Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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9tr. 13 Veyerr^ichifchr Wochrnfchrifl Seite 233 beiden Häuser nmschluugen hielten, waren und blieben gelöst. Tie I Freunde waren zu erbitterten Feinden geworden; sie begriffen die Ursache der Feindschaft und deren Unversöhnlichkeit für Zeit nnd Ewigkeit. Nur Einer konnte sich mit diesem geänderten Verhältnisse nicht abfinden — der arme Jüngling. Er erschrack vor Grass Verbrechen, und trotz alledem fühlte er im tiefsten Grunde seiner Seele ein Etwas, das ihn nach dem Hause des Verbrechers zog. Er konnte ihr Bild nicht los werden. Bleich mit wehmnthsvvllen Blicken stand sie vor ihm, und schien ihm zu sagen: „Sieh mich an, schau mir in die Seele, bin ich nicht das Opfer?" . . . Er litt unsäglich. Mit Einivilligrmg seines Valero fuhr Jvzsi zu dem Rabbiner nach Trenesin, einem greifet! Manne, der ein alter Freund des Hauses war. Der Fromme sagte gleich beim Willkomm: „Du kommst um Rath für dein krankes Herz'?" „Sie sind weise, Rabbi, und werden mir rathen." „Bete, mein Sohn, bete!" „Aber ich kann nicht beten, ich muß unaufhörlich an das Mädchen denken." „Denk dir sie stets als Abgefallene und ihr Bild wird dir verächtlich werden." „Ich kann mir sie aber nicht anders denn als eine Märtyrern vorstellen und ich kann den Seelenkampf nicht los werden, ihr ein Opfer zu bringen." „Welches Opfer'?" fragte der fromme Mann erschrocken. „Rabbi, ist denn die Sünde unversöhnlich, Schein-Ehrist zu luerben V" „Unsühnbarer, noch nnsiihnbarer als im Jrrthnm," zitterte der Wrei‘3 vor Aufregung. „Gut, ich werde es nicht thnn. Aber Gott wird mir doch gnädig sein, wenn ich, um mich vor einer schwachen Stunde zu schützen," einen Abfall von ihm zu begehen, lieber einen Selbstmord begehe," sprach der Jüngliirg während er sich zum Weggehen erhob. Auch der Greis erhob sich von seinem Sitze und gab dem Gast das Geleite indem er mit Thräncn in den Augen zu ihm sagte: „Josef, mein Sohn, denke an beittett alten Vater. Gott verleihe dir Kraft, deine Leidenschaften zu besiegen und gebe dir den Frieden." Fast schien es, als ob der Segen des Rabbi in Erfüllung ginge. Jozsi war wieder thätig, wie schon lange nicht. Eines" Tages, als sein Vater in Geschäftsangelegenheiten verreist war nnd auch'der böse Nachbar aus Concurren; denselben Weg gemacht hatte, erschien der junge Mann plötzlich bei seiner Geliebten. Sie sah so aus, wie erste wachend und träumend gesehen — bleich mit den so unendlich wehmuthsvolleu und doch so bezauberirden Blicken, ein lebender Vorwurf der Herzlosigkeit ihres Vaters. Nachdem sie sich lange schweizend gegenüber gesessen, sagte er: „Ilona, ich komme, Abschied von dir zu nehmen. Ich bin ent schlossen zu sterben, das Leben hat allen Werth für mich verloren." „Nimm mich mit!" sagte das Mädchen ruhig, als ob sie mit dem Gedanken des Todes schon vertraut gewesen wäre, wie die Menschen zur Zeit einer allgemeinen Katastrophe. „Ich kann dich als Christin nicht mit mir nehmen auf diese Weg in die Ewigkeit." „Ich werde mit meinem (eftten Athemzuge das Judeuthum bekennen." Hinter dem Grafischen Kastell dehnte sich ein Garten bis zur Waag hinab, wo eine Ueberfuhr rvar, die zu den Regalien des Gutes gehörte. Am Ufer standen mehrere Bauen: mit ihren Bündeln auf dem Rücken. Sie wollten auf das jenseitige Ufer hinüber, aber der Fährmann wagte es nickt, denn ein Sturm thürulte die Wogen nnd die Waag ist einer der gefährlichster Flüsse. Da erschienen Ilona und Jozsi. Alle lüfteten ihre Mützen. „Pawlik, binde meinen Kahn los", befahl das Mädchen dem Fährmann. „Aber gnädiges Fräulein, es ist nicht rathsam ..." Ilona war eine ausgezeichnete Kahnfahcerin, der Diener wußte es und gehorchte. Das junge Paar stieg in das Schiffchen, das sich bald auf den Wogen schaukelte und mit einigen kräftigen Ruderschlägen bis in die Mitte der Strombreite getrieben wurde. Hier schleuderten die Jnsaßen die Ruder weit von sich und stellten sich im Kahne auf. Das Mädchen sah geisterhaft aus, und das Tosen des Sturmes übertönend rief sie den am Ufer Stehenden zu, die starr vor Schrecken waren: „Gott ist der Einig-Einzige, sein Name werde geheiligt!" Eine auf sie zustürzende Welle hüllte die Liebenden ein. Es war vollbracht! Literatur. Der thätige Verstand bei den jüdisch-arabischen Religionsphilosophen des Mittelalters. (Eine Monographie, nach den Quellen bearbeitet von S. Nessel, Bezirksrabbiner in Kopremitz. 1892. 56 Octavseiten. i Ein König von Preußen batte den ihm vom Parlamente vorgelegten Entwurf einer constitutionellen Staatsverfassung mit den Worten äbgelehnt, er werde zwischen sich nnd sein Volk kein Blatt Papier eindrängen lassen. Dagegen hatte die mittelalterliche arabische und jüdische Religionsphilosophie zwischen Gott und seine Welt ein Mittelwesen gestellt. Dieses Wesen mit der Mittlerrolle nannten sie den „Thätige» Verstand" und als fühlten sie das Wehen dieses unsichtbaren Geistes ganz wahrnehmbar über ihren Häuptern, so einstimmig blickten sie Alle, die arabischen und jüdischen Adepten jener Philosophie, zu diesem zwischen Gott und Welt schwebenden Sechel Hapoe» empor. Ja, durch diese Hupothese von einem außerhalb des menschlichen Geiste« existirenden, jedoch auf ihu mächtig influirenden InteUeetus agens, wehte ein mystischer Anhauch in die Philosophie selbst der rationellsten Denker hinein, wie dieses eben auch an der maimonidischen Philosophie ganz deutlich sich zeigt. Eines der letzten Eapitel des More III, 521 beginnt mit dem folgenden Satze: „Gewiß gleichet das Benehmen eines Menschen, der sich allein zu Hause weiß, "keineswegs seinem Anstand und Benehmen, wenn er vor dem Angesichte eines" großen Königs sich befindet. Und daher, wer die wahrhafte menschliche Vollkommenheit erreichen will, er rüttle sich aus und werde es inne, daß der groye König, der immerwährend über ihm schwebt, weit größer ist, aljeder menschliche König und wäre er selbst David und Salomo, denn dieser immer über ihm schwebende König ist der Thätige Verstand, der das Bindemittel bildet zwischen" Mensch und Gott." Der Dichter Jmanuel Romi, bei seiner Wanderung durch Paradies und Hölle, trifft den arabischen Philosophen Alfarabi in der Hölle an, zur Strafe dafür — so wird ihm mitgetheilt — weil dieser die Möglichkeit des Einswerders des menschlichen Geistes mit dem Thätigen Verstand geleugnet. Diese sonderbare Idee von einem hypostasirten, außerhalb des menschlichen Geistes existirenden Sechel Hapoel, obschon nur durch ein mißverstandenes Moment der aristotelischen Seelenlehre hervorgegangen, hatte derart das ganze Mittelalter in ihrem Bann gehalten iTennemann, Geschichte der Phil. 4. Band Seite 448!, daß man sich dadurch angenehm berührt fühlt, bei Saadia — obschon ein Zeitgenosse Al sarabils — dennoch keine Spur von dieser krankhaftan^Jdee jener Zeitphilosophie anzutreffen >var, «Bergl. unsere kleine Schrift: „Saadia Alfajnmi und die negativen Vorzüge seiner Religionsphilosophie". Wien, >870!. Nun die hier vorliegende Monographie über das Sechel Helapo wurde dem Schreiber dieser Zeilen von der geehrten Redaction der österreichischen Monatsschrift mit dem Ersuchens zugesendet, dieselbe in diesen Blättern zu besprechen. Und da diese Schrift sich der Aufgabe unterzieht, in den verschiedenen Materien der mittelalterlichen Religionsphilosophie — der Kosmologie, Psychologie, Prophetologie — die immerwiederkehrende wichtige Rolle, die dem Sechel Hapoel zugesprochen ward, nachzuweisen — und zwar, wie das Titelblatt betont, alles nach den Quellen bearbeitet, so gingen wir mit den besten Erwartungen an die Lectüre dieser Publication. Wir gelangten jedoch sofort zur Erkenntnis;, daß der Verfasser eigentlich nur aus einer Hauptguelle — nicht nur geschöpft, sondern ^.uch größtentheils wörtlich herausgeschrieben, ohne dieser Quelle auch nur mit einem Worte Erwähnung zu thnn. Diese Quelle bildete für den Verfasser unsere 1869, Wien bei Her.seld und Bauer erschienenen Studien zur jüdisch-arabischen Religionsphilosophie. Wir bemerken aber hier gelegentlich, daß in den zwei" Jahrzehnten seit dem Erscheinen der genannten Schrift sich uns selber — durch fortgesetzte und tiefeingehende Beschäftigung mit der arabischen Sprach- und Literaturkunde — das Quellengebiet für ähnliche Studien vielfach erweitert hat. Dr. Schmiedl. Wochrnkalrnder. Wochen- März- 'April 1892 Adar-! Nissan j 5652 i! Freitag 25 26 Samstag 26 27 Sonntag 27 28 Montag 28 29 Dienstag 29 l; Mittwoch 30 2; Donnerstag 31 3 Freitag 1 4 Kalender mpe ‘rtjn (Br. Nackodesch« Noschchodesch