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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-03-11 · 11 (11.3.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 11 Österreichische Wochenschrift Seüe 13S Vorstehern unserer Gemeinde, feierlich in sein Amt eingesührt, behufs dessen die neue Synagoge mit festlichem Blumenschmuck auf's Reichste decorirt und bis auf den letzten Platz von Gemeind emitgliedern gefüllt war. Vor einer dichtgedrärgten Menge von Andächtigen hielt Hen' Dr. Guttmann alsdann am gestrigen Sabbath seine Antrittspredkgt, in welcher er, geistvoll und anregend, seinen Standpunkt von den Aufgaben eines Rabbiners gegenüber seiner Gemeinde und von den Pflichten der letzteren, erörterte. Ueber den Eindruck der erbaulichen Predigt, sprach man allgemein sich sehr befriedigend aus. Breslau. Unsere Gemeinde hat durch den Hingnng hervorragender Männer in den jüngsten Wochen mehrfach schmere Verluste erlitten. Kürzlich bestatteten wir die irdischen Ueberreste des Herrn Louis Tauche r, eines Mannes, der sich durch seine hervorragenden Kenntnisse und seinen Scharfsinn, wie andererseits durch seine wahrhafte Frömmigkeit, sein bescheidenes, überaus schlichtes und biederes Wesen, die Sympathien nicht nur unserer, sondern auch der Glaubensgenossen nichtjüdischer Kreise in hohem Maaße erworben. Beseelt von einem Wohlthätigkeitssinn und einer Humanität, die ihn oft seine eigenen Interessen vergessen ließ, stand er allen Denen, die sich an ihn wandten, unermüdlich mit Rath und Thal zur Seite, ohne daß die Oeffentlichkeit davon erfuhr. Seiner materiellen und persönlichen Opferwill gkeit verdankte die alte ..Lembergcr Synagoge", in welcher er sich wohl ein Menschcnalter hindurch tagtäglich den Funktionen eines Vorbeters und Bal Koreh mit unermüdlichem Eifer uneigennützig unterzog, zum weitaus größten Theile ihre Erhaltung und vorzugsweise für dieses Gotteshaus ist Taucher's Hintritt ein herber, unersetzlicher Verlust. (Schließlich sei noch erwähnt, daß der Hingeschiedene seine oberhalb der Synagoge gelegene Wohnung seit seiner Geburt, also 71 Jahre laug, ununterbrochen innegehabt.) Sein gesegnetes Andenken wird ebensowenig verlöschen, als die Erinnerung an Moritz Deuts ch, den Oberkantor an der hiesigen neuen Synagoge, dessen irdische Hülle vorgestern unter allgemeiner Theilnabme der Gemeindemitglieder beider Culten dem Schoß der Erde übergeben wurde. Was Moritz Deutsch, ein Schüler Sulzer's, in einer nahezu fünfzigjährigen Wirksamkeit au hiesiger Synagoge als Borbeter und Gesangskünstler, als Lehrer und Componist geleistet hat, wird unvergessen bleiben, besonders Denen, welche sich als regelmäßige Besucher des von ihm geleiteten Gottesdienstes an dem unnachahmlichen Reiz seiner Vortragsweise und dem edlen, bis in die jüngsten Tage erhalten gebliebenen Wohllaut seiner Stimme erbaut haben. Die traditionellen Synagogenmelodien durch verwendbare Umgestaltung für den Gottesdienst mit gemischtem Chor und Orgel, durch die von ihm edirte, in zahlreichen jüdischen Tempeln eingeführte „Borbeterschule", Orgelprälndien" re. erhalten zu haben, wie seine Bestrebungen für die Veredelung der jüdischen Liturgie im Allgemeinen sind Verdienste, welche seinem Namen ein ehrenvolles Andenken bis über das Grab hinaus bewahren. Die Bedeutung des Verewigten nach allen diesen Richtungen hin wußte Rabbiner Dr. Knoller gelegentlich der Trauerfeier in der Synagoge wo der Sarg des Verewigten vor der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit aufgebahrt war, in treffender, liefergreifender Rede 51t schildern. Nachdem die üblichen Todtenfeiergesänge, durch den Synaaogeuchor unter Leitung des Dirigenten Pulvermacher und durch Herrn Kantor Mannes weihevoll ausgeführt, verklungen waren, wurde die Leiche nach dem israelitischen Friedhofe überführt, wo Rabbiner Dr. Rosenthal der Verdienste des Heimgegangenen als Mensch und Fami.ienvater gedachte. Chorgesang eröffnete und schloß auch hier erhebend die Trauerfeier. Clisenthal bei Brusau. Am Samstag den 6. d. M. besichtigte der Handclsminisler Marquis Baquehem das altrenomirte Schaswollwaaren Fabriks-Etablissement der Firma Aron und Jacob Löw Beer's Söhne hier, mit der Hauptniederlassung in Brünn. Seine Excellenz nahm die ausgedehnten Fabrikslocalitäten in Augenschein und zeigte lebhaftes Interesse für den Werde-Proceß der Wollwaaren, vom Beginn der Faserspinnerei, der Färberei, der Webung und Appretur. Hochbefriedigt von dem Gesehenen, verließ Marquis Baquehem die Fabriksgebäude nach mehrstündigem Aufenthalt unter Danksagungen an die Firmachefs. Letztere beabsichtigen als Erinnerung an die hohe Ehre des Besuches eine Gedenktafel an hervorragender Stelle der Fabriksfront anzubringen. Kattowitz, 27. Febr. Der hiesige Kreis-Physikus Sanitätsrath Dr. Färber hat den rothen Adlerorden IV. Classe erhalten. — Der Amtsrichter Hamburger ist zum Amtsgerichtsrath ernannt worden. Letzteres Ereigniß berührt uns um so freudiger, als es eigenthümlich berührte, daß Herr Hamburger, einer der ältesten Richter am hiesigen Amtsgerichte, bei der Wahl eines Vorsitzenden des Richtercollegii auffälligerweise stets übergangen worden zu sein schien. Stuttgart, 25. Februar. Aus Anlaß des Geburtsfestes unseres geliebten Landesvaters wurden an Israeliten folgende Auszeichnungen verliehen: Hofbankdirector Geh. Hofrath Albert K a u l l a wurde auf die 0 Rangstufe erhoben; der Hofbankbeamte Arthur Kaulla erhielt den Titel und Rang eines Hofraths; Oberkirchenvorsteher Fabrikant Elsaß den Titel eines Commerzienrathes; der Vorstand der Augenheilanstatl, Dr. K ö n i g s h ö f e r hier, den Titel eines Sanitütsrathes. Der Geh. Hofrath Kaulla erhielt auch das Ehrenritterkreuz des Ordens der Württ. Krone, womit der Adel verbunden ist. Berlin, 1. März. Zu den Straßenkrawallen erhält die „Voss. Ztg." folgende Zuschrift, welche beweist, was für eine gefährliche Verwirrung durch die antisemitische Agitation in den Köpfen der niederen Bevölkerung hervorgerufen wird. Ein kleiner Knabe erzählte am Sonnabend seinen Mitschülern und dem darauf aus merksam werdenden Lehr er: Vater hat gestern Abend so n großes Stück Zeug mitjebracht, bet er 'n Anzug kriegt und ick ooch!" Der Lehrer entgegnete halb ungläubig; ,,Aber Junge, das wäre ja gestohlen!" „I bewahre," meint der, „Vater hat hat jesagt, det is 'n Jude jewesen, dem sie's wegjenommen haben." Das Stück Tuch ist von der Polizei bereits mit Beschlag belegt. Paris. Im neu eröffneten jüdisch-deutschen Theater macht ein Drama unter dem Titel „Sulamith" viel Aufsehen. Das Sujet ist dem Midrasch entnommen, die Handlung ist folgende: Zwei junge Leute schwören sich ewige Liebe, und nehmen als Zeugen des eingegangenen Bundes den vor ihnen stehenden Brunnen und eine zufällig ihnen in den Weg kommende wilde Katze. Der junge Mann vergißt sein Gelöbniß und heirathet eine Andere. Dieser Ehe entsprossen 2 Kinder'. Das Eine fällt in einen Brunnen und er-trinkt, das Andere wird im Schlaf von einer wilden Katze erwürgt. Der junge Mann erinnert sich nach diesem Unglück seines Eides, verstößt seine Frau und kehrt zu seiner ersten Liebe zurück, zu seiner ersten Braut, die ihm noch immer in Treue rrnd Sehnsucht erwartete. Das Stück erzielte einen durchschlagenden Erfolg unb wurde mit inniger Empfindung dargestellt. Luxemburg, 23. Febr. In der heutigin Kammersitzung berichtete der Vorsitzende der Petitionscommission über das Gesuch der jüdischen Gemeinde um ein Subsid ans Staatsmitteln fiir den Bau der Synagoge. Die Commission, welcher der frühere Staatsminister Baron v. Blochhausen und ein katholischer Geistlicher (Generalvicar) angehört, schtägt vor, daß ein Zuschuß im selben Verhältnis uno zn denselben Bedingungen gewährt werde, wie für den Bau von katholischen Kirchen. Die Discussion darüber findet nächstens statt. Paris. Ucber Eingabe des Central-Consistoriums hat der Kriegsminister mittelst Circular v. 11. Februar für alle jüdischen Soldaten die Befreiung vom Dienste am kommenden Peßach-Feste angeordnet. London. Zu Ehren des Lieut. Colonel Goldschmidt, welcher am 10. März die Reise nach Argentinien antritt, wmde in St. James Hall ein Abschieds-Diner gegeben, welchem Mr. Solomon I. Solomon präsidirte. London. Eine christliche Dame ist jüngst von einem Besuche in Rußland zurückgekehrt, wo sie Gelegenheit hatte, die von den Juden bewohnten Quartiere zu besichtigen. Sie war so ergriffen von den entsetzlichen Scenen, die sich ihrem Auge darboten, sie empfand so viel Mitleid mit den armen Opfern russischer Berfvtguugssucht. daß sie dem Secretär des „Russo Jtwish Commitee’’ sofort nach ihrer Rückkehr eine werthvolle Tiamant-Broche überreichte, mit dem Ersuchen, sie zu verkaufen und den Erlös dem Fond für die armen russischen Juden zuzuweisen. Die Dame wünscht nicht genannt zu werden. Möge ihr Beispiel Nachahmung finde,!! Geschenke, die ein bestimnites Persönliches Opfer erfordern, haben doppelten Werth. Sie werden von Herz und Hand gespendet. London. „Jewish Chronicle“ berichtet über Dr. Adolf Büchler's Werk „Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung der hcbr. Accente". Dr. Büchler gegenwärtig noch Hörer am Seniinar in Budapest, dessen Arbeit in den Publicationen der kais. Akademie der Wissenschaften ausgenommen wurde, verdiente diese Auszeichnung in vollem Maaß und ist den meisterhaften Abhandlungen von Baer und Wickes anzureihen. Die Ideen und deren Behandlung sind neu und kunstvoll durchgeführt." Petersburg. 5. März. Auf dem Bodenraum der Kaserne des Garderegiments zu Pferde wurde die Leiche der seit dem Sommer verschwundenen englischen Gouvernante Margarethe H a r p e r gefunden. Wahrscheinlich liegt ein Raubmord vor, da 50 Rubel, welche die Ermordete bei ihrem Verschwinden besaß, fehlten. Die sofort eingeleitete Untersuchung wird auf das geheimste geführt und ist es den hiesigen Zeitungen verboten worden, irgendwelche Mittheilungen über die Mord-

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