Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 14 Zinsfuß der Privatdarlehen in stetigem Sinken begriffen ist. Der ' Aufwand betrug 47.070 fl. 66 kr., dem Voranschläge entsprechend; es erhielten 54 Gemeinden Schulsubventionen von 13.380 fl., 47 Gemeinden Unterstützungen von 11.800 fl., für Personalunterstützungen wurden 12.515 fl. verwendet und es beschloß das Curatorium, um dem stetigen Anwachsen dieser Post Einhalt zu thun, von nun an weder die bisherigen Unterstützungsbeträge zu erhöhen, noch neue zu bewilligen, damit die Mittel des Fondes dem allgemeinen Zwecke desselben nicht entzogen werden; für Bildungs- und wohlthätige Anstalten wurden 3017 fl., für Stipendien 600 fl. verausgabt u. s. w. Die Revisoren beantragen, den Rechnungsabschluß für richtig anzuerkennen und der Verwaltung das Absolntorium zu ertheilen. Sowohl dieser Antrag, als der auf die Verwendung des Ueberschusses bezügliche wurdeii einstimmig angenommen. Ebenso ivurden sämmtliche Posten des Voranschlages für 1892: die Einnahmen mit 51.714 fl. 66 kr., die Ausgaben mit 51.283 fl. genehmigt. Bei der Post: Humanitäts-Anstalten empfiehlt kais. Rath Mandl den Gemeinden den Beitritt zum jüdischen Waisenhilfsvereine, der 75 Waisen in femer Obhut hält. Dem Vereine zur Beförderung des Handwerks in Wien werden 200 fl. (um 100 fl. mehr) bewilligt; weitere Subventionsanträge konnten mangels ausreichender Mittel nicht berücksichtigt werden. Zu Revisoren wurden Leopold Löw- Beer, Max Kohn und Ignaz Hönig gewühlt. Sodann wurde ein Antrag des Curatoriums auf Abänderung des Fondsstatuts, die in Folge des Gesetzes vom 21. März 1890 und der Neuorganisation der Gemeinden sich als nothwendig herausstellt, angenommen und dasselbe beauftragt, einen entsprechenden Entwurf der nächsten Telegirtenversammlung vorzulegen. Hauser erinyert an die Abfassung eines einheitlichen Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volks- und Mittelschulen. Dr. Hilf bemerkt, daß ein bezüglicher Entwurf des Landes-Rabblners bereits vorliege und noch in Berathung stehe. Lieb mann verlangt die endliche Bekanntgabe des Musterstatuts für die Gemeinden. da ohne dieses eine geordnete Verwaltung unmöglich sei. Der Vorsitzende erklärt hierauf, sich diesfalls nachdrücklich beim Cultusminister verwenden zu wollen. Die Versammlung sprach dem Curatorium und dessen Obmann für ihre Mühewaltung den wärmsten Dank aus und Ritter v. Gomperz versprach, sich auch weiterhin den Angelegenheiten der Gemeinden nach Kräften zu widmen. Es muß lebhaft bedauert werden, daß der Landesmasiafond, wegen unzureichender Mittel bemüssigt ist, weder die bisherigen Unterstützungsbeiträge zu erhöhen, noch neue zu bewilligen, da die materielle Situation der Seelsorger und Beamten der kleineren Cultnsgemeinden leider eine bernitleidenswerthe ist. Linz a. D. 28. März. Wie alljährlich fanden in den letzten Tagen des vergangenen und in den ersten Tagen des laufenden Jahres die Neuwahlen in die Repräsentanz statt; welche diesmals insbesondere rücksichtlich der Person des zweiten Vorstehers sehr bew.'gt waren, so das eine engere Wahl stattfinden mußte; gewählt wurde Herr Ignatz Hahn, Spiritusfabrikant und Hausbesitzer zum ersten und Herr Dr. Julius Ungar, Hof- und Gerichtsadvokat zum zweiten Vorsteher, die übrigen Funktionäre wurden wie im Vorjahre wiedergewählt. Der clerikal-conservative Abgeordnete Dr. Ebenhoch hat im o. ö. Landtage im Vereine mit dem Bischöfe und anderen Gesinnungsgenossen, einen Gesetzesantrag cingebracht, der die 32 und 33 des Gesetzes vom 21. Februar 1870 betreffend die Schulaufsicht insbesondere dahin abändern soll, daß die Zahl der Vertreter der conservativen Partei vermehrt dagegen die Rechte des Vertreters der israel. Cultusgemeinde (als welcher dermalen der Rabbiner Herr Moriz Friedmann fungirt) der bisher unbeschränkt Sitz und Stimme im Landesschulrathe hatte, dahin eingeschränkt werden sollen, daß der bisherige Vertreter der isr. Cultusgemeinde nur beschließende Stimme in israelitischen Schulangelegenheiten haben soll. Die Cultnsrepräsentanz bi schloß in ihrer letzten Sitzung gegen diesen Gesetzesantrag im Wege einer Petition Stellung zu nehmen, welche von dem beiden Vorstehern verfaßt und dem liberalen Abgeordneten Dr. Bahr zur Ueberreichung übergeben wurde. Ueberdies wurden beide Vorsteher Herr Jg. Hahn und Herr Dr. Jul. Ungar von dem Herrn k. k. Statthalter Freiherr von Puthon empfangen, welche demselben die Bitte vortrugen gegen die Sanctionirung des Gesetzentwurfes, dessen Annahme * bei der dermaligen Constituirung des Landtages leider keinen? Zweifel unterliegen kann, seine Bedenken an maßgebender Stelle j zur Geltung zu bringen.! Seite 247? Die Durchführung des Gesetzes betreffend die äußere» Rechtsverhältniße der israel. Religionsgenoffenschaft scheint bei uns auf Schwierigkeiten zu stoßen; maßgebenden Ortes kan» man sich offenbar nicht recht klar weroen über die divergirende» Vorschläge der in Betracht kommenden Parteien. Während das Gutachten der hiesigen Cultusgemeinde dahi» lautet, es seien der Linzer Cultusgemeinde die Israeliten in den Kronländern Oberösterreich und Salzburg zuzmveisen, strebt sowohl der Bethausverein in Steyr (O. Oe.) als auch die Gemeinde Salzburg die Creirnng je einer eigenen Cultusgemeinde an; die Entscheidung ist, trotzdem die bezüglichen Verhandlungen schon vor längst gepflogen wurden noch nicht verflossen und ist man begreiflicher Weife auch dieselbe auf allen interessirten Seiten sehr gespannt. Proßnitz, 28. März. (F r a u e n - D e r e i n). Gestern Abends versammelten sich die Mitglieder des hiesigen israel. Frauen-Vereines, an deren Spitze die verehrte Ehrenpräsidentin Frau Nina Singer geb. Hamburger, die umsichtige, wackere Frau Johanna Las ns und die eifrige Frau Johanna Zweig stehen, zu einem Festbankette. In Folge der vielen Spenden, die unser Frauen-Verein namentlich in diesem Jahre zu verschiedenen wohlthätigen Zwecken widmete, sollte Heuer das übliche Vereinsmahl unterbleiben; allein unsere allverehrte Ehrenpräsidentin Frau Nina Singer hat in richtiger Eckenntniß, daß durch eine solche Vereinigung das besonders in der Jetztzeit so nöthige Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Vereinsmitgliedern geweckt und gefestigt wird, in ihrer bekannten Hochherzigkeit dieses Festbankett veranstaltet. Und diese edle Frau hat auch ihr schönes Ziel vollkommen erreicht. Denn selbst die jungverheiratheten Frauen aus den angesehensten Familien unserer Gemeinde erschienen bei diesem Vereinsmahl und lauschten den gediegenen Reden unseres verehrten Herrn Bürgermeisters Dr. A. Tri sch et und des ebenso beliebten, als verehrten Herrn De. F. H a a s, der in begeisternden Worten das segensreiche und humanitäre Wirken unseres Frauen-Vereines schilderte. Die Sympathien für unseren Frauen-Verein wurzeln auch so tief in den Herzen Aller, daß unser verdienstvoll wirkender Cultusvorsteher Herr Josef Singer, der gegenwärtig in weiter Ferne weilt, die wackeren Repräsentantinnen unseres Frauen-Vereines telegraphisch beglückwünschte. Dr. H. M. Prag, 28. März. Unter dem Vorsitze seines Directors des Herrn Dr. Ludwig Bendiener, hielt gestern der Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung verschämter israel. Hausarmen in Prag seine 51. Jahresversammlung ab. Nach Eröffnung der Sitzung gedachte der Vorsitzende vorerst jener Mitglieder, die dem Vereine im abgelaufenen Jahre durch den Tod entrissen wurden und die Versammlung ehrte ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen. Nach dem vorgelegten Geschäftsberichte wurden im Jahre 1891 an Unterstützungen 15255 fl. 71 kr. und an unverzinslichen Darlehen .2010 fl. gewährt. Das V>-reinsvermögen beziffert sich auf 127.064 fl. 18 kr., um 2143 fl. 13 kr. mehr als im Vorjahre. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden einhellig wiedergewählt. Im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenlhums hielt der Rabbiner Herr Dr. Nathan Grün zwei Vorträge über die Altneusynagoge und die „Altschul" (fetzt Tempel) in Prag. Der Vortragende bot eine hochinteressante Studie dieser beiden Bethäuser, wobei er aus jüdischen Quellen sehr interessante Originalberichte über den Einfall der Passauer in Prag und über den dreißigjährigen Krieg mittheilte. Allgemeiner rauschender Beifall lohnte den Redner für seinen in Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Vorttag. Krakau. Das Präsidium des Oberlandesgerichtes in Krakau hat folgendes Rundschreiben am 23. Jänner d. I. in Angelegenheit der bei den Israeliten nach mosaischem Ritus geschlossenen Ehen erlaffen. Dasselbe lautet: „Das hohe Justizministerium hat meine Aufmerksamkeit auf! ein sonst notorisches Factum gk lenkt, daß die Israeliten in . Galizien bei Eheschließungen oft nur die nach ihrem R.tus j erforderlichen Formalitäten beobachten, ohne die zur Schließung! einer giltigen Ehe erforderlichen Vorschriften des Civilgesetzes Oeltrrrrichichr Wochenschrift