Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3020900-3020913--01231-3025260- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 13 Vrstrrrrirtzifchr Wochenschrift. Sette 321 von neuert Volksschulen als durch die Anwendung der sonstigen in den Stiftnngsstatuten vorgesehenen Mittel anzustreben sei, nämlich: „Durch Errichtung von Kindergärten, durch Beförderung des Besuches der öffentlichen Volksschulen im Wege von Un terstützungen mit Kleidung, Kost und Lehrmitteln, durch Errichtung von Abendschulen und durch Ertheilung des Handfertigkeitsunterrichtes «Hörd) an den bestehenden Schulen, endlich: Durch Älnstellung von Lehrern der hebräischen Sprache an allen jenen Orten, lvo dieses behufs Beseitigung der Bedenken der orthodoxen Bevölkerung sich als nothwendig erweisen wird." Hierauf wird die Erklärung des Präsidenten, daß im Allgemeinen Stipendien im Betrage von fl. 50 bis fl. 100 zur Unterbringung von Handwerkslehrlingen hinreichen müssen, daß ferner Subventionen zur Bekleidung re. armer Kinder nur dort zu gewähren seien, wo die Gewißheit vorhanden, daß dadurch der Schulbesuch in Wirklichkeit gefördert werden kann, beigestimmt. HerrDr. S chaff wünscht, daß ein Etat für die Lehrer entworfen, die Lehrergehalte gleich systemisirt werden; vielleicht wäre jetzt schon ein Pensionssond zu gründen, für Praktikanten seien keine Gehalte, sondern Remunerationen festzustellen. Herr Sectionschef R. v. G n i e w o c z erwidert, daß ein Status für Lehrer bereits in der Ausarbeitung sei, was den Pensionsfond anbelange, so richte er die Aufmerksamkeit ans das bereits so sehr entwickelte Assecuranzwesen. Zur Anlegung eines Fonds hiezu wäre allerdings jetzt die Gelegenheit vorhanden, nachdem im ersten Jahre die Zinsen nicht ausgegeben wurden. Herr Dr. Sch aff beantragt nun, daß eine Erweiterung der bereits bestehenden Schulen nicht zugelassen, daß die Schule in Bnezacz snccessive zu einer 4classigen gemacht werde, jedoch unter der Bedingung, daß seitens der Genleinde der Schule eine höhere Subvention als bisher gewährt werde; ferner seien dem Lemberger Executiv-Comite die Errichtung von 10 Kinde rgärten und 4 B o l k s s ch u l e n zu bewilligen. In ähnlichem Sinne sprachen die Herren Director Lazarus und Dr. Frucht mann und bitten um Genehmigung des von ihnen vorgelegten Prüliminars von fl. 119.000 oder eines Betrages von fl. 80.000 damit das Executiv-Comite im Rahmen des bewilligten Betrages die Action einleiten könne. Herr von Bauer erklärt sich entschieden gegen diese For derung. Das Curatorium könne eine solche Budgetirungsvorlage nicht genehmigen, auf Panschalbewillignttgen nicht eingehen, im Vorhinein 10 Kindergärten und 4 Volksschulen nicht bewilligen. Im Principe sei ja bereits von der Eonferenz ausgesprochen, daß Kindergärten zu errichten seien, wenn nun das Executiv-Comite concrete Vorschläge in dieser Richtung inachen werde, so werden dieselben ohne Frage vom Curatorium nach Gebühr gewürdigt und wird gewiß, soweit es die vorhandenen Mittel gestatten, das Möglichste geschehen. Die Herren Telegirten des Lemberger Executiv-Comite's erklären sich von dieser Zusage befriedigt. Nachdem hierauf die Herren Dr. Frnchtmaun (für das Lemberger Executiv-Comite), Dr. Horowitz (für das Krakauer Executiv-Comite), Hauptm. Baltinester (für das Czernowitzer Executiv-Comite) den Dank für die Einberufung der Conferenz, welche viel zur Verständigung beitrage, ausgesprochen und der Präsident erwidert hat, wird die Sitzung geschlossen (um V21 Uhr) Fortsetzung der Conferenz. Dienstag, den 23. Februar um 5 Uhr Nachmittag. Del. Hauptmann Baltinester bringt abermals die Wünsche des Czernowitzer Executive Comites zum Ausdruck. Er betont, daß seinem Comite von allen Seiten der Vorwurf gemacht werde, daß cs bisher nichts geleistet habe. Und in der That sei dieser Vorwurf berechtigt, denn während Galizien bereits bedeutende Betrüge bewilligt wurden, habe die Bukowina bisher nur 5000 fl. erhalten. Was die confessionelle Schule anbelange, so sei sie für Galizien und die Bukowina dermalen noch ein sehr wichtiger Factor. Man sehe nur, was die confessionelle Schule in Czernowitz seither geleistet habe und noch leiste. Nur müsse sie zu einer sechsclassigen erweitert werden, um die Zöglinge von den Mittelschulen ableiten und sie dem Handwerke zuführen zu können. Für diesen Zweck möge die Stiftung eine Subvention von fl. 2000 jährlich bewilligen, weiters wären zur Errichtung eines Kindergartens in Czernowitz eine jährliche Subvention von fl. 2000 und zur Bekleidung armer Schulkinder in Czernowitz eine jährliche Subvention von 500 fl. zu gewähren. In Sadagora sei die Creirung einer Volksschule dringend gej boten. Für die israelitische Schule in Suczawa, welche reorganisirt werden müßte, sei eine jährliche Subvention von 1500 fl. zu bewilligen. Ebenso müßte seitens der Stiftung für die Erlheilung des Religionsunterrichtes an den verschiedenen Schulen in der Bukowina gesorgt und Lehrerstipendien für solche Lehramts-Candidaten creirt werden, welche sich für den hebräischen Unterricht ausbilden. Für die Unterbringung von Zöglingen bei Handwerkern und in der Staatsgewerbeschule sei in Czernowitz reichlich Gelegenheit geboten und wäre noch an der letzteren eine Schlossereisch u l e zu creiren, wozu eine Jahressubvention von fl. 2000 und die einmaligen Auslagen von fl. 4000 seitens der Stiftung zu leisten wären. Herr v. Bauer weist nach, daß das Czernowitzer Executiv- Comite keine Veranlassung habe, Klage zu führen, daß es verkürzt worden sei, da es im Verhältnisse zu Galizien bisher mehr bekommen habe, als dieses. Hierauf erklärt der Präsident, daß die Wünsche des Executiv-Comite's Czernotvitz dem Curatorium zur Kenntniß gebracht werden und daß die praktischen Anträge dieses Comites ihre Würdigung finden werden, wie sie ja auch bisher sie gefunden haben. Das Comite möge somit in Zukunft präcise in den Rahmen der Statuten fallende Vorschläge machen. Subventionen für den Religionsunterricht seien nicht Sache der Stiftung. Ueber Anregung des Präsidenten ziehen die Lemberger Telegirten den Antrag des dortigen Executiv - Comite's auf Gründung einer Schule in Sniatyn dermalen zurück. Schluß der Sitzung: l;,7 Uhr. Ein Krankenbesuch bei Grrgorig. i Wohnzimmer des Lcmdtagsabgcvrdneten und Gemeinderalhes Gregorig. Dieser sitzt mit blassen Mienen und stierem Gesichtsausdruck in einem Lehnsessel. Um die Stirne hat er einen kalten Umschlag, den ihm seine Wärterin von Zeit zu Zeit erneut.) Gr eg orig: (schreit plötzlich laut auf) „Um Gotteswillen, man klingelt schon wieder! Nicht aufmachen! Nicht aufmachen! Das sind gewiß schon die Abgesandten der Juden. Nicht aufmachen, ich beschwöre Sie." Wärterin: (besänftigend) „Ich will durch das Guckloch vorsichtig spähen. Vielleicht ist es nur einer der Freunde des gnädigen Herrn ..." G r e g o r i g: (zitternd) „Aber vorsichtig sein . . Gut sehen. . . Vielleicht hat sich so einer von ihnen verstellt. . ." (Nach einigen Minuten.) Wärterin: „Es ist nur der Herr Abgeordnete Schneider." G r e g o r i g: (aufathmend) „Ich laß' ihn bitten. (Die Wärterin öffnet die Thüre, durch welche der Abg. Schneider eintritt.) Schneider: «laut) „Wie geht's, lieber Freund? Wie geht's? Gregorig: tdumpf) „Noch ungeschlachtet . . . wie sie sehen . . . Aber wie lange kann's dauern —" Schneider: „Aber lieber Freund, scherzen sie nicht, ich bin es ja . ." Greg orig: (bitter) „Lange kann's nicht dauern. Das sag' ich Jhlten. Die Polizei beobachtet mich . . Ich weiß, aber nian kann mich doch nicht ewig unter Beobachtung Hallen? Und dann ist's um mich geschehen —" Schneider: „Aber lieber Gregoria, schwatzen Sie doch nicht so dummes Zeug. Sie sind jetzt nicht im Gemeinderath. Wir sind ja ganz unter uns . . (unterbricht sich) Hat man nicht geläutet?" Wärterin: „Ich werde nachsehen." «Verläßt das Zimmer.) G r e g o r i g (springt zitternd auf): „Sie kommen, sie kommen , die Juden, man will mich schlachten ... Ich seh' schon die Messer. . . Nicht aufmachen! Nicht aufmachen!" Schneider: (erschrocken) Sie spaßen nicht? (für sich) Das scheint ernst zu sein." Wärterin: «beruhigend) „Es war nur der Bäck." Gr eg orig: „Wirklich der Bäck? Ein gewöhnlicher Bäck — der nur Brot und Semmeln bringt. Keine Ostern-