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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-01 · 14 (1.4.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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w Nr. 14 Oestrrrrichifchr Wochenschrift *L>eite 349 wie ein dänisches Blatt sich ausdrückt, haben sich den d ä n i s ch e n P r otest l e r n d i e „g er m a n i sch en" A n t i s em i t e n Zugesell t, um ihre lichtscheue Agitation durch jene Hilfstruppen zu fördern. In einer Petition z n in V o l k s s ch n l g e s e tz fordern die Antisemiten besondere Schulen für die Kinder nichtdentscher Nationalität, in welchen die Hälfte der Unterrichtsstunden in der „Muttersprache" der betreffenden Kinder ertheilt werden soll, Für jede nichtdentsche Minderheit ist eine Volksschule einzurichten. sobald dieselbe über 30 schulpflichtige Kinder auffveist. Die ehrenwerthen Antisemiten rechnen den nichtdeutschen 9iationalitäten Polen, Dänen, Litthaner Wenden und — Juden. Um ihre dunklen Absichten zu fördern, haben die „deutschen" Antise miten sich nicht entblödet, sich mit den dänischen Protestlern in Verbindung zu setzen; sie rechnen dabei ans Unterstützung seitens dieser erbitterten Feinde des Dentschthnms, von denen ein deutschgesinnter, konservatioer Geistlicher, Pastor Jakobsen in Scherrebek, dieser Tage in einer Versammlung sagte: „Wo ein Mann für seine Ueberzengung eintrat und seine deutsche Gesinnung bethätigte, wurde er von der dänischen Oppvsitionspresse loie von einem Rudel grimmiger Wölfe, sie suchte ihn seiner Ehre zu berauben, ihn gewerblich zu schädigen, die Tobten mit Schmutz zu bewerfen." Deshalb suchten die Deutschen der Nordmark einen Zusammenschluß, einen gegenseitigen Schutz in dem großen Deutschen Berein sür das nördliche Schleswig. Fetzt machen die „deutschen" Antisemiten mit den Gegner der Deutschen im Norden gemeinsame Sache. Selbst an die Redaktion des deutsch.feindlichsten aller Protestblätter, „Flensb. Avis", ein Blatt das alles Deutsche aufs Tiefste haßt und die Deutschen tagtäglich mit Spott und Holm überhäuft, wendet sich der „Deutsche A n t i s e m i t e n Bun d" in Berlin; denn das genannte Organ schreibt wörtlich: „Der Vorstand des Antisemiten-Bundes bat in dieser Angelegenheit eine Erklärung verbreitet, die auch uns zngestellt worden ist." Die Protejtpreffe ist über das Zugeständniß der Antisemiten hoch erfreut und erwartet, daß die Partei des Dentschthnms in der Nordmark gerichteten Bestrebungen unterstützen werde: die Vermehrung des dänischen tlnterrichts llnd die Absonderung der Kinder dänischer Eltern ist in der Thal eine weitgehende'Verstärkung der protesllerisch.'n Bestrebungen. Ohne eine deutsche Schule vermag das Deutschthum in der Nordmark nicht zu gedeihen. Wie es mit der viel gerühmten Königstrene und Vate landsliebe einer Partei bestellt ist, die fähig ist, mit den ausgeprägtesten Gegnern des Dentschthums ein Bündniß einzugehen, braucht nicht näher dargelegt werden. Es ist begreiflich, daß das Vorgehen der Antisemiten in allen deutschen Kreisen Schleswigs wlbst bei sehr konservativen Leuten, die tiefste Erbitterung und Entrüstung hervorgerusen hat. "Auch im übrigen Deutschland wird man hoffentlich ebenso über die „nationalen" Antisemiten denken. Breslau. Durch verschiedene bedeutende Tagesblätter geht eine Notiz aus Breslau, daß Vorkommnisse skandalöser Art, die in _ das Glück zahlreicher Familien, jüdisch e r Familien, zerstörend eingreifen, das allgemeine Tagesgespräch bilden. Lange Zeit hindurch haben dort strafbare Beziehungen zwischen den Töchtern angesehener jüdischer Bürger und „Cav alleren" bestanden, die dann durch die unausbleiblichen Folgen endlich bekannt geworden sind. Wie dem „Kl. I." aus Breslau mitgetheilt wird, hatten die jungen Leute einander ans der Reitbahn kennen gelernt, und die Bekanntschasten wären gewiß nicht in dieser beklagensiverthen Weise ausgeartet, wenn nicht eine Frau, deren Gatte Mitinhaber einer bekannten Kvnfektionssirma ist, die gegenseitigen Annäherungen in ihrer Wckhnung begünstigt hätte.' Die Frau ist verhaftet worden, ihr Gatte, der bis dahin keine Ahnung von den bedauerlichen Vorgängen in seinem Hause gehabt hat, machte einen Selbstmordversuch, so daß er jetzt hoffnungslos darniederliegt. Die Verhaftung, sowie deren Ursachen und Wirkungen haben in der Einwohnerschaft Breslaus eine große und anhaltende Aufregung hervorgerufen, man ist allgemein empört über die Gewissenlosen, welche die wehrlose Jugend weltunkundiger Mädchen zum Opfer ihrer häßlichen Begierde machten, ohne zu bedenken, daß nicht nur die betreffenden Mädchen dadurch für ihr ganzes Leben unglücklich werden mußten, sondern daß auch deren Familien ein Schandfleck angehestet ist, den sie nie austilgen können. Zu den Opfern der „ritterlichen" Gewissenlosigkeit gehört auch die Tochter eines geachteten Justizraths. Ter Vater forderte von dem Liebhaber seines Kindes, das; er das Mädchen heirathe und bot eine Mitgift von 300.000 Mark, um demselben seinen Entschluß zu erleichtern. Der „Cavalier" aber zuckte die Achseln mit der Bemerkung, daß sich bereits Andere vor ihm der gleichen Gunst des Tvchterleins erfreut hätten. Weniger skrupulös war ein 2ljähriger Vetter aus Danzig, der sich unter den gleichen Bedingungen bereit erklärt hat, die Ehre der Familie nach Möglichkeit zu retten. In manchen der anderen Fälle dürste ein gerichtliches Nachspiel nicht ausbleiben. Flensburg, 18. März. Von der Kanzel aus den Kutscherbock gekommen ist der frühere Prediger an der hiesigen St. Johanniskirche, der Antisemitensührer Pastor Petersen, der hier Sittlichkeitsvereine und Mägdeheime gründete um die jungen Mädchen vor sittlichen Gefahren zu schützen. Derselbe war vor längerer Zeit ins Ausland geflohen, um einer Anklage wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit zu entgehen; er halte nämlich tviederholt unzüchtige Handlungen vorgenommen und war entkoinmen, bevor die Staatsanwaltschaft einen Steckbrief gegen ihn erlassen hatte. Der hochwürdige Herr ist jetzt, wie ein hiesiges Blatt meldet, der Kutscher eines Newyvrker Arztes geworden, ist also auch drüben lote hier seiner Zeit bei den Antisemiten in „leitender" Stellung. Ei:ie Flensburgerin, die von Pastor Petersen konsimirt worden ist, sah ihren einstigen Seelsorger aus den; Kutschbock sitzen und das Gefährt des amerikanischen Arztes lenken. Aus Kurhesien, 23. März. 8ie transit pp. — Anfang Februar d. I. bezog er das Hotel „zum Deutschen Haus" in Marburg — der Herr Director der „Eoncordia" in Posen. Er hatte Geschmack, der Herr, und immer gesegneten Appetit. Innerhalb dreier Wochen verstand er durch Ausfahrten, kleine Soupers k. sein Conto bis annähernd 300 Mark aufzuschwingen. Firma Böckel stand mit ihm in engem Conner; der ganze Geschäfts-Antisemitismus war aus den Beinen und seine Commis flogen und zogen mit und ohne Rad nach allen Richtungen aus und fingen die Bauern für die berühmte Hagel - Versicherung „Eoncordia" ein. Da kam endlich der bisher geduldige Wirth aus die traurige Idee, dem Herrn Direktor die Rechnung zu präsentiren und da ging das „gloria niimcli“ in die Brüche; „Concordia" war nicht mehr, Soupers waren auch nicht mehr. Als ich ihn sah, den Herrn Direc tor, aschgrau und in tausend Aengsten, da hatte er sich für 16 Pfennige Brot gekauft und aß eine Mehlsuppe dazu. Die Bauern aber sind versichert, wenn nicht in der „Eoncordia", so doch bei Dr. Böckel. Falls sie nicht verhageln, ist das ja auch vollständig gleichgiltig; die Prämie ist inimer zu gebrauchen. So sängt man gläubige Narren! Hamburg, 20. Mürz. Eine gründliche Abfertigung erhielten die hiesigen Antisemiten in der constituirenden Versammlung der Ortsgruppe Hamburg des von uns bereits wiederholt zur Forderung empfohlenen „Allgemeinen Deutschen V e r b a n d s." Eine stattliche Anzahl Herren und Damen aller Confessivnen waren hier vergammelt, um den interessanten Ausführungell des Herrn H o s r a t h Professor D r. P r e y e r a u s B e r l i n über d i e Z w e ck e u n d Z i e l e desAllgemeinenDeutschen Verbandes zu lauschen. Bei der sodann folgenden Besprechung der Sitzung für die Ortsgruppe wünscht Herr Raab Ausnahme der Bestimmung : „Juden können nicht Mitglieder des Allgemeinen Deuffchen Verbandes sein." — Herr Dr. Moenckeberg bemerkt demgegenüber, daß eine Ortsgruppe eine solche Bestimmung nicht treffen könne, übrigens auch keine confefsionellen Unterscheidungen im Verbände bestehen. Herr Raab entgegnet, daß dies keine consessionelle, sondern eine nationale Frage sei. Der Vorsitzende erwidert daraus: daß es Juden gäbe, die vortreffliche Deutsche seien; wer dieser Ansicht nicht sei, gehöre überhaupt nicht zum Deutschen Verbände. Er w erd e e i n e D i s e u ss i o n d i ese r Fra g e ni ch t z ul a s s e n. Herr Raab ist Häuptling der hiesigen Antisemiten und soll infolge der Abfertigung, die ihm von so maßgebender Seite zu Theil geworden, die Parole ausgegeben haben, dem Deutschen V e r b a n d nicht beizutreren. Wir gratuliren dem Verband zu diesem Entschlüsse des Herrn Raab, er wird gewiß zur Blüthe des Verbandes nur beitragen. Paris. M. Bedarrides, Senatspräsident am Cassationshofe, dem höchsten Gerichtshöfe Frankreichs, hat auf seine 1

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