Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 220 Vrsterrrichtsche Wochenfthrist Nr. 13 Lemberger Delegirten vernommen, daß überall m Galizien Schulen in hinreichendem Maße vorhanden seien: Man sehe doch nur, wie viele schulpflichtige blinder es in Kolomea, Stanislau rc. gebe, für die kein Raum in den Schulen vorhanden. Auch er sei dafür, daß sich die Kinder in großer Zahl zu den Schulen melden, aber er warne davor, an die Gemeinden die Forderung zu stellen, Schulen zu gründen, da kein Geld für diese Zwecke im Lande sei und es nur Mißstimmung gegen die Stiftung neuerdings wecken könne. Mangel an Entgegenkommen könne dem Curatorium nicht vorgeworfen werden, es sei stets bereit, ersprießliche Anträge der Executiv-Comites nach Möglichkeit zu berücksichtigen; nur müssen die Anforderungen sich in den entsprechenden Grenzen bewegen, da die Stiftung 267 jüdische Gemeinden in Galizien und der Bukowina zu betheiligen habe. Recriminationen gegen die Thätigkeit des Lemberger Executiv« Comite's wolle er nicht erheben, vielleicht sei dessen Wirkungskreis zu groß, um bewältigt werden zu können. Del. des Lemberger Executiv-Comites Herr Dr. Schaff ist überrascht darüber, daß man entgegen dem von der Stiftung in erster Linie beabsichtigten Zwecke auf die Gründung von Schulen verzichten wolle. Wenn auch zugegeben werde, daß Gewährung von Bekleidung rc. Mittel zur Beförderung der Schulfrequenz sein könne, so sei dieses insolange nutzlos, solange die erforderlichen Schulräumlichkeiten nicht vorhanden und bekanntlich fehle es in Galizien an denselben selbst für die ch r i st l i ch e n Kinder, den jüdischen Kindern zuliebe werde man keine Schulen errichten. Der Stifter habe diesen Mangel erkannt und deshalb als wichtigsten Zweck seiner Stiftung die Gründung von Schulen bezeichnet. Man vergesie aber auch nicht, daß noch ein anderer, nicht zu unterschätzender Gegner der Schulen in Galizien zu bekämpfen sei: Der Fanatismus! und wie ihm am besten beizukommen sei, habe die Schule in Kolomea gezeigt, welche in dieser Richtung Ausgezeichnetes geleistet habe. Schon ihre bloße Existenz wirke austlarend auf die breiten Volksschichten. — Was die Froebelschulen anbelange, so müssen diese in Galizien Borbereitungsschulen sein, welche auch die Ansangsgründe des Hebräischen zu lehren hätten. — Die seitens der Sttftung übernommenen Schulen aber seien in dem bisherigen Status zu belassen, da die Erweiterungen derselben große Jahreskosten beanspruchen würden. Del. des Czernowitzer Exec.-Comite Herr Hauptmann Baltinester bemerkt, daß die Bukowina größere Fortschritte im Schulbesuch auszuweisen habe, als Galizien, was wohl znm großen Theile durch die vor 30 Jahren gegründete, confessionelle Schule in Czernowitz bewirtt worden sei. Diese Schule müsse aber, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, aus einer vierclafligen zu einer s e ch s c la ss i g en erweitert werden, die israelitische Schule in Suczawa müsse subventionirt werden, die Errichtung von Kindergärten sei auch in der Bukowina anzustreben. Das Handwerk sei in der Bukowina gut vertteten und man könne daselbst Kinder sowol bei tüchtigen Handwerkern als auch in der Staatsgewerbeschule unterbringen. Der Präsident schließt hierauf um halb 1 Uhr die Sitzung und vertagt die Fortsetzung zur Anhörung concreter Vorschläge, auf 4 Uhr Nachmittags. II. Montag den 22. Februar 1892, 4 Uhr Nachmittags. Anwesend: Sämmtliche Delegirte und das Präsidium des Curatotoriums und Herr Prof. Charkiewicz. Professor Rosenblatt wünscht, esinöchten jene Punkte, über welche leicht allgemeine Zustimmung zu erzielen sei, zur Berathung gelangen. Die Sttftung habe neben der kulturellen eine wirthschaftliche Mission zu verfolgen. Mit der bloßen Zuführung der Kinder zur Schute sei noch nicht alles gethan, man müsse sie dann dem Handwerk, evcut. Ackerbau zuführen. Es frage sich nun, was im Hinblick auf die beschräntten Mittel der Sttftung, zunächst gepflegt werden solle. In erster Linie tvären Kindergärten zu creiren, welche auch die Volksschule zum Theile ersetzen werden, da an chnen ein erweiterter Unterricht fiir Kinder bis zu dem 7. oder 8. Lebensjahr erthcilt werden soll. Dagegeil seien im Schuljahr 1892/93, außer den bereits beschlossenen keine neuen Schulen zu eröffnen. — Die bestehenden Schulen müßten ergänzt werden durch Abendschule n, welche an denselben für Kinder, (Lehrlinge), welche noch gar keinen Unterricht genossen haben, zu eröffnen wären. — Der Handferttgkeitsunterricht sei an allen Schulen zu pflegen, der hebräische Unterricht überall einzuführen, für Beköstigung und Bekleidung armer Kinder müßte Sorge getragen werden. Was die Unterbringung von Zöglingen beim Handwerk anbelange, so könne man mit Stipendien von fl. 50'— bis zu fl. 100 jährlich in Galizien nichts anfangen, überhaupt könne ' man nur in Krakau und Leinberg bei tüchtigen Handwerkern : Lehrlinge unterbringen, nicht aber in der Provinz. Dagegen ' trachte man Zöglinge in den Gewerbeschulen unterzubringen, aber nur die fähigsten. Schließlich sei ein NormalstatnS für alle Lehrer auszuarbeiten. Nachdem der Präsident hieraus ein Resume der bisher geäußerten Ansichten gegeben, präcisirt Herr Director Lazarus seine Anträge dahin, daß Volksschulen überhaupt nicht zu gründen seien, da ja Schulzwang bestehe, dagegen sei es Ausgabe der Stifttmg, durch Errichtung von Kindergärten, dort wo Schulen vorhanden, die Kinder fiir die Schule vorzubereiten und sie denselben mittels Gewährung voll Beköstigung und Be» kleidung zuzuführen. Herr Tr. Schass erklärt sich entschieden gegen den Antrag auf Gründung von Volksschulen zu verzichten, da ja das Statut in weiser Berücksichtigung der bestehenden Verhältnisse in erster Linie die Creirnng voll Schulen verlailgt und die Conferenz doch nicht einbernsen wurde, eine Statutenäilderung vorzunehmen, überdies würde die Stiftung keine Existenzberechtigung haben, wenn sic die Gründung von Schulen aus ihrem Programm streichen würde. Man dürfe sich liicht darauf beschränken, Mittel zur Bekleidung und Beköstigung zu gewähren, es müssen viel inehr Schulen an verschiedenen Orten Galiziens errichtet tverden, zumal als die Resultate der bereits gegründeten Schulen die lveitgehendste Anlegung hiezu geben. Dagegen beanttage er, die bereits bestehenden Schulen nicht mehr zu erweitern, damit die Mittel zllr Gründung anderer Schulen nicht erschöpft werden. Der Präsident erklärt, die hier ausgesprochenen Ansichten zur Kenntniß des EnratoriuinS bringen zu wollen, wünscht jedoch, daß nunmehr aus die Bedürfnisse der einzelnen Comites eingegangen werde. Herr Dr. v. R a p o p o r t ist der Meinung, daß zunächst die Discussion über die allgemeinen Fragen abgeschlossen werde. — Dr. Fruchtmann: So divergirend auch die Ansichten scheinen, so sei man doch allgemein wohl darüber einig, daß keine confessionellen Schulen zu gründen, daß Froebelschulen dort, lvo die Frequenz an ben öffentlichen eine geringere, zu creiren, daß behufs Förderung der Frequenz an den öffentlichen Schulen Bekleidung und Bespeisung zu gewähren seien und für Ertheilung des hebräischen Unterrichtes zu sorgen sei. Ferner empfehle er eindringlichst die Frage der Errichtung von Handwerkstätten gründlich zu studiren. Sehr empfehlen würde es sich, für die Kinder der Volksschule einen Abendcurs für den hebräischen Unterricht einzuführen. Dr. v. R a p o p o r t: Das bisherige Resultat der Debatte sei in dem wichtigsten Puntt ein negatives, näm lich, daß S chulen nicht weiter zu gründen seien, und entspreche auch den vorhandenen Mitteln. Als positives Resultat habe sich ergeben, daß Gemeinde und Land an die Erfüllung ihrer Pflicht gemahnt werden, daß ferner die Kinder durch Gewährung von Bekleidung und Bespeisung der öffentlichen Schule zugeführt und Kindergärten creirt werden. Er beantrage sonach die Abstimmung über die Anträge R o s c n b l a t t. Hierauf formulirt Herr' Prof. R o s e n b l a t t seinen ersten Antrag dahin: „Es sei durch enffprechende Mittel dahin zu wirken, daß der Besuch der öffentlichen Schulen befördert, resp. ermöglicht werde." Dieser A »trag wird a n g e n o m m e n, worauf die Sitzung um 7 Uhr geschlossen und die Forffetzung, Berathung einiger prinzipieller Punkte, auf den nächsten Tag, Dienstag, den 23. Februar d. I. 10 Uhr Bormittags anberaumt wird. III. Dienstag, den 23. Feber 10 Uhr Bormittags. Anwesend: Sämmtliche Delegirte und das Präsidium des Curatoriums. Die Herren: Prof. R o s e n b l a t t, Dr. Schaff und Dr. v. R a p o p o r t verlesen die von ihnen aus Grund der bisher im Laufe der Debatte erzielten Verständigungen form» lirten Resolutionen und wird die nachfolgende Fassung des Herrn Dr. v. R a p o p o r t angenommen: „Die Conferenz spricht in Bezug auf die fernere Wirksamkeit der Stiftung ihre Ansicht dahin aus: daß die Ber wirklichung der Zlvecke der Stiftung weniger durch Errichtung