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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-18 · 12 (18.3.1892) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 204 Vrstrrrrichifche Wochenschrift. Ni. 12 Buchhof ohmveir Uhlstadt von Juden behufs der Feuer ihres Osterfestes ermordet worden. I Je thörigter dieses längst widerlegte Vorurtheil einer j intoleranteren Vorzeit schon an sich ist, und so wenig dessen Fortpflanzung dem gegenwärtigen helleren Zeitalter zur Ehre gereicht, desto weniger hätte man in dem vorliegenden Fall, wodurch eine gerichtliche Untersuchung des Kindes die Ueberzeugung gegeben wurde, daß dasselbe auf dem Felde erfroren ist,' erwarten sollen, daß jemand auf diese unvernünftige Vermuthung verfallen, und sich in solcher soweit verliehren und zu solchen Ausschweifungen verleiten lassen könne, wodurch sogar die öffentliche persönliche Sicherheit der jüdischen Bewohner jener Gegend in Gefahr zu kommen scheint. Es kann diese veranlaßte Ruhestörung wohl nur allein das Werk einzelner boshafter Menschen seyn, die vom Haß gegen einzelne jüdische Glaubensgenossen angetricben, Rache üben und dazu andere leichtgläubige Menschen mißbrauchen und ine führen wollen, ohne zu überlegen, welches Ungemach sie sich selbst und andern dadurch bereiten. Die Ausmittelung dieser Ruhestörer wird indessen der Polizey vereinigt mit den Justizbehörden nach den bereits gegen sie vorliegenden Anzeigen nicht schwer, und es wird eines jeden Theilnahme an der Sache nach dem Grade seines Verschuldens mit aller Strenge der Gesetze geahndet werden, welche Strafen um so empfindlicher werden müssen, als dabei Vergehungen auf Vergehungen gehäuft worden sind. Indem dieses hierdurch zu jedermanns Wissenschaft öffentlich bekannt gemacht, und zugleich jeder dortige christliche Einwohner ernstlich gewarnt wird, sich nicht die mindesten weiteren Kränkungen gegen die jüdischen Eingesessenen zu erlauben; so verhoft die Königl. Kriegs- und Domänen- Kammer, daß dieser Wahrnung Gehör gegeben und durch ein entgegengesetztes Benehmen, welches .überdieß eine Widersetzlichkeit gegen obrigkeitlichen Verfügungen bezeichnen rmd den Grad der Strafbarkeit erhöhen würde, nicht die Rothwendigkcit werde veranlaßt werden, daß die den Unterbehörden des Kreises wegen ihres weiteren Verfahrens gegebenen ersten Instruktionen zum Vollzug gebracht werden müssen? 1 Gegeben Bayreuth den 25. April 1803. Könrgl. Preußische Kriegs- und Domänen-Kammer." „Moses" Weitlof. So titulirte ihn Ritter Stampiglius in der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 15. d. M., und Herr Dr. Weitlof, dem die persönliche Beleidigung galt, war in der Abwehr überaus schwächlich, kalt und frostig. Vergebens am statirte er, daß der „Deutsche Schuloercin" keine jüdischen Ahrer anstelle, daß sein Herz dem Nationaldeutschthum ganz und voll gehöre; er wurde doch als „Moses" Weitlof stigmatisirt. Woher diese unglaubliche Schwäche in der Abwehr von Angriffen eines Menschen wie Schneider, der sich im Reichsrach so scheu zurückzieht, wie ein Gebrandmarktcr, der den Anblick anständiger Menschen fürchtet. Warum fehlten in der Antwort des Herrn Dr. Weitlof die Töne jener sittlichen Entrüstung, welche eine gefistete politische Ueberzeugung einflößt? Und er ist doch so unschuldig an allen gegen ihn geschleuderten Anklagen, den Namen „Moses" hat sicherlich Niemand weniger verdient als er. Energie hat er noch nirgends bewährt, den antisemitischen Brüdern kam er jederzeit nur mit Concessionen entgegen und heißt nun doch „Moses" Weitlof! Es ist wahrlich zum Erbarmen! Der Obmann des deutschen Schulvereins eilt als eine Säule des Deutschthums in Oesterreich. Er' hat sich freilich nur allmählig zu einer solchen ausgewachsen. Als der erwähnte Verein gegründet wurde, war Dr. Weitlof ein ganz kleiner Advocat und ein unbeachtetes Mitglied des niederöster-reichischen Landtages. Die Strömung, welche den Deutschen Schulverein groß machte, trug auch ihn empor. Es soll nicht bestritten werden, daß Herr Weitlof sich mit allem Eifer der Leitung des Vereines widmete, dessen Gründung vor 12 Jahren von einer deutsch - nationalen Tischgesellschaft angeregt worden war. Der Verein gedieh durch ihn und er gedieh durch den Verein. Aber beide, der Schöpfer und seine Schöpfung, erkr'ankten vor allem Anfang an einem Wiederspruch. Herr Moriz Weitlof trug seit jeher zwei Seelen in seiner Brust; sein Herz war warnt national, sein Verstand sagte ihm, daß er sich mit dem deutsch-liberalen Bürgerthum verhalten müsse. So pendelte er zwischen den Allliberalen und Jungdeutschen hin und her. Im großen liberalen Club spielte er den Secessionisten, und als Vorstandsmitglied des deutschen Club ttat er für die Einigkeit aller deutschen Vertteter ein. Diese Zwieschlächtigkeit übertrug sich auch auf den Deutschen Schuloerein. Aufgebaut auf der breiten Grundlage der großen liberalen Partei, welche alle besitzenden Elemente in sich vereinigte, gab er sich doch von vornher eine deutsch-nationale Spitze, welche den Standpunkt des exclusivsten Nationalismus vertrat und welche sich bis zum unverfälschten Deutschthum hinüberschattirte. Mit Weitlof zusammen saßen im Vorstand des Deutschen Schulvereines friedlich und freundlich Hubert Fuß und Georg Schönerer, die Wortführer des verschämten und des unverschämten Antisemitismus. Die mannigfachen Nuancirungen des Deutschthums sollten nach den Interventionen des Dr. Weitlof im Vorstande des Deutschen Schulvereines grradezu ihren Vereinigungspunkt finden und es wurde eine Zeit lang ausdrücklich betont, daß auch die deutschnationalen Antisemiten im Vorstande vertreten sein müssen. — Die deutschnationalen Antisemiten wohl, nicht aber die deutsch-liberalen Juden! Auch das gehörte zu den Grundprinzipien des Vereines, daß die reichen, wie die armen Juden wohl als Contribuenten willkommen waren, daß sie aber von der Verwaltung des Vereines ausgeschlossen blieben. In den deutschen Städten Böhmens und Mährens waren es vornehmlich Juden, welche die Agitation für den Verein betrieben, Sammlungen einleiteten, und aus eigenen Mitteln reichlich beisteuerten. Zu Hütern dieses Geldes aber waren neben M. Weitlof, ein Georg Schönerer und ein Hubert Fuß bestellt. — Es bedarf heute keines Beweises mehr, daß der Antisemitismus aus jener alten nationalen Strömung herausgewachsen .ist, welche die Vorstandsmitglieder des deutschen Schnlvereines in ihrer öffentlichen Thätigkeit beförderen. Wenn demnach der Deutsche Schulverein auch nicht gerade in seiner ursprünglichen Anlage und Idee antisemitisch war, so lieferte er doch durch besondere Zusammensetzung seiner Verwaltung die Bausteine für den Antisemitismus. Das ist heute für jeden einsichtigen Politiker sonnenklar, wer aber diese Einsicht noch nicht gewonnen, dem dürfte die jüngste Verhandlung des niederösterreichischen Landtages über die Subventionirung des Deutschen Schulvereines die Augen geöffnet haben. In dieser Verhandlung hatte der StampiZienheld Schneider die erlogene Behauptung ausgestellt, daß die Schulvereinslehrer in Böhmen zu 80 bis 90 Percent jüdische Kantoren seien. Darauf hin erhob sich Hen- Weitlof in großer Entrüstung und erklärte, weder in den Vereinsschulen Böhmens, noch in jenen anderer Länder sei überhaupt ein israelitischer Lehrer angestellt; Hen Weitlof hätte sich begnügen können, die lächerliche Behauptung Schneiders einfach als unwahr zu erklären. In seinem Eifer aber hat er über das Ziel hinausgeschossen und das kostbare Geheimniß preisgegeben, daß der Verein grundsätzlich keine jüdischen Lehrer anstelle, obgleich beispielsweise die Vereinsschule in Bistritz bei Biala mindestens zu 50 Percent von jüdischen Schülem frequentirt wird. Wir begreifen die Verlegenheit des Dr. WeittlE. Er ist gezwungen, jenen verschämten Antisemitismus, den er im Deutschen Schulverein selbst großgezogen hat und zu dem er sich selbst von jeher bekannte, im weitesten Maße Rechnung zu tragen. Die Juden, so calculirt er, werden trotzdem nach wie vor ihre Beisteuer leisten; die verschämten Anttsemiten aber

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