Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 ^österreichische Wochenschrift. Seite 2Zl9 ^eine Inserate sind mit hämischen Glossen gegen die jüdischen Concurrenten verziert, seine Waaren aber werden bei einem jüdischen Großhändler fabricirt, dem er den — Ausschuß für die noble arische Kundschaft billig abkanst. Ganz anders und entgegengesetzt handelt der Schlaumeier Gregorig, — der „k. k." Gregorig' Herr Gregorig ist nicht so dumm, als er sich mit derFurchtvor einem ihm geplanten „rituellen Morde" stellte. Dieser grimmige Judenhasser, der ein Weißwaarengeschäft betreibt, bezieht gerade die schlechtere Maare von Christen; die bessere kauft er bei Juden, und er beschäftigt solcher Art i n d i r e c t e i n e A n z a h l jüdischer Näherinnen, ohne zu besorgen, daß ihn dieselben durch „rituelle" Nadelstiche langsam zu Tode quälen werden. Mer Pofelwaare wünscht, erhält rassenreines arisches Fabrikat, wer bessere Sorten blauchr, erhält somit „jüdische Arbeit". Da er sich aber durchaus cinbildet, ein Politikus zu sein, so überträgt er die sogenannte feine Politik auf seine Pfaidlerei, und ziert seine Firmatafel mit den Buchstaben „k. k." ohne hiezu auch nur die geringste Berechtigung zu haben. Er nennt sich nämlich „k. k. L?chätzmeister", obwohl cs gar keine k. k. Schützmeister gibt. Es sind nun zwei Fälle möglich, um diese Titelanmaßung zu erklären. Entweder ist es Dummheit, oder Schwindel. Weiß der große Gregorig nicht einmal was er ist und was er nicht ist, wie er sich nennen darf und wie nicht? Weiß er nicht, daß er kein Recht hat, sich k. k. Schätzmeister, zu nennen, so verräth dies einen Mangel an Intelligenz und Verstand, wie er immerhin bei einem von Antisemiten gewählten Landtagsabgeordneten zulässig erscheint. Weiß er aber, daß er kein Recht auf diesen Titel hat, und schreibt denselben dennoch mit Transparentbuchstaben auf seine Firmatafel, so ist dies Bauernfängerei. Die Antisemiten, wenn sie das k. k. lesen, denken, Gregorig müsse doch nicht so dumm sein, wie man nach seinen Reden schließt, denn er ist ja sogar „kaiserlich königlich". Vielen Leuten wird durch den unbefugten Gebrauch dieses k. k. aus der Firmatafel, die falsche Vorstellung erweckt, als sei Gregorig Hoflieferant und sein Geschäft daher besonders solid und auf diese Weise werden Kunden angelockt. * Und ein würdiger Kumpan des Herrn Gregorig ist der Gemeinderath Leopold Slama, der seinerzeit erklärte, lieber verhungern zu wollen, als für einen Juden zu arbeiten. Herr Slama ist Goldketten-Fabrikant. Auf die weitverbreiteten Gerüchte, durch welche Mittel Herr Slama diese Fabrikation sehr lukrativ zu gestalten wußte, wollen wir nicht weiter zurückkommen. Wir begnügen uns, an diese Thatsache zu erinnern, daß der jüdische Goldarbeiter Paul Schiff inRzeszow von Herrn Slama wiederholt Briefe empfing, in welchen derselbe besagten Schiff dringend um Arbeit bittet, indem er auf seine trifte Lage hinweist. Es ist überflüssig, solcher unumstößlichen Thatsache noch ein Wort beizufügen. Sie illuftriren die antisemitische Gesinnungslumperei so klar und deutlich, daß auch die Blinden darob sehend werden müssen. Das System, welches der Geschäftspraxis der Herren Gregorig und Slama zu Grunde liegt, wird ja in der antisemitischen Presse verständlich genug begründet. Das „Deutsche Volksblatt" vom 27. d. M. führt in einem Artikel, welcher für eine Papier-Valuta plaidirt, aus, daß die Juden nicht das Recht haben, das an den Christen verdiente Geld zurückzuhalten und anzuhäufen, sondern daß sie die Pflicht haben, den Christen dieses Geld durch Ankauf christlicher Waaren und Leistungen zurückv erdienen zu lassen. Wollen die Inden Häuser und Werthpapiere erwerben, so mögen sie sich neue Häuser und neue Bahnen bauen und dadurch de ms!) „einheimischen Volke" sein Geld wieder zurückverdienen lassen. Das Blatt, das diese kostbare Theorie vertritt, hat an seiner Spitze die Mahnung: „Kauft nur bei Christen!" Wie dieses „Zurückverdienen" möglich sein soll, wenn diese Mahnung befolgt wird, ist uns unverständlich ganz abgesehen davon, daß die Forderung des „Deutschen Volksblatt" sich direct gegen die christlichen Hausbesitzer richtet, deren Realitäten riesig entwerthet würden, wenn die Juden plötzlich eine massenhafte Bauthätigkeit entfalten würden. Man beachte nur, wie Herr Vcrgani die Juden im Interesse des „einheimischen Volkcs"znr Jnaugurirung eines Bauschwindels auffordert! Es ist immer und überall derselbe nichtsnutzige und zugleich dummdreiste Speculationsgeist, dieselbe Raubgier, dieselbe Lumperei, die sich mit Gewalt oder List in den Besitz jüdischen Eigenthums setzen und Recht und Gesetz mit Füßen treten will, selbst auf Kosten des „einheimischen Volkes" denn Herr Vergani weiß so gut wie wir, daß mit der Einführung einer Papier-Valuta der Gehalt der christlichen Beamten um mindestens 50 Percent geschmälert würde. Wir sind doch neugierig, wie lange sich das „einheimische Volk" diese Schamlosigkeit der antisemitischen Buschklepper bieten, wie lange es den Namen Wiens und Desterreichs vor dem Auslande in den Koth zerren lassen wird! Die russischen Iudrn-LvmmWmien. I. General Jgnatieff und seine Fragen. Aus Rußland. Mitte März. Nicht nur in der Leidensgeschichte der russischen Juden, sondern in der Geschichte des russischen Staates haben die Judencommissionen eine verhängnißvolle Bedeutung erlangt, so daß eine nähere Beleuchttmg dieser Haupt- und Staats-Action kaum überflüssig erscheinen kann. Die Folgen des unheilvollen Systems starren in greifbarer Thatsächlichkeck uns entgegen, wenn es auch noch nicht möglich ist, diese Folgen in ihrem ganzen Umfange zu überschauen. So möge denn die Wichtigkeit des Gegenstandes es rechtfertigen, wenn ich zuweilen etwas breiter und ausführlicher werde. . . . Der Maler Wereschagin hat in einer Reihe von Bildern uns dem Gebiete näher gebracht, auf welchem russische Politik und Kriegskunst ihre jüngsten Eroberungen zu verzeichnen haben. Wir sehen die Landschaft, sehen Baudenkmäler, wie die Prachtliebe der einheimischen Fürsten sie geschaffen hat und sehen die Menschen, welche unter dem Szepter des Czaren die Freiheit nicht vermissen, die sie nienrals besessen haben. Wereschagin ist Realist; man fühlt die glühende Schwüle der Atmosphäre, der Tiger ruht rm Rohrdickicht am Flusse, im Grase lauert die Schlange, giftige Walzenspinnen in fabelhafter Größe huschen durch den Busch. Die Pflanzenwelt entfaltet sich mit tropischer Ueppigkeit, man sieht Gärten, wie das Herz des Orientalen sie ivünscht, wenige Meilen vom Rande der Wüste, wo der Sandsturm die Carawanen begräbt. Und der Mensch, die Krone der Schöpfung? Wereschagin mall nicht nur Race und Costüme, er malt die Menschen auch nach ihrer Sittlichkeit. Wir sehen seltsam widerliche Scenen, wir sehen den Cultus der drei Göttinen Wollust, Lüge und Grausamkeit. In dieser Welt, in Central-Asien hatte Jgnatieff die Schule seiner Sraatskunst. Wir folgen dem Maler Wereschagin nach Europa. Er schildert uns den Drientkrieg in allen seinen Schrecken. Wir sehen die Schlachten von Plewna, sehen Tausende von russischen Soldaten nutzlos einem qualvollen Tode geweiht. Sie verschmachten im Bereiche der feindlichen Kanonen, die Russen hören das Jamniern der Verwundeten und können keine Hilfe bringen. Jgnatieff war durch seine Lügen ein Hauptanftifter des Krieges; seine Briefe an den Czaren ließen den Krieg als ein leichtes Manöver erscheinen. Und als der Krieg zlt Ende war, compromittirte Jgnatieff die Ehre Rußlands durch den Vertrag von San Stefano. Auf dem Wege eines Wortbruches