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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-01 · 14 (1.4.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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I .».JPHiaut JHfeSaBSBagnai S-ue 246 Vryrrretchische Wortzrnsctzrifi. 'Itt. 14 auf diese Weise den Frühling zu begrüßen; der uns das Ende des traurigen heurigen Winter verkündet. Eleonore Pechkranz. Wie», 25. März 1692. Der israelitische Fraucn-Wahlthätigkeilsvercin für Hausarme, versendet soeben seinen 21. Jahresbericht. Dem rührigen Vereine ist cs auch heu r gelungen, sich neue Freunde und Könner zu erweichen. So hat der vcstorbene Herr Max Baumfeld dem Vereine ein Legat von 200 sl. tcstirt. Um das Andenken an den edlen Gönner wach zu halten, beschloß der Ausschuß, alljährlich am Todestage des Stifters eine Sitzung einzubcrufen, mit den Zinsen des Legales eine würdige Arme zu verheilen und ihr den edlen Stifter in Erinnerung zu bringen, damit sie desselben pietätvoll gedenke. Auch Frau Dr. Antonia Pafsauer bat anläßlich des Ablebens ihres Onkels — des Herrn Jgna; L.'idcsdors — dem Vereine eine Spende von 100 sl. zukommen lassen. Tic Osterseiertage nahen und viele arme verschämte Familien, denen der Verein alljährlich Geld zum Ankäufe von Mazzos nach Hause schickt (im vergangenen Jahre verausgabte der Verein nur zu diesem Zwecke allein 282 fi.) erwarten sehnsüchtig die Vertheilung. Mögen edle Menschenfreunde durch Spenden dazu beitragen, den Verein in den Stand zn fetzen, recht vielen würdigen Familien ein frohes Passahfest bereiten zu können. Der Vorstand des Vereines besteht derzeit aus den Frauen: Amolia Basscches, Sofie Deiches, Rosa Feigenbaum, Clara Klärmann, Cäcilic Nußbeck. Ernestine Sachs, Henriette Schneck und Anna Weinrc.i. Spenden und Beitrittserklärungen übernimmt die Präsidentin Frau Clara Klärmann, 1. Bez. Spiegelgasse 2 Wien. (Gegen die Antisemiten-Seuche.) Als ein wirksames Mittel gegen die, die vitalsten Interessen der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien tief beeinträchtigende Antisemiten-Seuche erweist sich die Hebung, Förderung und Kräftigung der Kleingewerbe. Zu diesem Zwecke hat sich eine „Credit - Gesellschaft für Industrie und Handel" unter den Anspielen der ersten Firmen des Wiener Platzes gebildet, um den Kleingewerbetreibenden, welche dieser Gesellschaft als Mitglieder angehören, durch Escompte von Rimessen und offenen Buch'order ungen, billigen Credit zu gewähren. Bei der am 26. März stattgesundenen Constituirung wurden unter Anderen in den Vorstand gewählt die Herren: Isidor Mautner (Isaak Mautner & Sohn, Wien und Nachod), Salomon Kohnberger (Schnek & Kohnberger), Moritz Becker, Carl T a u s s i g (S. Taussig) und Adolf Benedict (Kopel Benedict's Söhne). Wie». Herr Jaques Brandeis-Weikersheim, der Obmann der „Chewra Kadischa" in Wien vollendet im Monate April das 80. Lebensjahr. Seit fast einem halben Jahrhundert bekleidet er mchrere Ehrenstellen in unserer Mitte. Er ist heute Vorsteher-Obmann des Bethaus-Vorstandes und Obmann der heiligen Bruderschaft. In allen diesen Ehrenämtern bewährt er sich pftichtgetreu, gewissenhaft, hingebend und um diesen ausgez-ichncten Mann kurz zu charakterisiren, genügt es zu sagen, daß er ein Mensch im besten Sinne des Wortes ist, edel, hochherzig, milde, gütig, empfänglich für Alles, was das Wohl seiner Mitbürger betrifft und sehr wohlthätig. Die letztere Eigenschaft tritt nicht geräuschvoll in die Erscheinung. Ich bin überzeugt, daß viele Wohlthaten, die anonym in der Gemeinde verübt werden, von ihm herrühren. Im Verkehre mit denen, die mit ihm in seinen Ehrenämtern in Berührung kommen, ist er fteundlich, wohlwollend und gefällig, und kein Leidender wendet sich vergebens an ihn als Obmann der heiligen Bruderschaft. Er erledigt alle Wohlthätigkefts-Angelegenheiten sehr rasch und ist sehr zugänglich. Als Enkel des berühmten Rabbiners von Fürth, des R. Maschulam Salman Cohn, hat er Pietät vor dem Ueberkommenen in religiösen Einrichtungen und Bräuchen in der Synagoge. Er würde seine Abstammung von einem so berühmten Lehrer in.Israel zu verdunkeln glauben, wenn er von dem rasch dahinsiießenden Strome der Reform sich fortreißen ließe. Damm kann er in gewissem Sinne conservativ genannt werden. Andererseits ist er als Wiener frei, modern, hängt nicht am todten Buchstaben und ist weit entfernt, Alles, was die Vergangenheit überliefert hat, für heilig und unverbrüchlich zu halten. Mit einem solchen Manne verkehren Conservative und Liberale sehr gern, zumal er auch friedlicher Gesinnung ist und den Frieden in der Gemeinde als ein kostbares Gut betrachtet. Er vollendet im nächsten Monate das 80. Lebensjahr und gewiß verdient er die herzlichste Theilnahme von seinen zahlreichen Verehrern an seinem 80. Geburtstage. Wien. Die Judenverfolgungen nehmen in Rußland ungehemmt ihren Fortgang. In Nowa Dewor wurden, wie der „Bdh." aus Petersburg gemeldet wird, 150 in einer Synagoge versammelte Juden von betrunkenen Soldaten überfallen, welche Thüren und Fenster einschlugen. Die Polizei erschien zur Herstellung der Ordnung und Aufnahme des Thatbeftandes. Wiewohl ihr Bericht der Wahrheit entsprach, schenkte der General- Gouverneur Gurko der Darstellung der Soldaten Glauben, welche Vorgaben, von den Juden angegriffen worden zu sein, und ließ alle Inden, deren Namen notirt worden waren, nach Sibirien schicken; 30 derselben wurden durch neun Wochen ins Gefängniß gesperrt, und sodann ohne weiteres Verhör nach Sibirien deportirt. E:n? Äuzihl entzog sich der Gefangennahme durch Flucht und Auswanderung.- Wien, 29. März. (Der G r o ß h e r z o g v v n Hessen gegen die Antisemiten.) Der neue Großherzog Ernst Ludwig, lnelt beim Empfang einer ihm zum Regierungsantritte beglückwünschenden Deputation der hessischen Schullehrer eine fulminante Rede gegen den Antisemitismus. Er benützte nämlich die Gelegenheit, den Lehrern eindringlichst ans Herz zu legen, die Jugend im Sinne der Menschenliebe zu erziehen. Er bedaure auf das^tiefste die antisemitische Bewegung, die er wie Kaiser Friedrich, als eine Schmach unseres Jahrhunderts betrachte. Soweit es in seiner Macht liege, werde er in seinem Lande entschieden Front gegen diese äußerst verwerfliche Hetze, machen. Krems (Ein antisemitisches Heldenstück.). Die in Krems erscheinende liberale „Niederösterreichische Presse" Iheilt mit, daß in der Nacht vom Samstag auf Sonntag die Fenster und M^uem ihres Redactions-Localcs in der Dachsberggasse bis hinauf mit Theer beschmiert und verunreinigt worden sind und daß zur selben Stunde das israelitische Betbaus in Krems in gleicher Weise besudelt worden ist. Das Blatt spricht cs offen und ungescheut aus, daß dieses Bubenstück von Anhängern der national-antisemitischen Partei ausgegangen und ein Racheact für einen Artikel über den Mißerfolg Schönerers in Tirol sei. Auch seien die „Nachtvögel" nicht unbeachtet geblieben, sondern der Behörde angezeigt worden, und es werde wohl gelingen, sie der verdienten Züchtigung zuzuführen — allerdings nur die unmittelbaren Thäter, während die intellectuellen Urheber sich zu viel abseits halten, als daß sie zu fassen wären. Die „Niederösterreichische Presse" kennt aber' die Leute, mit denen sie es zu thun hat, und weiß, in welcher Sprache sie mit denselben reden muß. Sie erklärt deshalb den Kremser Antisemiten, daß es ihnen nicht gelingen werde, die „Anstreicherbande" von sich abzuschütteln, denn diese „Theerwichte" seien zu offenbar Fleisch von ihrem Fleische, Geist von ihrem Geiste und die gemeine Ausschreitung unbestreitbar eine Folge der planmäßig fortgesetzten Hetze von national-antisemitischer Seite. Uebrigens sei die Partei der nationalen Antisemiten in Krems eine so verschwindend kleine und ohnmächtige und friste ein so klägliches Dasein, daß sie ihre Existenz nur noch durch solche „ arische Heldenthaten" zu bekunden vermöge. Brünn. (Mährisch-jüdischer Landesmassafoud.) Die diesjährige Delegirten-Bersammlung wurde gestern unter Vorsitz des Ritter v. Gomperz abgehalten. Derselbe begrüßte zunächst die Delegirten der 7 neuconstituirten Gemeinden, bemerkte, daß durch die erfolgte Auflösung von 11 Gemeinden nunmehr deren 50 im Lande bestehen und constatirte die Anwesenheit von 45 Delegirten. Der Rechenschaftsbericht für das Jahr 1891 bezeichnet die Gebahrung dieses Jahres als keine ungünstige, da sich zum Schluffe ein uuverwendeter Ueberschuß von 6673 fl. 16 kr. herausstellte, wovon nach dem Anträge des Curatoriums 1500 fl. zum Fondscapital hinzugeschlagen und 5173 fl. 16 kr. als Saldo für das Jahr 1892 vorgetragen werden sollen. Das Erträgniß des Fondes hat sich nur Dank den im Laufe der Jahre erzielten Ersparnissen, beziehungsweise Fondsvermehrungen, auf der anfänglichen Höhe erhalten, da der

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