Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 250 Orstrrrrichifche Wochenschrift Nr. 14 Stellung resignirt, da er bereits die zulässige Altersgrenze erreicht hat. Derselbe erhielt aus diesem Anlasse den Titel eines ersten Ehrenpräsidenten. M. Bed.'.rrides ist der erste Jude, welcher eine so hohe Ehrenstelle einnahm, in welcher er sich die Achtung aller College» erwarb. M. Camille Lyon, wurde zum Cabinetsdirector des neuen Ministers sür Justiz und öffentliche Arbeiten ernannt. M. Drumond und seine kleine Antisemitenbande werden diese Beorderung eines Juden auf einen hohen und einflußreichen Posten gewiß nicht mit viel Vergnügen zur Kenntniß nehmen. M. I u l e s Cohen, durch fast 20 Jahre Chordirector au der großen Oper und einzelner Gesangsclassen am Conservatorium, hat aus Gesundheitsrücksichten auf seine Stelle resignirt. Seine zahlreichen Freunde beabsichtigen deshalb ihm zu Ehren ein Concert zu veranstalten, in welchem ausschließlich Compositionen von M. Cohen aufgeführt werden sollen. An dem Concerte werden Mitglieder des Opernorchesters, Choristen der Musik-Academie und Eleven des Conservatoriums Mitwirken. Das Reinerträgniß stießt der Genossenschaft der Musiker zu. Coustautiuopel, 17. März. Wir lesen in der „jüdischen Presse." Die Ermordung des jüdischen Kindes Rubina Sarda in Corfu wird von der internationalen Antisemiten-Presse mit unvermindert dreister Verlogenheit als „Ritualmord" allsgeschlachtet. Demgegenüber gewinnt folgende Mittheilung, welche die hervorragendste hiesige Tageszeitung, der „Stambul", an leitender Stelle veröffentlicht, gesteigertes Interesse: „Man erinnert sich der Unruhen, welche im vorigen Jahre in Corfu statffanden aus Anlaß der Ermordung eines jüdische» Mädchens Rubina Sarda, welche man zur Christin machen wollte, um die Israeliten zu beschuldigen, sie zu „rituellen Zwecken" getödtet zu haben. Die gerichtliche Untersuchung hat Thastachen zu Tage gefördert, welche des Interesses nicht, entbehren. Bekanntlich wurden zwei Israeliten getödtet und eine israelitische Frau schwer verwundet. Die des Mordes der ersteren beiden angÄlagten Stini, Balabino, Vlachvs, Arghivtti. Dameri und Mermina standen am 3. Januar vor den Assisen in Patras, die ersten drei als die eigentlichen Urheber, die letzteren beiden als die Complicen des Mordes. Der Gerichtshof glaubte, zur Vervollständigung der Untersuchung den Proceß vertagen zu müffen. Vor demselben Tribunal wurden am 14. Januar Nicolas Baca und Georgios Pavlineli abgeurtheilt, welche des Mordversuchs auf die israelitische Frau angeklagt waren. Ersterer wurde zu zwölf, letzterer zu zehn Jahren Zuchthaus verurtheilt. Im Anschlüsse daran bat das Mitglied der Deputirtenkammer Zygomala am 9. Februar folgende Interpellation an den Justizminister gerichtet: „Ich habe eine Petition der israelitischen Gemeinde Athens erhalten, welche mich tief ergriffen hat. Sie enstinnen sich sicherlich des traurigen Ereigniffes der Ermordung des israelitischen Mädchens in Corfu, was, wie Sie sich Alle erinnern, die Ursache schlimmer Vorkommnisse war, welche wahrlich dem Charakter unserer Nation, die sich sonst durch dem Geist der Toleranz und Menschenliebe in so hohem Grade auszeichnet, durchaus nicht zur Ehre gereichen. Was bei dieser Angelegenheit großen Unwillen erregt, ist die Tyastache, daß nach einer fast neunmonatlichen Untersuchung man die Urheber des Mordes noch immer nicht mitgetheilt hat. Eben deshalb bittet die israelitische Gemeinde auf das Dringendste, daß die Namen der Mörder bekannt gegeben jverden, damit hiedurch die Unschuld der Israeliten Corfu's vor aller Welt offenbar wird. Den Israeliten ist am meisten daran gelegen, darzuthun, daß der „rituelle Mord", den man ihren Reliaionsgenossen zuschreiben will, weder jemals existirt hat, noch gegenwärtig exsttirt. Es ist nothwendig, daß alle Jsraelffen. nicht nur diejenigen, welche in Griechenland wohnen, sondern auch die des Orients und des Occidents es erfahren, daß bei uns unumschränkte, unverletzliche religiöse Toleranz herrscht, daß sie einen Grundzug des Charakters des Gri^chenvolkes bildet, und daß jedes Verbrechen bestraft wird, gleichviel wer das Opfer und wer der Urheber ist. Der civilifirten Welt muß gezeigt werden, daß in Griechenland weder Fanatismus, noch Verfolgungssucht gegen die Israeliten herrscht, daß wir unsere Israeliten als unsere Mitbürger in des Wortes weitester Bedeutung betrachten, welche dieselben Rechte besitzen, wie die Griechen anderer Bekenntnisse. Ich hoffe, daß der Herr Justizminister, welcher nach meinen Informationen sich mit Eifer der Angelegenheit bemächtigt und energische Maßnahmen ergriffen hat, die Kundbarmachung der Mörder des Kindes Rubina Sarda und ihre Aburtheilung vor Gericht ermuthigen wird. Indessen darf ich nicht verheimlichen, daß nach meinen Informationen einer der Hauptschuldigen bereits einmal in Griechenland verhaftet, aber durch die griechischen Behörden wieder in Freiheit gesetzt wurde; daß dasselbe Individuum durch das griechische Consulat in Alexandrien ein zweites Mal festgenommeü, aber wieder freigelassen wurde. Ich rechne darauf, daß die nöthigen Schritte geschehen werden, damit die Gerechtigkeit ihren Lauf nehme und für Alle dieselbe sei. Ich bitte den Herrn Justizminister die Petition der israelitischen Gemeinde von Athen, welche ich auf den Tisch des Hauses niederlege, zur Kenntniß zu nehmen und im geeigneten Moment das Ergebniß seiner eigenen Maßnahmen und derer der Behörden von Corfu der Kammer bekannt zu geben." VmniMes. Wien. Ter CultuSvorstand hat den Herreil Dr. Adolf Jellinek und Tr. Moriz Güdemann den Titel „Ober-Rabbiner" verliehen. Wien (Trauuugeu). Am 27 März wurden nachstehende Paare getraut: Herr Josef Fischer mit Fräul. Minna Bachrach; Herr' Otto Lang mit Fräul. Emilie Stransky; Herr Ignaz Belgrader mit Fräul. Philippine Kanitz; Herr Hermarnr Beer mit Fräul. Jda Goldenberg; Herr Arnold Bienenseid mit Fräul. Gabriele Feldmann. Herr Dr. Hermann Alap» mit Fräul. Mathilde Fried; Herr Dr. Philipp Hvpsinger mir Fräul. Bertha Marmel; Herr Mayers Nacht mit Fräul. Jlka Walisisch; Herr Samuel Dubsky mit Fräul. Fanni Nathansohn; Herr Ernst Löivi mit Fräul. Szerene Jonasz; Herr Marcus Lüftschitz mit Fräul. Helene Huber. Dienstag den 29. März: Herr Dr. David Harth mit Fräul. Eharlotte Wahrmann. Wien. Sonntag, am 3. April l. I., findet im isr. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Leo Kleppner mit Frl. Flora Dorfner statt. Im isr. Tempel der Leopoldstadt die Trauung des Herrn Herma» Spitzer aus Tesche» mit Frl. Mina Breier, der Tochter des Religionslehrers Herrn Josef Breier: Wien. (Spenden.) Für die unglücklichen russischen Juden sind uns von M. Pollak in Melnik sl. 3.— zugekommen. Für die arme Familie Rosenbaum von Earl Schwarz in Au scha 2 fl. Wien i Verzeichnis; der cingelaufeueu Spenden für die armen Israeliten in Palästina.). Herr Samuel Hirschl in Döbling 10 sl.; Herr Abelles in Döbling 20 fl.; Frau Ernestine Barber, Opernring 3, lü ft.; Herr- Theodor Kantor 30 fl.; Herr Spitzer und Steiner 2 fl.; Herr- Theodor Berger I0sl.; Herr Mvr. Pell er 2 fl.; Dr.^W. Pappenhcim, (1. Bez., Börsegasse 1), eine Wette 1 fl.; Frau Fanni Brüch, Opernring 11, 10 fl.; Herr Geb. Böhm 20 fl.; Herr Sam. Lohn Hvrazdowicz 5 sl.; Herr Heinr. Berger 25 sl. Summa 727 fl. Dr. Güdemann Aut. Bing H. Berger. Ober-Rabbiner Wien (Zwei jüdische R a t h s s e c r e t ä r e.). Der Justizminister ernannte den Gerichtsadjuucten Dr. Heinrich Katz in Linz zum Rathssecretär beim Landesgericht in Linz; den Gcrichtsadjuncten Tr. Mich. Spitzkopf in Wiener-Neustadt zum Rathssecretär beim Kreisgericht Wiener-Neustadt. Wien, am 28. März 1892. Die Firma Müller & Hauswald in Stanislau, welche vom Verkaufe ihrer Waaren an das jüdische Publicum sich nährt, schreibt einem hiesigen Geschäftsmann anläßlich einiger, bei einem mit derselben abgeschlossenen Geschäfte, entstandenen Differenzen Nachfolgendes: „Sie müssen jedenfalls glauben, daß g a n z G a l i zi e n schon v o n d ie s e u B e sti en, d en Juden in Beschlag genommen ist, welche nur daraus bedacht sind, durch Schwindel undBetrug sich zu b ereich ern." Diese Kraftstelle als Bekenntniß einer antisemitischen Mannessecle, verdient niedriger gehängt und weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. Win. fWiener internationale Theater- und Musikausstellung. — Dr. Gustav Tiring). Sonntag den 20. d. M. wurde Herr Dr. Gustav Tiri n g, Präsident des