Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sem 218 Rr. 13 m Ketterretchirchr Wochrnschrist. bisherigen jüdischen Gönner von einer weiteren Förde-; rung des Asylvereines abzuschrecken. Der neue Vereins- , Präsident sagte sich, daß bei den Sammlungen für > das „Studentenheim" zunächst auf das Geld der Juden zu speculiren sei und daß er deshalb Alles aufbieten müsse, um jenem Verdacht zu begegnen. So erklärte er denn in unserer Redaction in der bündigsten Form, daß er zwar ein treuer Katholik sei. daß ihm aber gerade darum jede antisemitische Tendenz vollkommen fern liege und daß er stets für die Gleichberechtigung der jüdischen und der christlichen Studenten eintreten werde. Herr Dr. Caspar Schwarz hat damals die Unwahrheit gesagt. Die Folge hat gezeigt, daß er den Asylverein der Wiener Universität ganz und gar in das antisemitische Fahrwasser hinübersteuerte, wie er dann selbst eine der Größen der antisemitischen „Vereinigten Christen" geworden ist. Als Herr Dr. Caspar Schwarz jene Vorspiegelung gebrauchte, war es lediglich um die Ausbeut ungder Juden und ihres Wohlchätigkeitssinnes zu thun gewesen. Er^ hat den Klingelbeutel weit offen gehalten für alle Confessionen. In den Ausrufen und Briefen des Ausschusses wurde mit fetten Lettern der interconfessionelle und internationale Standpunkt des Vereines hervorgehoben. Das war die nakte Bauernfängerei, unwürdig ehrlichen, offenen Menschen. ^Seine Versicherung, daß die antisemittschen Tendenzen dem Vereine ferne stünden, daß er die confessionelle Gleichberechttgung wahre, erweisen sich als eine Flunkerei. Er trat nicht für die confessionelle Gleichberechtigung, sondern nur für die Gleichberechtigung beim Geldnehmen ein und er hat darauf den jüdischen WohÜhätern, welche zur Errichttrng des „Studentenheims" behilflich waren, ein Schnippchen geschlagen. Die pharisäische Erklärung, welche Dr. Caspar Schwarz in unserer Redaction abgegeben hatte, ,weiß heute Jedermann nach ihrenr wahren Werthe zu würdigen. Die Episode, welche die Firma Krauß & Comp, in der vorstehenden Zuschrift erzählt, kennzeichnet die Gesinnung des Präsidenten des Asylvereines. Herr Dr. Caspar Schwarz hält sich für besonders schlau und pfiffig, freut sich seines Witzes, daß er die jüdischen Wohlthäter zu beschummeln vermochte. Juden, Heiden, Liberale, Fortschrittler und Atheisten haben für derlei Schlauheiten eine eigene technische Bezeichnung, in den Augen eines „vereinigten Christen" ist es eine moralische Heldenthat, die Juden hintergangen, gefoppt zu haben. Er will offenbar nicht zurückftehen hinter den inttmen Parteigenossen, mit welchen er in Versammlungen gemeinsam ausmarschirt, dem „Herrgottspsander" und dem „Beuscheldoctor", dem „Zeugniß- und Stampiglienfälscher". Indessen besitzt der „Asylverein" eine bedeutend höhere Instanz, an welche man in diesem Falle wohl appelliren darf. Der Asylverein ist heute eine der Bastionen des Antisemitismus geworden. Das erscheint umso merkwürdiger, als der Protector dieses Vereines einer der erleuchtetsten und menschenfreundlichsten Prinzen des kaiserlichen Hauses, Herr- Erzherzog Rainer ist. Herr Erzherzog Rainer hat von der sonderbaren Richtung, welche dem unter seinem Schutze stehenden Vereine gegeben wurde, keine Kenntniß. Das Verfahren gegen die jüdischen Wohlchäter wird dem Erzherzog-Protektor von keiner Seite zur Kenntniß gebracht. Wie der Erzherzog über die bildungsfremü>lichen Bestrebungen des Antisemitismus denkt, geht mtt unzweifelhafter Klarheit aus den denkwürdigen Worten hervor, welche der Prinz vor zwei Jahren anläßlich des Kampfes um die confessionelle Schule in der feierlichen Jahressitzung der Akademie der Wissenschaften sprachst „Leider muß gesagt werden", erklätte damals der hochsinnige Prinz, „daß ein Kampf gegen die Aufklärung und den Fortschritt eröffnet wurde, den gerade wir doppelt beklagen, weil wir den Werth des Wissens und der Bildung erkennen. Wir wollen hoffen, daß diese Ercheinung eine vorübergehende sein werde." f Die Tendenzen, welche Herr Dr. Caspar Schwarz in de Leitung des Asylvereines vertritt, laufen dem Fortschritt und der Aufklärung direct zuwider. Herr Dr. Caspar Schwarz will nicht blos der Präsident eines angeblich neutralen Wohlthätigkeits- Vereines, rvelcher nach seinen Satzurrgen Studirenden aller Confeffionen zu Gute kommen soll, sondern auch gleichzeitig Präsident des katholischen Schulvereines sein, welcher die Agitation für die Exmittirung der Judenkinder aus den öffentlichen Schulen Leitet. Der Präsident des Asylvereines setzt sich somit in offenem Gegensatz zu den Intentionen seines hohen Protectors. Seine antisemitische Propaganda erscheint mit den humanen Gesinnungen des Herrn Erzherzogs Rainer ebenso unvereinbar wieseine Agitation für die antisemitische Schule, und es ist hoch an der Zeit, daß Herr Dr. Caspar Schwarz einer politisch neutralen Persönlichkeit ein Amt überläßt, für welches er am wenigsten geeignet ist und durch dessen Mißbrauch er nicht blos den Verein selbst compromittirt, sondern auch den humanen Gesinnungen seines hohen Protectors zuwiderhandelt. Jeder Menschenfreund muß wünschen, daß der Asylverein und dessen Sttrdentenheim auch fürderhin erhalten bleibe und den edlen Zwecken diene, welche deren Gründern und Förderern vorgeschwebt haben. Die Thätigkeit des Herrn Dr. Caspar Schwarz aber ist geeignet, diese humanitäre Institution ernstlich zu gefährden und eine Anstalt, welche der Bildung und dem Fortschritt dienen soll, in ein Arsenal des Glaubenshasses und geistiger Verfinsterung umzmvandeln. Aufruf! Es will Frühling werden, und alles was da lebt, erfreut sich der erwachenden Natur. Die Sonne, die Spenderin für Feld und Wald, für Mensch und Thier, sendet ihre wärmenden Strahlen auf Mutter Erde, und neue Hoffnung zieht wieder in die Herzen der Leidenden ein. Wald und Flur schmücken sich, um die verwöhnten Stadtkinder gastlich bei sich zu empfangen. Die Vögel stimmen ihre schönsten Choräle an, sie zwitschern und locken von ihren grünen Höhen herab die Menschenkinder hinaus in Gottes freie Natur. Was Wunder, wenn man dem Zanber und den Lockungen nicht widerstehen kann! Die Großen brauchen Ruhe und Erholung von einem mehr oder minder angestrengten Winter, die Kinder brauchen rothe Wangen, die sie in der dumpfigen Schulstube leider eingebüßt haben. Was nur ein wenig in der Lage ist, wie der Volksmund sagt, zieht auf's Land, und die Landwohnungsfrage ist nun acut und zum Gesprächsthema geworden. Was sollen aber jene Arme thun, die ihre Kinder gerade so lieben, wie wir, und nicht aufs Land ziehen können? Wie gerne lvürdcn sie sich Entbehrungen auferlegen, um ihrem einzigen Reichthum, ihren Kindern, zu Gedeihen und Blühen zu verhelfen. Wohin und womit soll der arme Familienvater seine Kinder auf's Land schicken, tvenn er sich um das tägliche Brod rackern muß. Er ist glücklich, tvenn es gerade langt; aber die Mutter, die, da sie keine gesellschaftlichen Pflichten hindern viel um ihre Kinder zu sein, sieht tvie ihre Herzblättchen tvelken, wie sie von der Hitze in der Stadt leiden. Jeder wärmere Sonnensttahl, vor dem die Reichen sich schützend in den kühlen Schatten des Gartens oder Waldes flüchten können, thut ihrem Mutterherzen wehe; sie gäbe gerne für jeden Tag Erholung einen Tag ihres Lebens und mancher Seufzer geht zrr bem Gotte, den sie gläubig verehrt. Der arme Jude ist noch fromm, für ihn hat die moderne Cultur die Satzungen der Religion und ihre rituellen Gebräuche nicht verwischt, er schämt sich nicht noch fromm zu sein wie Jene, die durch Gottes Segen zum Wohlstand gekommen sind. Er möchte gerne sein Kind in frffcher Luft gesunden lassen und sich zu diesem Behuse an die Feriencolonien wenden, allein er ist dort unter Andersgläubigen, es wird ihm nicht rituelle Kost gereicht und vielleicht noch obendrein wegen seiner Religion verspottet. Dem setzt kein frommer Vater sein Kind aus, der liebe Gott wird es schon schützen, denkt so mancher. Wir aber, die es besser haben, sollen das nicht zulaffen. Warum schaffen wir nicht eine Institution, die es jüdischen Kindern frommer aber armer Familien ermöglicht, ihre Ferien unter Juden mit jüdischen Lehrern zu verbringen? In einer Zeit da man von arischer Seite das Geld der Juden mit souveräner Liebenswürdigkeit für Wohlthättgkeits-