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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Orprrrrichisttzr Wochenschrift Seite 227 daß der von Vergani zuerst zu einem Juden gestempelte Mandl l thatsächlich ein waschechter Arier ist und zwar ein sozusagen eigenhändiger Beweis von Ni andl selbst. Das in Graz erscheinende „Tagblatt", ein deutsch-nationales Organ, das in „verschämter" Weise mit dem Antisemitismus kokettirt, scheint in einer seiner Nummern gleichfalls über den „Juden Mandl" irgendetwas berichtet zu haben. Wir sagen scheint, weil das betreffende Blatt hier wenigstens unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheint und schwerlich in einem großen öffentlichen Local aufliegen dürste. Aber jetzt wurde uns die Nummer vom 19. Marz eingeschickt, in welcher sich unter dem Titel: „Ein internationaler Emporkömmling" ein Eingesendet befindet, das mit Hermann Mandl aus Tientsin, derzeit in Graz" unterzeichnet ist und welchem die Redaktion folgende Bemerkung vorausschickt: Unter diesem Titel brachten wir in unserer Morgenausgabe vom 16. d. M. einen längeren Aufsatz über die Thätigkeit eines Herrn Hermann Mandl in China. Der Aufsatz war uns aus Berlin von einem sonst durchaus verläßlichen Correspondenten zugegangen. Von Herrn Mandl, der sich jetzt zufällig — und ohne daß wir davon eine Ahnung gehabt hätten — in Graz befindet, erhalten wir nun folgende Zuschrift: „Seit einiger Zeit wurde ich in verschiedenen reichsdeutschen Blättern in gemeiner Weise angegriffen, daß ich es unter meiner.Würde fand, darauf zu antworten. Nun sind die gleichen Anschuldigungen in das „Grazer Tagblatt" übergegangen, wurden jedoch in einer Form gebracht, die es mir möglich macht, darauf zu erwiedern. Im Folgenden werde ich die hauptsächlich gegen mich gerichteten Angriffe — daß ich Jude sei, aus Oesterreich flüchten mußte und die chinesische Regierung mit meinem Puloercontract beschwindelt hätte — entkräften. Dem ersten Angriffe gegenüber erkläre ich, daß ich nie Jude war und nur mein Name den Anlaß geben konnte, mich für einen solchen zu halten." Hern- Vergani nennt ihn trotzdem noch am 22. März „einen obscönen, davon gelaufenen österreichischen Juden." Das Gesindel hat offenbar die Scham verlernt. Wien. Die „Ostdeutsche Rundschau" Nr. 12 vom 20. März schimpft über die liberale Wiener Presse unter dem Schlagwort: „Die Wiener Mord-- und Schandpresse." Die unsägliche Schandbarkeit des jüdischen „Schornalisten"-thuins konnte man jüngsthin wieder einmal in ihrer abscheuerregendsten Form anläßlich der Hinrichtung des Dienstbotenmörders Franz Schneider ersehen." „Bon dem B:richte über die Exemtion selbst citiren wir nichts; es ist zu eckelhaft!" „Schandschmierer Du! Eine aufregende Komödie, was? Wie Du das gruselig gemacht hast! — Ganz kalt ist mir in den Händen und der Kopf wie in einen Schraubstock gepreßt! — Und weißt Du, aufregungslüsterne Preßbestie Du, wie entmenscht wie bodenlos gefühllos Du bist? . . . Wie kann ein Mensch, jeder eoleren Regung bar, nur darauf ausgehen, einigen 1000 Philistern und alten Weibem, oder wer sonst noch das Blatt in die Hände bekommen mag — vielleicht sind auch halbwüchsige Jungens und Mädels damnter!! — demoralisirende Schauer zu erwecken!! —" „Wahrlich! Da lernt man die Erregung verstehen, die einen Edeldcnkenden, da er in die Bmthöhlen solcher lasterhaftesten Speculationen eindrang — veranlaßte, schrecklich zu rufen: „Da seht sie, die Schandblattbuben, bei der Arbeit!" — „Pfui über Euch Preßschmöcke!" lieber das Verhalten der antisemitischen Preffe gelegentlich des Falles Schneider wird kein Wort erwähnt. Der „Oesterreichische Bolksfreund" ,ein Wochenblatt, bringt noch nachträglich einen Artikel: „Tod durch den Strang." „Zur Hinrichtung Schneidens. Bon eiirem A u g e uze u g en." Das antisemitische Pharisäerblatt hat blos immer den Splitter in den Augen Anderer und nie den Balken in den eigenen Augen gesehen. Wien. (Vom „Rector^aller D eu tsch en.)" Herr Ahllvardt ist m Berlin wegen gewerbsmäßiger Ehrabschneiderei mtt einer vrermonaklicheu Strafe gerichUch belegt worden. Die antisemitische Preßmepte in Wien ev-chtzt es darum gerade als ihre Aufgabe, aus einem gerichtlich HchWndmarkten Pasquill Auszüge zu pubttziren. Je verlogener Hu Individuum ist, desto willkvYMMer der anttsemitifchen Bande. Der „Oesterreichische Vylk-stMud" erklärt: „Rector Ahlwardt ist den Wienern noch in frischem Andenken, da er ja in zahlreichen antisemitischen Versammlungen Wien's unter dem größten Beifall von Tausenden gesprochen hatte. Bor und während seines Processes und nach seiner Berurtheilung erschien Ahlwaröl in Berlin und anderen Orten und sprach unter stürmischer Zustimmung von mehr als 5000 Personen über den Kampf gegen das Judenthum." „Die Mehrzahl der antisemitischen Reichsratlisabgeordneten und Blätter im Deutschen Reiche halten auch nach seiner Berurtheilung treu zu ihm." Wir begreifen das vollkommen, beim die Antisemitenhäuptlinge aller Schattirungeu haben sich noch jeder Zeit den moralischen Qualitäten des Rectors Ahlwardt vollkommen ebenbürtig erwiesen. Der „Oesterreichische Bolksfreund" vom 18. März 1892 enthält nachstehende Publication, welche eines Commentars nicht bedarf, und der wir die möglichste Verbreitung wünschen: „Er klürung. Infolge meines Processes sind mir so viele Zuschriften uni) Zustimmungsadresien zugegangen, daß eine Beantwortung aller, mir ganz unmöglich ist. Ich jage daher allen Gesinnungsgenossen, deren Zahl sich durch diesen Proceß ungeheuer vermehrt zu haben scheint, auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Ich werde den Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind mit ungeschwächten Kräften fortsetzen. Bedauerlich bleibt, daß manche Personen, die mir Material übersenden, ihre Namen unleserlich oder gar nicht schreiben. In solchen Fällen ist das anscheinend oft sehr werthvolle Material sür mich unbrauchbar. Ich erkläre hiermit ausdrücklich, daß ich meine Gewährsmänner niemals ohne ihre Zustimmung nennen, auch die Briese stets so unterbringen werde, daß sie nicht in unberufene Hände kommen können. Berlin. Schützendorserstraße 18, den 0. März 1892. Hermann Ahlwardt. Rector. Troppau. 21. März. Herr Karl Türk hat beuer eine sehr unglückliche Seffion im schlesischen Landtage. Selbst die Herren seiner eigenen Parteirichtung rücken ihm gar energisch zu Leibe, da auch ihnen endlich das Geschwätz dieses Mannes zunr Eckel wird! — So müßte er sie in einer der letzten Sitzungen von dem, der deutschnationalen Partei angehöriger Dr. Müller sagen lassen, daß er Türk, über Dinge spreche, von deren Einzelnheiten er absolut keine Ahnung habe und durch dies Gebühren nur den Fortgang der Verhandlungen störe! Herr Türk gerieth außer Fassung hierüber, umsomehr, als er von deutschnationaler Seite kam! — lieber sein Wirken im schlesischen Landtage beginnen selbst den Parteigenoffen Türk's die Augen anszugehen. Dieser ließ sich verleiten, Herrn Dr. Müller den Rath zu ertheilen, er möge sich „billige Witze" ersparen und Thatsachen nicht „verdrehen". Diese Bemerkung rügte der Vorsitzende durch den Ordnungsruf. Herr Türk ist sichtlich bemüht, in die schlesische Landesstube einen Ton einzuführen, welcher der Würde derselben nicht entspricht und welcher geeignet ist, das Ansehen des Landtages zu schädigen. Seine Wähler werden mit der Art, in welcher er ihre Interessen zu vertraten versucht, gewiß nicht einverstanden sein, ebenso wenig als es die Gesammtbevölkerung Schlesiens wünscht, daß Herr Türk in der schlesischen Landesvertretung einen Ton anschlage, welcher den Vorsitzenden zwingt, von den parlamentarischen Disciplinarmitteln Gebrauch zue machen. Wir werden nicht ermangeln, auch ferner das „ersprießliche" Wirken dieses edlen Mannes hier bekannt zu gebenr Budapest. (A u ch E i n e r.j Aus Budapest wird uns gemeldet: Der Chef des Delective-Corps veranlaßte heute die Verhaftung des katholischen Priesters Geza Baracs, der schon seit längerer Zeit wegen verschiedener Veruntreuungen currentirt war. Baracs wurde in seiner frühesten Jugend von Missionaren getauft und bei den Jesuiten in Kalocsa und in Rom erzogen. Nachdem es ihm nicht gelungen war, in Rom eine dauernde Verwendung zu finden, kam er in die Heimat zurück. Er trat in die Graner Erzdiözese und wurde zuerst als Katechet in Altosen verwendet. Von dort aber mußte er wieder entfernt werden, da er sich an antisemitischen Agitationen betheiligt hatte. Im Jahre 1887 fungirte er als einer der Hauptarrangeure des großen ungarischen Pilgerzuges nach Rom, wo er zum Doctor Romanus ernannt wurde. Ueber Geza Baracs werden aus Budapest noch folgende Einzelheiten gemeldet: „Geza Baracs wurde als der Sohn des Rabbiners Barach in Topolya (Bacs-Bodroger-Comitat) geboren. Er genoß im Hause seines ziemlich vermögenden, streng religiösen Vaters eine sorgfältige Erziehung. Etwa 15 Jahre alt, kam Barach in das Haus von Verwandten nach Preßburg, wo er an der dortigen Ober-Realschule seine Studien fortsetztc. Als Schüler der sechsten blasse begann er plöst-

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