Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 228 Orstrrrrvtzisrtzr Wochenschrrfl. Nr. 13 lich eine auffallende Lebensweise zu führen. Stundenlang lag er des Nachts auf den Knien und betete mit dem Crucifix in der Hand. Kurze Zeit darauf trat er mit mehreren Geistlichen in Verbindung, bei denen er katholischen Religionsunterricht nahm. Etwa 17 Jahre alt, erklärte er seinen Angehörigen, daß er, dem Befehle feines ihm im Traume erschienenen Vaters — derselbe war bereits gestorben — folgend, zum Christenthum übertrete. Baracs verließ Preßburg, um in Hainburg die Taufe zu empfangen. Als Tauspathe fungttte einer seiner Professoren, dessen Namen Geza er in der Taufe annahm. Bald darauf trat er in den Capuzinerorden in Preßburg ein und nach Verlauf weniger Monate, die er in größter Zurückgezogenheit im Kloster verbracht hatte, reiste Baracs plötzlich ohne Erlaubnis nach Wien, um bei dem Erzbischof Klagen gegen die Capuziner zu erheben. Er wurde nun nach Kalocsa geschickt, dann nach Rom in die Congregatio de bona fide. wo er ein Liebling des verstorbenen Cardinals Simeon i wurde und einer der glühendsten Jünger der Missionsschule war. Seine Bemühungen, irgend einen Posten im Vattcan zu erhalten, mißglückten und so kehrte er nach Budapest zurück. Er wurde vorerst Katechet in Attofen, woselbst er einen überaus frommen Lebenswandel affichirte. Seine Wohnung glich einer Capelle; mit seinen geistlichen Collegen verkehrte er nur in geistlichen Dingen. Mancher seiner näheren Bekannten meinte scherzend, daß Baracs schon bei Lebzeiten heilig gesprochen werden wolle. Mit dieser zur Schau getragenen Frömmigkeit ging Hand in Hand ein ostenlativer Haß gegen die Juden. Baracs ttieb schließlich die Sache so weit, daß sich Probstpfarrer Cselka veranlaßt fand, ihn von Allofen zu entfernen; Baracs wurde nach der Josefstadt versetzt, wo er kurze Zeit als Religionslehrer wirkte. Er hatte sich mit dieser Transferirung in seinem Aeußeren vollkommen verändert. und begann viel Geld auszugeben. Auf Befragen erklärte Baracs, daß er von einer in Hainburg wohnenden reichen Tante regelmäßige Geldunterstützungen erhalle. Im Jahre 1867 betheiligte sich Baracs an der von Dr. Wolafka ammgirten Reise ungarischer Pilger nach Rour zum Jubiläum des Heiligen Vaters; ja er wurde sogar zu einem Führer ernannt*. In Rom knüpfte er mll der höheren Geistlichkett Verbindungen an, die ihm später von großem Nutzen waren. Auch gelang cs Baracs, sich den Titel „Doctor Romanus" zu erwirken. Nach der Auflösung des Pilgerzuges ging Baracs nach Belgien, dann nach Frankreich und Spanien; überhaupt ist Baracs ein vielgereister Mann, der sehr vieler lebender und todter Sprachen mächtig ist. Nach Ungarn heimgekehtt, erhielt er eine kleine Pfarre in der Provinz. Eines Tages vermißte aber die katholische Gemeinde ihren geistlichen Oberhirten; Baracs blieb längere Zeit verschollen und es konnte keine Spur von ihm entdeckt werden. Das Graner geistliche Gericht entkleidete hierauf Baracs seiner geistlichen Würde, allein der bezügllche Bescheid konnte ihm auch dann nicht zugestellt werden, als Baracs nach einen« Jahre endlich wieder zum Vorschein kam, denn sein ruheloser Geist ttieb ihn.van Stadt zu Stadt, von Land zu Land. In Wien gelangte er in Folge einer Anzeige einer Frau, die ihn der Herauslockung von Geldern beschuldigte, vor Gericht, allein es gelang Baracs, seine Unschuld darzuthun. Er kam wieder einmal nach Budapest; hier fiel er durch sein an die Tracht der französischen Abbes erinnerndes Habit allgemein auf; in CivilÜeidung bot Baracs den Typhus eines vollkommenen Dandy. In Folge der Intervention des Universitäts-Professors Aschenbrier gelang es ihm, die Wiedereinsetzung in seine geistlichen Würden zu erwirken, ja noch mehr, er bekam den päpstlichen Segen sür ein von chm projectirtes größeres literarisches Unternehmen: „Magyar hierarchia“, welches er mit dem Gelde einer Berliner Firma heravsgeben wollte. Sein luxuriöser Lebenswandel verschlang aber riesige Summen, welche er durch allerlei Manipulationen aufzubringen trachtete. Gne Partei, welche sich von Baracs speeiell schwer geschädigt erachtete, erstattete schließlich bei der Polizei die Anzeige wegen Veruntteuung. Aus Grund dieser Anzeige wurde der Beschuldigte von der Sicherhettsbehörde in Haft genommen. Berlin. Wir leseu im „Berliner Börscncourier:" In «vetteren Kreisen ist es wenig bekannt, daß die Antisemiten in demselben Maße ohne Wissen «vie ohne Gewissen sind. Man glaubt gerneinhin, daß die Gemeinheiten und Lügen, die sie debitiren, wenigstens auf ihren eigenen Beeten gewachsen sind. Aber selbst diese haben sie gestohlen, und sie müssen sich kümmerlich von Plagiate«: nähren. Um das einigermaßen zu verbergen, gebrauchen sie von Zeit zu Zeit die pllimpe List, sich auf eine „Autorität" aus früheren Tagen zu berufen, irgend einen dunklen Ehrenmann, dein sie erst einen Namen leihen müssen. Daß dieser schon gesagt hat, was sie selbst auch sogen, soll einen Beweis für die Richtigkeit der Aussage bilden. Einreizen des Beispiel finden wir in der Kreuzzeitung, welche schreibt: Aus dem wenig bekannten Buche: „Gehenne Briefe über die preußische Staatsverfassung seit der Thronbesteigung Friedrichs II." Utrecht 1787. S. 36 f. (Verfasser ist ver- «nuthlich Adrian Heinrich Frhr. von Borcke, der unter Friedrich d. Gr. Anfang der Siebziger Jahre Gesandter in Dresden, späterhin Coiumissaire general de commerce beim General-Directorium gewesen war,) ist folgender Passus besonders interessant und fordert zum Vergleich mit unseren Zuständen auf: „Man sollte es nicht glauben, was sür einen mächtigen Einfluß die hiesige (Berliner) Judenschast in alle Landesgeichäft? hat. Der Verkehr, worin sie mit den Ersten im Staate, mit Ministern, Hvfleuten, geheimen Rathen und Rathen, Generälen und Offizieren, mir Secretären, Advvcaten oder Justizcommissarien, .stanzelisten und Schreibern stehet, setzt sie irr den Stand, von den geheimsten Sachen Nachricht zu bekommen, und da ihr fast jeder zinsbar ist, so wird ro ihr auch leicht, da freunde zu finden, wo sie keine finden sollte In den Justizcollegien lvissen die Juden bei jedem Rechtsstreite so gl-ich den Referenten auszumitteln, und er muß mehr als ein reicher Manu sein, wenn er gegen alle ihre heimliche Machinationen und Ränke die Probe halten soll. Es hat schon unter dem vorigen stönige (Friedrich II) Beispiele gegeben, daß sie Mittel fanden, seine ausdrücklichen und gerechten Befehle, die sich aus Uriheil und Recht gründeten, zn vereiteln. Wie kairn man auch an ihrem großen Einflüsse zweifeln, wenn selbst Justizminister mit einem Meier Warburg und anderen Jtlden, die von der Wucherei Prosession machen, Arm in Arm gehen? Was soll der Christ, wenn er mit solchen Leuten im Prozeß liegt, sür Hoffnung in seine gerechte Sache setzen? Was kann er hoffen, ivcnn der Jude nnangcklopst zu seinem Referenten ins Zimmer gehen und sich Stunden lang mit ihm unterhalten, oder ihn wohl gar mit einer Wechselklage bedrohen darf; wenn die Registraturen ihm offen stehen, und wenn stanzleiboten und Landrcuter ihm auf seinen Wink folgen?" Haben die Hammerstein, Ahlwardt, Stöcker wirklich geglaubt, daß sie Originale wären? Oh nein, es hat ihresgleichen schon im Jahre 1787 gegeben, wie obiges Citat beweist — vorausgesetzt, daß es keine Fälschung ist. Der Unterschied besteht nur darin, daß die Hammersteil«, Ahlwardt, Stöcker von 1787 schamvoll in Anonymität sich hüllten, «vährend die von heute nackt einherspazieren. Posen, 24. Februar. Jni Verein junger Kaufleute hielt vorgestern Abend Herr Rabbiner Dr. Ph. Bloch von hier einen Vorttag über: „Die fünf herrschenden Weltreligionen". -Der Redner führte u. a. Folgendes aus: Die neue Religionswissenschaft 'bemüht sich die Entwicklungsstufen der verschiedenen Religionen festzustellen und nach den festen Normen derselben zu forschen. Sie sucht die vorhandenen Formen der verschiedenen religiösen Cutte festzustellen und dieselben historisch zu verwerthen, sie geht zurück auf die Sage, die Geschichte und- Sitte der einzelnen Völkerschaften, sie klassificirt die Religionen und sucht gemeinsame Fäden zwischen den einzelnen aufzuspüren. Wenn wir dieses Beispiel in einem kurzen Vorttage auch nachzuahmen versuchen wollen, so müssen wir diese Gemeinsamkeit zwischen den fünf herrschenden Welt-Religionen aufzuspüren suchen. Es sind dies diejenigen Religionen, welche die meisten Bekenner hccken. Zuerst ist zu nennen der Buddhismus, welcher etwa 450 Millionen Bekenner zählt, nach einer aridem Nachricht sollen es sogar 500 Millionen sein, dann kommt das Christcnchum mit etwa 400 Millionen, die Mittheilung, es seien nur 200 Millionen, ist jedenfalls unrichtig, darauf der Islam mit etwa 200 Millionen, auch hier werden fälschlich 400 Millionen genannt, weiter die chinesische Religion mit etwa , 50 bis 60 Millionen und schließlich das Judenthum mit IE bis 12 Millionen Bekennern. Die andern Religionen, wie z. B. die des Zoroaster, spielen hier kein« Rolle, sie sind zu unbedeutende