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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-11 · 11 (11.3.1892) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 198 Vrflrrrrichifchr Wortzrnschrist. Nr 11 und rechnen, wiegen und wägen, wo und und wie im einzelnen Falle rasch Hilfe, u bieten ist, die im Vereine mit diesen trefflichen Collegcn cs sich zur Aufgabe gestellt haben und diese Aufgabe in echt jüdischer selbstloser geräuschloser Weise, mit vielfacher Vernachlässigung ihrer Berufsgeschäfte auch erfüllen, die Thranen der Unglücklichen zu trocknen, den Leidenden nach Möglichkeit zu helfen, die Trauernden zu trösten, zu erheben und aufzurichten. Geehrte Herren, wenn das Sprichwort wahr ist, daß jedes Volk die Regierung hat, die es verdient, so können wir mit voller Befriedigung constatiren, daß unsere Chewra-Kadischa den Vorstand hat, den sie, Kraft ihrer heiligen Mission verdient, und ich spreche gewiß Ihnen Allen aus der Seele, wenn ich Sie einlade, das Glas zu erheben und sich mit mir zu einigen in dem Rufe: Gott segne, Gott schütze, Gott stärke und lasse noch lange walten in seinem derzeitigen Bestände zum Wohle unserer Chewra-Kadischa, zum Wohle unserer ehrwürdigen Gemeinde, zum Wohle der leidenden Menschheit, den Vorstand der Chewra- Kadischa. Toast auf die Seelsorger und Lehrer der^Gemeinde gesprochen von Herrn Wilhelm Stiußny, k. k. Baurath und Gemeinderath der Stadt Wien. Meine hochverehrten Herren! Zu den großen Principien, auf welchen Gesetz und L ehre im Judenthume beruhten, gehörte der Grundsatz, daß das Reich ein priefterliches, das ganze Volk ein heiliges sei. So heißt es im Exodus: „Weatem tikeju li mamleckes kohanim wegoj kodosch!“ Ihr sollt mir ein Reich von Priestern und ein heltiges Volk sein." (2. Buch Moses, 19, 6.) Gleichzeitig durchwehte unsere Lehren der Gedanke der Gleichheit aller Menschen vor Gott. Schon Philo judaens drückt diesen Gedanken aus, indem er die Frage, weshalb in den zehn Geboten soviel Versammelte mit „Du" angeredet werden, dahin beantwortet: „um anzudeuten, daß jeder der die göttlichen Gebote vollführt, an Ehren gleich sei." Im Volke aber stand die Lehre Gottes, standen die Männer, welche sie zu verkünden hatten, in hohem Ansehen. Hierin folgten die Juden dem Beispiele der übrigen alten Culturoölker. Bei den Indern fanden Priester und Lehrer die größte Achtung, und in ihrer Gelehrten spräche, dem Sanskrit, gebrauchten sie für „Lehrer" und „ehrwürdig" die gleiche Bezeichnung fguru, gravis.) Bei den Egyptern waren die Priester die Träger der Gelehrsamkeit und wurden ihnen fürstliche Ehren erwiesen. So sagt ein Vers im „ Papyrus Sallier“: „Sieh' es gibt keinen Stand, der nicht regiert würde, nur der Gelehrte der regiert selbst." Und an einer anderen Stelle, im Papyrus Anastasi, heißt es: „Ein Diener des Herrn, der Lehrer ist im Saale der Bücher, ist seinen Jünglingen (d. h. seinen Schülern) gegenüber ein Fürst." Bei uns Juden stand die Lehre, der Inbegriff alles Wissens, in hoher Verehrung. Zahlreiche Stellen in unseren Schriften beweisen dies, vielleicht am schönsten der Psalmvers, welcher lautet: „Aschre hagewer ascher tejassrenn joh, umittoroscko telamdenu“ (Psalm 94, 12): „Heil dem Manne, den du züchtigst, o Herr, und aus Deiner Lehre unterweisest." Nach dem Midrasch tanchuma soll dies bedeuten : „Kamm über dich Leiden und du warst dennoch im Stande, in der. Thora zu lernen, so hatte Gott aus Liebe zu Dir diese Leide« über Dich verhängt. Warst Du aber nicht mehr cm Stande zu studirm, so galten diese Züchtigungen Deinem Ungehorsam". Der Mensch galt daher solange nicht als unglücklich solange er zu lernen vermochte. Sowie der Thora, so wurde auch ihrm Lehrern die Verehrung des Volkes zutheil. So sagen unsere Weism: „Moro rabboch kemoro schomajim“. (Perek 4, 12): „Die Verehrung des Lehrers kommt gleich der Furcht des Herm." Im Talmud aber heißt es: „Die Eltern bringen den Mensä)en blos in die Welt, die Lehrer aber verschaffen ihm die Ewigkeit." An diesen Grundsätzen unserer Vorfahren haben wir Juden zu allen Zeiten festgehalten, und bis in unsere Tage genießen die Männer, die das Wort des Herrn verkündigen, und die Lehrer, die unsere Jugmd unterweisen, das höchste Ansehen in der Gemeinde. Preisen wir uns glücklich, daß rmsere Gemeinde in ihren Seelsorgern wahre Zierden des Judenthruns besitzt; in dem verehrten Manne, der leidend heute in der Ferne weilt und seit länger als einem Mmschenalter die Mitglieder unserer Gemeinde im Gotteshause erbaut und erhebt, sowie in jenem verehrten Prediger, der uns heute mit seiner herrlichen Rede begeistert und entzückt hat, Beide ehrwürdige Männer von tiefem Wissen rind Gelehrsamkeit, die durch ihres Geistes Werke in aller Welt berühmt und gefeiert sind. Und um dieses Zweigestirn schaaren sich noch zahlreiche Leuchten der Wissenschaft, in unserer Gemeinde. Mit großem Stolze gedenken wir unserer Jugendbildner, der Männer, welchen wir unseren theuersten Besitz, unsere Kinder, zum Unterrichte und zur Erziehung anvertrauen. Mögen diese edlen Männer' noch lange wirken zur Ehre unserer Gemeinde und zum Ruhme des Judenthums. Darauf erheben Sie Ihr Glas und bringen Sie mit mir aus ein Hoch auf unsere Seelsorger und Lehrer. Trinkspruch des Bereinsvorstehers S. Heit: Hochgeehrte Herren! Alles was lebt und gedeiht, unterliegt dem Naturgesetze des Stoffwechsels. Die lebenden Wesen verbrauchen die in ihnen wohnenden Kräfte und müssen, um fortbestchen zu können, von Zeit zu Zeit neue Nahrung in sich aufnehmen. Wie es den lebenden Wesen, ergeht es auch dem Bereinswesen und insbesoirdere dem Vereine Chewra Kadischa. Dieser altehrwürdige Verein bedarf zu seiner Erhaltung, Stärkurrg und Verjüngung ebenfalls einer stetigen Zunahme junger Kräfte, um seine humane Aufgabe auch in Zukunst erfüllen zu können. Wir sehen heute eine Anzahl neuer Mitglieder in unserer Mitte, ich erlaube mir, diese ehrenwerthen Herren im Namen des Gesammtvorstandes auf das Herzlichste zu begrüßen und gleichzeitig zu bitten, daß sie in ihren Kreisen dahin wirken mögen, daß unser patriarchalischer Verein, der die Nächstenliebe nicht nur in pietätsvoller Weise an Verstorbenen, sondern auch an armen kranken Lebenden im edelsten Sinne des Wortes bethätigt, durch neue Mitglieder gestärkt und gefördert werde. Auf das Wohl der neu beigetretenen Mitglieder und ihr Wirken im Sinne unseres frommen und heiligen Vereines erhebe ich mein Glas. Sie leben hoch! Trinkspruch des Cultnsgemeinde - Vertreters M. Karpeles: Hochverehrte Herren! Sie waren so liebenswürdig, über .Veranlassung des Herm Dr. Gustav Cohn, dem Vorstände der Chewra Kadischa Ihre Gläser zuzuführen. Indem ich Ihnen im Namen des Vorstandes den tiefgefühltesten Dank hierfür ausspreche, erbitte ich mir für wenige Minuten Ihre Aufmerksamkeit. Hochverehrte Herren! Wie Sie dem von mir früher verlesenen Rechenschaftsbericht entnommen haben, * hat unser Verein mit Ausnahme von 30 fl. ö. W. für einen Aushilssbeamten und wenigen Gulden für Dmcksorten, keinerlei Verwaltungsspesen. Es ist das von jeher so geübt worden und so geschieht es auch jetzt, daß die Mitglieder des Vorstandes der Chewra Kadischa die Arbeit unter sich vertheilen. Der Eine ist Cassier, der Andere übt die Controlle, ein Dritter die Recherchen u. s. w. Ich sage dies nicht, um Ihnen die Thätigkeit unseres Vorstandes zu illustriren, schon deshalb nicht, weil ich überzeugt bin, daß Jeder von Jhnm an unserer Stelle das Gleiche thun würde — allein nicht unausgesprochen darf es bleiben, daß uns Allen voran unser hochbetagter und hochverdienterPräsident, HerrJaqnes

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