Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 222 Vrstrrrrichischr Wochenschrift. Nr 13 brode — Osternbrode! (Schreit auf) Ostern — Ostern . . . das ist ja das Schrecklichste, was da kommen kann. . . . Und Ostern kommt ganz gewiß . .. Jedes Jahr! Da gibt's keine Hilfe \- Schneider: (unterbrechend) „Jetzt reden wir einmal ruhig, lieber Gregorig. Sagen Sie mir aufrichtig: Glauben Sie denn wirklich, daß die Juden Sie auf Ostern schlachten wollen?" Gregorig: „Ob ich es glaube? Ich bin überzeugt davon. Ich weiß es. Ich schwöre Ihnen, wenn Sie wollen, alle Eide Rohlings und Stöckers zusammen —" Schneider: „Ja, aber weshalb sollten denn die Juden Sie auf Ostern schlachten wollen?" Greg orig: „Das fragen Sie? Sie wissen es doch gerade so gut wie ich, Sie haben es ja selbst hundertmal erzählt, was in den alten Büchern und in den neuesten Tagesblättern zu lesen ist, daß die Juden zu Ostern Blut brauchen. . " Schneider: „Aber gehn's lieber Gregorig, das kann ja nicht Ihr Ernst sein, daß sie das Alles geglaubt haben —" Gregorig: „Mer es ist ja gedruckt zu lesen — alle Tage — im „Deutschen Volksblatt", im „Vaterland" . . . Schneider: (lacht) „Wenn das alles wahr wäre, was in diesen Zeitungen drin sieht! — Sie wissen ja, wie viel schon ich allein für diese beiden Zeitungen geschrieben Hab! Und dann ..." Greg orig: „Aber ich war ja selbst dabei, als Sie und unser guter Vergani in Versammlungen cs tausendmal erzählt haben, wie die größten Gelehrten, auch der Schönerer und der Lueger und noch viele andere darüber einig sind, daß im Talmud ausdrücklich zu lesen ist, die Juden brauchen Blut . . ." Schneid er: „Ruit ja, das haben wir erzählt, aber das war ja nur für die dummen Leut', die da gar nicht wissen, was der Talmud ist. Glauben Sie, ich Hab' den Talnrud noch je im Leben geseh'n, oder der Lueger? Ka Spur! Nicht einmal, wie er mit den Juden gegessen und getrunken, hat der Lueger den Talmud mit einem Aug gesehn . . . denn die Juden mit denen er war, wissen vielleicht auch nicht was der Talmud ist, was er enthält. — Ritt' Sie, wer versteht denn die Sprach?" Gregorig: „Aber ich hab's ja doch immer gehört, das steht im Talmud d'rin, und so wird's auch d'rin steh'n. . Wer kann denn so was erfinden?" Schneider: „Aber wenn ich Ihnen schon einmal sag', das ist ja auch nur für die ganz dummen Kerle berechnet, die da alles glauben, was sie gedruckt sehen, oder was man ihnen vorplauscht. Aber das geht ja Sie nichts an. . ." Gregorig: „Nun ja, so ein dummer Kerl bin ich nicht, daß ich alles glaub, was gedruckt zu lesen ist, oder ivas man mir voiplauscht. Aber warum haben Sie mir das nicht damals gleich gesagt, daß ich nicht zu den dummen Kerlen gehör?" — Schneider: (lächelnd) „Hm ... es ist wahr, ich hätt's Ihnen sagen sollen, aber ich habe geglaubt, Sie wissen es schon selbst —" Gregorig: (nachgrübelnd) „Da fallt mir aber ein — das wird doch nicht so sein, was Sie mir da sagen . . . Vielleicht wollen Sie mich nur beruhigen ... Ich Hab' ja selber das Bild gesehen, wo die Rabbiner dasteh'n und einen Christen abschlachten . . . O Gott, o Gott, meine armen sechs Kinder! Wer. wird für sie sorgen? Ich feh' schon, wie man mich abschlachtet, ganz wie auf dem Bilde.. Schrecklich . ." Schneider: „Sein's doch nicht kindisch, das Bild Hab' ja ich selber zeichnen lassen! Ganz aus dem Kopf! Freie Erfindung. Meine Idee, lieber Gregorig. Meine Idee allein und sie hat gewirkt, sag ich Ihnen. . ." G r e g o r i g: (Starr Schneider anblickend) „Also diese Geschichte ist auch nicht wahr) Ja, warum haben Sie dann solche Bilder machen lassen?" Schneider: „Ich hab's Ihnen ja schon gesagt, für die dummen Leut'! Das geht ja Sie nichts an —" Gregorig: (Brütend) „So was erfind't man nicht nicht. Das ist ja nicht denkbar. So eine . . ." Schneider: „Aber wenn ich Ihnen schwör, daß ich das Ganze erfunden Hab', so werden Sie mir's doch glauben?^ Greg orig: (Springt auf) „Wissen Sie, daß Sie ein Sch . . . sind elender, gemeiner-" Schneider: „Sind Sie toll.geworden, Gregorig?; Das Hab' ich ja nur über und gegen die Juden erfunden. Das darf man doch?" G r e g o r i g : (Immer wüihendcr) „Nein es ist nich wahr, das haben Sie nicht erfunden! Sie sind auch von dent Juden gekauft, bestochen — — Sie wollen mich vielleichs auch binden und wegschleppen. . . O, ich ahne es, Sie sind ein Söldling der Juden. . . Aber Dich erwürge ich noch mit meinen eigenen Händen, Du Judenknecht! — (Springt aut und würgt Schneider.) Schneider: (sich losreißend, flüchtet zur Thüre) „Herrgott, der hat wirkt ch den Verstand verloren. Armier Gregorig! Der ist ein echter, ehrlicher Antisemit, der glaubt, was er sagt. . . Dem ist nicht zu helfen!" (Eilig ab.) G r e g o r i g: „Mein Kopf, mein armer Kopf! Einen kalten Umschlag will ich! . . . Schnell!" —??? Die Geruchsnerven des Haffes. Der „Nord China Hcrald" meldet soeben aus Nanking eine Thatsache, welche zur Erklärung der neuesten Vorgänge in China mit beiträgt. Die Chinesen behaupten nämlich, von den „fremden Teufeln", den Europäern, gienge ein für ihre Nasen abscheulicher Geruch aus. Ein chinesischer Gelehrter erzählte dem Briefschreiber, dieser Geruch sei für ihn so unangenehm und wirke so stark, daß er ihn röche, wenn ein Weißer in einem Jimmer gewesen wäre. Ja, der Geruch setze sich in seine Kleider fest, und käme er zu seinen chinesischen Freunden, dann sagten diese ihm: „Aha du bist wieder bei dem Fremden gewesen, wir riechen es." — Umgekehrt aber necht auch der Weiße, ob vor ihm Chinesen in einem Zimmer gewesen wären, wofür Adolf Erman Beispiele anführt, der in Kiachta den chinesischen Landes- oder Nationalgeruch beobachtete. Dieses sind nur kurze Andeutungen aus einem reichen Hauptstück. — Der Chinese aber behauptet, mit den Weißen ihres Geruches wegen nie auf besseren Fuße kommen zu können, und darin liegt die politische Seite der Sache." Neben den Schlagworten von dem „rituellen Mord", von dem „Gebrauch des Christenblutes" von der „Ausbeutung durch die Fremdlinge" begegnen wir bei den Chinesen nunmehr auch der Erscheinung, daß ihnen der „Christengeruch" so unangenehm ist, wie der „Judengeruch" den christlichen Judenfressern. Daß es einen specifischen „Judengeruch" gibt, wird sich ein echter Arier so wenig ausreden lassen, wie der gelehrte Chinese, der auf den Christengeruch schwört. Der „Judengenlch" verdankt einer literarischen Fälschung eigenthümlicher Art sein Entstehen. Man beruft sich zu seinem Gunsten aus Ammianus Marcellinus, XXII. 5, der ein gutes Testimonium enthält für den foetor Judaicus, den noch Schopenhauer recht liebevoll verwerthet. Wer sich dafür interessirt, überzeuge sich aus einer guten Textausgabe des Ammianus, daß ein Copist statt der Worte: „der Kaiser sei der ihn mit Bitten und Lärm bestürmenden Juden überdrüssig geworden" (Judaeorum petentium et tumultuantium taedie percitus) gesetzt hat, „der Kaiser sei der stinkenden und lärmenden Juden überdrüssig geworden." Das Kunststück wurde geleistet durch Verwandlung eines p in ein f, durch Schreibung von fetevtium statt petentium. Nicht blos merkt der neueste Herausgeber an, daß fetentium eine Verbesserung aus zweiter Hand sei und daß in der Rasur ein p statt eines f stehe, sonder der Sinn des ganzen Satzes' erlaubt gar keine andere Leseart. Denn die „Thorheit" (ineptia) der Juden kann doch, nicht aus ihrem Athem, sondern nur aus ihren Forderungen (Petitionen) erkannt worden isen.