Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 15 (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 16 Wie«. 8 April 1892. IX. I«hrU««K. Crntralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. --—>—^- Eigenlhümer: Reichsralhs-Abgeordneler Dr. Kloch. -- Erscheint jeden Freitag. Inhalt: Leitartikel: Dr. Caspar Schwarz. - Das „neue Programm'' der galizischen Baron Hirsch-Stntung. — Die Pest er isr. Religionsgemeinde. — Bismarck undMoltke. — Zur GeschichtederBlutlüge.— Correspondenzen: Wien,Prag,Droppau, Belovar, Berlin, Petersburg, New-Aork. — Vermischtes: Wien, Lundenburg, Neunkirchen» Hvlic<?, Mühr.-Ostrau. Czernowip, Horitz, Budapest, London. — Feuilleton'.Srul aus Lubertöw. — Die Auferstehung. — Vier Schüler. — Briefkasten. — Wocheukalender. — Publieationen des israel. Cnltusvvrstandes. — Inserate. *=■- =■ - - -- | A. ft. Postspsrrsffenamr 1 Glearingvrrkrtzr Nr. 810.976. Ardsrlion u. Administration: Wir« l. Sothrnthurmstrastr 89. *■,■■■= --* Man adonnirt bei allrn VvfianstaUen des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete PetiUeile 12 kr. Dr. Caspar Schwär; sendet uns nachstehende Zuschrift: An die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift". Mit Berufung auf § 19 des Preßgesetzes verlange ich die Aufnahme nachstehender Berichtigung, betreffend den Leitaussatz, betitelt „Auch Einer!" in der Nummer 13 Ihres Blattes vom 25. März 1892. Erstens ist es vollends unwahr, daß ich zu dem Vertreter der Firma Krauß & Co., Währing, Herrengasse 64, gesagt habe, daß ich die Maschine, die ich zu bestellen beabsichtige, noch nach 6 Wochen, rvenn ich nachträglich erfahren sollte, daß die Firma eine jüdische wäre, zurückschicken würde. Zweitens enthält der Satz: „Ein Blick in die Jahresberichte des Vereines genügt, um die Thatsache zu erweisen, daß das Vereinsvermögen größeren Theils jüdischen Ursprungs ist" eine eclatante Unrichtigkeit, da nachweisbar der weitaus überwiegendste Theil des Vereinsvermögens seit jeher von christlichen Mitgliedern und Wohlthätern gespendet wurde. Drittens widerspricht der Satz, daß „Dr. Caspar Schwarz durch Mittel, welche hier nicht näher gekennzeichnet werden sollen, Präsident des Vereines geworden", insoferne dadurch bei jedem Leser Zweifel in Bezug auf die Rechtmäßigkeit seiner Wahl zum Präses rege gemacht werden sollen, der Thatsache, daß laut Protokoll der ordentlichen Plenarversammlung vom Jahre 1884 der Wahlact in vollkommen correctcr Weise vor sich ging. Viertens ist die Behauptung, daß ich die Unwahrheit gesagt habe, als ich erklärte, ich trete als Präses des „Asylvereines" für die Gleichberechtigung der jüdischen und christlichen Studenten ein, durch die Thatsache widerlegt, indem wahrend meiner Amtswirksamkeit im Studentenheime 173 jüdische Studenten ausgenommen wurden und auch derzeit 17 jüdische Hörer der hiesigen Universität daselbst das Benefizium der unentgeltlichen Wohnung sammt Beheizung und Bedienung genießen. Aus diesen actenmäßig nachweisbaren Thatsachen ergibt sich fünftens zur Evidenz, daß der Vorwurf der Vorspiegelung der Ausbeutung der Juden, der Bauernfängerei, wobei ich nur für die Gleichberechtigung beim Geldnehmen eingetreten sei, durchaus unbegründet ist. Wien, am 31. März 1892. Med. Dr. Caspar Schwarz d. Z. Präses des „Asylvereines" der Wiener Universität." Als wir die vorstehende „Berichtigung" des Dr. Caspar Schwa r; erhielten, tauchten vor unserem speiste Erinnerungen aus den Jahren 1885 und 1886 auf; auch damals beehrte Herr Dr. Caspar Schwarz die „Oesterreichische Wochenschrift" mit seinen famosen „Berichtigungen". Dazumal „berichtigte" er sogar die ihm von jüdischen Studenten zu .emuthete antisemitische Gesinnung und er berief sich auf seinen Charakter als treuer Katholik, welcher eine solch' häßliche Gesinnung absolut ausschließe. In der vorstehenden Zuschrift wird die antisemitische Gesinnung nicht mehr bestritten, die Parole „kauft nicht bei Juden" verträgt sich bei ihm dermalen ganz gut mit dem Charakter eines treuen Katholiken. Noch im Jahre 1887, beziehungsweise Ende des Jahres 1886 hat zwischen dem antisemitischen Bankenschnorrer Dr. Psenner und dem Dr. Caspar Schwarz eine heftige Fehde sich abgespielt, weil der Letztere es damals noch nicht an der Zeit hielt, seine Maske vollständig zu lüften. Cr brauchte noch einiges Kleingeld jüdischer Wohlchäter. Dr. Psenner in seinem Schmierblatt ließ einen „katholischen Priester" aufmarschiren und dieser erzählte unter der Ueberschrift: „Ter Toctor Eisenbart des „Katholischen Schulverein". „Wir bemerkten wohl schon, daß der gewisse Herr Doctor Caspar Schwarz (I., Stefansplatz 6), Obmann des „Katholischen Schulverein" für Niederösterreich, eine gebogene Nase habe, die in das gelobte Land hinüberreicht. Was kann der Mann dafür? „Wir erkundigten uns, und siebe, der Vater des Herrn Doctor war talmudfrommer Jude und ließ sich laufen; er benahm sich dann auch als ein eifriger Katholik; auch Doctor Caspar Schwarz wird von Vielen als sehr frommer Katholik gehalten. Aber, wie wir schon so oft gesagt, das Daufwasser wäscht den Juden nicht ab. Bei Doctor Schwarz regt sich das semitische Blut. — Was kann er dafür. „Es ist eben der Nachkomme des Wolfes ein Wolf, des Fuchses ein Fuchs, und des Schafes ein Schaf, des Ariers ein Arier, des Juden ein Jude. „Da nun diese Kur dem „Katholischen Schulvereine" nicht gut anfchlägt und wir Christen mit derselben durchaus nicht zufrieden sind, so rathen wir dem berühmten Arzte, derselbe wolle künftig den Christen das bessere Dies- und Jenseits wenigstens nicht mehr durch seine öffentliche Wirksamkeit zu verschaffen suchen, sondern sich hiebei auf seine private Thätigkeit beschränken." Heute ist Dr. Psenner mit der „öffentlichen Wirksamkeit" des Dr. Caspar Schwarz überaus zufrieden, er hat ihm die unvorsichtige Wahl feiner allerdings stark provocirenden Nase längst verziehen, zwischen beiden Herren herrscht eine intime Freundschaft. Dr. Psenner hat sich nicht geändert. Er schimpft auf _ die „Juden" und die „ausbeuterischen Kapitalisten" heute wie vor sechs Jahren und geht von Bank zu Bank zu den Juden schnorren