Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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-h- 13 Vrftrrreichischr Stöcker in der Sitzung des Abgeordnetenhauses eine frischfröhliche Judenhetzc. Unterstützt wurde er dobei von dem hochconservativen Barort Wackerbarth, der bei dieser Gelegenheit zum ersten Male öffentlich zeigte, daß er das edle Handwerk der Verlüumdung und Hetze beinahe noch virtuoser auszuüben versteht, als Herr Stöcker selbst. Den Vorwand lieferte dem biederen Paare der bekannte L'antener Knabenmord, den sie durchaus zu einem jüdischen Ritualmorde stempeln wollten. Der Herr Baron ging dabei so weit, auf Grund von Autoritäten" ü ln Rohling die Juden als wilde Thiere hirrzustellen, die es als eine Pflicht und ein Vergnügen betrachten, Christenkindern das Blut auszusaugen. V i r ch o iv hielt Herrn Stöcker ein Sündenregister vor, und zeichnete von seinem „inneren Menschen" ein Bild, tvelches der Rachwelt noch treffliche Dienste leisten wird. — B i r cf) o w hatte seinen besten Tag. Bemerkenswerth war auch, daß die conservative Partei als solche sich wohlweislich hütete, ihre Solidarität mit Stöcker und Wackerbarth zu erklären. Nur ein conservativer Redner drückte, allerdings unter dem stürmischen Beifall seiner Parteigenossen, seine persönliche Sympathie für Herrn Stöcker aus. Mögen die Conservativen immer den Versuch machen, den Antisemitismus zur Parteisache auszurufen, wir find überzeugt, daß sie damit noch schlechtere Geschäfte machen werden, als mit dem Schulgesetz. Indem sie neuerdings die antisenririschen Angriffe nicht allein gegen die Juden richten, sondern sogar gegen die preussische Iusiizverwaltung, der sie unverblümt eine ungesetzliche Begünstigung der Juden vorwerfen, müssen sie Allen, die sehen wollen, über ihren wahren Charakter die Augen öffnen! Von dieser Landtagssitzung entwirft die „Volkszeitung" nachstehende poetische Zeichnung! Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses. Sonnabend, 19. Mär; 1892. 'Uu'loMe: Prinz Eugen, der edle Ritter.) Wackerbarth, der edle Ritter, Inhv als wie ein Ungewitter Aus die bösen Juden los, — Aus die Schelme, ans die Schächer Drang er ein, der Christen Rächer. Ritterlich mit Hieb und Stotz. „Ha, an diese Teuselsbraten Ist die Christenheit verraten, Denn sie saugen unser Blut. Kneift sie, sengt sie, zwickt sie, zwack: >ie, Bei den Diebes-Gurgeln packt sie, .Bis sie winseln: Sei so gut! Diese schust'gen Menschenschinder Schlachten meuchlings Christenkinder, Rohling zeigt es klar und schlank: In Damaskus, Korfu, Lauten Dieser teuflischen Trabanten Greuelthat zum Himmel stank. Trum die Juden, die so freveln, Soll man sieden, schmoren, schwefeln, Daß sie schreien: Waih geschrie'n! Daß sie durch die Bank verzweifeln, r Nackt und bloß zu allen Teufeln ' In die heim'sche Wüste zieh'.n. ( Doch, bevor sie heimwärts kehren, Soll man ihre Taschen leeren, Sprechend: Kunheim, jetzt red' Du! Tenn fürwahr, dies ist das Wahre, Hauptfach' ist ihr Geld, das baare. Ich, ich bin: von, auf und zu. Doch cs spricht der „zweite Luther" Und es fleußt lvie süße Butter Ihm von dem beredten Maul: „Bruder, djes kann ich nicht loben, Wenig christlich ist solch' Toben — : Sei ein David, sei kein Saul! Ich, ich handle stets aus Liebe Applizir' ich blut'ge Hiebe, .So geschieht's aus Liebe stets; Liebe, Liebe ist die Losung. Darum zügle die Erhöhung, . >» Glästbe Mir, weit besser geht's. -• Wochenschrift Seite 225 Christi E.bseind ist der Jude, Drum rück' sacht ihm ans die Bude, Raub' ihm Namen, Rns und Ehr: Hast Du meuchlings ihn geschädigt, Wickl' es ein in eine Predigt: Liebchen, sprich, was willst Du mehr'? Sie vom Mammon zu erlösen, Heißt erlösen sic vom Bösen, Was sie so allmächt'g macht: Darum kann ich's weidlich bill'gen, Daß man, Böse» zu vertilgen. Nimmt ihr Geld mit Vorbedacht. Was ist Wahrheit? — spricht Pilatus, Darum ihrer Sünden St"> tu» Schildre ohne Ae na stl ichke i t. Was nicht wahr ist, ist doch uro glich, T'rum der Irevel Maas; unsäglich Haus' aus ne zu jed.r Zeit. Unser Ehristenvolk zu retten An» der Iudenrotten Ketten, Ist jedwedes Mittel recht: Selbst vier Monat Kerkersgual ward Hcldenrlihm für nnsern Ahlwardt, Und fürwahr, er log nicht schlecht! Mischt sich ein die Iran Inatitia, Sagen wir: o, quae >tnltitia! Seht, der Jude macht's mit Geld, Denn da» I lei sch, es ist gebrechlich, Tie Besoldung ist nur schwächlich, Drum geht'» wies dem Ino' gefällt. Zeigt sich einer drob verdrießlich, Dann isr's dienlich und ersprießlich. Daß Du leugnest comme il faut, Sprechend: Niemanden verletz' ich, Die Justiz, die lieb' und schätz' ich, Ich, ich meinte ja nur so. Sv, mein Bruder, wirkst Tu heiler Und gefahrlos immer weiter, Bis es in die Massen dringt. Dein „hep, hep!" wird zur Lawine, Wird zum Dynamit, zur Mine, Die ein Explosivnchen bringt. .Nomnit der Stein einmal in» Rollen, Schöpfen bald wir aus dem vollen, Und die Jüdeu sind wir los. Lass' uns Hetzen, wühlen, beten. Daß wir Mosen und Propheten Bergen bald in unserm Schoß!" Uud von Wackerbarth, der Wackre, Spricht gerührt: „Mein Bruder, ackre Auf dem Feld, das Du gedüngt! Dies ist Mist von Deinem Miste, Drum der Bannerträger biste. Der der Zukunft Siege bringt!" Doch zum Schluss noch die zwei edeln Löwen mit den Schweifen wedeln: Der von Krvecher kroch voran, Salbungsvoll, als wie Sarastrv, Lallt' ihm Simon nach den Zastrow, Auch ein alter Edelmann! Nicht im Lande der Booten, Nein im Hause der Landboten, Ward dies Stücklein produzirt: "Achtzehnhundertzweiundnennzig Ward's von Pfassi und Junkern einzig Auserbaulich ausgesühn. Jeremias Schartenmeyer der Jüngere. Hsrresxonäerrren. Wien. (Schulzustände in Galizien). In einem der letzten Nummern des Organes des galizischen Lehrerveremes „Szkola" lesen wir folgende Bemerkung zum Berichte des k. 1 Landesschulrathes über das Schulwesen in Galizien im Jahre 1890—91. »In s Auge fällt die große Zahl der sogenannten unreaulirten Schulen (149). In diesen Schuten fungireu als Lehrer solche Personen, die das Lehrfach als Nebenbeschäftigung bedachten, wie z. B. Organisten, Gemeinveschreiber u* f. w. und