Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 12 1 Settt 208 Vrflrrrrichlsrtzr Wochenschrift. {teuer; die Art und Weise, wie er es gethan, zeigt eine gemüchlose, äußerst oberflächliche Auffassung religiöser Gebräuche. Am 6. November 1796 erfolgte die Entscheidung zu Gunsten der Lichtanzündesteuer. Alle nachtheiligen Consequenzen dieser Steuer sind bereits in der damaligen Petition der Gemeinde Brody hervorgehoben. Die ersten Pächter waren Kofler u. Wohlberger; sie waren bei Eintreibung der Steuer habsüchtig und grausam. Gerade am Sabbath wurde das Familienleben in der empfindlichsten Weise gestört. Auch diejenigen, welche am Sabbath keine Lichter anzündeten, mußten Steuer zahlen. Wenn sonst nichts Anderes vorhanden war, so wurde der Teig gepfändet, mit welchem die Sabbathbrode bereilet weiden sollten. Der Projectenmacher Kofler, der solches Unheil Über seine Glaubensgenossen heraufbeschworen hatte, sollte seinem Schicksale nicht entgehen. Kofler wurde am 16. März 1604 wegen betrügerischer Handlungen gefänglich eingezogen. Ein halbes Jahrhundert lang sollten die galizischen Zicken an dieser Steuer leiden, bis in der Nacht voni 5. auf den 6. October 1848 sämmtlichejJudensteuern vom constituirenden Reichstage aufgehoben wurden. Abseits von den welterschütternden großen Ereignissen zeigt uns G. Wolf die staatliche Gewalt in ihrer regelrechten Thätigkeit, die Aemter in ihren Alltagsgeschäften und es wird gleichsam die innere Häuslichkeit des Staates vor uns aufgeschaffen. Das ist die Eigenart unseres Autors, ein Vorzug, der auch in seinen „Kleinen historischen Schriften" sich nicht verläugnet und dieselben zu einer mannigfach anregenden Lectüre gestaltet. <^srresMämLen. Wie». (Die Officierswitwe des „Deutschen Volksblatt".) DieJuden als Preisverderüer der Wohlthätigkeitslose— cs war dem„VoUsblatt"odervielmehr der Officierswitwe des '„Deutschen Bolksblatt" bestimmt, auch diese wundersame Entdeckung zu machen. Das war eine goldene Zeit, als die Drafikantinnen von den Losen auch ihre Sonderentlohnung hatten. „Da kommt der jüdische Wettbewerb; mit nimmersatter Gier verkaufen nun die Jlcken und Jüdinnen die Lose um einen viel geringeren als den früher üblichen Preis, ja sie geben sogar oft auf zehn Stücke ein Los darauf. Daß man eine „Nimmersatte Gier" entwickelt, um den eigenen Gewinn zu schmälern und dem Publikum die Lose wohlfeiler zu bieten, das ist wirklich wunderbar, so etwas kann nur das „Deutsche VoWblatt" entdecken. Entweder es bleibt noch ein Gewinn bei den Losen, dann bleibt er auch den Christen und Christinnen in den Tabakttafiken, oder cs bleibt kein Gewinn, dann ist die „Nimmersatte Gier" der Juden und Jüdinnen vollkommen unbegreiflich. Die Juden haben die Wohlthätigkeitslose genau zu demselben Preise wie die Christen, man kann diese Waare nicht beffer und nicht schlechter fabriciren. Von einem massenhaften Absatz der Wohlthätigkeitslose kann auch nicht die Rede sein, man kauft diese Dinge nicht packetweise. Wer weiß, ob die trafikische Officierswitwe wirklich grschrieben hat; vielleicht ist sie von bezaitbernder Schönheit und hat in Folge dessen das „Bolksblatt" gar so schön geschrieben. Es schlägt ja fönnlich Purzelbäume, so daß von seinem armen Gehirn die F tzen in der Luft herumfliegen und die Tabaktrafik ist für ihn plötzlich die Stätte des Hells geworden. Ein Preisoerderben bei Losen ist ein Unsinn; ein Preisverderben findet nur dort statt, wo die Kosten der Production nicht mehr gedeckt werden. Einmal ist die Trafikantin dem „Deutschen Volksblatt" ein armes Wesen, das an Sonn-,und Wochentagen angestrengt mit einem kargen Einkommen sich begnügen muß. Und bevor das „Volksblatt" sein Mitleck mit dem armen Wesen äußert, klagt es über die Verjudung des Tabakoerschleißes und nun sitzen in den Trafiken lauter reiche Juden und Jüdinnen. Was haben denn diese jüdischen Millionäre, daß ihnen das Cigarrenverkaufen so großes Vergnügen macht. Und wie edel das „Volksblatt" ist, es darf nicht in dm Tabaktrafiken verkauft werden und es erbarmt sich doch der Officierswitwe. Das „Volksblatt" setzt Himmel und Erde in Bewegung. Die Verwohlfeilimg der Lose widerspricht den Gesetzen der Menschlichkeit, widerspricht auch den behördlichen Ankündigungen, weil die Lose auf den Anschlagzetteln einen anderen Preis haben und Staat und Gemeinde müssen interoeniren, damit das Publikum die Lose wieder theurer bezahle, damit die Klagen der Officierswitwe wieder beschwichtigt werden. Das Blatt spricht ganz ernsthaft von einem dem Staate lind der Gemeinde zur Unehre gereichenden Uebelstand. Was wirklich zur Unehre gereicht ist das „Deutsche .Volksblatt"; es ist eine Schande, daß der Blödsinn dieser Verderber des Volksverstandes noch Absatz findet. Wien. Wir lesen in dem Organ des Herrn Georg Schönerer Nr. 6: „Der Mann mit dem schlechten Gewissen scheint Furcht vor dem Sttafgerichte zu haben, denn anders vermögen wir uns den im „Deutschen Volksblatt" vom 24. Februar 1892 unter den „Antworten der Schriftleitung" enthaltenen Schmerzensschrei nicht zu deuten. Die betreffende Antwort lautet nämlich wie folgt: „I. I., 3. Bezirk. Glauben Sie doch derartige Märchen nicht. Der neueste Ausbruch der Verfolgungsraserei Schvnerers gegen uns ist eine Anzeige, die Hauck durch Dr. v. Berger einbringen muß. Sie haben zwar alle die Ueberzeugung, daß die Anzeige eine vollständig unberechtigte und leichtsinnige ist, aber die Hauptsache, einen Scanda! hervorzurufen, wird doch erreicht. Nun, wir haben ja schon so viele Angriffe abgewiesen und werden auch diesen Angriff der gemeinsten Art entschieden abweisen. Auf unserer Seite ist Arbeit und Ausdauer, Wahrheit und Recht, aus Schönerers Seite der blindwuthende Haß und die berechnende Jntrigue. Wer aus diesem häßlichen, uns mit Gewalt aufgezwungenen .stampf heroorgebt, .dies wird der rechtliche Sinn des Volkes und die große antisemitische Partei jetzt und seinerzeit entscheiden." — Gut gebrüllt, Polonski! — Wir haben bis jetzt allerdings nicht gewußt, daß auf Seite des Vergani-Blattes „Wahrheit" und „Recht" zu finden ist. Also Ausdauer, Wahrheit und Recht nennt man cs, wenn man Herrn Hauck keine Zahlungen, für die in größter Vertrauensseligkeit vorgestreckten großen Beträgeleistet, wenn man seit Jahren die Zinsen einer anderen Ehrenschuld nicht begleicht, dagegen aber die, nicht Herrn Vergani gehörige Zeitungcaution verpfändet und sozusagen zu gleicher Zeit von den aus dem ihm gehörigen Wirthschaftshofe lastenden Schulden b-deutende Abschlagszahlung enleistet.j Arbeit, Ausdauer, Wahrheit und Recht!!!" Wien. Eine Beamten-Bersammlung die am 16. März von den antisemitischen Führern in Wien veranstaltet wurde, zeigt, auf welches Gebiet der Antisemitismus neuestens seine Agitation verlegt hat. Es ist die Aufwiegelung der Beamtenschaft gegen die Regierung, die sich die Herren Geßmann, Prinz Liechtenstein und Lueger da zum Ziele gesetzt haben, und man darf doch mit einiger Neugier der Haltung cutgegensehen, welche die „conservativen" Bundesgenossen der Antisemiten dem Versuche gegenüber einnehmen werden, die Beamtenschaft gegen die Regierung und die bestthende Staats- und Gesellschaftsordnung zu mobilisiren. Was mögen das übrigens für Beamten-Elemente sein, die sich nicht schämen, der Führung der Herren Lueger, Geßmann und Prinz Liechtenstein zu folgen? Und was haben wir Juden von der Amtirnng solcher Subjekte zu erwarten, die sich der Führung der Schneider und Genossen überlassen? Wien. Dienstag am 8. d. M., fand die 25. ordenttichc Generalversammlung des isr. Bethaus-Bereiues „Chewra-Belh Hatfilah" im IX. Bezirke statt, bei welcher gleichzeitig der Rechenschaftsbericht des Bau-Comitß vorgrlegt wurde. „Ta hat sich wiederum gezeigt was Gemeinsinn und Liebe zur Sache im Stande sind. Trotz äußerst schwierigen Verhältnissen und ohne die hiezu nöchigen Mittel zu besitzen ist es dem Vorstände gelungen durch die Opferwilligkeit seiner Mitglieder und der Cultusgemeinde, durch Sammlungen unter den Glaubensgenossen in sämmtlichen Bezirken, zur Bctheiligung heranzuziehen, einen Prachtbau herzustellen, der seines Gleichen suchen muß. Die Leitung erweist sich nach jeder Richtung hin, als eine vorzügliche, sowohl in Bezug auf die Verwaltung, die sich ohne jede Störung dem neuen großangelegteu Bethause anpaßt, als auch dem daselbst eingeführten Gottesdienste, der geradezu ein tadelloser ist, sei es während der zu verrichtenden Andachten, oder bei Trauungen, die besonders feierlich in eieseui Tempel abgehalten werden. Der Obmann Herr Quittner eröffnet nach Constatirung der Beschlußfähigkeit die Versammlung mit» begrüßt den erschienenen Vertreter der Cultusgemeinde Herrn Salo Cohn, Cultusvorstand und Obmann des Bau-Comita Herrn Moritz Karpeles und den Schriftführer des Bau-Comite Herr k. k. Eommcrzialrath Sigmund Neustadtl. In dem zur Verlesung gebrachten Jahresbericht constatirt