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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-11 · 11 (11.3.1892) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 11 Vrllerrrirdisrke Vochensch rtft. Seite 193 Die Generalversammlung und das Brudermahl der Wiener Chewra Kadischa. Am Sonntag, den 6. März, fand in den Blumcnfälen der Gartenbaugesellschaft die Generalversammlung der „Chewra Kadisoha“ statt, welche aus diesem Anlaß nach altjüdischer Sitte ein Brudermahl veranstaltete. Jedem, welcher an diesem Feste theiluahm, werden die glücklichen Stunden lange in Erinnerung bleiben. Nahezu an -?<)0 Mitglieder, die Elite der Wiener Judenschaft, darunter alle Vorsteher der nun mit der alten Wiener Eultusgeiueinde vereinigten neuen Vorortegemeinden sowie der türkischen Gemeinde, Vertreter der Kunst und Wissenschaft, der Industrie und Finanzwelt, Schriftsteller, Professoren, Abgeordnete, Stadträthe, Gemeinderäthe u. s w. waren zugegen. Gemeinderath Gustav Timon, Vice-Präsident der Eultusgemeinde und der „Chewra Kadischa“ leitete mit hohem Tact die Versammlung, begrüßte Namens des Präses, des 80jährigen Herrn Brand eis, die Versammlung, iusbesonders die Vorsteher der türkischen Gemeinde und die Delegirteu der Brudervereine in Döbling und Simmering. - Der Vorsitzende theilt mit, daß seit der letzten Generalversammlung das Statut der „Chewra Kadischa“, welches aus dem Jahre 1854 datirt, auf Grund des Vereinsgesetzes vom 15. November 1867 einer Abänderung unterzogen wurde, welche bereits die Genehmigung der kompetenten Behörden erhielt. Der Vereinsvorstand hat durch das Ableben des Herm Bernhard Singer, sowie durch das Ausscheiden des Herrn Wilhelm Ritter v. Frankfurter schwere Verluste erfahren. Doch ist es dem Vereine gelungen, zwei wackere Männer zu. cooptiren, die Herren S. Heit und M. Karpeles, von denen der letztere seine volle Aufmerksamkeit der Regelung der finanziellen Verhältnisse des Vereins zugewendet. — Sodann bringt der Vorsitzende zur Kenntniß, daß ihre Abwesenheit entschuldigt haben die Herren: Vorstandsmitglied Dr. Stein Dr. Ludwig August Frankl, Dr. G. Wolf und Vorstandsmitglied Heinrich Kling er, dessen Schreiben zur Verlesung gelangt. Hierauf erstattet Herr M. Karpeles den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorgeht, daß sich die Eingänge auf 20 734 fl. 44 kr. belaufen, denen die Auslagen in der Höhe von 16.853 fl. 91 kr. gegenüberstehen, so daß sich der Vermögenszuwachs auf 3880 fl. 53 kr-, stellt. Dieser Zuwachs involvirt aber nicht einen Gebahrungsüberschuß, sondern ist dadurch entstanden, daß sich der Effectenbesitz im letzten Jahre wesentlich gebessert hat. Leider hat der Verein in den letzten Jahren viele Mitglieder durch Ableben verloren, ohne daß es gelungen wäre, die Anzahl der Mitglieder durch neu Eingetretene zu vermehren. Der Redner richtet daher an die Versammelten die dringende Bitte, aus dem Kreise der Freunde und Bekannten neue Mitglieder dem Vereine zu werben. Nach Genehmigung des Rechenschaftsberichtes durch die Versammlung begann das Festessen, eingeleitet durch den mir der klangvollen Stimme des berühmten Ober-Eantors Goldstein vorgetragenen Segensspruch. Das ausgezeichnete Menu, über welches selbst die, in diesem Fache bewanderten Mitglieder dieser Gesellschaft nur eine Stimme des Lobes hatten, war von; Herrn S. Ton ello, Wien, II., cn der Ferdmavdsbrücke. bei j gestellt und hatte rachstcher.des Programm: Biudermal der ehrwiird. Chewra Kadischa Wien, am 7. Adar 5652 6. März 1892. MENÜ. Julienne. Trüffel-Pastete von Gansleber und Aspic. Galantin von Hühner mit Asoie. Rhemlaebs, ' 8auce .Ravigotte Filet de boeuf, garnirt mit Boeuf braise verschiedenen Gemüsen. Steyrische Kapauner und Indians. Französischer und Häuptel-Salat. Gemischtes Compote. Puding Diplomate — Puding Espagnole. Verschiedene Torten. Diverses Confect. Gefrorenes und Eiscreme in Formen. Frisches Obst. Cafe. Liqueur und Cognac. Giunpoldskirchner und Vöslauer. Herr Gemeinderath Gustav Simon verlas sodann nach- ' stehendes an die „Chewra Kadischa“ gerichtetes Telegramm aus Görz: Giuss aus der Ferne der heiligen Bruderschaft in Wien. Mögen Brndersinn und brüderliche Eintracht m sere luuusgemeinde beseelen, damit sie blühe, 'ruhmvoll, segenreich wirke. Prediger Dr. Jellfnek. j Oberrabbiner Dr. Güdemann verliest nachstehendes an chn! gelangtes Telegramm aus Monte Carlo: Wenn auch räumlich entfernt, veile ich doch im Geiste mit brüderlicher Theilnabme bei den Festgästen der ehrwürdigen Gemeinschaft und bitte, allen Anwesenden mein« hochachtungsvollen Grüsse zu übermitteln. Königswarter. i Den Reigen der Tischreden erössnete der Präses der isr.; Cultusgemeinde Herr Wilhelm Ritter v. Gutmann mit einem , Trinkspruch aus Sr. Majestät Franz Joses I. j Trinkspruch auf Sr Majestät Kaiser Franz 1 Josef 1, gesprochen von dem Präses der israel.! Cultusgemeinde Wilhelm Ritter v. Gutmann: „Meine geehrten HerrenEs erfüllt mich mit hoher Freude, diesem schönen echt jüdischem Feste als Präses der Wiener Cultusgemeinde beiwohnen zu können. Es ist fürwahr eine löbliche und erhebende Aufgabe, einer solch' humanen Anstalt, der ältesten in der ganzen Judenbeit, vorzustehen, und die Ausübung der hiemit verbundenen Pflichten erfordere namentlich in Wien, wo alljährlich zahlreiche Sterbefälle die pietätvolle Wirksamkeit erschweren, die größte Selbstverleugnung und Opferwilligkeit. Gilt es doch, dort zu trösten und zu helfen, wo der größte Schmerz die Menschenbrust erschüttert, wo der Verlust eines theueren Familiengliedes das tiefste Herzeleid

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