Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 226 Oestrrrrichifrhr Wochenschrift Nr. 13 beziehen einen jährlichen Gehalt von 50 bis 100 fl. Natürlicherweise kann man von solchen Personen keine Kenntniß einer Methode, ja sogar nicht einmal die Kenntniß der Elementargrundsätze der Erziehung und des Unterrichtes verlangen. Sie betrachten das Lehrfach als ein fünftes Rad am Wagen, sind alles, nur nicht Lehrer und erfüllen das Lehramt in der von anderen Beschäftigungen fteien Zeit. Es ist auch trügerisch, wenn man solche Schul«! besuchende Kinder zur Zahl der, den Unterricht genießenden zählt. Diese Kinder nämllch kommen oft in die Schule, um daselbst einige Stunden müßig zu verbringen oder um zu erfahren, daß infolge der anderweitigen Beschäftigung des Lehrers heute „kein Unterricht stattfindet." Nach sechs oder mehrjährigem Unterrichte erlernen die Kinder die Buchstaben erkennen, etwas schreiben — welche Kenntniß sie au u bald vergeffen. Diese Schulen sind daher ganz unproduktiv; das Gute an denselben ist wenigstens der Umstand, daß man dort nichts unterrichtet. Wir kennen Fälle, wo Lehrer an di-se - Schulen Personen von ärgstem sittlichen Werthe sind, moralisch ruinirt, die sich im Schmutze der Leidenschaft und des Lasters wälzen. Die Schule in solchen Händen wird ein Brennpunkt von Demoralisation, eine Arena, wo sich mannigfache, nicht immer der bürgerlichen Ordnung entsprechende Umtriebe abspielen — so eine Schule wird eine Pflanzstätte des Verbrechens und der niedrigsten Leidenschaften. In einem Bezirke, ,aulentisch) wo an solchen Schulen 26 Lehrer thätig waren, fanden sich u >ter denselben blos 3 vor, die nicht gerichtlich abgestrast waren. Es ist wahrlich unglaublich welche Verhältnise in diesen Gemeinden herrschen; wir würden d«n wirklich keinen Glauben schenken, wenn wir uns nicht augenscheinlich von der Richtigkeit überzeugt hätten." Wie». (Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien.) Sitzung der marhematisch-naturwi ssenschaftlichen Classe vom 10. März 1892. Herr Dr. Eduard Mahler überreicht eine Abhandlung unter dem Titel: „Der Kalender der Babylonier." Nachdem es d°m Verfasser gelungen war, den bisher unbekannten Schaltcyclus im Kalender der Babylonier zu entdecken, war er bestrebt, »'eine diesbezüglichen Untersuchungen durch streng asttonomische Rechnung zu begründen. Tie dadurch erlangten Resultate sind das wichtigste Material, das wir auf diesem Zweige der chronologischen Wissenschaft besitzen. Denn nun wissen wir, daß die Babylonier zweifellos einen 19jährigen Cyclus hatten, in welcheue jedes HL, VL, VIII., XI., XIV., XVI. und XIX. Jahr ein Schaltjahr war, und wir kennen c.nch die Dauer der einzelnen Jahre dieses Cyclus Es war das I. Jahr ein Geineinjahr mit 355 Tagen II. .. III. „ IV. ., V. „ VI. „ VII. „ viii. „ IX. „ X XI. .. XII. „ XIII. „ XIV. XV. „ XVI ., XVII. „ XVIII. .. XIX. Gemeinjahr Schaltjahr Gemeinjahr Gemeinjahr Schaltjahr Gemeinjahr Schaltjahr Gemeinjahr Gemeinjahr Schaltjahr Gemeinjahr Gemeinjahr Schaltjahr Gemeinjahr Schaltjahr Gemeinjahr Gemeinjahr Schaltjahr 354 381 354 355 384 354 384 354 355 383 355 354 384 354 384 355 3^4 384 Son besanderem Interesse ist diese Untersuchung >ür den Kalender der Juden. Dieser hat bekanntlich gleichfalls einen 19jährigen Cyclus, und allgemein wird angenommen, daß derselbe dem Meton'schen Cyclus entlehnt worden sei. Wenn auch der Verfasser kein Verehrer jener Anschauungen ist, die da mit Vorliebe gewiye Eigenthümlichkeiten eines Volkes von ähnlichen Einrichtungen anderer Völker abzuleiten bestrebt sind, am allerwenigsten dorr, wo es sich um astronomische Grundlagen handelt, die in einer allen Völkern gemeinverständlichen Sprache am Himmel geschrieben stehen, so gesteht er doch zu, daß wie vieles im jüdische» Cult so auch der Kalender der Juden, und insbesondere ihr löjähriger Schaltcyclus einem anderen Cultvrvolkc entlehnt worden ist. Doch warerr es nicht die Griechen, sondern die Babylonier, deren Schaltcyclus dem jüdischen Festkalender einverleibt wurde. Schon längst gilt es als feststehende Thatfachc. das die jetzt üblichen Monatsnamen des jüdischen Kalenders babyhönisä pvd, und nun, da wir den Schaltcyclus der Babylonier kennen, dürfe» «ür wohl behaupten, daß auch der 19jährige Schaltcyclus de, 3ude« bsbylonifch uud nicht griechisch fei. Wie«. (Die Grschrchje einer Ehrenkarte.) Welch angenehmer, urbaner und ''menschenfreundlicher Verkehr untei ben Herren AntiseuMen herrscht, darüber sindcn wir in der „Unverfälschten deutschen Worten" die nachfolgende wahrhaft belustigende Geschichte. Das zitirte Antisemitenblatt schreibt nämlich i „Auf dem Kränzchen des kaufmännischen Klubs „Zukunft" war unter Anderen auch Ernst Vergani der antisemitische Landtagsabgeordnete und Redacteur des „Deutschen Volksblatt" sammt Frau als Gaste erschienen. Mehrere anwesende Deutschnationale gaben dem Comits gegenüber ihrem Erstaunen Ausdruck, daß man den Mann . . . (hier sollen etliche Anschuldigungen, die wir nicht wiederholen wollen. D. R.) der offiziell aus der Partei ausgeschieden wurde, laden konnte. Der Ausschuß stellte in Abrede, Vergani zu dem Kränzchen eine Einladung zugeschickt zu haben; es sei vielmehr Beschluß des Ausschusses gewesen, dem Vergani keine Einladung zu dem Kränzchen zukommen zu lassen. Bei Prüfung der Karte stellte es sich heraus, daß die Ehrenkarte von dem Obmann des Klubs, Herrn Franz C. K atz er, ausgestellt und dem Vergani übermittelt worden sei. Da Herr F.anz Katz?r auch Mitglied des „Deutschen Volksvereines" ist, faßte der Ausschuß dieses Vereines in der Sitzung vom 17. Februar d. I. den Beschluß, andas Mitglied Katzer die Anfrage zu richten, ob cs aus Wahrheit beruhe, daß er dem Vergani die genannte Ehrenkarte zugehen ließ." Es folgt nun das allerdings nicht höfliche Antwortschreiben des Herrn Katzer, worin sich derselbe des Deliktes rundweg schuldig bekennt. Auf Gund dieses Schreibens faßte nun der Ausschuß des „Deutschen Volksoereines" in der Sitzung vom 2. d. M. folgenden niederschmetternden Beschluß: „Der Ausschuß des Deutschen Volksvereines har in der Sitzung vom 2. d. M. ohne Debatte einstimmig beschlossen, daß das Mitglied des Vereines Franz C. Katzer aus dem Vereine auszuschließen seif!), weil derselbe, trotzdem er Mitglied des „Deutschen Volksvereines" war, in seiner Eigenschaft als Obmann des kaufmännischen Klubs „Zukunft" dem Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" Ernst Vergani eine Ehrenkarte zu einem Tanzkränzchen dieses Klubs übermittelte."(!) Nein! Eine solche „Schand'" wegen einer — Ehrenkarte'. Wien. Das anüsemitische Hetzorgan Berganis „Deutsches Volksblatt" bringt unter der Spitzmarke „Wucher im spanischen Heere" nachstehende Notiz: „Ein in den beiden Februar-Nummern der spanischen „Revista tecnica de infanteria y caballeria“ veröffentlichter Artikel des Oberstlieutenants de Madariaga bespricht die Opfer des Wuchers im spanischen Heere. Die gegen Jnfanterie-Officiere eingeklagten Schulden betrugen 1883 4,658.123, die gegen Kavallerie-Officiere eingeklagten 425.451 Pesetas (zu 86 Pf.), so daß die Schulden der Officiere dieser beiden Waffen allein (von den anderen Waffen liegen keine Angaben vor) mehr als' 20 Millionen Realen (zu 21 Pf.) betrugen wobei in Betracht gezogen werden muß, daß diejenigen Schulden, wegen deren keine Klage erhoben war, voraussichtlich eine noch größere Summe darftellen. Der Verfasser beweist dann an einem allerdings sehr krassen, aber auf Thatsachen beruhenden Beispiel, daß die Officiere bei Commandirungen, Versetzungen u. s. w. geradezu Schulden zu machen gezwungen seien, da sie nicht die mindeste staatliche Unterstützung in dergleichen Fällen genießen. Für die Miethe eines Dampfers, der im Jahre 1879 ein in Valencia stehendes Regiment nach Malaga beförderte, wurden 3000 Duros (1 -- 4.26 M.) gezahlt, und zwar aus der Tasche der Officiere und durch Abzug von der Löhnung der Mannschaften! Oberstlieutenant de Madariaga berechnet die nothwendigsten Sonder-Ausgaben innerhalb acht Monaten in ersterem Falle auf das fünffache Monatsgehalt und setzt hinzu, daß er unzählige derartige Falle ansühren, könne." Nachdem es in Spanien keine Juden, gibt, so kann der „Militär- Wucher" nur von Ariern betrieben werdendir hefte Widerlegung wohl, daß der Wucher ein SpecMuyl der Juden bildet. Der preußische Abgeordnete Pickenbach eitt gewerbsmäßiger Wucherer ärgster Sorte, ist übrigens nichtnrrr ZhM, sondern auch ein antisemitischer Rädelsführer. Wie». (N o ch m a l s C h i n a.) Wermals ein