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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Orstrrrrichischr Wochenschrist. Seite 319 acte annimmt, den jüdischen Armen aber in minorener Zahl die Wohlthaten nur protectionsweise in kärglichem Maße zukommen läßt, müßten die bessergestellten Inden ihre Armen selbst schützen und versorgen, notabene wenn wir der Frömmigkeit mancher Armen Rechnung tragen wollen. In einer Versammlung der „Oesterr. isr. Union" stellte man den Antrag, einen Verein für jüdische Feriencolonien zu gründen, welcher eiustimmig angenommen N'nrde, und Herr Dr. Bloch, der sich für diese Idee begeisterte, glaubte das Unternehmen wesentlich zu fördern, wenn er die Zügel desselben einer Dame in die Hand gäbe, welche gemeinsam mit anderen Damen diese wohlthätige Pflanze aufnehmen. auf daß sie unter Pflege zarter Hände gedeihe und wachse und vielen Müttern frische blühende Kinder in die Arme lege. Es erfüllt mich mit Stolz, daß man in meiner bescheidenen Person die Frau gefunden zu haben glaubt, die Leitung der zu gründenden Feriencolonie zu übernehmen, und ich richte nun meine Bitte au alle jene edlen Mitschwestern, die mir bei diesem idealen Unternehmen hilfreich die Hand bieten und mit Rath und That beisteheu wollen. Viribus uuitis wollen wir unsere uns zu Gebote stehenden Mittel der Unwiderstehlichkeit ins Feld führen uni hartnäckig geschlossene Taschen zu öffnen, zum Heile armer erholungsbedürftiger Jndeukinder. Wo Männer uns helfen und Frauen wirken, kann der Erfolg nicht ausbteiben und Gott wird uns seinen Segen leihen, um armen Kindern die Wohlthat zu erweisen, die wir an unseren eigenen Kindern üben, indem wir ihre Gesundheit schützen und sie zu erhalten suchen. Sofie G r ü n s e l d , I., Schotteuriug 2. Beitrittserklärungen oder eventuelle Beträge werden sowohl von Frau Dr. Grünfeld als auch von der Redaction der „Oesterr. Wochenschrift" angenommen und seinerzeit ausgewiesen. Conferenz des Präsidiums des Curatoriums mir den Präsidenten ,der Crrcutiv Cvmites von Lemberg, .Ürakau und Vzernowitz, Montag, den 22. Februar 1892, 10 Uhr Vormittags. Anwesend: Das Präsidium des Curatoriums, Herr Hofrath Dr. Roza. Vom Executiv-Comite Lemberg: Herr Director M. Lazarus, Präsident des Exeeutiv-Comites, Herr Dr. Fruchtmann. Vicepräsident des Executiv-Comites, Herr Dr. Schaff. Vom Executiv-Comite Krakau: Herr Prof. Rosenblatt, Präsident des Executiv-Comites Hern- Dr. Horowin, Vice Prä sident des Executiv-Comites. Vom Executiv-Comite Czernowitz: Herr Hanptmann Baltinester, Vice-Präsident des Executiv-Comites. Der Vorsitzende, Präsident Herr Josef R. v. Fürth, begrüßt die Versammlung mit warnten Worten und spricht die Erwartung aus, daß die Conferenz ein gewisses System in die Action bringen, eine Verständigung über gewisse Fragen und Grundsätze erzielen werde. Hierauf deutet er in kurzen Strichen das Programm an, über welches die Conferenz zu berathen haben werde. Herr Professor Rosenblatt beantragt, die Conferenz möge sich vorerst über principielle Punkte einigen, es sei daher angezeigt, die Zuschrift des Herrn Baron Hirsch an den Präsidenten des Curatoriums zur Vorlesung zu bringen, welche als Richtschnur bei den Debatten dienen tverde. _ Dieser Antrag wird angenommen und die bezügliche Zuschrift verlesen, lieber Wunsch des Herrn R. v. Gniewocz referirt der Schatzmeister Herr Sigmund R. v. Bauer über beit Stand der Stiftungsmittel, wonach die Stiftung über jährliche Zinsen von fl. 210.000 verfuge; da jedoch die Verwaltung auf fl. 20.000 jährlich festgesetzt wurde, so verbleiben für die Durchführung der Stiftungszwecke fl. 190.000. Herr Director Lazarus vom Executiv-Comite Lemberg beleuchtet die bisherige Thätigkeit der Stiftung in Ostgalizieu: Es wurden die Schulen von Kolonien, Stanislau, Boryslaw, Wolanka übernommen, die Schute in Buczacz neu gegründet. Fasse man aber die Zwecke der Stiftung in's Auge, so erscheine die Erhaltung dieser Schulen als ein sehr kostspieliges Experiment, da man mit denselben Mitteln eine dreifache, zum mindesten eine doppelte Anzahl von Kindern in die öffentlichen Schulen bringen könnte, wenn man für Bekleidung der armen Kinder und Er theilung des Religionsunterrichtes sorgen würde. Mangelhafte Bekleidung der Kinder und Mangel an Religionsunterricht seien die Hauptmotive, welche die jüdischen Kinder von den öffentlichen Schulen ferne hielten. Ein weiteres Mittel zur Hebung der Frequenz in den öffentlichen Schulen wären die Gründungen von Fröbelschulen, welche die 'Aufgabe hätten, die jüdischen Knaben für die Volksschulen vorzubereiten. diese wären demnach dort zu creiren, wo öffentliche Schulen sind. Er und seine Genossen feiert somit gegen die Grün dring von confesfionellen Schulen. Was die bisherige Thätigkeit auf dem Gebiete des Handwerks aubelauge. so sei nach feiner Ansicht die llnterbringung von Lehrlinge bei Meistern, rveil diese in Galizien zumeist wenig taugen, verfehlt, mehr als die Hälfte der untergebrachten Lehrlinge werden nichts Rechtes lernen. Dagegen fei die Zuführung zu derr Gewerbeschulen zu betreiben. Hierauf spricht Herr Lazarus sein Bedauern darüber aus, daß dem Executiv-Comite keinerlei selbständiges Borgehen gewährt sei, daß es sich mit den kleinsten Dingen behufs Genehmigung an das Curatorium wenden müsse und selbst die Erledigungen lassen dann lauge auf sich warten. Es wäre demnach ersprießlich, dem Executiv-Comite in gewisser Richtung eine größere Selbständigkeit einzuräunien. Del. Dr. Fruchtmann vom Executiv-Comite Lemberg erklärt sich bezüglich der Schnlfrage vollkommen einverstanden mit den Ansichten des Herrn Lazarus. Die Gründung confessioueller Schulen in Galizien sei überflüssig, da man durch Gewährung von Kost und Kleider durch Besorgung des hebräischen Unterrichtes, durch Creirung von Kindergärten, welche das Cheder zu verdrängen hätten, die Kinder in großer Anzahl den öffentlichen Schulen zuführen könnte. Tie Unterbringung von Lehr'ingen bei jüdischen Handwerkern fei verfehlt, da diese zumeist schlecht sind: dagegen sei mittels Gewährung von Prämiert für die Meister, die Unterbringung bei christlichen Hand werkeru zri betreiben, viele könne man zwar bei christlichen Meistern nicht unterbringen, aber die wenigen Untergebrachten werden Tüchtiges lernen. Herr Vicepräsident v. Rapopvrt erinnert daran, daß die Executiv-Comites auf die 'Anfrage s. Z., welches die Ursache des so mangelhaften Schulbesuches seitens der jüdischen galizischen Jugend fei, geantwortet haben: Arn:uth und Fanatismus einerseits und Mangel an Schulen andererseits und fragt weiter, ob wir nicht Mittel haben, die Communen zu verhalten, Schulen zu errichten'? Herr Dr. Fruchtmann antwortet, daß die Gemeinde Schulen errichten muß, wenn sich die Kinder nur melden. Del. Dr. Horowitz vom Executiv-Comite Krakau erklärt, daß sein Comite stets das größtmöglichste Entgegenkommen seitens des Curatoriums nach jeder Richtung hin gefunden. Auch sein Comite fei anfänglich der Ueberzengung gewesen, daß vor Allem Fröbelschulen zu errichten seien; die in der Folge gesammelten Erfahrungen haben jedoch gelehrt, daß dies nicht überall angche, es müsse eben den Verhältnissen Rechnung getragen werden. Es dürfe nicht außer Acht gelassen werden, daß der Raum in den galizischen Volksschulen dermalen ein sehr beschränkter sei und daß in denselben, selbst wenn die jüdischen Kinder die Volksschulen besuchen wollten, kein Platz für sie wäre, selbst inKrakau könne aus diesem Grunde der Schulzwang nicht durchgeführt werden. Andererseits müsse mit dem noch allenthalben in Galizien gegen die Schule überhaupt herrschenden religiösen Borurtheil gerechnet werden, da selbst in die Stiftungsschulen die Kinder in größerer Anzahl nur gegen Gewährung von Beköstigung und Bekleidung herangezogen werden können, s Es müsse demnach von Fall zu Fall erwogen werden, ob die Verhältnisse für eine Volksschule oder Fröbelschule günstig seien. Bezüglich der Förderung des Handwerkes ist Redner nicht der Ansicht, daß das Schwergewicht auf die Gewerbeschulen zu verlegen fei, man könne bei einiger Anstrengung Knaben ganz gut bei tüchtigen christlichen Handwerkern unterbringeu. Sectionschef R. v. Gniewocz findet in dem bisher Borgebrachteu keine neue Anregung. Die Errichtung von Fröbelschulen habe das Curatorium vom ersten 'Augenblick ins Auge l gefaßt. Wenn sich die Herren vom Lemberger Executiv-Comite 1 gegen die Creirung confessioneller Schulen aussprechen, so müsse er bemerken, daß die Stiftungsschulen eben keine confesfionellen seien, da ja auch christliche Kinder in denselben nach dem Statute ausgenommen werden und da auch für deren Religionsunterricht gesorgt ist. Zudem sei er der Meinung, daß der in ver Zuschrift an den Präsidenten niedergclegten Ansicht des Baron Hirsch, des berufensten Interpreten seiner Statuten Rechnung getragen werden müsse. Mit Verwunderung habe er die Aeußerung der

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