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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-01 · 14 (1.4.1892) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Vrflerrrirtzisrtzr Wochrnschrifl. Leite 245 Reisenden, des Abentenerers und Jude n, dessen Sohn bel rufen zu sein scheint, in der europäischen Politik eine wichtige Rolle zu spielen. Ueber die Betriebsamkeit der Juden in Marokko schreibt Herr Dr. Jannasch in der Zeitschrift „Export" auf Grund persönlicher Anschauung Folgendes: „Die Juden sind vorzugsweise in den Städten, in den Ghettos (mellali) konzentrirt. Sie finden sich aber auch in den kleinen Ortschaften, auf dem Lande und selbst in den Oasen der nordwestasnkanischen Steppenländer'. Sie vertreten in Marokko auch die Interessen des internationalen Handels und ihre Verbindungen erstrecken sich ebenso wohl nach London, Paris, Hamburg, Marseille, Genua wie nach Timbuktu und zweifellos werden durch ihre Handelsverbindungen in Marokko vielfältig europäische Ideen und Anschauungen eingeschmuggelt. Uebrigens geben auch die armen marokkanischen Juden sogar die t ü ch t i g st e n Handwerker ab. Sie sind ebenso gut Schmiede wie auch tüchtige Tischler und ihre Holzarbeiten sind jedenfalls denen ihrer anderen Konkurrenten überlegen. Ebenso sind sie in der Lederindustrie vertreten. Es läßt sich nicht läugnen, daß die im marokkanischen Gewerbe auftretende Neigung zur kunstgewerblichen Technik vorzugsweise durch das j ü d i s ch e Element vertreten ist. Es mögen in Summa in Marokko und den südlichen Nebenländern 120.000 Juden existiren." Liebermann und Weibertreu. Vor einiger Zeit hatte der Lieberm a n n v. S onnenb e rg in das Fremdenbuch der sagenreichen Burg Weibertreu bei Weinsbcrg geschrieben: „Bald reiten in nrächtiger Schaar wir an, Wir dulden nichts Laues nichts Halbes, Erlösen die Herzen von hartem Bann, Bom Dienste des goldenen Kalbes!" Nun hat sich an jenem idyllischen Ort ein poetischer Streit entwickelt, dessen Kämpfer die Reiterschaar des Herrn Liebermann nicht zu fürchten scheinen. Man liest neben seiner schrecklichen Drohung: „Wie oft riefst Du selber, o Lieberinann — Oder hast Du es ganz vergessen? — Die Priester des goldenen Kalbes an, Wenn Du in der Patsche gesessen? So wenig wie sie, die mächtige Schaar, Ihr Geld wird je wieder kriegen. So wenig wirst Du — s' hat keine Gefahr — In dem Kampf gegen Windmühlen siegen! Eine Deutsche Frau, die Dich aber nicht von der Weibertreu heruntergetragen hätte." Darunter ein halbes Dutzend „Ich auch nicht" von ebenso vielen Mathilden, Paulinen u. s. f. „Antijndischr Philo sophie". Der in Nummer 11 unter vorstehender Spitzmarke erschienene Artikel ist sehr gut und sachrichtig gehalten. Durch ein Uebersehen ist jedoch böswilligen Angriffen Gelegenheit geboten, und darum gestatte ich mir, in wenigen Sätzen den unterlaufenen Jrrthum zu berichtigen. Im Verlaufe der Erörterung heißt es: „Was vom Ehristenthum nach Entfernung seiner Dogmen bleiben würde u. s. w. Freilich spricht er (Schopenhauer) auch gerne von der Thierfeindlichkeit der Juden, ohne die Stelle der Sprüche Salomons (XU, 10) — der Gerechte erbarmt sich seines Viehes — und der Vorschriften des alten Testamentes für die Sabbathruhe der Hausthiere zu erwähnen. Von den Vorschriften der Sabbathruhe für die Hausthiere ist allerdings im Schopenhauer nicht die Rede, obgleich es chm doch möglich gewesen war, darzustellen, daß die den Thieren gewidmete Ruhe nicht der Thiere wegen decretirt wurde; denn im Zehngebot des Deuteron, wird doch ausdrücklich gesagt: „Damit ruhe dein Knecht und deine Magd wie du"; des Thieres wird also in der Motivirung der Ruhe gar nicht gedacht. Schopenhauer brachte es aber nicht zu Stande, von der Sorgfalt der Bibel für den Knecht, die Magd und den Fremden Beweise zu citieren. Und diese Fürsorge wäre unbedingt und für Jedermann ersichtlich dadurch klar zu Tage getreten. Seine Judenfeindlichkeit u. s. f. Und Seine Judenfeindlichkeit gestattete höchstens en passant von der Vertreibung der Juden und Mauren in Spanien flüchtig zu notieren. Sonst spricht er stets nur im Tone ordinärer Höckcrinnen über Jeden, der ihm nicht zu Gesichte stand. Die in den Sprüchen Salomons enthaltene Stelle: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes" ignorirt er aber nicht. Im Gegentheile, sie stach ihm sehr ins Auge und man sieht, er bemüht sich dieselbe trotzdem mit seiner Behauptung von der Thierfeindlichkeit der Juden in Einklang zu bringen. Er bringt dies zu Stande im Wege des „Nergelns", wie heute der bekannte Cours lautet. Parerga, II. Band (Ausgabe der Berliner bibliographischen Anstalt), Seite 324 enthält wörtlich: „Sprüche Salomonis 12, 10 u. s. w. Und was enthält jene Stelle? Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes —Erbarmt! — welch ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missethäters, nicht aber eines unschuldigen, treuen Thieres, welches oft der Ernährer seines Herrn ist und nichts davon hat als spärliches Futter. Erbarmt! — Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Thieren schuldig — und bleibt sie meistens schuldig in Europa, diesem Weltthril, der vom foetor Judaicus so durchzogen ist, daß die augenfällige, simple Wahrheit: das Thier ist im Wesentlichen dasselbe, wie der Mensch — ein anstößiges Paradoxon ist." Ung. Brod. L. Riesenfeld Oberlehrer. ^orresMnäeMen. Wien, am 28. März 1892. «Zum Ausruf der Frau Sophie Grün selb). Wie der Ausspruch „Was man für Schulen ausgiebt, das erspart man an Strashäusern" sich noch immer bewährt hat, so kann man mit Sicherheit behaupten daß, was man für die Gesundheit und Hygiene der Kinder verwendet, man an Spitälern und Siechenhäusern erspart. Der warme Aufruf der Frau Sophie Grünseld für eine Feriencolonie für jüdische Kinder wird zu jedem Herzen, besonders zu jedem jüdischen Mutterherzen sprechen, jenen Hausfrauen, die selbst ein jüdisches conservatives Haus kennen und wissen, wie kostspielig ein solcher Haushalt ist, und wie karg die Nahrung zngetheilt werden muß, wo die billigsten und ausgiebigsten Nahrungsmittel religiösstreng verboten und wo Kreuzer nur karg ausreichen. Im ersten Momente als ich den Aufruf las, wollte cs mir nicht einleuchten warum denn eigentlich eine separate Ferien-Colonie gründen. Wir wollen uns doch nicht von der Allgemeinen ausschließen, da überzeugte ich mich, es wäre auch nicht so gemeint. Man wünscht den Feriencolonien das beste Gedeihen und mit Freuden toill man die Kinder aller Confesfionen die Gaben der schönen Natur zusammen genießen lassen man will nur auch denjenigen Kindern Gelegenheit zur Erholung geben, wie man den armen hungrigen conservativen Juden Kost nach jüdischem Ritus in der Volksküche verabreichen will. Eine jüdische Volksküche, ein jüdisches Spital find ein Gebot der Nothwendigkeit, so auch eine Feriencolonie für conservative jüdische Kinder. Als ich im Mai v. I. in Warschau weilte und verschiedene Kinderbewahranstalten besuchte, erfuhr ich, daß die schwächlichen Kinder aufs Land geschickt werden und zwar auf das Gut des Herrn Jan Bersohn, wo für eine große Anzahl solcher Kinder Wohnung und Kost (für die Conservativen eine rituelle) unentgeltlich während der Ferien von Herrn Bersohn zur Verfügung gestellt wird. Auch in England thun es so wohl die jüdischen wie christlichen Gutsbesitzer. Hoffen wir, daß auch in Oesterreich- Ungarn die Gutsbesitzer nicht Zurückbleiben werden. Bevor noch größere Mittel kommen zögere nicht du an Liebe und Gemüth reiches Mutterherz, spende was du leicht entbehren kannst, spende die Brosamen deines Ueberfluffes sei es in Geld oder in Bettzeug. . Da kein Voranschlag gemacht wird und;e nach den Mitteln gehandelt werden wird, so säumen wir nicht mit Spenden

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