Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 12 Orstrrreirhischr Wochenschrift. Seite 209 der Vorstand mit Genugthuung die erfreuliche Zunahme der Mitgliederzahl. Zum Chanuka-Feste wurden Heuer 32 Kinder mit c. mpleten Winteranzügen beschenkt. Die hiezu erforderlichen Mittel wurden durch edle Spenden aufgebracht, wofür hiemit allen Wohlthätern der innigste Dank gezollt wird. Tie vom Vereine erhaltene Moses Montefiore-Bibelschule wurde von einer gleichen Schilleranzahl wie im vorigen Jahre frequentirt Der Vorstand verhehlt sich nicht, daß die großen materiellen Opfer, welche für diese Schule gebracht werden, mit dem Schülerbesuche in keinem Einklänge stehen, und spricht den dringenden Wunsch aus, es möge mit Rücksicht auf die bisher erzielten günstigen Lehrresultate seitens der Herren BereinZmitglieder dieser Schule mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden. Dagegen hat sich der Jugendgottesdienst einer besonders steigenden Frequenz erfreut, wie sich überhaupt eine Steigerung im Bethausbesuche nicht verkennen läßt. Aus diesen Gründen sah sich der Vorstand im heurigen Jahre anläßlich der hohen Feiertage veranlaßt, zwei Bethausfilialen zu errichten, in welchen alle armen Glaubensgenossen auf rechtzeitiges Ansuchen Sitze unentgeltlich erhielten. Zur weiteren Förderung deS Bethausbesuches und namentlich der Trauungen in der Synagoge setzte der Vorstand die Heizanlage mit einem Kostenauswande von 1100 fl. in Function. Tie Cultusgemeinde Wien hat in letzter Zeit zur Begleichung der schwebenden Bauschulden ein unverzinsliches Darlehen im Betrage von 5000 fl. zngewendet. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl von 1 Vorstandsmitgliedern, wurden die ausschcideuden Herren: Leopold O.uittner, D. Bloch, M. Rais für eine 3jährige, Herr Ignaz Feigelstock, für eine 2jährige Mandatsdauer gewählt. Herr Salo Eohn nimmt das Wort, um dem Vorstände namens der Cultusgemeinde den Dank und die besondere Anerkennung arrSzufprechen, welchem Dank sich alle Anwesende anschließen. Der Bericht des Bau Evmitä wurde einstimmig zur Kenntnis; genommen und demselben das Absvlutorium errheilt. Der Vorsitzende dankt dem Bau-Comite für seine Wirksamkeit, der es zu danken ist, daß trotz vieler Schwierigkeiten unser Bezirk ein herrliches würdiges Gotteshaus besitzt. Mit Dankesworten an alle Anwesendeir für ihr Erscheinen chließt der Vorsitzende die Generalversammlung. Troppsn, 11. März. Herr Carl Türk, der sx-Reichstagsabgeordnete, dem von all' seiner Herrlichkeit noch der Sitz im schlesischen Landtag geblieben ist, macht die möglichste Anstrengung, in der heurigen Session des schlesischen Landtages unter allen Umständen von sich reden 311 machen, dies edle Bestreben ist ihm zum Theil gelungen, wie aus folgenden Miltheilungen zu ersehen ist. Kurz nach Eröffnung des Landtages richtete er eine Interpellation an den Landespräsidenten von Schlesien, in welcher er sich in jämmerlichem Tone beklagte, daß die schlesische Landesregierung daran Schuld habe, daß erbe! den letzten Reichstagswahlen durchgefallen sei, da wie er behauptet, die schlesischen Regierungsbeamten gegen ihn agitirt hätten. Er forderte daher den Landespräsidettten auf, das freie Wahlrecht des „Volkes" durch solch' ungesetzliches Vorgehen fernerhin nicht zu beeinträchtigen! Diese Jntei-pellation verfehlte natürlich die komische Wirkung nicht, welche auch zum Theil zum Ausdruck kam. Die Beantwortung dieser Interpellation seitens des Herrn Landespräsidenten werden wir s. Z. berichten. Ferner gefiel sich Herr Türk bei einer der letzten Sitzungen in Auslassungen gegen die bösen Juden, wurde aber sofort vom Landeshauptmann-Stellvertreter Herrn Ritter von Demel in gebührender Weise zurechtgewiesen, mit 8er Bemerkung, daß es nicht die Ausgabe des schlesischen Landtages sei, sich mit Antisemitismus zu beschäftigen und auch dieses Thema durchaus nicht in die Berathungen des Landtages hineingehöre! In einer der letzten Sitzungen ergoß Herr Türk seinen heiligen Zorn über die Deutschen-in Oesteneich und that die Aeußerung, daß die Deutschen sich zu Bediente n-R ollen hergeben, welche Bemerkung mit Entrüstung vom Vorsitzenden zurückgewiesen wurde und dann noch zwei Ordnungsrufe seitens des Vorsitzenden ihm eintrugen. Als die hiesige „Freie schlesische Presse" dieses berichtete, sandte Herr Türk eine sogenannte „Berichtigung" ein, in welcher er behauptete, er habe nicht gesagt, daß die Deutschen, sondern die D e u t s ch l i b e r a l e n sich zu einer Bedienten-Rolle hergeben. Die „Freie schlesische Presse" nahm diese sogenannte Berichtigung auf, erklärte aber gleich darunter, daß diese Berichtigung eine Läge sei, da die Berichte über diese Sitzung in allen hiesigen und auswärtigen Zeitungen mit der der „Freien schlesischen Presse" genau übereinstimmen, und die Wahrheit, dieser Berichte aus dem stenographischen Protocoll zu ersehen ist. Aus diese Mittheilung hin, hat der Herr Türk — geschwiegen!! Cr hate entschiedenes Pech der arme Mann, der es mit dem „Volke" so gut meint und daß ihm selbst sein einst so geliebtes Schlesien-Land, mit so schnödem Undank belohnt!! —n.— Prag Am 10. d. M. ist Herr Koppelmann Lieben, Acruar der isracl. Beerdigungs-Brüderschaft, gestorben. Koppelmann Lieben, seit 1843 bei der Prager Cultusgemeinde thätig, seit 1860 Matrikensuhrcr und Actuar, war einer der besten Kenner der Alterthümer der Prager Judengemeinde, besonders des berühmten alten Prager Judenfriedhoses, dessen Custos er gewesen und um dessen Erhaltung er sich große Verdienste erworben hat. Cr gab mit S. Hock em Werk: „Grabstein-Inschriften des Prager israel. Friedhofes" heraus, außerdem mehrere kleinere Arbeitet;. Mit ihm ist vielleicht der letzte Kenner der Genealogie der alten Prager israelitischen Familien gestorben, deren Stammbäume er in der letzten Zeit seines Lebens zu sammeln bemüht roar. Er war sehr unterrichtet, beherrschte mehrere Sprachen, kannte auch die Schriften der großen Denker und war religiös sehr aufgeklärt. Seine Bescheidenheit, sein liebenswürdiges und gefälliges Wesen hatten ihn allenthalben beliebt gemacht; er hinterläßt zahlreiche Freunde und buchstäblich keinen Feind. Herr Koppelmann Lieben beherrschte die heilige Sprache in geradezu meisterhafter Weise. Sein Hebräisch — bei den verschiedensten Anlässen in formvollendete Poesie gekleidet, entzückte den Kenner. Unermüdlich in wissenschaftlichem Forschen war er gleichzeitig in seiner Eigenschaft als beeideter Matrikelsührer der israel. Cultusgemeinde in Prag einer der pflichtgetreuesten Beamten, der sein Amt, trotz seines hohen Alters — er hätte im künftigen Monate das 80. Lebensjahr vollendet — bis wenige Tage vor seinem Tode in mustergiltiger Weise gewiffenhast versah. Der Verstorbene zählte vor Beginn seiner Beamtenthätigkeit, durch viele Jahre zu den geachtetsten Vorstandsmitgliedern der Prager Cultusgemeinde. Selbst treu den Satzungen der Religion war er' durch eine wohlthätige Toleranz gegenüber Andersdenkenden ausgezeichnet. Einfach und bescheiden, wie er gelebt, wollte er auch bestattet werden, er verbat sich testamentarisch jeden Pomp, aber auch jeden Nachruf. Trotzdem gestaltete sich das Leichenbegängnis, das am Purimseste in Prag stattfand, zu einer imposanten Kundgebung der Prager jüdischen Bevölkerung und insbesondere der Gelehrtenwelt. An demselben nahmen theil: Der Oberrabiner der Prager Cultnsgemeinde, Dr. Nathan E h r e n s e l d, Regierungsrath Professor Dr. K a e m p s, Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Tauber, Prediger Tr. Gelbhans, Rabbiner S ch i s f m a n n, Religionsprosessor Dr. Grün, ferner die Rabbiner der Vororte- Cultnsgemeinden von Smrchov nnd Weinberge, Dr. Back und Rabbiner Stark; die Repräsentanz der Prager israel. Cultnsgemeinde mit ihrem Präsidenten Herrn Dr. Arnold R 0senbacher und dem Bice-Präsidenten, Landesschulrath Dr. Ludwig B e n d i e n e r, Deputationen der Vororte-Cultusgemeinden, der Gesammtvorstand der Beerdigungs - Brüderschaft. Was Prag an jüdischen Caparitäten besitzt, Großindustrielle, Aerzte, Advocaten, Kaufleute, Vertreter aller jüdischen Vereine geben dem Verstorbenen das letzte Geleite. Der treffliche Secretär der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Herr Dr. Theodor Lieben, ist der Sohn des Verblichenen. Der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde condolirte telegrafisch in herzlichster Weise; Der Beamtenkörper dieser Gemeinde war bei dem Leichenbegängnisse durch den Senetarints-Eoncipisten Dr. Emil Adler vertreten. Lemberg Der Director der Galizischen Acnen-Hypothekenbank in Lemberg, Herr Moriz Lazarus, feierte am 8. d. M. sein 2öjähriges Directions-Jubiläum. Zur Gründung dieses Instituts mit drei anderen Direktoren berufen, war Herr Moriz Lazarus der eigentliche Leiter der Bank. Director Lazarus spendete an seinem Jubiläumstage 80O0 sl. für unkerstützungswürdige Beamtenfamilicn. Herr Director Lazarus ist einer der-