Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 11 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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beite 188 Oestrrrrichischr Wochenschrift Nr. 11 deiht vortrefflich und berechtigt zu den besten Hoffnungen. Von den in letzter Zeit gehaltenen Vorträgen seien hier nachfolgende hervorgehoben, welche, in Bezug auf Inhalt und Form vollendet, mit lebhaftem Interesse und reichlichem Beifall von den zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern ausgenommen wurden: Sonntag den 21. Februar Frl. Natalie Pollack: „Ueber die Würde und den Beruf des jüdischen Weibes", Sonntag den 6. März; Frl. Franziska Reich: „Die Ziele und Aufgaben unseres Vereines". Frl. Laura Götzl: „Gallerie berühmter jüdischer Frauen".!. Theil. Frl. Sabine Grud er Mnleitung in die jüdische Literatur. Frl. Eveline Horowitz. „Jchuda Haleoy". Frl. Jda Werner brachte mehrere Gedichte aus L. A. Frankls „Libanon" zum Vorträge und fand wohlverdieuten Beifall. Wien, 7. März. (Leichenbegängnis) Unter sehrehrenvoller Betheiligung von Trauergästen wurde heute Vormittags um halb 10 Uhr der durch tüchtige Amtsthätigkeit und humanitäres Wirken bekannte Magistratsbeamte Hugo Löbl zu Grabe gettagen. Im Trauerhause, Kleine Schiffgasse 10, wo Obercantor Goldstein die rituellen Functionen vollzog, sah man u. A. die Gemeinderäthe Simon und Baurath Stiaßny, Magistratsrath Trabauer, den Secretärder Cultusgemeinde Dr. Lieben, die Mitglieder des Kranken-Unterstützungs-Jnstituts „Liwias Chen", sowie viele Journalisten und Schriftsteller. Auf dem Centtalfriedhofe widmete Prediger Dr. Güdemann dem Verewigten einen Nachruf. Unter den Kränzen waren Spenden des Curatoriums des Ringtheaterfonds, sowie des Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Jnstituts der Magistratsbeamten. Im Namen der erschienenen Ausschußmitglieder des Vereines „Lewias. Chen", von welchem die Herren S. Blobet, Bernh. Ehrlich, T. Emmer, Emil Jelinek, Anton Loew und S. Tri eg er anwesend waren, nahm der Cassier Loew von dem Verblichenen Abschied, und machten diese Worte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Hugo Löbl war seit 3 Jahren Mitglied, eine kurze Zeit Obmann- Stellvertteter des Vereines, und hat der Ausschuß bereis Sorge gettoffen, daß im Vereinsbethause, I!., Obere Donaustraße 89, während der vorschriftsmäßigen Zeit das Seelenlicht gebrannt, die rttuellen Gebete für das Seelenheil, sowie während des ganzen Trauerjahres das übliche Kadisch-Gebet bei jedem täglich stattfindenden Gottesdienste verrichtet werde. Friede seiner Asche, er ruhe sanft, gesegnet sei sein Andenken! Floridsdorf. Sonntag am 13. am Purimfeste veranstaltet der isr. Frauenverein ein „Wohlthätigkeits-Kränzchen". Das Reinerttägniß fällt dem Wohlthätigkeitsvereine zu Der Abend verspricht ein sehr animirter zu werden. Waidbose» a. d. Thava, 8. März. Bei der heut hier stattgefundene» Wahl der provisorischen Functionäre zur Neubildung der Cultusgemeinde wurden gewählt die Herren: Adolf Schidloff, Zwettl. Moritz. Schneider, Weitra, D. Fürst, Marcus Singer jr. und Joses Pollak in Waidhofen. Auspitz, 6. März. Der hier schon 35 Jahre bestehende Cultusverein hat seit 1. Jänner d. I. die Rechte einer Gemeinde erhalten und wurden delstlben sämmtliche im hiesigen Bezirke wohnhaften Glaubensgenossen zugewiesen. Heute, am 7. Adar, am Todestage Mosis. hielt Herr Dr. Groß aus Lundenburg, welcher zugleich das Bezirks-Rabbinat Auspitz versieht, im hiesigen Tempel die Gedächtnißrede, in welcher er die Bedeutung Mosis für die Menschheit als ersten Gesetzgeber im Sinne des Monotheismus schilderte. Scharfe Exemplisicationen und Sarkasmen auf die Gegenwart mit ihren socialen Auswüchsen würzten die mehr als einstündige Rede, welcher die zahlreichen.Anwesenden gerne noch weit länger gefolgt wären. Zu diesen gehörten sowohl sämmtliche hiesige, als auch viele auf dem Lande wohnende Mitglieder d?r Gemeinde, die Professoren der Realschule, Lehrer, Beamte und Bürger der Stadt. . Nach Schluß versammelten sich der Vorstand und die meisten Mitglieder der Gemeinde in der Gemeindekanzlei, tvo Herr Dr. Groß in längerer Rede die Gründung einer Chewra Kadischa und anderer Gemeinde-Institutionen unter allgemeiner Zustimmung anregte. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Jacob Redlich, der sich schon seit ihren ersten Anfängen als Cultusvcrein um dieselbe verdient gemacht hat, deffen Bemühungen die Erbauung eines würdigen Gotteshauses, die Anlage des Friedhofes und endlich die Creirung der Gemeinde zu verdanken ist, setzt seine ganze Kraft zur Constitnicung erselben ein. . L. Pöstyeu Der hiesige isr. Frauenwohlthätigkeitsverein wählte am 28. Februar Frau Fanni Eißler einstimmig zur Vereinspräsidentin. Groß Kanizsa. In der am 6. dss. Seitens der Chewra Ka' discha abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung stattete der Vereinsvorstand über seine diesjährige Wirksamkeit einen die Gesammte Verwaltung umfassenden Bericht ab, aus welchem 'mehrere interessant- Details würdig scheinen, der Oeffentlichkeit übergeben zu werden. Die Gesammteinnahmen des Vereins waren fl. 14.157'38, die Gescnnmtausgaben fl. 10.791-92. Die Spitals-Einnahme betrug fl. 1340-86, die Ausgabe fl. 4136 50. Das sich hier ergebende Deficit von fl. 2755-64 wurde von der.Chewra Kadischa gedeckt. An Geldunterstützungen leistete der Verein fl. 215318. Abzüglich der der allgemeinen Wohlthätigkeit (^eäaks.") zugeführten fl. 887-18 bleiben als Unterstützungen für Hauskranke fl. l346. Das Spital frequentirten 47 Kranke, von welchen 9 die Pflegegebühren bezahlten, 38 wurden auf Kosten der Chewra Kadischa verpflegt. 276 Personen haben das Zeitliche gesegnet. Die Brerdigungskosten beliefen sich auf fl. 2542. Unter den Einnahmsposten figuriren fl. 1701-87 als die für Haskara bestimmten Beiträge der bei der Cultusgemeinde anliegenden Legate, ferner Mitgliedergebühren von fl. 2424-90, auch Jahresgevühren von ewigen Mitgliedern, die durch Vermächtnisse ihre jährlichen Beiträge für ewige Ztiten sicherten. Eine erfreuliche Rubrik bilden die Einnahmen der Kranz-Ersatzspenden bei Leichen, die in diesem Jahre allein fl. 651 betragen. Dieser unjüdische luxuriöse Gebrauch der Kränze bei Leichen ist in Folge ernstlichen Einschreitens Seitens des Vereinsvorstandes auf das Minimalste hinabgedrängt und Dank des hier herrschenden besseren Sinnes für Humanität prosperirt die Einführung der Ersatzspenden in glänzender Weise. Kurz, aus dem ganzen, weitgehenden Berichte erkennen wir eine feste, gewissenhafte und in allen Zweigen der Verwaltung besonders umsichtige Leitung der Vereinst, orsteher, an deren Herr Adolph Löwy mm im zweiten Cyclns gewählt ist. In den weiteren Verhandlungen der Generalversammlung , wurde dein Vereinst) orstande für seine eminenten Leistungen allgemeiner Dank vvtirt und der Herr Oberrabbiner Dr. Ed. Reumann in Anerkennung seiner mannigfachen Verdienste um den Verein, dessen humanitäre Zwecke er sowohl durch sein zündendes Wort auf der Kanzel, als durch thatsächliche Wirksamkeit stets zu fördern und zu heben bestrebt war, einstimmig als Ehrenmitglied in den Vereinsverband ausgenommen. Csakatburn, 6. März 1892. Heute feierte der Verein „Chewra Kadischa" das Jubiläum des 100jährigen Bestandes, aus welchen! Anlasse im Tempel ein. feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde, welchem ein solennes Festmahl sich anreihte. Zur Feier waren sämmtliche nach Csakathurn Zustänoigeu, in der Fremde Weilenden eingelad-n worden, die sich zu dem erhebenden Feste auch vollzählig einfanden, wodurch dasselbe sich zu einem fast familiären gestaltete. Auch der Herr Rabbiner aus Warasdin, Dr. Ernst, hatte sich als willkommener Gast eingefunden. Der Csakathurner Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Schwarz, hielt im Tempel die Festpredigt. Dem Festmahle, welches darauf folgte, präsiditte Herr Leon Hirschmann, während die 2 Pattonefsen, Frau Hirschmann und Frau Benedikt, in der Küche ihres fürsorglichen Amtes ivalteten. Als Curiosum sei angeführt die Tafel, auf der in croatischer Sprache die Urkunde zu lesen war, laut welcher im Jahre 1794 der Csakathurner „Bürger" Philipp Fischer ein Grundstück ankaufte, welches für den jüdischen Friedhof bestimmt ward. Herr Philipp Fischer wurde seinerzeit als „Bürger" bezeichnet, was jedenfalls in mancher Hinsicht bezeichnend erscheint. Nach Begrüßung der Versammlung seitens des Herrn Präses und ein'r Ansprache des Gemeindevorstehers Herrn E. Benedikt begann das Mahl. Vor dem dritten Gange brachte Herr Hirschmann einen Toast auf Ihre Majestäten aus, der lebhaft acclamirt wurde, hieraus sprachen die beiden Herren Rabbiner u. A. Das seltene Fest verlief in angenehmster Stimmung, was alle Anwesenden mit größter Befriedigung erfüllte. Lemberg. (Seltenes Fest.) Der durch seine homiletische Werke „Michat schabat und Kolm omer Kro" sowie durch seine immense talmudische Gelehrsamkeit berühmte Rabbiner Josef Chaim Karo in Wloctawek russisch Polen, feiert am 17. März d. I. mit seiner ehrwürdigen Gattin das 70jährige Ehejubiläum zugleich mit dem 60jährigen Amtsjubiläum. Das Jubelpaar ist noch verhältnißmäßig rüstig und der Jubilar verrichtet noch mit seltener Geisteskraft sein schwieriges Amt. Von den Söhnen des Jubelpaares sind Dr. Jacob Karo Professor der Geschichte in Breslau und Dre Jerheskel Karo, Rabbiner in Lemberg weiteren Kreisen bekannt. Breslau. Am Vorabend des gestrigen Srbbaths wurde unser neugewählter Rabbiner, H:rr Dr. Gattmann aus Hilvesheim, unter Orgelklang und Psalinengesang von den ältesten