Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 13. Men, 85, Mär; 1898. IX. Jahrgang. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. m-~ - -=% A. k. PofifparcsffenÄMt Clearingverkrtzr Nr. 610.976. Nedsrtion u. Ndministrstion: Wien L, Sothenihurmstratze 89. " * -—^- Eigenthünrer: Neichsralhs-Avgrordueler Dr. Aloch. - -- Erscheint jeden Freitag. Mrm Ldonrnrt brr sUrn :" PoJfanRalte« 1 des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. j Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 kr. y»—■— —- U Jnhatt: Leitartikel: Auch einer! — Aufruf! — Konferenz. — Ein Krankenbesuch bei (Sreflorig. —Tie Geruchöuerven öe«? Maises. — ^Antisemitische Viehseuche. — Ein ossicieller Bericht über die russischen Judenverfolgungen. — Ter große Krach der Reactivn. — Eorre spondenzen: Wien, Troppau, Budapest, Posen. Köln, London. — Verm i schtes: Wien, Salzburg, .Karlsbad, Eger, Prag, Stnylweißenburg, Sz. G W. Raab, Budapest, Bistritz, Berlin, Charlottenbnrg, Darmstadt, Ulm. Paris, Rom. — Feuilleton: Vereint im Tode. — Literatur. — Wvchenkalender. — Inserate. Auch Einer! Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, Währing, den 2". März 1892. Geehrter Herr Redacteur! Herr Dr. Caspar Schwarz als Präses des Asylvereines der Wiener Universität hat mich brieflich ersucht, ihm behufs Bestellung eines Waschapparates meinen Vertreter zu schicken. Als dieser am 9. d. M. bei ihm erschien, war die erste Frage des Herrn Dr. Caspar Schwarz, ob meine Firma eine jüdische sei; von einer solchen würde er nichts kaufen, ja er würde noch nach 6 Wochen die Maschine zurückschicken, wenn er nachträglich erfahren sollte, daß die Firma eine jüdische wäre. Mein Vertreter verneinte, daß meine Firma eine jüdische wäre, in der Absicht, Herrn Dr. Schwarz zunächst Gelegenheit zu geben, sich von der Vorzüglichkeit meiner Fabrikate zu überzeugen; später, wenn einmal der Apparat seine vorzüglichen Dienste geleistet haben würde, sollte dem Herrn Präses das schreckliche Geftändniß gemacht werden, daß jüdische Hände diesen vortrefflichen Apparat geschmiedet und gehämmert haben und Herr Dr. Schwarz sollte so vor der Alternative stehen, bezüglich der Wäschereinigung entweder auf das Interesse des Studentenfondes, oder auf das antisemitische Princip zu verzichten. Ich ging auf diese Absicht meines Vertreters nichtein undwollte vonHerrn Dr Caspar Schwarz und seiner Bestellung weiter nichts wissen. Ich hätte dem Herrn Präses den Vorwurf machen können, er hätte sich bei seiner Empfindlichkeit gegen jüdische Fabrikate über die Confession meiner Firma erkundigen sollen, bevor er meinen Vertreter in seine Wohnung bestellte. Ich hätte das Gewissen des Herrn Dr. Schwarz damit beruhigen können, daß in meiner Fabrik Männer mit mir arbeiten und den in jetziger schwerer Zeit so spärlichen Gewinn mit mir theilen, deren Christenthum mindestens eben so alt und so echt ist, wie das des Herrn Dr. Caspar Schwarz. Ich hätte darauf verweisen können, daß ich meine Waschmaschinen an viele, unter christlicher Leitung stehende Institute, sogar an mehrere Klöster geliefert habe, — ich nenne beispielsweise das Greisen-Asyl in Währing, das Stephaneum in Biedermannsdorf, — daß diese Institute und Klöster, in denen echt christlicher Sinn in des Wortes edler nicht in der ihm von Herrn Dr. Schwarz und Eon'orten unterschobenen gehässigen Bedeutung herrscht, froh waren, in den Besitz so vorzüglicher Waschapparate gelangt zu sein und mir die ehrendste Anerkennung gezollt haben, ohne nach meiner Confession zu fragen — doch das sind Argumente für den Einsichtigen, nicht aber für den von blindem Hasse Erfüllten; ich habe mich deshalb um Herrn Dr. Schwarz nicht weiter gekümmert. Als ich aber vor einigen Tagen einem Freunde die Geschichte erzählte, sagte er mir, daß auch er das Studentenheim mit einem jährlichen Beitrage unterstütze und zeigte mir in dem letzten Jahresberichte des Institutes, daß Hunderte von Juden demselben jährliche Beiträge leisten: das wundert mich allerdings nicht, es liegt in der Art der von Herrn Dr. Caspar Schwarz so sehr gehaßten Juden, ein humanitäres Institut zu unterstützen, auch wenn ein Herr Dr. Caspar Schwarz dessen Präses ist; daß aber Herr Dr. Caspar Schwarz, der fürs Studentenheim von einem Juden nichts kaufen will, unbedenklich von Juden für dieses Studentenheim Geschenke annimmt, das verdient als Beitrag zur Charakteristik dieser Herren Antisemiten in weiteren Kreisen bekannt zu werden, weshalb ich Sie um die Veröffentlichung dieser Zeilen höflichst bitten möchte. Hochachtungsvoll! Isidor Krauß, Chef der Firma: Krauß & Cie., Währing, Herrengaffe 64. Der Asylverein der Wiener Universität besieht seit langen Jahren. Von seiner Gründung bis auf den heutigen Tag haben zahlreiche jüdische Wohlthäter durch namhafte Spenden dessen humanitäre Zwecke gefördert. Ein Blick in die Jahresberichte des Vereines genügt, npi die Thatsache zu erweisen, daß das Vereinsvermögen größeren Theils jüdischen Ursprunges ist. Diese eifrige Förderung der Vereinszwecke durch die Juden dauerte auch dann noch fort, als Dr. Caspar Schwarz durch Mittel, welche hier nicht näher gekennzeichnet werden sollen, Präsident des Vereines geworden. Ja mehr noch, Herr Dr. Caspar- Schwarz bot zu Beginn seiner Amtsführung Alles auf, um dem Asylvereine die reichen Zuflüsse von jüdischer Seite zuerhalten. Im Jahre 1885, als es sich darum handelte, einen Fonds für die Errichtung des jetzigen Studentenheims zu sammeln und jüdische Studenten in den Spalten der „Oesterreichischen Wochenschrift" über ein antisemitisches Vorgehen seitens der Vereinsleitung Klage führten, erschien eines Tages Herr Dr. Caspar Schwarz in der Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift", gegen derlei Zumuthungen zu protestiren. Der Verdacht antisemitischer Gesinnung, welchen Herr Dr. Schwarz gegen sich rege gemacht latte, war wohl geeignet, die