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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 332 Drflrrrrtchtschr Wochenschrift. Nr. 13 mann (Schriftführer), D. Brecher, S. Rohrlich, I. Jsak, E. Halberg, W. Haimann, Ingenieur Weiß und A. Gold- ' stein bestehendes Comite gewählt, das mit dem Budapester Actions- Comitö in Verbindung treten wird. Berlin. Das schöne Purim-Fest war in der jüdischen Volksküche Veranlassung zu einer hcrzerhebenden Feier. Alle jüdischen Besucher erhielten zunächst von den Ehrendamen Liqueur und Pfefferkuchen; alsdann das Nationalgericht des Tages Kreppchen und Bouillon als Schelach Mones.! Mehrere hundert arme Besucher, viele Frauen und Kinder , erhielten umsonst ein gutes Mittagessen. Es war eine Freude die glücklichen Gesichter der Armen zu sehen und ihr andächtiges Tischgebet mit anzuhören. i Schließlich brachte einer der Besucher auf den Begründer \ der Anstalt und seine Gemahlin, der Leiterin derselben ein begeistertes Hoch aus, in bas aüe Anwesenden freudig eiustimmteu. Charlottenburg, 14. März. Dem Herrn Ahlwardt scheint der Lorbeer zu Kopf gestiegen zu sein! Jüngst führte er in einer Versammlung folgendes tolle Zeug aus: „Das Attentat Nobiling's auf Kaiser Wilhelm l. sei nur begangen worden, um einem jüdischen Berliner Arzte zu einer guten Praxis zu verhelfen! Bevor das Attentat erfolgte, habe jener Arzt schon längere Zeit vor dem Hause unter den Linden, vor welchem das Attentat geschah, gestanden und aus den Moment gewartet, in welchem der Mordanschlag erfolgte, um dann sofort dem verwundeten Kaiser seine ärztliche Hilfe anzubieten, womit sein Glück gemacht gewesen fei. Derselbe Arzt habe Nobiling später im Gefängniffe behandelt und den unbequemen Attentäter, der möglicherweise etwas hätte verrathen können, vergiftet! Ist das nicht purer Wahnsinn! Darmstadt. 14. März. Tem nach so kurzer Krankheit verstorbenen Grotzherzog Ludwig IV. war der Antisemitismus in der Seele zuwider. Bekannt ist seine Aeußernng. „Diese ganze Bewegutlg ist mir ein Gräuel; ich werde mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln in meinem Lande diesem Unfug entgegentreien." Sein einziger Sohn und Thronfolger, der 26jährige Ernst Ludwig, verspricht in seiner gestrigen Proclamativn ebenfalls die „Handhabung von Recht und Gerechtigkeit" und die Währung der Wohlfahrt aller seiner Untherthancn. Ulm, 8. März. Gegen die hiesige „Schnellpost" ist wegen antisemitischer Verhetzung auf Weisung des Justizministeriums öffentliche Anklage erhoben: die Voruntersuchung ist bereits eröffnet. Paris. <E i n B u ch der Baronin Therese Iame s R o t h s ch i l d.j Man schreibt ans Paris: „Lose Blätter" ist der Titel eines kleinen Werkes, welches Frau Baronin Therese James Rothschild drucken ließ und an einige ihrer Freunde gesendet hat. Das Buch, welches die Berfasserin ihren Kindern „Jeanne und Henri" getvidmet hat, behandelt unter der Form von Rathschlägen eine Studie über die Tugen den und wie dieselben in der Welt geübt werden sollen. Leider hat die Bersafferin die Bescheidenheit zu weit gettieben und so werden die „Losen Blätter" nicht über einen kleinen Leserkreis hiuauskommen. Das erste Capitel des Buches schließt folgendermaßen: „Tie Mttde, die schönste aller Tugenden, sollte besonders im Frauenherzen den ersten Platz cinnehmen. Sie ist die schönste Zierde der Jungfrau. Eine sanfte Frau gewinnt alle Herzen. Das Wohlwollen sichert ihr das Vertrauen der Familie die Milde die Achtung der Untergebenen. Discrete Güte lentt die Dankbarkeit der Annen und Unglücklichen aus sie." Weitere Capitel besprechen die Tugenden: Nachgiebigkeit, Versöhnlichkeit, Ergebenheit, Selbstverleugnung, Selbstbeherrschung und schließlich jene Haupttugend: die Geduld. Ein Anhang spricht über die Verwendung des Geldes, über den wohlerzogenen Mann und errvühnt einige Erinnerrmgen an die Schweiz. Das Ganze beweist, daß Frau Baronin Rothschild mit etwas weniger Bescheidenheit, leicht eine bedeutende Schriftstellerin werden könnt.'." Paris. (Marquis de Mores.) Der bekannte Pariser An ttsemit, Marquis de Mores, ein excentrischer, junger Mann, beiwelchem man im vorigen Jahre am Vorabend des l .Mai mehrere hundert eiserne Stöcke fand, mit deren Hilfe der junge Hitzkopf die sociale Frage lösen zu können hoffte, wurde kürzlich in Folge Einschreitens seines Vaters, des Herzogs von V a l o m b r o s a unter Cu rate! gestellt. Marquis de Mores erhob gegen diese Maßregel Einspruch beim Pariser Tribunal. Letzten Freitag gelangte die Affaire zur neuerlichen Verhandlung. Das Tribunal wies den Recurs ab und Marquis de Mores bleibt fortab unter Curatel. Rom. Aus Rom lvird berichtet; König H u m b e r t empfing Herrn Gustav Dr. Tiring als Präsidenten des italienischen Nattonalcomites der Wiener internationalen Musik- und Tbeaterausstellung in halbstündiger Privataudienz. Der König war über die rege Betheiligung von Seiten Italiens sehr erfreut und gratulirte Herrn Tiring zu den jetzt schon erzielten bedeutenden! Resullaten. Feuilleton. Vereint im Tode. In zwei Nachbardörfern des Trencsiner Comitates lebten Beide als Pächter zweier Güter, die an einander grenzten, und deren Castelle sich so nahe gelegen waren, daß man mit freiem Auge von einem aus das andere sehen konnte. Sie besaßen diese Güter fast als Eigenthum, denn sie hatten Schuldforderungen an die nominellen Besitzer, die in Saus und Braus in Preßburg oder Wien lebten, und waren auf die Güter intabulirt. An ein Freimachen derselben konnten die Eigenthümer um so weniger denken, als sie gar keinen Nutzen davon gehabt hätten. Denn Die Gegend, die Heimat der Rastelbinder, ist gerade kein Land, wo Milch und Honig stießt, und nur die Thätigkeit und Wirthschaftlichkcit der Pächter vermochte diesen Gütern einen Ertrag abzuringen. Und warum hatten die Pächter diese Güter nicht zu ihrem wirklichen Eigenthum gemacht? Sie waren Juden und oer Jude durste damals noch nicht Grund und Boden von Adeligen in Ungarn besitzen. Josef Graf und Israel Roth, waren die vornehmsten Juden im ganzen Comitat, und obwohl sie mit dem Adel des Comitates viel gesellschaftlich verkehrten, schloßen sich Beide als Juden doch enger aneinander. Es verband sie die innigste Freundschaft, trotzdem sie in Religionssachen weit von einander verschieden waren. Graf hatte das traditionelle Judenthum ganz abgeschüttelt, Roth dagegen führte ein streng orthodoxes Haus. Ihre schönsten Stunden in diesem weltentlegenen Winkel des Landes waren, wenn sie beisammen saßen, Schach spielten oder über religiöse Fragen disputirtcn. Aber sie hatten auch andere Freuden: die Freude Graf's hieß Ilona und Roths Freude trug den Namen Jozsi. Die Freunde waren stolz auf ihre Kinder, und hatten Grund dazu. Weit und breit gab es Niemand, der an Schönheit sich mit ihnen messen konnte. Schon als Jozsi und Ilona noch als Kinder in Gegenwart ihrer Väter zusammen spielten, ergingen sich die Letzteren in zukünftige Gedanken. „Sollte denn Jozsi nicht für meine Ilona passen?" pflegte Gras sich zu fragen. „Und für meinen Jozsi kann es keine bessere und schönere Ge fährtin geben, als die kleine Ilona", dachte öfters Roth, wenn er aus die Tochter seines Freundes blickte. Sowohl der Eine wie der Andere waren, ohne ihre Gedanken einander zu offenbaren, fest davon überzeugt, alles werde sich von selbst machen, und die Freundschaft der Väter werde in der Liebe der Kinder gefestigt und besiegelt werden. Die gegenseitige Anhänglichkeit der Kinder wuchs in der That mit ihren Jahren. Und als endlich jener Zeitpuntt gekommen war, wo ans dem nnenttvickelten Jüngling der schöne Mann erstand und die kleine Ilona zur berückenden Schönheit erblüht war — da erwachte in ihnen das Gefühl, das stärker als Freundschaft war. Und je näher das erwartete Glück heranrückte, je mehr sie selbst und ihre Väter es herbeiwüttschten, um so unentrinnbarer schien es ihnen allen . . . . doch wehe, wehe! Anstatt des Glückes der Vereinigung kam das Unglück der ewigen Trennung und nicht nur über die Liebenden, auch über die Väter selbst. Die ersten Stürme der 48-er Revolution, die überall und besonders in den slovakischen Dörfern des Trencsiner Comitates voll Judenkrawallen begleitet gewesen, waren vorüber und die Juden der nördlichewOomitate, die fortgeschrittendsten Ungarns und am sehn süchtigsten die Emailcipation erwartend, entsendeten drei der hervorragendsten Männer als Deputation an Kossuth. die Emancipation zu beschleunigen. In dieser Deputation war auch Josef Graf und als sie resultatlos von Pest hcimkehrte, nahmen alle drei aus Verzweiflung all einer Zukunft des Judenthums die Dause. Mit Schrecken vernahm Israel Roth die Knude vom Abfall seines Freundes vom Glauben der Väter. Es traf ihn wie ein Donnerschlag. Wie? Er, an dessen Festigkeit er so sicher geglaubt hatte, wie an sich selbst, er ist ein Abtrünniger geworden, seinem Volke und der Wahrheit! Kann ich, darf ich lioch ferner der Freund des Apostaten bleiben ulld Theilhabcr seiner Schuld vor Gott? darf ich mein eigenes Schicksal und das meines Sohnes aus persönlicher Zuneigung an einen Menschen knüpfen, der eine solche Treulosigkeit beging? O nein! Im Herz:n ivird sich noch so viel Kraft finden, zn ersticken die Gefühle der Freundschaft, die Erinnerung der Jugend. . . ich will ihm vergelten mit Feindschaft — mit vermehrender, unversöhnlicher Feindschaft für das betrogene Zutrauen. Bon nun an gab es für ihn keinen Josef Graf mehr, keinen Freund Graf und keine schöne Ilona, mit denen im Bunde er so viele Jahre Freud und Leid getheilt hatte. Es gab nur noch einen Gottesfrevler Graf, von dessen Anwesenheit er sein Haus versündigt geglaubt haben würde; es gab eine Tochter dieses Ehrlosen, aber ehe sie seinen einzigen Sohn zum Abfalle verleiten sollte, würde er diesen mit eigener Hand erwürgt haben; Alles ist nun vorbei! sagte er sich. Es gibt keine Umkehr zum Vergangenen: so sei es denn begraben aus immerdar! . . . Einige Wochen waren verstrichen seit jenem verhängnißvollem Tage, ail dem Graf die Taufe nahm, aber die Bande, die ejnst die

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