Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Arsterrrtchifthr WochrnfchrM. Sette 251 italienischen Wiener Local Comites für die Wiener internationale Theater- und Musikausstellung in Wien von König Umberto in Rom in Audienz empfangen, wo Dr. Tiring in Ausstellungs- Angelegenheiten im Aufträge des Wiener-Comites weilte. König Umberto empfieng Dr. Tiring in leutseligster und überaus freundlichster Weise und nahm an der Wiener Ausstellung das regste Interesse, dankte Dr. Tiring für dessen Bemühungen, namentlich für die opferwillige, beschwerliche Romreise und erkundigte sich um die Angelegenheiten und Einzelnheiten der italienischen Colonie in Wien, dessen eifriges und thätiges Mitglied Dr. Tiring ist. König Umberto entließ Dr. Tiring nach nahezu dreiviertelstündiger Audienz in huldvollster Weise und mit Wünschen für eine glückliche Heimreise und möglichstes Gelingen der Exposition des italienischen Localcomites. Dr. Tiring wurde in Rom in die Zirkel der höchsten Kreise der Residenz gezogen und mit größter Zuvorkommenheit in seiner Aufgabe gefördert. Wie». Der bekannte in Paris domizilirende Eompvsiteur Herr Richard Mandl, Sohn des hiesigen Großindustriellen Herrn Ignatz Mandl, hat das Schauspiel „Grieseldis" instrumentirt und wird dasselbe mit verstärktem Orchester im hiesigen Burgtheater aufgeführt werden. Wien. Der Librettist der Oper Cavalleria Rusticana, Professor Dr. Guido Menasei, weilt gegenwärtig in Wien und zieht die Aufmerksamkeit der intelligenten und Theaterkreise Wiens auf sich. Man weiß, daß nebst der Composition auch das vorzüglich gelungene Libretto zum durchschlagenden Erfolg dieser Oper beigetragen hat. Gegenwärtig componirt Mascagni neuerlich ein Libretto von Tr. Menasei die Ranzau, dem ein guter Ruf vorangeht. Dr. Menasei ist Advokat in Livorno und Stesse des bekannten italienischen Nationalökonomen Dr. Gustav Tiring in Wien. Dr. Menasei wird über Wunsch des verhinderten Compositeurs Mascagni, den ersten Aufführungen von „Amico Fritz" in der Hofoper anwohnen. Wie«. Unter den vielen humanitären Bereinigungen Wiens niinint der im 2. Bezirke wahrhaft segensreich wirkende Berein „Milde Herzen" einen ersten Platz ein. Dank der zielbewußten Leitung seines Obmannes, des bekannten Armenratbes Herrn Albert.Nohn, versorgt dieser junge Verein unter persönlicher Aufsicht seiner Ausschuß- Mitglieder derzeit schon täglich 10 arme schulpflichtige Kinder Mittags und Abends mit reichlicher und kräftig gesunder Hausmannskost Eine schätzenswerthe Neuerung, um mit den unterstützenden Mitgliedern in Contact zu bleiben, ist die Veranstaltung geselliger Familienabende mit musikalischen und declamatorischen Vorträgen durch bekannte Kunstkrüfte in Weis; Restauration 2. Bez. Praterstraße 84. Wien. Sonntag den 27. d. M. führte der hier 2. Bez. Praterstraße 86 etablirte Herr Ernst Löwi Früul. Szerene Jonasz, Tochter der hier allgemein bekannten und beliebten Familie Bernhard und Therese Jonasz (Besitzer des Eafe Pollatschek vorm. Pöchhaker 2. Bez. K'omödieilgasse und der Parfnmeric-Hhgiene, 6. Bez. Mariahitferstraßc 1a; zum Traualtar. Der Trauungs-Eeremonie hat ein gewähltes Publicum aus den bestell Kreisen angewohnt. Wien, 29. März. (Marie Kompert.) In ihrer Wohnung, Bäckerstraße Nr. 14. ist heute Frau Marie Kompert, die Witwe des Dichters Leopold Kompert, im Alter von 71 Jahren gestorben. Frau Kompert erfreute sich irr weiten Kreisen der Wiener Gesellschaft, mit der sie auch nach dem Ableben ihres Gatten in engen Beziehungen stand, größter Sympathien. Wien, 29. März. Professor Theodor Gomperz feierte heute das Toppelfest seines sechzigsten Geburtstages und des sünfundzwanzigjährigen Jubiläums seiner Lehrthütigkeit au der Wiener Universität. Einer aus dem Kreise der hiesigen philologischen Gesellschaft hervorgegangenen Anregung zur entsprechenden Feier dieses Tages schlossen sich die Gelehrten- und Gesellschaftskreise, denen Gomperz nahe steht, an. Wien. Das antisemitische Hetzorgan „Deutsches Bolks blatt" bringt mit schlecht verholtem Aerger nachstehende Notiz: (Das Judenthum in den höheren Schulen in Preußen.) Nach der Volkszählung von 1885 in Preußen entfallen auf die Evangelischen 62 Percent, auf die Katholiken 36*/; Percent, aus die Juden r/5 Percent der Gesammtbevölkerung. Bon den Abiturienten desselben Jahres dagegen entfallen auf die Evangelischen 67'-'/,Percent, aus die Katholiken 25'/« Percent, aus die Juden 73 „ Percent. — Am stärksten wenden sich die jüdischen Abiturienten dem medizinischen Studium zu. Von 770 Abiturienten, die im verflossenen Jahre sich dem medizinischen Studium widmeten, gehörten 201 dem Judenthum an, das ist 18',, Perzent. Bon 733 Abiturienten, die Jura und Cameralia sich widmeten, gehörten 74 dem Judenthum an, das ist 11 2 Perzent. Das ist ein Beweis für den inferioren Charakter der „jüdischen Raffe". Es gereicht den Juden gewiß nicht zur Schande, daß sie nach Bildung und Wissenschaft streben und sich in dieser Richtung vortheilhaft von den arischen Studenten, die, insoweit sie der antisemitisch-deutschnationalen Richtung angehören, zumeist im Biergenuß verbummeln und ein gebildetes Proletariat gefährlichster Sorte bilden. Wien, 30. März 1892. Bei der am 25. d. M stattgefundenen Versammlung der Mitglieder des Beihauses 6. Bez. Stumpergaffe Nr. 2, wurde der Beschluß auf Gründung eines Bethaus-Vereines mit behördlicher Genehmigung gefaßt und in das provisorische Eomite nachstehende Herren gewählt: Herr Leop. L ö w - B e e r, D. Marl e, S. Weiß. Sigmund Gewitsch, Moritz Felsenburg, A. Teweles, S. Adler. Leop. Werter und Gustav Benedikt. Wien, den 27. März 1892. Mit seinem Familienabende vom 26. d. M. trat der literarische GeseUigkeitsoerein jüdischer Mädchen „Moria" zum erstenmale in die Oeffentlichkeit und errang mit demselben einen solchen Erfolg, daß er von der Zukunft seiner übrigen Veranstaltungei, nur das Beste zu erwarten berechtigt ist. Hatfchek's Restaurant war bis auf das letzte Plätzchen von einem höchst distinguirtem Publikum gefüllt, welches in unverhofft großer Zahl der Einladung des Ausschusses gefolgt war. Nach Begrüßung der Gäste, besonders der anwesenden Vertreter der Vereine: ..Oesterreichisch- Jsraelitische Union", „Admath-Jesehnrim-* und „Kadimah* ergriff die Präsidentin Frl. Franziska Reich das Wort, um in schwungvoller Rede die Tendenzen des Vereines zu entwickeln. Rednerin wurde wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen, besonders bei jenen Stellen, wo sie die Verpflichtung des jüdischen Weibes zum Kampfe wider den religiösen Jndifferentismus und die jetzt in jüdischen Kreisen so beliebte Verspottung alles Jüdischen in treffender WUse hervorhob. Nachoem der Verein ein Chorlied zum Vortrage gebracht, sprach die Vicepräfidentin Frl. Sabine G r u b e r, deren geiswolle, mit zahlreichen Apercus gewürzten Worte der ethischen und didaktischen Bedeuwng der jüdischen Geschichte und Literatur gewidmet waren. Es machte eben einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden, zu hören, wie anmuthige Mädchen aus den besten jüdischen Familien, frei von jedem Blau strumpsthuine die Gefühle ihres Herzens und ihre Begeisterung für das jüdische Volk zum Ausdrucke brachten. Wien. sD r. Adolf H o f s m a n n. j Am 28. März feierte Herr Dr. Adolf Hoff mann seinen siebzigsten Geburtstag in vollster Frische des Geistes und des Körpers mit nahezu jugendlicher Rüstigkeit. Seit mehr als 45 Jahren wirkt er in Wien in humanster Weise als hochangesehener practischer Arzt als Senior der hiesigen jüdischen Aerzte. Während seiner Universitätsstudien hat er noch bei dm „tolerirten Juden" im kleinen Freundeskreis zu Tische gesessen, dessen Ueberlebenden ihm auch heute unverändert ihre Freundschaft warm bewahren. In allen Gesellschastsclassm fand er die ihm gebührende Anerkennung , und nimmt unter seinm Eollegen -im Geschästsrarhe der <Gesellschaft der Aerzte eine hervorragende Stellung ein. Verdienstvoll wirkte er bei der Errichtung des jüdischen 'Altersversorgungshauses mü und mtsaltet eine rühmliche humanitäre Thätigkeit beim Seehospize zu San-Pelagio, dessen segensreiche Gründung vornehmlich auf seine Initiative zurückzusühren ist. Bei dieser' Heilanstalt sorgt er aufopfernd für Kinder aller Eonfefsionen mit gleicher Güte in angestrengter Thätigkeit, indem er fortwährend für sie unermüdlich sammelt und sie materiell unterstützt. Zu Gunsten von Pelagio's Hospiz, dessen Gedeihen ihm am Herzen liegt, setzt er alle Kräfte und seine Stellung mit seltener Ausdauer ein. Erglühend für die Ideale, welche er seit frühester Jugend gehegt, strebt er stetig mit warmfühlendm Herzen für das Wohl der Leidenden in concilianter und milder Weise, und gedenkt aller seiner Freunde in treuester Hingebung. Floridsdorf. Herr I. Löw, Religionslehrer der israel. Cultusgemeinde Floridsdorf feiert am 9. April d. I. ein Doppelfest, seinen. 50. Geburtstag und den 30. Jahrestag seiner Lehramtsthätigkeit. Ottakring. Am 30. d. M. 7 Uhr Abmds wurde im israel. Eultustempel XVI. Bez. Huberg. 8, ein Requiem abgehalten für den verewigten Herrn Ignatz Edlen von K u f f n e r. Ottakring, im März 1892. Donnerstag, den 24. d. M. wurde unter zahlreicher Theilnahme die allen Kreisen der hiesigen