarz bestreiten wird, nämlich, daß er eine von Juden gekaufte Maschine „noch nach sechs Wochen zurückschicken" würde. Von „sechs Wochen" hat Herr Dr. Caspar Schwarz nicht gesprochen, er mag vielleicht' von 4 oder 5 . Wochen geredet haben, und richtig Dr. Caspar Schwarz - dementirt die „sechs Wochm". Er dementirt aber nicht, daß er dem Vertreter der Firma Krauß & Comp, rund erklärt hat, für ' das Studentenheim des Asyls-Vereines von jüdischen Geschäftsleuten, selbst wenn sie die besten und preiswürdigsten Waaren liefern, nichts kaufen zu wollen. Wozu das unwürdige Possenspicl eines Dementis, welches die Blöße aufdeckt, diees verhüllen soll.Und ist es nicht eine „Ausbeutung der Juden", wenn man an den jüdischen Wohlthätigkeitssinn appellirt, eine Studentenstiftung zu unterstützen, indem man gleichzeitig versichert, daß aus der Verwaltung dieser Stiftung der ehrlose und entehrende Rassen- und Religionshaß jederzeit verbannt bleiben würde, hinterdrein aber den Grundsatz: „kauft nicht bei Juden" zur Richtschnur für die Verwaltung wählt? Ist das nicht nakte „Bauernfängerei", nicht eine Versündigung gegen den erlauchten Prinzen, welcher als Protector dem Asyl-Verein voransteht, und welchem die solcher'Art prakticirten Schlaumeiereien verheimlicht werden? Und warum dieser wahnwitzige Judenhaß bei solcher Schlangenklughett? Uns persönlich ist ein religionstreuer Katholik viel sympathischer als ein sreigeistiger Phrasendrescher,, wie sie heut zu Tage üppig in die Halme schießen. Wäre die reclammenkundige Frömmigkeit des Dr. Caspar Schwarz nicht stark geschminkt, er hätte aus der von ihm selbst einbekannten Thatsmhe, daß die Juden, welche kaum 10% der Gesammtbevölkerung bilden, bei den Spenden für seinen Asylverein, nahezu mtt 50% oder 45% sich betheiligen, die Lehre entnehmen müssen, daß es mü der moralischen Inferiorität des gehaßten semitischen Volksstammes nicht so schlimm bestellt sein kann. Man erinnere sich nur der großen Anzahl arischer Millionäre, die allein in Wien leben, man bringe in Anschlag die zahllosen Millionen, welche in der todtcn Hand ausgehäuft sind, und man wird die 50% jüdischer Spenden für den Wohlthätigkeits-Verein, an desien Spitze ein Dr. Caspar Schwarz wirkt, richtig taxiren. Und dennoch schämt dieser Dr. Caspar Schwarz sich nicht, einem jüdischen Kaufmann zu sagen: Ich kaufe nicht bei Dir, wett ich Dich hasse und ich hasse Dich — weil Du den Gott der Israel aus der Knechtschaft Egyptens, aus der Gewalt des Pharao und Haman befreit hat, den Gott des Men Testamentes anrufest, weil Du ein Nachkomme der alten Propheten bist, wett in Deinen Adern das Blut derer rollt, aus derem Geschlecht die heilige Maria, die Apostel des Christenchums, die Märtyrer der Kirche hervorgegangen! Wie schlimm es sonst mit der moralischen Qualität der Juden bestellt sein mag, ergibt sich auch aus der interessanten Thatsache, daß der israelittsche Gefangenhaus-Seelsorger Herr Lector Friedmann von dem Jnspectorat der Strafanstalt Wiener Neudorf für weibliche Sttäslinge die Verständigung erhiett, er brauche am kommenden jüdischen Osterfeste zur Abhaltung eines Gottesdienstes in der Strafanstalt nicht zu erscheinen, nachdem dermalen kein israel. Sträfling in der Anstalt sich befindet. Die Moral eines „vereinigten Christen" schillert in allen Farben und wird zugerichtet je nach Bedarf. Dr. Caspar Schwarz predigt die Lehre, daß man dem Juden das Geld abnehmen soll, aber keine Maare Mausen darf. Nicht die Güte des Produktes, sondexn die cönfessionelle Provenienz ist entscheidend: vom Gelde aber sagte der alle Arier von ölet. Herr Gregorig kaust für seine arischen Kunden die besseren Waarm von Juden. „Das Geschäft verlangtes." Herr Sla m a steht die Mischen Händler in Galizien an, sie mögen ihm die Waarensorten abkaufen. „Das Geschäft erfordert es." D r. Caspar Schwarz ist ein würdiger Genosse dieser Herren, er repräsentirt sich ganz gut neben Lueger und Schneider in den Hetzversammlungen. In der vorstehenden Zuschriftwird versichert, daß „der weitaus überwiegendste Theil des Vereinsverinögens seit jeher von christlichen Mitgliedern und Wohlthätern gespendet wurde". Dr. Caspar Schwarz hat sich bereits, wie esscheint, das antisemitische Einmaleins gründlich angeeignet, und die antisemitische Statistik hat bekanntlich jederzeit die Eigenheit besessen, die Erscheinungen und die Thatsachen ungenau und entstellt widerzuspiegeln. Wir erlauben uns die Anfrage, ob Herr Dr. Schwarz bei seiner Berechnung alle, jene Wohlthäter des Asylvereins, welche in den antisemitischen Versammlungen täglich als „Juden^ geschmäht und beschimpft werden, ausnahmsweise bei seiner Berechnung für seine Partei reklamirt hatte? Die Spenden der Banken und Finanz-Institute — hat Dr. Caspar Schwarz diese den Juden gutgeschrieben? Und wie es nüt .der Verwaltung überhaupt bestellt ist, ergibt sich aus den Mittheilungen des Herrn Dr. Schwarz selber. Er gibt zu, daß an die Hälfte der Spenden von jüdischen Wohlthätern herrühren und die Unterstützungsgelder fließen nicht einmal zum fünften Theil bedürftigen Studenten jüdischer Confession zu. Zieht man die Anzahl der jüdischen Studenten in Betracht und die große Noch, welche in dieser Studentenschaft herrscht, so haben wir das Resultat einer antisemitischen Gerechtigkeit, welche über gemeinsame interconfessionelle Unterstützungsgelder verfügt, daß selbst der Dr. Psenner seine Befriedigung darüber empfindet und seine Genugthuung darüber ausspricht. Wenn Dr. Schwarz aber neuerdings zu behaupten wagt, daß er „als Präses des Asylvereins für die Gleichberechtigung der jüdischen und christlichen Studenten eintritt", so soll er uns sagen, welche Juden oder Studenten jüdischer Confession an der Verwaltung des Asylvereines, bei der Berathung über die Vertheilung der Beneficien theilnehmen? Warum hat man die Statuten mit einem antisemitischen Raffinement so präparirt, daß die Juden auf eine antisemitische Gerechtigkeit und antisemitische Unparteilichkeit angewiesen sein sollen? Und was die Wahl des Dr. Caspar Schwarz im Jahre 1884 an langt, so wollen wir darüber kein Wort verlieren. Dr. Caspar Schwarz weiß am Besten, wie die Dinge sich zugetragen haben. Ein neuerliches Aufrollen dieser Acten erscheint umso überflüssiger, als Dr. Caspar Schwarz durch seine agitatorische Thätigkeit in antisemitischen Hetzversammlungen seine Gesinnung vor aller Welt declarirt hat. Endlich aber wäre es an der Zeit, daß die Verwaltung eines interconsessionellen Wohlthätigkeits-Jnstitutes von einem Manne befreit wird, der es durch seine prononcirte Parteistellung auf's Tiefste schädigen und compromittiren muß. Das „neue Programm" der galipfchen Varon-Hirsch-Süflung. Die in Nr. 12 der- „Oefterreichischen Wochenschrift" publicirten Protocolle der im Februar d. I. zwischen den Leitern des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung mit den Delegirten der Executiv-Comites von Lemberg, Krakau und Czernowitz in Wien gepflogenen Conferenzen haben in ganz Galizien Sensation erregt und das nicht ohne Grund. Man erwartete schon seit geraumer Zeit mit Spannung eine Enunciation des Curatoriums; aber sie kam nicht, dagegen erschienen von Zeit zu Zeit in hiesigen Blättern Notizen über Beschlüße der Comites, welche wohl von Eingeweihten inspirirt gewesen sein mochten, die aber über die Ziele des Curatoriums Stillschweigen beobachteten. Nun erfuhren wir mit eins, daß das Curatorium eine Delegirtenconferenz einberufen und bekommen gleichzeitig den Inhalt und das Resultat derselben in bündigster Zusammenfassung vorgelegt. Gestehen wir es, daß uns diese Enunciation bei der ersten Lesung dermaßen frappirte, daß wir uns einbildeten, schlecht gelesen, oder das Gelesene falsch aufgefaßt zu haben.

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