Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 212 Vestrrrrichifche Wochenfchrist. Nr 13 Wie». (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Im dichtgefüllten Saale der Restauration Khuner, und unter Anwesenheit mehrerer Gemeindeiäthe, Bezirksausschüsse, Vertreter der Presse und verschiedener Corporationen, eröffnete der Obmann Herr Brod die Monats-Versanimlung des Vereines und verütS in derselben ein aller hoch st es Dankschreiben Sr. Maje st Ltunseresaller gnädigst enKaisers an den Verein, welches die Anwesenden stehend anhörten. — Sodann hielt k. k. Bau- und Gemeinderath Herr Josef Kareis einen überaus gediegenen und zugleich populären Vortrag über das Verhältnis der Elektrotechnik zu den gewerblichen Fragen, der von rauschendem Beifall begleitet wurde. — Nun sprach Herr Gemeinderath Franz Djörup über die Ursachen der gegenwärtigen Stagnation im Baugewerbe und ' erntete vollen Beifall der Versammlung für seine praktischen Ausführungen. — Herr Dr. Friedländer wiederholt von der Versammlung syntpathisch begrüßt, sprach sich über den Gewerbe-Verein und seine hohen Tendenzen lobend aus und auf die Interpellation des Vorsitzenden kennzeichnete er in gediegenen und herzlichen Worten den Sinn des edlen Stifters Baron Hir-sch für würdige Gewerbetreibende. — Herr Gemeindcrath Lang empfahl der Versammlung eine Resolution bezügl. der raschen Inangriffnahme der großen Arbeiten in Wien zu faffen u. zw. an das Präsidium des Abgeordnetenhauses, an beit Ministerpräsidenten und an den Handelsminister, welche einstimmig angenommen wurde. „ Wien (Attentat gegen einen Rabbiner.). Man schreibt uns aus New - Pork, den 6. d. M.: Doctor Henry Mendez, Rabbiner in der Synagoge an der Ecke der Nineteenthstreet und der Fifth-avenue, einer der reichsten Synagogen in den Vereinigten Staaten, wurde gestern Samstag gegen acht Uhr Abends, als er von seiner Synagoge sich nach Hause begab, von einem russischen Flüchtling, den man für unzurechnungsfähig hält, angeschossen. Dies geschah unter folgenden Umständen: Als Herr Dr. Mendcz die Treppe, die zu seiner im zweiten Stock gelegeneil Wohnung führt, hinaufging, redete ihn ein Mann an, in dem er den von ihm und vielen seiner Gemeindemitglieder oft beschenkten I. Messachki erkannte. Der Russe sagte zu ihm mit drohender Geberde: „Geben Sie mir 100 Dollar!" Der Rabbiner antivortete ihm freundlich und bemerkte, daß es bei der großen Zahl der Bedürftigen unmöglich ist, ihm eine so große Summe zu geben. Der Mann folgte jedoch dem Rabbiner bis zur Thüre feiner Wohnung. Hier fragte er nochmals in drohendem Tone: „Geben Sie mir den Betrag oder nicht?" und ohne erst eine Antwort abzuwarten, riß er einen Revolver aus seiner Tasche, schoß auf be;i Rabbi, rannte die Treppe hinunter und verschwand. Dr. Mendez stürzte ihm wohl nach, urn ihn sestzuhalten, doch im Hausstur verließen ihn seine Kräfte und er stürzte von Blutverlust erschöpft ohnmächtig nieder. Man brachte ihn in sein Schlafzimmer, holte Aerzte, denen es alsbald gelang, das Projectil, das in den Unterleib gedrungen war, zu finden und herauszuziehen, so daß kaum bezweifelt wird, daß der allgemein hochgeehrte und geliebte Rabbiner seinem Wirkungskreise, in dem die Sorge für die Armen einen großen Raum einnimmt, wiedergegeben sein wird. Hernals. Am 12. März fand in den Hernalser Brauhaus-Sälen das von Jahr zu Jahr sich größerer Beliebtheit erfreuende Costüm-Kränzchen zu Gunsten des Vereines zur Bekleidung armer Schulkinder statt, zu welchem die Elite der Bürgerschaft und der angrenzenden Bezirke sich einfanden. Die Tanzmusik wurde von der Infanterie-Capelle Nr. 19 Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich 'Este ausgeführt. Die geschmackvollen Damenspenden, sowie der arrangirte Cotillon erfreuten sich vielen Beifalls. Der Blumen-Verkauf von jungen anmuthigen Fräuleins besorgt, erfreute sich eines raschen Absatzes und guten Erträgnisses und dürfte das der Bekleidung armer Schulkinder zu Gute kommende Einkommen und ca. 250 st. erreichen. Sibschitz au der Moldau (Böhmen.) Hier wurde dei> k. k. Postmeister Herr Marcus Freund neuerdings zum Gemeinderathe e i n st i m m i g neuerwählt. Budapest. Die Regierung hat in dankenswerther Weise gestattet, daß der Verkauf von Osterbroden auch an Sonntagen ohne Beschränkung der Tageszeit bewerkstelligt werden könne. Budapest. (Todesfall.) Der Chef der hiesigen renomirten Firma Eduard Wolf & Co., Herr Eduard Wolf ist im Alter von 72 Jahren verschieden. Der Verewigte erfrente sich in industriellen Kreisen großer Beliebtheit und genoß den Ruf eines Wohlthäters. Szolnok, 11. März 1892. Sehr geehrter Herr Redactcur! Die „Neuzeit" vom 12. Februar reproducirt wörtlich eine Notiz aus dem „Pester Lloyd" vom 4. Februar, die mit den Worten beginnt: „Herr Dr. I. F. in Szolnok sendet uns ein Schreiben" :c. Ich constatire hiemit, daß ich besagtes Schreiben nicht der „Neuzeit" gesendet, da ich es sonst nicht unterlassen haben würde, auch aus die wegwerfende Aeußerung die sich dieses Blatt mit Bezug aus meine Person erlaubt hatte, zu reftectiren, — mein Schreiben war an den „Pester Lloyd" gerichtet gewesen, der das Factum der „Schlägerei in der Synagoge" in der zuvorkommendsten Weise, wie es einem anständigen Journale geziemt, berichtet hat. Ay die „Neuzeit" schrieb ich erst am 21. Februar eine Abwehr mit Bezug auf ihren ureigensten Zusatz zu der besagten Notiz, der bar war jeder Berechtigung. In ihrer V erlegenh e it, den auf mich angewendeten „u nqualifizirbaren" Ausdruck nicht verantworten zu können, verweigerte jedoch die „Neuzeit" meiner berechtigten Abwehr ihre Spalten, aber erst nachdem sie mich 14 T age Hindu r ch h i n g e h a l t e n. Ich sehe mich daher bemüssigt, gegen das Vorgehen der „Neuzeit", über mich leichtfertig abgeurtheilt und mir obendrein das Wort der Abwehr in ihrem eigenen Blatte entzogen zu haben, entschieden Verwahrung einzulegen und stelle ich es der jüdischen Leserwelt anheim, sich darüber ein Urtheil zu bilden. Dr. Ignaz Friedlieber, Rabbiner. Prostnitz. (Chewrn Kadischa. —Franenverein. — Spende. — Ehrung.) Wie alljährlich, so wurde auch Heuer Anfangs d. M. die Jahresversammlung des verdienstvoll wirkenden Chewra Kadischa-Vereines abgehalten. Der Vorstand Herr Moritz B r ü l l erließ an die Cultusgemeindemitglieder einen Appell zum Beitritte ergehen, der von glänzendem Erfolg begleitet war. Eine große Zahl der angesehensten Bürger trat dem Vereine bei und widmete reichliche Spenden. So die Herren: Cultusvorstand Josef Singer, Advocat Dr. Zweig, Ernst Hamburger, Moriz H a m b u r g e r, Brauhausbesitzer Brüder Winter u. s. w. Herr Moritz Hirsch, Gesellschafter der Wiener Firma Karpeles & Hirsch sandte 200 Gulden mit einem verbindlichen Schreiben. Die Jahresversammlung endete mit einer Sßuda, bei welcher die Herren Rabbiner Dr. Hof, Dr. Zweig und Moritz Hamburger sehr beifällig aufgenommene Reden hielten. — Der hiesige Frauenv:rein ist in Folge reichlich zufließender Spenden in der Lage, eine wohlthätige Wirksamkeit zu entfalten und viel Noth und Elend verarmter Glaubensgenossen zu lindern. — Frau Lisette Pollak, Gemahlin des geachteten Industriellen Herrn Joachim Pollak, spendete den: Frauenvereine anläßlich der Verehelichung ihres Enkelkindes den Betrag von 25 Gulden. — Dem hiesigen Vorbeter Herrn L ö s e g e l d wurde im Hinblick auf seine talmudische Gelehrsamkeit die „Morenu" verliehen. Grost-Becskerek, 7. März. Unter außergewöhnlicher Theilnahme hielt die Groß-Becskereker „Chewra Kadischa" am 7. Adar (6. März) ihre Jahresversammlung ab. Seit Jahren war der Andrang im Tempel während des üblichen Gottesdienstes kein solcher, wie bei der diesjährigen Stiftungsfeier, deren Glanzpunkt die anderthalb Stunden in Anspruch nehlnende Gedenkrede bildete, die unser Herr Obenabbiner Dr. Moritz Klein über die im abgelaufenen Verwaltungsjahre dahingegangenen Größen und Zierden des Judenthums, namentlich über Simon Sidon aus Tyrnau, Josef Wolf aus Kalocsa, Eleazar Löb aus Altona und Alexander Abraham Wolf aus Kopenhagen, hielt. Wie wir vernehmen, gedenkt die „Chewra Kadischa" diese wahre Meisterleistung auf dein Gebiete midra-.