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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-01 · 14 (1.4.1892) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 242 Krstrrrrichlschr Wochrnschrifi. Nr. 14 v. Rothschild verschieden. Am 15. Februar 1858 geboren, stand sie im 35. Lebensjahre. Wie ein Tonnenschein ging sie durch das Dasein ihrer Umgebung; wohin sie kam, war Frohsinn und Lusn sie konnte , lachen wie ein sechzehnjähriges Mädchen, der hartnloseste Sterz fand an ihr das dankbarste Publikum. Mit diesem Frohsinn vereinigte sie; ein tiefes religiöses Empfinden, die treueste Anhänglichkeit an das! Judenthum, das sie ihr Vater verehren gelehrt hatte. Und dadei war | ibr Geist in erstaunlicher Weise entwickelt: sie wusste sich ans jedem 1 Bildungsgcbiete zu Hause; Kunst und Literatur, eine Reihe freinder Sprachen waren ihr innig vertraut; sie schreckte vor eurer so strengen j Disciplin wie die Astronomie nicht zurück: am Sternenhimmel wusste sie so gut Bescheid, wie in den vollendetsten Formen des vornehmen Salons. Als Musikerin hätte sie jeden Augenblick öffentlich anftretcn | können. Malerei und Bildhauerei waren ihr geläufig. Sie hatte in Paris die Lehrerinnenprüfung mit Auszeichnung abgelegt. Ihr Natnrsinn hielt ihrem Kunstsinn das Gleichgewicht. In den Wäldern von Ferrieres streifte sie als Kind und als Jungfrau gerire umher, amrauscht von dem Wehen hundertjähriger Bäume. In Ferrieres fasste sie jene tiefe Liebe zur Natur, die sie später im Vereine mit ihrem gleichgesimtten und gleichgestimmten Gatten bethütigen durfte. Dieser, Albert Freiherr v. Rothschild, hat sie am 22. März 1876 heimgeführt. In Paris fand die Vermählung statt: die Spitzen der Pariser Gesell- | schast fanden sich damals im Tempel in der Rue de la victoire^ ein, das Staatsoberhaupt, Marschall Mac Mahon, fungirte als Trauungszeuge der Braut. Sieben Kinder entsprossen der glücklichen, aus reinster Neigung geschloffenen Ehe. Eines davon ein Mädchen starb im zartesten Alter. Geradezu unbegrenzt war ihr Wohlthätigkeitssinn. Freilich halte sic darin einen trefflichen Lehrer in ihrem Barer, einen eben solchen Führer in ihrem Gatten. Auf der Besitzung Goming-Waidhofen war sie der gute Engel der Dürftigen. Es entspricht ihrem bescheidenen, jedem Vordrängen abholden Wesen, wenn wir nicht einmal andeutungsweise die Summen beziffern, die sie Jahr für Jahr vertheilte. Auf der genannten Besitzung erbaute sic ein Kinderasyl und ein Versorgungshaus. Zu Weihnachten bescheertc sie hundert Familien. Ganze Wagenladungen mit Geschenken kamen in der zweiten Hälfte tus Dcccntber dort hinaus, und die edle Frau liest cs sich nicht nehmen, die Bescheerung persönlich zu vollziehen. Noch am letzten Weihuachisfeste zeigte sie sich dieser Gewohnheit treu, trotzdem sie bereits aus beu Tod krank war. Was die Gesellschaft, was die Armen, was die Wiener israel. Culiusgemeinde und unsere zahlreichen Wohlthätigkeitsmstitute an ihr verlieren, lästt sich kaum sagen. Sie fast in der Verwaltung einer ganzen Reihe humanitärer Institute. Zweimal stellte sie auch ihr theatralisches Talent tu den Dienst der Wohlthätigkeit. Bor längerer Zeit trat sie in einer Aristokratenvorstellung in der Ncstroy'schen^ Posse „Zehn Mädchen in Uniform" auf. Im Winter 1890 spielte sie bei einer ähnlichen Gelegenheit in der von Baron Bourgoing versastten Komödie: „La petite baronne“. Im Frühling vorigen Jahres declarirte sich, wie gesagt, ihre Krankheit. Die Aerste suchten sie zu beruhigen: sie aber war sich sofort üb.r den Emst ihres Zustandes klar. Ihr liebenswürdiger Stoicismus war beispiellos. Sie wollte nicht als krank gelten. Berricth irgend ein Symptom an ihr die Slörnng ihrer Gesundheit, so sprach sic von einer Erkältung, von einem vorübergehenden Unwohlsein. Bei Gelegenheit der Verheiratung der Princcssin Louise von Toscana sah man sic wahrend der Galavorstellung im Hof-Spermheatcr in einer Loge an der Seite ihrer jüngeren, mit Herrn Ephrussi vermählten Schwester Beatrix. . . Nicht eine Secunde wiegte sie sich in eitlen Hoffnungen; nur wollte sie kein Gegenstand des Mitleids, kein Anlas; zur Trauer sein. Ihr ganzes Wesen bestand in Rücksicht auf Andere. Datz eine Frau mit solchen Eigenschaften allgemeine Verehrung geniesten muffte, ist selbstverständlich: ihre Erkrankung wurde von allen Eingeweihten mit tiefster Thcilnahmc verfolg:. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin liesten oft Er knndigungen über sie einziehen. Am Dienstag, am 16. Hochzeitstage der Baronin und dem 15. Geburtstage ihres ältesten Sohnes, war die Stimmung der Familie Rothschild begreiflicherweise eine verzweifelte. Nur eine Person im Hause blieb gefasst: die Kranke, die gar wohl wustte, dast ihre Stunden gezählt seien. Vor etwa acht Tagen glaubte man ihr Ende gekommen. Es traten Erstickungsanfälle ein, von denen sich die Patientin aber wieder erholte. Und als die Nachricht von ihrem Tode laut wurde, ftuthetc die Menge der Evndvli:enden noch dem Palais, rvo sic ihre edle Seele aushauchtc. Bor Allem lies; Se. Majestät der Kaiser durch den Sbersihofmeister Prinzen Hohenlohe dem Baron Albert Rothschild sein Beileid ansdrücken. Auch Ihre Majestät die K a i s e r i n sandle aus Eorfu an den Baron ein in marinen Worten abgefasstes Beileidstelegramm. Alle hier weilenden Mitglieder des Kaiserhauses, sowie Herzog und Herzogin von Cumberland haben gleichfalls condolirt. Ferner condolirtcn die Lbersthofmeistcrin Ihrer Majestät der Kaiserin Gräfin Goest, der Minister des Acustern Graf Kalnoky, Landesvertheidigungs ministcr FZM. Graf Welsersheimb, Minister Ritter v. Zaleski, der spanische Botschafter Merry bei Val, der sächsische Gesandte Graf Wallwitz und Gemahlin, der schwedische Gesandte Löwenhaupt, Prinz Johann Schwarzenberg und Gemahlin, die Fürstinnen Mensdorff, Paar urrd Khcvenhüller, Fürst Äinskp und Gemahlin, Graf Ferdinand Dem», der russische Botschaftssecretär Gras Pahlen, Major Baron Rkontenach, Gräfin Andrasfy-Palffy. Gesandter Graf Kuefstcin, Gras Leopold Thurn, Graf Heinrich Larisch, Graf Benkendorff und Gemahlin, GM. Baron Mecsery, Graf Josef Hoyos, FML. Graf Grävenitz, die Altgrafen August und Robert Salm, der deutsche Botschafts-Secretär Baron Belvw, Hofmarschall Graf Szecsen, Lberceremonienmeister Graf Hunyadp und Gemahlin, Ministerpräsident Graf Taaffe und Gemahlin, Rcichs-Finanzminister v. Kallay, Minister v. Szögyeny-Marich, Eabinetsdirector Siaatsrath Baron Braun, mehrere Mitglieder des diplomatischen Eorps, Prinz und Prinzessin Leopold Ervy, Fürst Carl Paar, Fürst Eoloredo-Mannsseld und Gemahlin, Prinzessin Hohenlohe-Kaunitz, Prinz und Prinzessin Croy, Prinz und Prinzessin Schwarzenberg, Graf und Gräfin M.ttrowsky, Gräfin Hopos-Spriuzenftein, Gräfin Eduard Glam- Gallas, General Graf Eoreth und Gemahlin, Joseph Graf Herberstein, bW und Gräfin Vriuts, Graf Lamezan und Gemahlin, die Grafen Hans Wilczek sen. und jun., die Markgrafen Alexander und Alphons Pallavicini, Heinrich Graf Lizzo-Noris, Gräfin Marie Kinsky, Graf und Gräfin Schönborn-Buchheim, Markgräfin Pallavicini-Fürstenberg, Sbersthofmeister Marchese Tacoli und Gemahlin, Graf Heinrich Schönfeld, Earl Freiherr v. Frankenstein und zahlreiche andere Mitglieder der Aristokratie. Leichenbegüngnift. Seit vielen Jahren hat man in Wien kein Begräbnis; gesehen, au dem so zahlreich hochangesehene' Trauergäste theilnahrnen mtb zu . dem sich so viel Publikum drängte, als heute, da Baronin Bettina Rothschild den letzten Weg geführt wurde. Tie Aristokratie und die Finanzivclt waren glänzend vertreten und Deputationen vieler humanitärer Vereine gaben der Wohlthäterin das letzte Geleite. Einfach, wie die herzensgute Dame trotz ihres Reichthums lebte, wurde sie auch zum Schöffe der Erde gebracht. Der Wagen, der ihren Sarg trug, war geschlossen und zweispännig, doch drei Blnmenwägen mussten die Kränze tragen, die man der allgeliebten Frau als letzten Grust zum Grabe mitgcgeben hatte. Um ^9 Uhr schon war die Heugasse vom Palais Rothschild bis hinab zum Palais Schwarzenberg von Menschen nach Tausenden besetzt. Um 9 Uhr, zu welcher Zeit die Auffahrt der Trauergäste begann, stand dichtgedrängt schon das Publikum auf dem Rennweg und in der Simmeringerstraße. Im Palais Rothschild fanden sich ein: In Vertretung des Herzogs von Cumberland GM Grafelswald-Kielmansegg, Gardecapitän G. d. E. Graf Neipperg, Finanzminister Dr. Steinbach, der deutsche Botschafter Prinz zu Reust, der grostbritannische Botschafter Sir Augustus Paget mit Gemahlin, der französische Botschafter Mr. Decrais und Gemahlin, der italienische Botschafter Graf Nigra, der russische Botschafter Fürst Eautacuzena, der amerikanische Gesandte Sberst Grant, der tvürttcmbergische Gesandte Baron Maucler und Gemahlin, der ehemalige französische Finanzminister Leon Sau, der französische Bolschaftsrath Marquis Montmarin, Legations-Secretär Gras Montgelas und Gemahlin, Botschafts-Secretär Gras Pahlen, der grostbritannische Militär-Attache Major Douglas Tawsou, Statthalter Graf Kielmansegg, uud Gemahlin, G. d. E. Prinz Leopold Croy und Gemahlin, Fürst Richard und Fürstin Pauline Metternich, Fürst Arenberg und Gemahlin, Fürst Ferdinand Kinsky und Gemahlin, Fürst Alexander Thurn und Taxis, der Gesandte des Johanniler-Srdens Leopold Graf Podstatzky-Liechtenstein und Gemahlin, Heinrich Graf Sizzo-Noris, Landesgerichts Präsident Graf Lamezan, General Graf Eoreth und Gemahlin, die Herrenhausmitglieder Baron Bezeeny, Ignaz Edler v. Pleiter, Nicolaus Tumba, Johann Gögl und Baron Sochor, Baron Alfred Springer, Gräfin Beckers, Graf und (Gräfin Louis Apponyi, Graf Llnton Apponyi, Ferdinand und Rudolf Grafe:: Kinsky, Gräfin Hans Wilczek mit Eomtessen, Graf Hans Wilczek jun. u. Gemahlin, August Altgraf Salm-Reifferscheid, Markgrafen Alexander und Alphons Pallavicini, Philipp Gras Boos-Waldeck und Gemahlin, die Gemahlin des Sber-Ceremonienmeisters Gräfin Hunyady, bKorg Graf Stockau und Gemahlin, Gräfin Hoyos-Sprinzenstein, Graf Marco Bombelles, Graf Dcym, Marimilian Graf Brints jun., Baron Bourgoing und Gemahlin, Baronin v. Langenau, General Kodolisch, Bürgermeister Dr. Prix, Olencral'Eonsul Wilhelm Ritter v. Lindheim, Eonsul Biedermann, Baron Bleichröder, Roderich Freiherr v. Walterskirchen, die Hof- und Ministcrialräthe Ritter v. Klaps und Ritter v. Doczy, Generaldirector Schüler der Präsident der Südbahn Baron Hopfen, der Director der österr. - ung. Bank Kautz, der Präsident der Staatsbahn, Ritter v. Taussig, Director Blum von der Ereditanstalt, Nvrdbahndirector Lang, Hofrath Jeiteles. Hofrath Schreiner, Hofrath Pelz, Regiernugsrath Ritter v. Hahn, tlkegierungsrath Bezecny, Schriftsteller Ritter v. Klarwill, ^der Präses der israelitischen Cultusgemeinde Wilhelm Ritter v. Gutmann mit dem gesammten Vorstande, Präses Russo der türkischisraelitischen Gemeinde mit den; Vorstairde und dem Chacham Papo, Reichsrathsabgeordneter Tr. Jaques, Stadtrath Ritter v. Goldschmidt, die Gemeinderäthe Simon und Baurath Stiastny. Bezirkshauptman» Roretz. Polizeirach Frankl, Professor Sser und Gemahlin, kais. Rath Dr. Wölflcr, Director S. Heller, der Rothschildffche Tomänen-Director Prasch, Director Kuppelwieser, Director Schuster, Dber-Regisseur Ritter v. Sonnenthal, die Bankiers Stametz, Hutterstraßer, v. Kaulla. Ritter v. Bauer, l^rostindustrieller Dr. Ludwig Ritter v. Gutmann, Hofrath Prof. Monti und Dr. Hpfmann alsDeputirte des Seehospitz-Bereines,Maler Geldschmidt, die Prokuristen des Hauses S. M. v. Rothschild, Tub und Morpurgo; Magistratsrath Lekisch, die Beamten und die Dienerschaft, Deputationen des israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits-Vereiues, der freiwilligen Rettungsgesellschaft und anderer humanitärer Institute. Sbercantor Singer, assistirt von den Cantoren Schiller und Blatt executirte, als der Sarg tun 10 Uhr gehoben wurde, mit dem ganzere

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