Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 13 Oesterr^ichifrhe Wochrnschrist Seite 311 Juden die Cur schneidet. Es -ändern sich eben die Zeiten und der Antisemitismus hört auf ein lucratives Geschäft zu sein. Abgesehen von diesen Thatsachen, beginnen die Wogen neuerdings scheinbar wieder höher zu gehen. Obgleich nicht mehr mit marktschreierischer Agitation vorgegangen wird, so sind die Spuren einer im Geheimen betriebenen, der jüdischen Bewohner^ schuft feindlich gesinnten Partei unverkennbar und es scheint deren Endzweck zu sein, abermals öffentliche Reibereien hervorzurufen. Als Stein des Anstoßes benützten jene Hetzer den Umstand, daß die israelitische Gemeinde einen neuen Tempel bauen will. Da das gegenwärtige Bethaus längst zu enge geworden und man an besonderen Festtagen genöthigt ist, andere Privatlocalitäten zu miethen, zu welchem Zweck seit Jahren der sogenannte Pälffy-Saal gedient hat, der jedoch nunmehr verloren geht, indem dieses Object zum Baue einer Realschule durch den Staat erworben worden — so scheint der Bau eines neuen Tempels als eine dringende Nothwendigkeit. Rach langer Suche hat man endlich als den einzig geeigneten und bestgelegendsten den Bauplatz an der Ecke der Juden- und Langengasse gesunden. Das sehr große Gebäude ist Eigenthum der israelitischenGemeinde und sollte blos die Hälfte desselben als Bauplatz für den im schönsten maurischen Styl projectirten neuen Tempel dienen. Es wurden dem Stadtbauamte die Pläne vorgelegt und von demselben die Baubewilligung auch ertheilt. Mit dem Baue darf jedoch nicht begonnen werden, weil die katholische Gemeinde einen Recurs gegen die Baubewilligung beim Magistrat eingereicht hat. In dem, durch den Anwalt des katholischen Patronats Dr. Jul. Umlauff-Frankwell namens der katholischen Gemeinde verfaßten Recurse wird vor Allem der Umstand betont, daß durch den 60 bis 70 Meter (Luftlinie) vom Krönungsdome entfernt zu stehen kommenden Tempel der Dom verstellt wird, was jedoch nicht der Fall ist, indem der Tempel gegen den Fischplatz und nicht gegen den Domplatz gekehrt sein würde. Weiters heißt es in dem Recurse, man wolle den Platz um den Dom sreilegen, das ist jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, denn da müßten mehr als 20 Häuser eingelöst werden, wozu der arg verschuldeten Stadt das Geld fehlt. Die Eingabe hat in unserer Stadt großes Aufsehen erregt, und sah man der Entscheidung des Magistrates mit Spannung entgegen. Als nun die .-Zeit der Reichstagswahlen herangekommen war. hatte man Angst bekommen, daß die israelitischen Wähler, falls dem Rekurse Folge gegeben wird, oppositionell stimmen werden, und um ihrer Stimme für Justizminister Szilügyi sicher zu sein, hat der Magistrat den Recurs abschlägig beschießen unb die katholische Gemeinde mit ihrem Einwande abgewkesen. Man wendete sich nun sofort mit dem Recurse an die zweite Instanz, an das Ministerium des Innern. Während der Wahlen wurde die Nachricht verbreitet, daß auch der Minister den Recurs abweisen wird. Seither ist ein Monat verflossen. Das Ministerium will sich's weder mit den Katholiken noch mit den Israeliten verderben und meint sich die Entscheidung dadurch zu erleichtern, daß es sich behufs Einholung fachmännischer Meinungsäußerung — natürlich nicht direct — an die Landescommisnon zur Erhaltung von Kunftdenkmälern we idete. Diese Commission erhielt selbstverständlich auch von Seiten der Recurrenten einen wohlzuverstehenden „Stupfer" und hielt dieselbe kürzlich in Budapest eine Sitzung unter dem Präsidium des Grafen Eugen Zichv ab, in welcher die Angelegenheit der „in der Nähe des Preßburger Krönungsdomes zu erbauenden Synagoge" verhandelt wurde. Man beschloß, „eine motivirte Eingabe an das Ministerium zu richten". Der Erfolg dieser Eingabe ist leicht vorherzusehen — man wird die israelitische Gemeinde mit ihrem Synagogenbau abweisen. Die Wahlen sind vorbei und der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan. VmmMes. Wien. (Personalnachrichten.) Sonntag,^ am 20. März findet im israel. Tempel der L opoldstadt die Trauung des Herrn Samuel Silbiger mit Frl. Charlotte Weiß statt. Am selben Tage findet im israel. Tempel zu Ottakring die Trauung der Herrn Emanuel Spitz mit Fräulein Bertha Weiniger statt. — Fräulein Pepi Friedmann, Tochter des Fabrikanten I. S. F r i e d m a n n in K o l o m e a hat sich mit dem Med. Dr. Jacob Hu lies verlobt. Am 20. März feiert der Großindustrielle Herr Alois Winkler in Ob.-St. Beit die Bermälung seiner Tochter Paula mit Herrn Ludwig L e n g y e l aus Szegedin. Wien. (Eingelaufene Spenden.) Bon Frau Fanni Brück in Wien sind uns 5 fl. für die arme Familie in Ottakring und sl. 10 für die unter der Patronanz des ehrwürd. Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann eingeleitete Sammlung Jerusalem, von Josef und Irene Reiniger für die arme Familie in Ottakring fl 1, für denselben Zweck unter „Hirskov csekely de szivbol“ 50 kr. zugegangen. Von Herrn Leopold Steinhart II/1 Rochensterngasse st. 1.— Von den Kindern Anna und Heinz R e i chenb erg in Marburg a. Drau aus ihrer Sparbüchse je sl. 1, zusammen fl. 3. Wien. (Oesterreichisch-Jsraelitische Union). Samstag den 19. März 1892 findet im Restaurant Khuner 1. Bez., Schottenring 19, eine Vereins-Versammlung statt. Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. S. Wolfsohn aus Lomnitz: „Die semitischen Völkerschaften und ihrAntheil an der Cultur." Wien. Dem hiesigen Geschäftskreisen dürfte es von Interesse sein, daß sich Hen- Wilhelm Groß, Kaufmann in Wien als Vertrauensmann und Vertreter des Oestcrr. ung. Erporkvereines nach Syrien und Palästina begibt, die wichtigsten Handelsplätze aufsucht und schließlich seine Niederlassung in Jaffa nehmen wird. Eine große Anzahl Wiener Industrieller hat Herrn Groß zum Vertreter ernannt und ist es zu wünschen, daß es ihm gelinge unseren Erzeugnissen ein neues ergiebiges Absatzgebiet zu erschließen. Wien. (Todesfall). Am 11. d. M. starb in Wien der Begründer des Großhandlungshauses Gebrüder A. H. Elias, Herr M enach em H. Elias, im hohen Alter von achtzig Jahren. Der Verblichene war ein verdienstvolles Mitglied der türkischen Jsraelitengemeinde und stand in höhere Ehren bei Allen, denen die Pflege des Judenthums noch am Herzen liegt. Namentlich im Schoße der türkisch'« Eultusgemeinde wird es unvergessen bleiben, daß der Heimgegangene für die Unterweisilng der Jugend aus eigenen Mitteln ein Schulhaus gestiftet und in munifizentrr Weise für diese Stiftung vorgesorgt hat. Auch an der Errichtung d.s prächtigen neuen Tempels in der Circusgasse hat sich Herr EliaS in dankenswerther Art betheiligt und reiche Legate für humane und rituelle -Zwecke sichern ihm in weiten Kreisen das ehrenvollste Andenken. Seinem Leichenbegängnisse haben außer der! gesammten spanisch-türkischen Colonie auch hervorragende Vertreter der Finanz- und Handelswelt beigewohnt. Wien. Dienstag am 15. d. M. fand zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät des Sultans Abdul Hamid II. in den aus diesem Anlasse prachtvoll geschmückten Tempel der israelitisch-türkischen Gemeinde ein Festgottesdienst statt, welchen Sr. Ercellenz der türkische Botschafter Zia Bey mit seiner Anwesenheit beehrte. Unter den Anwesenden bemerkte man außer dem gesammten Botschaftspersonale, den türkischen Militär - Attache Prinz Fouad Bey, das Herrenhausmitglied Nicol. Dumba lind Herrn Rappaport Bey aus Constantinopel. Die hohen Gäste wurden von den Vorstehern der türkischisraelitischen Cultusgemeinde Russo und Licco Adutt am Eingänge des Tempels begrüßt und unter den Klängen der türkischen Volkshymne in der Synagoge empfangen. Die Festrede hielt Chacham Papo. Sr. Ercellenz der Botschafter äußerte sich in Worten höchster Anerkennung über den würdigen Verlauf der Feier. Wien. Der Kranken-Unterstützrrngsverein „Chesed Schel Eures" veranstaltete am letzten Purimfeste im Saale der Restauration Hatscheck 3. Bez. Praterstraße 11 zu Ehren seines von einer schweren Krankheit genesenen Präsidenten Herrn Leopold Fried, ein Festbanquett, an rvelchem zahlreiche Bereinsmitglieder und Gäste theilnahmen.