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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-18 · 12 (18.3.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 210 Oestrrreirtzische Wochenschrift. Nr. 12 jenigen unserer Glaubensgenossen, welche ihre, von den amtlichen Berufsbeschäftigungen erübrigte freie Zeit, den gemeinsamen GlaubenÄnteressen widmen. Langjähriger Präsident der Lemberg« israelitischen Cultusgemeinde, hat er aus Zeitmangel diesen Ehrenposten niedergelegt, verblieb jedoch als civilisatorischer Vorkämpfer Leiter einiger wirthschaftlichen Gemeindeangelegenheiten, so unter Anderem Reorganisator des jüdischen Spitales, des Friedhofwesens, der Institution, ritueller Bäder (Mikwali) «nd stellte in letzterer Beziehung eine Musteranftalt her, die von Jud und Christ besucht wird. Keine gemeinsame Frage unserer Lemberger Glaubensgenossen wurde aufgeworfen, ohne daß Director Lazarus zu Rathe gezogen werden sollte. Auf dem Gebiete des Erziehungswesens wie der Wohlthätigkeit, des Cul us wie der Verwaltung, wird von allen Parteien sein Rath eingeholt, und kürzlich erst in der Frage der Rabbinerwahl für Lemberg, wo ziemlich alle Parteien schroff einander gcgenüberstanden, einigten sich dieselben dahin, ihn zum Obmanne des Wahlvorganges zu ernennen. So war auch Director Lazarus Obmann der Hilfsaction gelegentlich der ersten Vertreibung unserer Glaubensgenossen aus Rußland, ist gegenwärtig Obmann des Executiv-Comittzs der Baron Hirsch'schen Stiftung und erweist sich in als Kenner des menschlichen Herzens, und lluger Sachwalter der leicht geblendeten Gemächer der in den ärmsten Schichten ausgewachsenen Jugend. Seinem Principe treu, daß wir Juden, so viel als möglich Wohlthaten üben, und so wenig als möglich Lärm machen sollen, beabsichtigte Director Lazarus, sämmtlichen Jubilämnsfeierlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Dem sollte es jedoch anders werden, denn wie die polnischen Blätter 'melden, wurde am 6. d. M. Director Lazarus in den Sitzungssaal der Bank gebeten, den er decorirt fand, und in welchem sich sämmtliche Beamte zur Gratulation einfanden. Im Sinne jener hebräischen Satzungen laut denen am Jubeljahre die Erträgnisse der Felder nicht eingeheimst wurden, widmete Director Lazarus seinen diesjährigen Gehalt bedürftigen Familien vemnglückter Beamten. Die Beamten schufen einen Unterstützungsfond, dem sie den Namen des Jubilars beigaben. So bestand denn die Feierlichkeit, echt und recht im Sinne des Jubilars, in: Wohlthat und Aneiferung zur Wohlthat. Breslau, 29. Februar. Am 15. Januar vorigen Jahres als die Frage über die Niederlassung der Jesuiten in Deutschland ventilirt wurde, schrieb die hiesige klerikale „Schlesische Volkszeitung": „Die v er j u d e t e freisinnige Partei hat offenbar mehr Gerechtigkeits- und Billigkeitsgefühl, als das „christliche" „Schlesische Morgenblatt" und seine Hintermänner. Denn die „Breslauer Morgenzeitung" beschäftigt sich mir dem Gegenstände der drei (Jesuiten)-Petitionen in ganzen drei Zeilen und bemerkt dabei ganz kühl: „Die freisinnige Partei wird, soweit bekannt, einstimmig für die Aufhebung des Jesuitengesetz Antreten." Bei diesem Anlaß sei noch bemerkt, daß in denr Unterschriftsbogen in unserer Spedition die Petition auf Beseitigung des Jesuitengesetzes auch j ü d i s ch e U n t e r s ch r i f t e n trägt." - - Damals wies also die „Schlesische Bolkszeitung", weil sie eben dadurch eine Förderung ihrer Interessen zu erfahren gedachte, die Unterstützung der Breslauer Juden nicht zurück, ja sie erkannte sogar diese jüdisch-fortschrittliche Einmischung in die confessionellen Angelegenheiten der katholischen Kirche dankend an. Jetzt aber, wo anläßlich einer hier in Fluß gebrachten Petition gegen den Entwurf des neuen Volksschulgesetzes einige auch in religiöser Hinsicht freidenkende jüdische Bürger Breslau's » gegen die Gesetzesvorlage Stellung genommen haben, fühlt sich dasselbe bemüßigt, über die unruhigen Juden hiesiger Stadt den Stab zu brechen und scheinbar jede Verbindung mit denselben in der Vergangenheit und Gegenwart von sich zu weisen. Und als man ihr diesen Zwiespalt im Urtheil vorwarf, war sie sich chrer früheren Haltung nicht mehr bewußt, da sie sich von Juden unterstützt sah, und schreibt unter dem gestrigen Tage: „Daß wir einmal unserer Zufriedenheit über die „c o rrecte" Haltung der jüdischen Bevölkerung Ausdruck gegeberchaber, nrögen, bestreiten wir nicht, dies kann sich aber 1 unmöglich auf eine positiv geleistete Hilfe bezogen haben, da | uns eine solche nirgends und zu keiner Zeit gewährt worden ist." Neusalz a. C. In Niederschlesien waren die Antisemiten unlängst wieder einmal bei der Arbeit Man hatte in der Person eines gewissen Dr. Daniel aus Bielefeld einen redegewaltigen Reiseapostel gefunden, und zog nun mit dem streitbaren Herrn von Stadt zu Stadt, um das fromme Werk der Judenhetze zu betreiben. Patton der antisemitischen Bewegung in jenem Theile der Provinz ist bekanntlich Papa Ruhmer, Hausvater in Alt- Tschan. Anfangs ging das Geschäft ganz glatt von Statten. Herr Daniel hatte schon an einigen Orten gesprochen, da sah man sich nämlichen Herrn etwas genauer an und brachte Folgendes in Erfahrung: „Herr Daniel heißt eigentlich Danneil und ist ein wegen Trunksucht aus dem Amte entfernter Pastor." Auch sonst soll Herr Danneil in seiner Vergangenheit noch mancherlei dunkle Punkte aufzuweisen haben, die ihm hauptsächlich zur Würde eines antisemitischen Klopffechters verholfen haben. Er hat beispielsweise sich in öffentlichen Localen wiederholt unanständig gegen Damen benommen. Wir wollen nun keineswegs behaupten, daß diese persönlichen Eigenschaften des Herrn Danneil seine Befähigung zum antisemitischen Hetzapostel irgendwie beeinträchtigen, ganz im Gegentheil! Die niederschlesische Bevölkerung — nämlich die, welche auf sich etwas hält — bedankte sich indessen für die Belehrung, welche ihr aus solchem Munde zu Theil werden sollte, und Herr Daniel selbst sah die Mißlichkeit einer weiteren Bewerbung am die Gunst dieser beschränkten Menschen ein und schüttelte den niederschlesischen Staub von seinen Pantoffeln. Die bereits für Freystadt und Neusalz a. O. anberaumten Versammlungen wurden abgesagt; Herr Danneil war „krank" geworden. Paris. Der hiesigen „Academie des Inscriptioüs et Beiles Lettres” wurde jüngst von unserem Glaubensgenossen Mr.Halöoy eine interessante Abhandlung über einen egyptischen Gouverneur von Jerusalem, welcher gegen das Ende des 15. Jahrhunderts vor der üblichen Zeitrechnung unter Amenophis IV, amtirte, vorgelegt. Die Geschichte dieser Epoche — etwa 40 Jahre vor dem Auszuge atis Egypten — wird nunmehr ziemlich aufgehellt dank der Keilinschriften, welche in El-Amura in Egypten entdeckt wurden. Auf den Inschriftstafeln finden sich Berichte des egyptischen Gouverneurs von Syrien und Palästina an seinen Souverän, aus welchen wir entnehmen, daß das heilige Land sich damals in einem Zustande großer Verwirrung befand, da es von babylonischen Horden überschwemmt und von den einheimischen Satrapen schlecht verwaltet wurde. Mr. Halevy wies nach, daß schon in so früher Zeit Jerusalem den Namen „Heilige Stadt" führte, da es einen Tempel besaß, welcher dem Gotte Adar geweiht war. Es war eine große und stark bevölkerte Stadt, und die Bevölkerung erfreute sich einer hohen Cultur. Bildung und Erziehung standen auf einerhohen Stufe und als merkwürdige Illustration für die soziale Stellung der Frauen sei die Thal fache angeführt, daß das Bureau der königlichen Archive in Jerusalem unter der Leitung einer Frau stand. Die Administration unseres Seminarcs hat einen Eours für theoretische Peritomie (Milah) eröffnet. Es ist ungefähr 20 Jahre, daß hierüber am Seminar nicht gelesen wurde. Der verewigte Baron Weismüller vermachte 20.000 Frcs. an jüdische Wohlthätigkeits-Anstalten. Am 15. Marz wird die Gesellschaft zur Unterstützung unserer Leidensbrüder im heil. Land unter Vorsitz des Groß- Rabbiners von Paris eine Generalversammlung abhalten. Preßburg (Reichstagswahl und Tempelbau.). Die von unlauteren Elementen herrührende antisemitische Agitation, sank in den letzten Jahren auf ein zumindest iticht gemeingefährliches Niveau herab. Ein hiesiges Blatt, das Organ der Haupthetzer, welches aus dem Antisemitismus Capital schlug und zu Zeiten der ominösen Tisza-Eszlarer Processes gute Geschäfte machte, hat sich nun längst auch schon überlebt 1 und da die Christen endlich den wahren Zweck, desselben j durchschaut haben, fristet es jetzt nur mehr eilt klägliches Dasein, sich so weit vergessend, daß es ab und gu den reicheren

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