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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Orstrrreichifchr Wochenschrift. Sette 229 Das Christenthum, das Judenthum und der Islam sind monotheistische, der Buddhismus und die chinesische Religion sind polytheistische Religionen. Der Buddhismus ist eigentlich mehr eine pantheistische Religion, da bei ihm Alles Gott ist. Das Judenthum hat die religiöse Idee des einen Gottes geschaffen, als des höchsten und vollkommensten Wesens, welches als höchste Sittlichkeit gilt. Das Judenthum hat sich seiner Zeit durch Einführung seiner Religion zur ganzen damaligen Well in Gegensatz gesetzt. Das Gesetz hat schützende Vorkehrungen getroffen gegen den einzigen Gottesglauben, welcher in dem Verheißungsideal seine sittliche Vervollständigung fand. Das Christenthum hat eine neue Idee in die Welt gebracht, sie hat das Zeremonialgesetz der Juden ausgeschaltet, und dafür den Glauben an die Göttlichkeit und Messianität des Religions-, stifters eingeführt. Beide Religionen haben das Ziel aller Propheten, die Idee eines Gottesreiches, gemeinsam. Der Islam, die dritte der monotheistischen Religionen ist die jüngste von allen, sie steht in der vollen Beleuchtung der Geschichte. Wir brauchen ihrer Entstehung nicht in dem Dunkel einer vorgeschichtlichen Zeit nachznforschen, ihr Ursprung wird vom Hellen Tageslicht der Geschichte beleuchtet. Muhamed sagte, er sei der letzte der Propheten, welcher gekommen sei, die Lehre Abrahams in ihrer Reinheit wiederherzustellen. Muhamed selbst war von rührender Unwissenheit und hat erst später lesen und schreiben gelernt, und zwar haben ihn darin jüdische und christliche Lehrer unterrichtet. Dem Islam gegenüber steht die indische Religion, deren Bekenner zu den direkten und gefährlichsten Feinden der Muhamedaner gehören. Der Buddhismus zählt die meisten Anhänger, er ist über alle ostindischen Inseln, über Java und Ceylon, über das Himalaya-Gebirge hinweg nach Tibet, bis in die Mongolei und in das russische Reich hinein verbreitet. Der Stifter ist Buddha, welcher im K. Jahrhundert gelebt haben soll. Die Seelenwanderung ist der Haupt- Grundsatz dieser Religion. Jede Seele muß durch den Körper eines Brahmanen gegangen sein und durch Beten sich gebessert haben, sonst muß sie wieder zur Strafe in einen anderen Körper zurückkehren. Buddha lehrt ferner, daß das Leben wurzeln in Leiden und somit eine Strafe sei. Besonders wird empfohlen daß Abtödten der Seele durch Buße und Kasteiungen bis zur Empfindungslosigkeit. Der Buddhaismus lähmt die Thatkraft des Menschen, er lähmt die Individualität, während die monotheistische Religion diese gerade am stärksten ausbilden wollen. Die chinesische Religion ist in ihren Einzelnheiten sehr wenig bekannt, sie ist polytheistisch. Ihre Heiligen sind vornehmlich Confucius und Laotse, ihr göttlicher Mystiker. Der religiöse Hauptgrundsatz der Chinesen ist die Unterordnung des Kindes unter den Vater. Der chinesische Staatsgottesdienst besteht in drei Opfern, von denen das große den Göttern und dem Staate, das mittlere dem Ackerbau und den Entdeckern und das kleine den Angehörigen der Familie und den Hausgöttem gilt. Der Ahnenkultus, wie er hier üblich ist und das religiöse Leben bestimmt, ist nur eine untergeordnete Stufe in der Entwicklung des religiösen Gedankens. — Was die Beurtheilung eines anderen religiösen Cultus betrifft, so muß man dabei sehr vorsichtig sein, da man sehr leicht einen großen Jrrthuni begehen kann, wie verschiedene Fälle beweisen. So war ein christlich er Gelehrter seiner Zeit einmal an den einfachsten jüdischen Cultuslehren gestolpert, worüber er durch eine kleine Anfrage ohne Weiters dm besten Aufschluß hätte erhalten können. Es soll das höchste Ideal des Menschen sein, nach Wahrheit zu streben, dieses Bestreben ist selbst schon eine Anbetung und Verehruna des höchsten Gottes. „Ein Tropfen aus dem Becher der Philosophie mag vielleicht zum Atheismus führen, aber ein voller Trunk daraus führt sicher zur Erkenntniß und zum Glauben an den einzigen Gott, neben dem eben kein anderer ist." — Dies waren die Schlußworte des interessanten nnd mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vorttages des Hern Rabb. Dr. Bloch. Köln. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur, von dessen Gründung ich kürzlich berichtete, hat während der kurzen Zeit seines Bestehens schon eine überaus rege Thätigkeit entfallet. Es machen sich auch Anzeichen bemerkr lich, daß derselbe mit der Zeit ein mächtiger Bildungssactor dee hiesigen Gemeinde werden wird. Die drei öffentlichen Vorträg der Herren Dr. Frank über: „Eine Wanderung durch die jüdische Geschichte und Literatur": Dr. Karpeles über: „Humor und Liebe in der hebräischen Poesie": Dr. Heinemann über: „Don Joseph, Herzog von Naxos" fanden vor einem nach vielen Hunderten zählenden Publikum im großen Saale des Kölner Männergesangvereins statt und erregten allgemeines Interesse. In den sechs Diskussionsabenden des Vereins wurden bis jetzt folgende Vorträge von Vereinsmitgliedern gehalten: 1. Ueber die Vorgeschichte der Makkabäer. 2. lieber die Befreiungskämpfe unter Juda Makkabä. 3. Ueber Juda Halevi. 4. Ueber das Chasarenreich. 5. lieber den Khusari. An diese halbstündigen Vorträge schloß sich regelmäßig eine sehr lebhafte Debatte, bei welcher sich Mitglieder des Vereins aus allen Lebens- und Bernfskreisen betheiligten. Be-- inerkenswerth ist hierbei, daß im Laufe der Debatte nicht nur eine Reihe von Gegenständen allgemein wissenschaftlicher Natur berührt wurden, sondern sich auch Gelegenheit fand, auf die Beziehungen unserer Vergangenheit mit den wichtigsten Fragen der Gegenwart hinzuweisen. Die Zahl der Vereinsmitglieder (325) ist dis jetzt ständig gewachsen und erfreut sich auch das Lesezimmer, in welchem jüdische Zeitungen nnd Fachschriften jeder Richtung aufliegen, fleißiger Benützung sogar seitens der Damen. London. ^H u x l e y über di e I n d e n.) Ter Redakteur von „Dartest Russin" veröffentlicht in der letzten Nurn nier seiner Zeitschrift die nachstehende intereyante Zuschrift des großen englischen Naturforschers, Professors T. >?. H u x l e y. „l4. Februar 1.^02. Geehrter Herr! Soweit die Inden in Frage kommen, bin ich voll und ganz Ihrer Ansicht. Nie habe ich vernommen, daß sie etwas Anderes, als ein fleißiges, s p a r s a m e s nnd n ü ch t e r n e s Volk, frei von allen politischen Bestrebungen seien. Ihr wirkliches Vergehen liegt, wenn ich nicht irre, in der Thatsache, daß sie, im Besitze dieser Vorzüge, es nicht vermeiden föimcit, es weiter zu bringen, als das faule, leichtsinnige, trunkene Volk, unter welchem sie leben. E s v e r stößt g e g e n d a s I n t e r e f f e d e s M e n f ch e n g e s ch l e ch t s, daß n nf ere M i t m e n f ch e n i hr e r T n g e n d e n wegen Strafe erleiden solle n, nnd ich glaube nicht, daß die R u s s e n sich über unbefugte Einmischung in ihre Angelegenheiten beklagen dürfen, wenn Ausländer ihnen die Wahrheit sagen. Was die Verfolgungen der Stundisten und römischen Katholiken betrifft, so bin ich darüber zu wenig nn terrrchtet, nm mir ein Urtheil erlauben zu können. Hochachtungsvoll Ihr T. H. H n x t e y." London. Vorigen Sonntag wurde der Grundstein zur Hampstead-Synagoge in feierlicher Weise gelegt. Mehr als 700 Personen hatten der Einladung Folge geleistet und harrten während der Feier aus, ungeachtet des kalten Ostwindes, welcher den Aufenthatt im ungedeckten Raume unangenehm machte. Unter den Gästen befanden sich die geistlichen Führer der drei Fractionen der Gemeinde, was besonders angenehm vermerkt wurde, da es das erstemal war, daß dieselben gemeinschaftlich an einer derartigen Feier Theil nahmen. Eingeleitet wurde die Feier mit dent 118. Psalm aus Mendelsohn's Festgesang, welchen Rev. Francis L. Cohen, der Dirigent des Chores und Orchesters, mit dem hebr. Text des Psalmes eingerichtet hatte. Hierauf legte der Vicepräsident der Vereinigten Synagogen Mr. B. L. Cohen den Grundstein in üblicher Weise, während der 100. Psalm gesungen wurde. Ober-Rabbiner Dr. Adler sprach sodann ein Gebet, für das Gedeihen des begonnenen Werkes und schloß mit einem Gebete für das Wohl der Königin und des kgl. Hauses. Mr. B. L. Cohen und andere Prediger hielten Ansprachen, woraus die Feier mit der Absingung des 42. Psalmes schloß. — Die neue Synagoge wird nach Plänen des Architekten Mr. Delissa Joseph erbaut und wird ungefähr 700 Personen faßen: dieselbe wird im Innern die Form eines Octogons haben und im romanischen! Style erbaut werden. Ein großer Thurm in der- Mitte, slan

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